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Was haben Bäume mit Geldfasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Baum/Geld/Lösungen/Natur

Spon­tane Antwort: Je tiefer ich mich in die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten begab, desto weniger kon­nte ich den Wald vor lauter Bäu­men sehen. Sprich­wörtlich und wirk­lich. Ich gehe tiefer und tiefer in die einzel­nen The­men und der Gesamtüberblick scheint mir an manchen Stellen ver­loren zu gehen. Das The­ma Geld­fas­ten tritt in den Hin­ter­grund. Andere Fra­gen und The­men wie der Coro­n­avirus und die Weltwirtschaft nehmen sich fast unbe­merkt ihren Raum. Dies vielle­icht, weil ein­fach über­all Geld involviert ist. Hinzu kommt, dass durch all die Mass­nah­men rund um Coro­na nun plöt­zlich vieles ganz anders ist, als ich es noch vor ein paar Wochen dachte. Die Angst vor Krankheit und Tod scheint ganz plöt­zlich viel rel­e­van­ter, als der Erhalt unser­er Geld­flüsse und der Wirtschaft. 

Vieles, was ich längst geah­nt hat­te, wird immer mehr durch Selb­st­beobach­tung und Erken­nt­nisse bestätigt. Mein ganz per­sön­lich­es Ver­hält­nis zum Geld, mein Umgang mit Geld bes­timmt fast unmerk­lich mein gesamtes Leben und damit bee­in­flusse ich auch das Leben von anderen. Meine Geldentschei­dun­gen führen an anderen Stellen in der Welt zu ver­schmutzten Flüssen, zu Hunger und Leid.

Und was haben die Bäume damit zu tun?

Ich lese ger­ade das Buch «Die geheime Sprache der Bäume» von Erwin Thoma. Im Jan­u­ar 2020 hat­te ich das Glück, mit ihm ein paar Tage ver­brin­gen und seine Weisheit und sein Engage­ment für unsere Natur und die Bäume erleben zu dür­fen. Über den Nutzen von Bäu­men und den acht­samen Umgang mit ihnen möchte ich hier gar nicht schreiben. Hierzu kann sich jed­er bei Erwin ThomaErnst Zürcher aber auch der mit­tels des Films «Das Geheim­nis der Bäume» von Luc Jacquet und vie­len anderen Quellen sel­ber ein Bild machen.

Für mich ist ein Absatz aus dem Buch von Erwin Thoma beson­ders Augen öff­nend gewe­sen und hat bei mir sehr viel aus­gelöst:

Die Bäume ver­fü­gen über eine natür­liche Intel­li­genz, welche sie in jedem Moment anwen­den, um per­fekt auf die äusseren Bedin­gun­gen zu reagieren. Bei Sturm wer­den mehr starke Zellen und Struk­turen auf der Seite des Baumes erschaf­fen, wo der Druck am grössten ist. Bei Trock­en­heit wird mehr Wass­er gespe­ichert, die Ver­sorgung von nicht leben­snotwendi­gen Teilen des Baumes wird reduziert.

Ein Baum lebt in einem voll­ständi­gen Kreis­lauf – vom Erschaf­fen bis zum Verge­hen. Alles wird genutzt, sog­ar die Asche vom Holz, welche beim Feuern unser­er Öfen entste­ht, kann uns als hochw­er­tiger Dünger dienen.

Diesem Bild hat Erwin Thoma die Tätigkeit eines Sta­tik­ers gegenübergestellt, der ein Haus, eine Brücke oder etwas anderes Lan­glebiges bauen soll. Der Sta­tik­er, die Sta­tik­erin muss schon vorher alles berech­nen, für alle Even­tu­al­itäten Vor­bere­itun­gen tre­f­fen.

Der mögliche Sturm, das Wass­er und alle weit­eren Aussene­in­flüsse müssen berech­net sein.

Schnell wird mir klar, dass wir in vie­len Sit­u­a­tio­nen, in welchen es um unsere Sicher­heit geht, beson­ders im Umgang mit Geld, wie Sta­tik­erin­nen han­deln anstatt uns die intel­li­gen­ten und lern­fähi­gen Bäume als Beispiel zu nehmen.

