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Weisheit

Im Fluss der Worte und Gedanken

in Achtsamkeit/Mystik/Transformation/Weisheit

Beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. So wie ich mich im Gespräch mit Fre­un­den am Feuer oder beim Tee und auch beim gemein­samen Kochen regelmäs­sig in den unter­schiedlichen The­men­strän­gen und Sit­u­a­tio­nen ver­liere. Wir fol­gen gemein­sam in unseren Gesprächen diesem Gedanken, jen­em Impuls oder einem Gefühl und lan­den an ganz anderen Stellen, als wir zu Anfang erwartet haben.

Im Gespräch weben wir einen gemein­samen Tep­pich aus Gedanken und Gefühlen. Wir gehen miteinan­der in Beziehung. Wir zeigen uns. Wir tauschen uns aus. Wir ler­nen uns ken­nen. Wir ler­nen. voneinan­der und miteinan­der.

Schreiben ist für mich etwas, um die Zeit zwis­chen den Gesprächen und Begeg­nun­gen zu über­brück­en. Ich ver­suche meine Gedanken und Gefüh­le in einem Text zu erfassen, um jenen, mit denen ich gemein­sam auf dieser Reise des Ler­nens, des Lebens bin, mit Worten mitzuteilen, was mich bewegt. Das ist schwierig. Zum einen dro­ht beim Schreiben ständig die Gefahr, missver­standen zu wer­den. Zum anderen beste­ht Kom­mu­nika­tion nicht nur aus Worten. Es gehört so viel mehr dazu. 

In meinem Schreiben schwingt immer der Wun­sch mit, dass auch der Faden mein­er Worte, die Fäden der damit verknüpften Gedanken, an irgen­dein­er anderen Stelle weit­er­ver­woben wer­den. Ich muss gar nicht wis­sen, wie und wo. Was nützt es mir zu wis­sen, was da ger­ade an einem anderen Platz auf der Welt mit meinen Impulsen geschieht? Sie dür­fen sich weit­er­en­twick­eln, vielle­icht müssen sie dies sog­ar. Vielle­icht ist das Weit­er­en­twick­eln durch andere der eigentliche Sinn und Zweck davon, Gedanken in Worten festzuhal­ten. Denn ich habe ja mit meinen Gedanken, Gefühlen und Beobach­tun­gen nur ein ganz kleines Puz­zlestück der Wahrheit in mein­er Hand. Wer weiss schon, wo genau dieses Puz­zlestück hinge­hört, an welch­er Stelle es hil­ft, ein Bild entste­hen zu lassen, etwas sicht­bar wer­den zu lassen, miteinan­der in Beziehung zu gehen. 

Mit dem Schreiben gebe ich meine Wahrnehmung der Wahrheit in die Welt. Wenn wir alle unsere Sichtweisen, unsere indi­vidu­ellen Wahrheit­en miteinan­der verknüpfen, entste­ht Weisheit. So stelle ich mir das auf jeden Fall vor. Weisheit ist etwas, was nicht alleine entste­ht. Keine einzelne Per­son kann, ohne in Res­o­nanz mit anderen Men­schen und auch der Natur zu sein, Weisheit kreieren. Weisheit ist ein Pro­dukt zwis­chen­men­schlich­er Res­o­nanz. Sie entste­ht im Aus­tausch miteinan­der. Vielle­icht ist es sog­ar so, dass Weisheit etwas ist, dass wir nur in Beziehung mit anderen aushan­deln kön­nen. 

Wie gesagt, beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. Und doch ist es kein wirk­lich­es Ver­lieren. Ich biege ab, folge einem Nebenpfad. Ich erforsche einen neuen Weg, den ich noch nicht kenne und irgend­wann kehre ich wieder zurück auf den Hauptweg. Unter­wegs habe ich neue Sichtweisen, neuen Gedanken und neue Wel­ten ent­deckt.

So stelle ich mir gutes Ler­nen vor. So stelle ich mir das Entste­hen von Weisheit vor. Weisheit, welche in der aktuellen Zeit so wichtig ist, um die Welt acht­sam und ver­ant­wor­tungsvoll zu gestal­ten.

Ler­nen bedeutet für mich, immer wieder die Neben­wege, neue Wege zu erforschen, zu erfühlen, um dann doch immer wieder auf den Pfad zurück­zukom­men, welch­er zum Ziel führt, das ich mir irgend­wann ein­mal bewusst oder unbe­wusst für dieses Leben geset­zt habe. Ein Ziel, welch­es wir alle auf ganz unter­schiedliche Art und Weise anstreben: Ein gutes Leben zu führen. Nur was genau ist gutes Leben?

Viele Erwach­sene haben das Gefühl, dass das Ler­nen been­det ist, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Viele begeben sich in einen Job und denken, nun sind sie fer­tig mit Ler­nen. Dabei sollte unser Ler­nen doch lebenslang andauern und nicht mit dem Ende irgen­dein­er Schule aufhören.

Im Leben geht es ums Erfahren und ums Ler­nen. Ich sel­ber habe ver­schiedene Aus­bil­dun­gen absolviert und diverse Hochschu­la­b­schlüsse erwor­ben. Ich habe Jobs angenom­men und war der Mei­n­ung: Jet­zt kann und weiss ich alles. Ich dachte, ich bin auf dem richti­gen Weg, weiss ich aber, dass dies Neben­wege waren, die mir ermöglicht­en, Wis­sen und Erfahrung zu sam­meln. Der eigentliche Unter­richt geschieht im All­t­ag, das eigentliche Ler­nen ist niemals zu Ende.