Was wäre, wenn wir mit unseren Geldentschei­dun­gen ähn­lich sit­u­a­tiv umge­hen wür­den, wie die Bäume mit den Sit­u­a­tio­nen, die von aussen an sie herange­tra­gen wer­den? 

Geld ist ein Gut, welch­es auf­grund der Eigen­schaften wun­der­bar sit­u­a­tiv genutzt wer­den kön­nte. Wie die Säfte des Baumes, sollte es im steti­gen Fluss sein, um genau dort zu den Men­schen zu gelan­gen, wo es ger­ade benötigt wird. 

Mein Verzicht auf Geld ist ein Gewinn für eine andere Per­son an ein­er anderen Stelle. Aber nur, wenn das Geld im Fluss ist. 

Wenn ich weniger für mich aus­gebe, kann jemand anderes den übri­gen Betrag nutzen. Wenn ich weniger arbeite, ist im Unternehmen Geld vorhan­den, um eine weit­ere Per­son einzustellen. Eine Bedin­gung dafür ist, dass das Geld stetig und bedarf­sori­en­tiert fliesst, wie das Wass­er und die Nährstoffe im Baum.

Jet­zt kön­nte natür­lich der Ein­wurf kom­men, dass die Men­schen, die das Geld bekom­men, damit etwas machen, was ich mir nicht wün­sche. Dann würde mein Fas­ten ein­fach nur dazu führen, dass jemand anderes die Bil­lig-Jeans, das Weg­w­erf­pro­dukt kauft oder eine andere Kon­sumentschei­dung trifft, die ich sel­ber nie tre­f­fen würde.

The­o­retisch kann das sein, aber hier ist die Selb­stver­ant­wor­tung gefragt. Wieder gibt es eine Par­al­lele zum Baum: Im Baum gibt es keine zen­trale Schalt­stelle, jede Zelle arbeit­et eigen­ver­ant­wortlich. Der Nutzen des Ganzen, liegt im ure­ige­nen Inter­esse aller Bestandteile des Baumes.

Ich entschei­de, wohin ich das Geld gebe, welch­es ich sel­ber nicht brauche. Ich habe per­sön­lich schon vie­len Men­schen mit ganz kleinen Beträ­gen unter­stützt, welche in ihrem Feld eine grosse Wirkung erzielt haben. Und ich durfte sog­ar grössere Beträge ver­wen­den, um Star­tups für einen guten Zweck zu unter­stützen. Die mod­erne Tech­nik unter­stützt uns hier, das zu fördern, was wir ganz per­sön­lich unter­stützen wollen (KIVAWemakeitGebana: Bauern suchen Kun­den und viele mehr).

Die Ausrede «Ich weiss nicht, wohin mein Geld geht» zählt nicht mehr. Um in meinem ganz eige­nen Feld zu bleiben: Die ver­ant­wor­tungsvollen Banken wie ABSFreie Gemein­schafts­bankGLS oder auch die Glob­al Alliance for Bank­ing on Val­ues und die FEBEA leis­ten hier einen wirkungsvollen Beitrag.

Geld­fas­ten kann aber auch heis­sen, weniger arbeit­en. Stimmt hier das Argu­ment, dass ich fremdbes­timmt bin und damit nicht sel­ber und sit­u­a­tiv über meine Geld­flüsse entschei­den kann? Nein, kein­er zwingt mich bei einem Arbeit­ge­ber zu arbeit­en, der zwar hohe Gehäl­ter bezahlt, aber dies auf Kosten der Umwelt und der Gesund­heit tut. Und auch im Job sel­ber habe ich Spiel­raum. Ich sel­ber arbeite derzeit im Job­shar­ing und hoffe, dass dieses auch anderen zur Inspi­ra­tion dient. Jed­er und jede von uns befind­et sich in ganz unter­schiedlichen Lebens- und Beruf­s­si­t­u­a­tio­nen und wie bei einem Baum sind auch die Aussenbe­din­gun­gen bei uns ganz indi­vidu­ell. Daraus fol­gt, dass es kein Paten­trezept gibt, welch­es bei allen Men­schen anwend­bar wäre. Das heisst aber auch, dass wir die Chance haben, ganz indi­vidu­ell und auf uns per­sön­lich zugeschnit­tene Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. 

Die Bäume lehren uns ein Reagieren auf Aussene­in­flüsse aus der Sit­u­a­tion her­aus und ähn­lich stelle ich mir ein gutes Ver­hält­nis zum Geld und den Ein­nah­men und Aus­gaben vor.

Das Geld ist unser ganz per­sön­lich­es Werkzeug, es den Bäu­men nachzu­machen.

Für das Entste­hen eines manch­mal bis zu 50 Meter hohen Baumes braucht es einen geschützten Platz, Son­nen­licht, Humus, Wass­er und einen nur Mil­lime­ter grossen Samen – mehr nicht.

Der Gedanke als Men­sch von den Bäu­men zu ler­nen, wäre es Wert, weit­er­ver­fol­gt zu wer­den. Doch führt dieser zu weit weg vom Geld­fas­ten, daher lasse ich ihn ziehen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Was ist mir meine Geldfreiheit und ein gutes Leben wert?

in Alternative/Geld/Lösungen

Mit dieser Frage habe ich am Sam­stag meinen Blo­gein­trag been­det. Und damit mache ich heute weit­er.

Wer mich ken­nt, weiss, dass Geld für mich etwas sehr Schönes ist, aber auch etwas, dass ich, obwohl ich mich täglich damit beschäftige, vielle­icht nie wirk­lich ver­ste­hen werde. 

Für diese Blo­grei­he in der Fas­ten­zeit habe ich einige mein­er alten Büch­er und Aufze­ich­nun­gen wieder her­vorge­holt und darin nach Antworten auf meine Fra­gen gesucht.

Heute Mor­gen ent­deck­te ich in einem Brand Eins Mag­a­zin aus dem Jahr 2018 den Artikel «Drei-Rubel-Rus­s­land» . Darin wird erzählt, welchen unter­schiedlich hohen Wert der gle­iche Rubel in Moskau und in einem Dorf irgend­wo in Rus­s­land hat. Und er erzählt davon, wie wenig es die Dorf­be­wohn­er tang­iert, ob es da draussen in der Welt Wirtschaft­skrisen oder Börsen­crashs gibt. Geld spielt bei Ihnen eine unter­ge­ord­nete Rolle, ihr Leben wird durch andere Dinge bes­timmt. Nach Moskau fahren sie nur gele­gentlich, um für einige Wochen zu arbeit­en, um die Mit­tel zu gener­ieren, die sie brauchen, um bes­timmte Sachen zu kaufen.

An vie­len Stellen im Mag­a­zin wird betont, dass Geld eine Glaubenssache, ein Ver­sprechen ist. Wir müssen daran glauben, dass uns die Beträge, welche unsere Kon­ten ausweisen oder auch das Geld, welch­es sich in unserem Porte­mon­naie befind­et, an ein­er anderen Stelle getauscht wer­den kann. 

Im Edi­to­r­i­al der Aus­gabe ist zu lesen:  «Was gibt es über Geld schon gross zu sagen? Die einen haben zu viel davon, die anderen zu wenig. Es kann Gutes und Schlecht­es bewirken, macht nicht glück­lich und steckt hin­ter den meis­ten Ver­brechen.»

Das stimmt irgend­wie, und doch ist schein­bar ja noch so viel mehr dahin­ter. Viele von uns lassen ihr Leben vom Geld bes­tim­men. «Ich muss Geld ver­di­enen, um gut zu leben», «Ich muss Geld ver­di­enen, um meine Hypothek abzubezahlen», «Ich muss Geld ver­di­enen, um meine Fam­i­lie zu ver­sor­gen», diese Sätze höre ich immer wieder in Gesprächen und in den meis­ten Fällen kommt direkt anschliessend die Aus­sage, dass ihr Job ihnen über­haupt nicht gefällt, dass sie mit ihren Kol­le­gen nicht klar kom­men und gar nicht sel­ten macht jemand die Aus­sage, dass der Job ihn oder sie krank macht.

Irgend­was läuft da falsch, denn viele leben ja gar nicht gut, trotz­dem sie gutes Geld ver­di­enen. Sie ver­di­enen zwar Geld, haben schöne Autos, schöne Häuser und all das, was ihnen son­st noch begehrenswert erscheint, aber sie ver­brin­gen den Grossteil des Tages mit Men­schen, mit denen sie nicht sein wollen und an Orten, die ihnen gar nicht gefall­en. Warum nehmen sich diese Men­schen nicht die Frei­heit, soviel zu arbeit­en, wie sie wollen und dies an einem Ort, der ihnen gut­tut? 

Ein wichtiger Grund ist bes­timmt, die Angst, dass sie ihre Exis­tenz, ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bil­dung und Gesund­heit nicht abdeck­en kön­nen, falls sie ein anderes Leben starten. Diese Angst mag zum Teil berechtigt sein und hier ist ein ganz klar­er Auf­trag an unsere Poli­tik­er, zeit­gemässe Lösun­gen zu find­en. Die Ein­führung eines bedin­gungslos­es Grun­deinkom­mens kön­nte ein hil­fre­ich­er Schritt sein, um der Geld­frei­heit näher zu kom­men.

Nochmals zur Klarstel­lung: Geld­frei­heit bedeutet für mich nicht, dass ich ohne Geld leben möchte und dass ich das Geld als Tauschmit­tel an sich in Frage stelle. Im Gegen­teil, Geld soll, kann, darf und muss vielle­icht sog­ar ein wichtiger Bestandteil unser­er Wirtschaft sein. Ich möchte ein­fach in Frei­heit entschei­den, was das Geld mit mir macht und was ich mit dem Geld mache.

Warum lassen wir das Geld bes­tim­men, wie unser Leben ver­läuft, indem wir Jobs annehmen, die uns schaden, die schädlich für die Umwelt sind, die schädlich sind für andere Men­schen?

Bei jed­er Per­son, die bish­er zu mir in die Beratung zum The­ma Geld kam, gab es Alter­na­tiv­en zum Sta­tus quo. Ich gebe zu, diese hat­ten in der Regel auch eine Ein­schränkung des Kon­sumver­hal­tens zur Folge, doch im Grunde haben die Verän­derun­gen immer den Weg zu einem lebenswert­eren und ver­ant­wor­tungsvolleren Leben aufgezeigt. 

Grund­vo­raus­set­zung zur Erlan­gung der Geld­frei­heit ist: Wir müssen unsere Bedürfnisse ken­nen­ler­nen.

Fas­ten in jed­er Form ist hil­fre­ich, uns daran zu erin­nern, was wir wirk­lich brauchen. Vielle­icht ist es ein Zufall oder auch nicht? Die Mass­nah­men in Verbindung mit dem Coro­n­avirus fall­en genau in die Fas­ten­zeit. Die Wirkung ist die gle­iche, wir fokussieren uns auf das, was uns wichtig ist. Ich habe von eini­gen Eltern gehört, die nun mit den Kindern den Garten bepflanzen, mit Blu­men und auch mit Gemüse und Erde auf den Balkon tra­gen für die Tomatenpflanzen. Wir wer­den wieder kreativ, wir sor­gen wieder für Nahrung, von der wir wis­sen, woher sie kommt. Damit näh­ern wir uns wieder unseren wirk­lichen Bedürfnis­sen. Im Fas­ten gibt es viel zusät­zliche Zeit für mich, denn ich muss nicht kochen, ich fahre nicht ins Büro. Diese Zeit nutze ich, zum Schreiben, Lesen und um mit Fre­un­den und in der Natur zu sein.

Das ist Frei­heit für mich. Das ist ein gutes Leben für mich. Und dieses ist mir sehr viel wert. Es gibt vieles, worauf ich auch ausser­halb der Fas­ten­zeit verzichte. Ich kon­sum­iere bewusst und wenig, aber dafür hochw­er­tig und gesund. Ich reise nur gele­gentlich, wir musizieren, statt in Konz­erte zu gehen. Aber ist das wirk­lich Verzicht? Für mich nicht, denn ich weiss, dass ich viele Dinge gar nicht brauche, also fehlen sie auch nicht. Und weil ich sie nicht brauche, muss ich auch kein Geld gener­ieren, um sie zu kaufen. Dies bedeutet, dass ich mir aus­suchen kann, wieviel und wo ich arbeit­en möchte. 

Warum tun dies nicht mehr Men­schen? Warum sehen so wenige, wie viel Macht wir dem Geld geben und wie wenig das nötig wäre?

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Wie gelingt es positive Veränderungen auch langfristig beizubehalten?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

Die Coro­n­akrise hat auch uns zu Verän­derun­gen im Ablauf der Fas­ten­woche ver­an­lasst. Wir haben entsch­ieden, uns nicht im öffentlichen Café «Jen­seits im Viadukt» zu tre­f­fen, son­dern nur in der Alt­stadt im Raum an der Trit­tli­gasse 16 Annex und dies an den entsprechen­den Tagen jew­eils um 16 Uhr, das näch­ste Mal also heute um 16 Uhr und dann am Dien­stag, 17. März 2020.

Am Sam­stag zu Fas­ten­be­ginn haben wir vor allen Din­gen über zwei The­men disku­tiert: Wie brin­gen wir die pos­i­tiv­en Entwick­lun­gen, welche die Coro­n­akrise für die Gesellschaft und auch für das Kli­ma bringt, weit­er in die Zukun­ft?  

Im Laufe der Diskus­sion kam dabei die Kirche ins Spiel. Brauchen wir über­haupt noch die Insti­tu­tion Kirche und wenn ja wozu? Da ich für diese Woche in meinen Blog­beiträ­gen aber beim Geld und beim Fas­ten bleiben möchte, fokussiere ich mich auf die erste Frage.

Ab mor­gen, Mon­tag, 16. März 2020 bleiben die Schulen zunächst ein­mal bis 4. April geschlossen. Für einige Schulen ist bere­its klar, dass es bis zum 30. April keinen Unter­richt geben wird. In Restau­rants dür­fen sich zeit­gle­ich nicht mehr als 50 Per­so­n­en in Räu­men aufhal­ten. Ver­anstal­tun­gen mit über 100 Per­so­n­en sind bis Ende April nicht mehr erlaubt.

Das Leben ver­langsamt sich – unge­plant, von aussen bes­timmt. Gle­ichzeit­ig ist dies ja auch genau das, was ich für mich mit der Fas­ten­woche bezwecke. Auch im Café Jen­seits, in welchem wir uns am Sam­stag für den Start getrof­fen hat­ten, blieben alle Plätze um uns herum leer. 

Gibt es dem Ver­häng­nis über­haupt etwas Pos­i­tives abzugewin­nen? Viele Hote­liers, Restau­rantbe­sitzer und ‑pächter, Eventver­anstal­ter und unzäh­lige andere Selb­ständi­ge wer­den diese Zeit noch lange in Erin­nerung behal­ten, und dies bes­timmt nicht pos­i­tiv. Ihre Exis­ten­zen hän­gen davon ab, dass jemand vor­beikommt und kon­sum­iert, Geld in den Fluss bringt.


Doch brauchen wir wirk­lich all diese Ver­anstal­tun­gen? Braucht es jede Woche Orte, an welchen sich über 1000 Men­schen zusam­men­find­en, um sich in eine andere Welt zu bea­men? Brauchen wir den alltäglichen, den son­ntäglichen Gang ins Restau­rant?

Genau das, was ich mir vom Fas­ten wün­sche, passiert ger­ade auf der Ebene des täglichen Lebens – viele Dinge, die uns lieb gewor­den sind, fall­en ganz plöt­zlich weg. Zugegeben, mein Fas­ten ist frei­willig und die Mass­nah­men zur Eindäm­mung der Coro­n­akrise wer­den uns vom Staat vorgeschrieben. Trotz­dem ist die Wirkung ähn­lich. Wir erken­nen, was uns wirk­lich wichtig ist. Fre­unde begin­nen acht­sam bei Tre­f­fen einan­der zu fra­gen, welche Form der Begrüs­sung sie sich wün­schen. Verabre­dun­gen wer­den so getrof­fen, dass die Sicher­heits­bedürfnisse der einzel­nen aber auch das Risiko der möglichen Gefährdung von anderen berück­sichtigt wer­den. Wir fra­gen einan­der wieder, was wir brauchen. Wir nehmen Rück­sicht auf die Bedürfnisse der anderen. Endlich wieder! 

Die Frage, die nun drin­gend wird, lautet: Wie kön­nen wir diese Acht­samkeit auch bewahren, wenn die Krankheitswelle wieder vor­bei ist? 

Das Bewahren gilt natür­lich auch für all die Entwick­lun­gen, die sich pos­i­tiv auf die Natur und unseren All­t­ag auswirken. Die reduziert arbei­t­en­den Fab­riken führen zu besser­er Luft, Flugzeuge bleiben am Boden und reduzieren damit den CO2-Ausstoss. Auch nicht zu unter­schätzen ist, dass sich die Pendler auf unter­schiedliche Züge verteilen und es somit wieder möglich ist, auch in Stosszeit­en einen Sitz­platz zu bekom­men. Wir fra­gen uns bewusst «Wie und wann wollen wir reisen?» und dies für den Beruf­sall­t­ag genau­so wie für den Ferien­aufen­thalt. Im Super­markt wer­den die Gren­zen des Kon­sums sicht­bar, denn es ist nicht mehr alles in den Regalen zu find­en und wir merken, dass wir auch gar nicht all das brauchen, was wir son­st in unsere Einkaufwa­gen pack­en.

Wir haben den Autopi­loten ver­lassen und tre­f­fen für einen Moment bewusste Entschei­dun­gen, und auf vie­len Ebe­nen schadet es uns nicht, im Gegen­teil.

Wie wird es gelin­gen, diese pos­i­tiv­en Aspek­te in nach­haltige Ver­hal­tensweisen umzuwan­deln und nicht wieder bei der ersten Gele­gen­heit zu begin­nen, mass­los und acht­los zu kon­sum­ieren und zu reisen?

Meine ehrliche Antwort: Ich weiss nicht, wie die Welt sich nach der Coro­n­akrise entwick­eln wird. Ich spreche ger­ade mit so vie­len Men­schen, die sich die gle­ichen Fra­gen wie ich stellen und sich auch wün­schen, dass wir uns ver­ant­wor­tungsvoll in dieser Welt bewe­gen. 

Das stimmt mich zuver­sichtlich. Und als einen ersten Schritt werde ich sel­ber für mich ganz per­sön­lich all die pos­i­tiv­en Aspek­te doku­men­tieren, damit ich mich auch, wenn wir längst wieder zur Nor­mal­ität überge­gan­gen sind, erin­nere, was mir wirk­lich gut­tut.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Samstag, 14. März 2020 – Meine Woche ohne Nahrung beginnt

in Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

In dieser Woche möchte ich täglich die Gedanken zum The­ma Geld und Fas­ten weit­er­en­twick­eln. Dabei freue mich sehr auf den Aus­tausch mit anderen Men­schen, denn Geld ist ja etwas ganz Per­sön­lich­es und gle­ichzeit­ig auch etwas, dass uns alle bet­rifft, denn wie bere­its im Blog «Kann man Geld essen?» erwäh­nt, ist Geld etwas, dass nur in ein­er Tauschbeziehung einen Nutzen erhält. Ich freue mich darauf, für die kom­menden sieben Tage an jedem einzel­nen Tag meine Gedanken über diesen Blog zu teilen.

Die unter­schiedlichen Aspek­te des Geld­fas­tens, welche ich in den vorheri­gen Beiträ­gen ange­sprochen habe, sind für mich alle auf ihre Weise span­nend. Für den Moment möchte ich die bei­den The­men Geld­frei­heit und Macht des Geldes betra­cht­en. Aber ich schaue nicht nur auf mich ganz per­sön­lich und meine Beziehung zum Geld, son­dern mache den Fäch­er auf und schaue, was ger­ade in der Welt geschieht, wo Geld­flüsse ver­siegen und Machtver­hält­nisse sich verän­dern.

Am Don­ner­stag, 12. März hat die USA einen 30-tägi­gen Ein­reises­topp gegenüber Europa aus­ge­sprochen. Anschliessend waren die Börsen auf Tal­fahrt. Ein kurz­er Artikel von SRF namens «Schwarz­er Fre­itag – Die Börsen im freien Fall wegen Coro­n­avirus» vom Mor­gen des Fre­itag, 13. März enthält einen Satz, der mich aufhorchen lässt. Dieser heisst «Doch die Anlegerin­nen und Anleger glauben offen­bar nicht daran, dass man eine Pan­demie mit Geld­poli­tik bekämpfen kann.».

Dass wir als Gesellschaft durch einen Virus namens COVID-19 so sehr in unser­er Art und Weise, wie wir unser Leben gestal­ten, in Frage gestellt wer­den, kon­nte sich noch vor ein paar Wochen nie­mand vorstellen. 

Als ich zu Beginn der Fas­ten­zeit in meinem Blog­beitrag mir sel­ber die Frage gestellt habe, was passieren kön­nte, wenn die wohlhabende Welt für eine Woche auf Ein­nah­men verzicht­en würde, habe ich nicht erwartet, dass ich so schnell eine reale, in unser­er Wirtschaftswelt ver­ankerte Antwort darauf bekom­men würde. Das was ger­ade in der Welt in Verbindung mit diesem Virus passiert, hat Auswirkun­gen, die weit über die Eindäm­mung ein­er Krankheit hin­aus gehen.

Fast jed­er Bere­ich unseres Lebens ist in irgen­dein­er Form betrof­fen. Da ich mich entsch­ieden habe, in dieser Zeit über Fas­ten und Geld zu schreiben, werde ich mich auch bis Ostern, dem Ende der offiziellen Fas­ten­zeit darauf fokussieren, dies jedoch nicht ohne ab und zu auf die Aktu­al­ität zurück­kom­men, denn ich denke, noch bess­er gesagt, ich wün­sche uns allen, dass wir aus dieser Krise auch Schlüsse ziehen und Antworten auf die Frage find­en wer­den, was an unser­er aktuellen Form, zu leben vielle­icht auf Dauer verän­dert wer­den kön­nte. Ich erin­nere ein­fach nochmals daran, wie gut einige der Mass­nah­men gegen den Virus für Kli­ma und Natur sind und auch ein massvolles, genügsames Kon­sumver­hal­ten unter­stützen.

Die aktuelle Entwick­lung in der Coro­na Krise macht deut­lich: Ein uner­wartetes Ereig­nis und unsere regelmäs­si­gen Geld­flüsse sind gefährdet und unsere so müh­sam aufge­baut­en Sicher­heit­spol­ster in Geldein­heit­en schmelzen an manchen Stellen bere­its bedrohlich zusam­men. 

Medi­en bericht­en von Umsatzein­bussen, Arbeit­nehmer wer­den in die Kurzarbeit geschickt, Restau­rants bleiben leer. Und nun wird es auch an den Börsen sicht­bar, zum Beispiel durch tiefrote Zahlen und Reko­rd­ver­luste am Don­ner­stag, 12. März 2020.

Der Geld­fluss stockt – unfrei­willig. Wie ich im Blog «Wenn Geld­flüsse unter­brochen wer­den: Führt der Coro­n­avirus zu unfrei­willigem Geld­fas­ten?» fest­gestellt habe, hat dies nichts mit Geld­fas­ten zu tun, da Fas­ten Frei­willigkeit bed­ingt. Bei der Suche nach der Antwort «Was ist die Wirkung des Geld­fas­tens?» ist eine Auseinan­der­set­zung mit den aktuellen Ereignis­sen hil­fre­ich, denn in bei­den Fällen fliesst das Geld nicht mehr so weit­er, wie bish­er.

So sehr ich mich in Men­schen und Insti­tu­tio­nen hinein­ver­set­zen kann, die in weni­gen Tagen zwis­chen 10 bis 25% oder auch noch mehr des Wertes ihres Ver­mö­gens an der Börse ver­loren haben, ich sehe es als ein weg­weisendes, fast pos­i­tives Zeichen, wenn wir erken­nen, dass Geld an sich nie die Lösung eines Prob­lems, ein­er Her­aus­forderung sein kann. Geld kann unter­stützen, aber Geld an und für sich ist nicht das, was wir wirk­lich brauchen.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um im Alter gut zu Leben» meinen wir eigentlich: Ich möchte auch im Alter eine schöne Woh­nung haben; ich möchte, wenn ich krank bin, eine gute Betreu­ung und Ver­sorgung haben; ich möchte auch im Alter gut und gesund leben.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um zum Frisör zu gehen» benöti­gen wir eigentlich einen Haarschnitt oder vielle­icht auch nur eine Kopf­mas­sage oder ein Gespräch mit einem Men­schen, der uns sym­pa­thisch ist.

Ich erzäh­le nichts wirk­lich Neues, wenn ich sage, dass all diese Bedürfnisse inzwis­chen auch ohne Geld erfüllt wer­den kön­nen.

Ein paar Beispiele aus meinem ganz per­sön­lichen Umfeld, im Wis­sen, dass es noch viele weit­ere gibt.

KISS — die vierte geld­freie Vor­sorgesäule

«Keep ishort and simple» baut Zeitkon­ten auf, die in ein­er späteren Phase im Leben wieder abgerufen wer­den kön­nen. KISS-Genossen­schaften bieten ihren frei­willig täti­gen Mit­gliedern viel­seit­ige Unter­stützung, indem sie Men­schen in allen Lebensla­gen und ‑altern begleit­en, mit alltäglichen Dien­stleis­tun­gen in Haus und Garten, Fahrten, mit Zuhören und Gesprächen, Spazieren, Bewe­gung usw. Die sich unter­stützen­den Men­schen («Tandems») wer­den durch Fach­per­so­n­en zusam­menge­führt und begleit­et.

Tauschen am Fluss

In dieser Tauschbörse wer­den die unter­schiedlich­sten Dien­stleis­tun­gen aus­ge­tauscht. Eine Über­sicht aller aktuellen Ange­bote find­et sich in der Mark­tzeitung.

Puraver­du­ra

Puraver­du­ra ist eine Genossen­schaft bei mir direkt um die Ecke, wo ich ab Som­mer dieses Jahres einen Teil mein­er Nahrung beziehen kann, da ich Genossen­schaft­lerin bin. Im Gegen­zug habe ich einen finanziellen Genossen­schafts­beitrag geleis­tet und werde zusät­zlich mit Arbeit­en wie Jäten, Ern­ten und ähn­lich­es meinen Anteil an der Ernte ver­di­enen. Dies ist für mich nicht voll­ständig geld­frei, da ich mich entsch­ieden habe, nur acht Arbeit­sein­sätze zu leis­ten. Mit mehr Arbeit­sein­sätzen kann man die Geldleis­tung bei ver­schiede­nen For­men der sol­i­darischen Land­wirtschaft wesentlich reduzieren. 

Genossen­schaften für sol­i­darische Land­wirtschaft find­en sich inzwis­chen über­all. Zu Beginn braucht es eine Anfangsin­vesti­tion und auch die Mitar­bei­t­en­den müssen in Geldein­heit­en bezahlt wer­den – denn wir leben nun mal auch noch im altherge­bracht­en Geld­wirtschaftssys­tem. Erst wenn voll­ständi­ge Tauschzirkel aufge­baut sind, wer­den diese Sys­teme immer robuster wer­den und weniger Geld muss fliessen.

Sieben Lin­den ist ein Dorf in Deutsch­land, welch­es als gesamte Sied­lung darauf aus­gerichtet ist, sich unab­hängig von glob­alen Geld­flüssen zu machen. Viele gute Ideen und Impulse sind hier zu find­en. 

Zusam­menge­fasst:

Es gibt also Wege, um in eine Geld­frei­heit zu kom­men und sich der Macht, welche das Geld über uns zu haben scheint, länger­fristig zu entledi­gen. Zugegeben, sie sind aufwendi­ger als manch­er Job. Hier darf sich jed­er und jede fra­gen: 

Was sind mir meine Geld­frei­heit und ein gutes Leben wert? 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

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