In den sozialen Medi­en sind Memes, eine Kom­bi­na­tion von Bild und Text, sehr ver­bre­it­et. Manche ver­wen­den Sprüche, die ich schon früher in Aus­bil­dun­gen gel­ernt und vor langer Zeit in Büch­ern gele­sen habe. Auf einen dieser Sprüche bin ich ger­ade heute wieder gestossen. Woher er genau kommt und was die Quelle ist, weiss ich nicht. Mich berührt er, wann immer er mir über den Weg läuft. Dieser Spruch lautet so:

Bedeu­ten­des spir­ituelles Wach­s­tum find­et nicht statt, wenn du am Medi­tieren oder auf dein­er Yoga­mat­te bist. Es find­et statt, wenn du dich in der Mitte eines Kon­flik­tes wiederfind­est. Es find­et in dem Moment statt, wo du wütend, ängstlich, trau­rig oder frus­tri­ert bist, in deine alten Muster fällst und das tust, was du schon immer getan hat. 
In dem Moment, in dem du real­isierst, dass du nicht genau so han­deln musst, wie du immer gehan­delt hast, in dem Moment in dem dir auf­fällt, dass du auch anders han­deln kannst, als du es bis jet­zt getan hast, in dem Moment tritt das Wach­s­tum ein.

Manche nen­nen diese Momente Erleuch­tung. Ich beschreibe es für mich so, dass ich in diesem Moment ein­fach von einem Nebenpfad wieder zurück auf meinen Weg komme und durch mein Ler­nen, meine ver­meintlichen Umwege, nun zusät­zliche Hand­lungsweisen gel­ernt habe und anwen­den kann.

Das Umfeld, in welch­es wir hineinge­boren wur­den, bes­timmt die Vorstel­lung vom guten Leben. Für sehr viele, und dies vergessen wir immer wieder, ist das Ziel ein­fach nur etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, den Kindern eine Aus­bil­dung zu ermöglichen, sich­er zu sein. Andere treibt die Vorstel­lung vom Bewahren oder auch Erweit­ern des eige­nen Besitzes an. Und für manche ist es der Kampf für Kli­ma und Umwelt, für den es sich einzuset­zen lohnt. Jede und jed­er von uns hat ein kleines Puz­zlestück der grossen Wahrheit. Jede und jed­er von uns hat hierzu eine eigene Sichtweise.

Was wäre, wenn wir uns alle bewusst wären, dass nie­mand die Wahrheit alleine besitzt und wir uns auf die Suche und auf den Weg begeben müssen, um diese Wahrheit­en zu ein­er Weisheit zusam­men­zufü­gen?

Vielle­icht wür­den wir eine neue Form von Schule und Unter­richt erfind­en. Eine Form, in der wir unser täglich­es Leben als die Lek­tio­nen anse­hen kön­nen. Eine Form, in welch­er wir gle­ichzeit­ig Ler­nende und Lehrende sind.

Das ist zu kom­pliziert, das wird nicht funk­tion­ieren, sagen mir viele. Es ist vielle­icht kom­plex, aber nicht wirk­lich kom­pliziert. Die Her­aus­forderung liegt darin, dass wir bewusst unsere Zeit damit ver­brin­gen, das Leben zu erfahren und zu begreifen, das Leben zu erspüren und zu erfassen. Wir müssen uns dazu entschei­den, miteinan­der zu ler­nen und zu forschen.

Wie ein­gangs gesagt, beim Schreiben ver­liere ich mich manch­mal. 

Heute habe ich mich in meinen Gedanken zu einem Leben als Schule ver­loren. In dieser Schule gibt es Raum für Kun­st und gemein­sames Musizieren, es gibt Fäch­er zur All­t­ags­gestal­tung und gesun­den Lebens­führung. Es gibt all das, was wir ger­ade brauchen, um das im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte «neue Nor­mal» zu gestal­ten und zu erfassen. Wie diese Fäch­er alle heis­sen? Keine Ahnung, denn ich kenne das neue Nor­mal noch nicht und weiss deshalb auch nicht, welche Fäch­er es wirk­lich dazu braucht. Jed­er und jede von uns kann ihr eigenes Wis­sen und die eige­nen Gedanken und Gefüh­le und auch sein Nichtwissen in diese Form des Ler­nens ein­brin­gen.

Im Fach «gesunde Wirtschaft» würde ich wohl mit den The­men­schw­er­punk­ten «Heil­same Beziehun­gen zum Geld» und «Suf­fizienz als Leben­skun­st» starten, ein­fach weil ich hier wahrschein­lich viel Wis­sen als Lehrerin ein­brin­gen kann, aber auch viel Nichtwissen als Schü­lerin habe. Eben­falls spielt mit, dass mich diese bei­den The­men ein­fach inter­essieren.

Mein Impuls ist, diesen doch etwas anderen Blog­post zu teilen und wer weiss, vielle­icht gibt es ja noch andere, die gemein­sam an dieser Schule, die Ele­mente der Begeg­nung, mit Ele­menten der virtuellen Unter­richtswelt verknüpfen soll, mitzuweben.

Im näch­sten Beitrag werde ich mich aus­führlich­er mit dem The­ma «Suf­fizienz als Leben­skun­st» beschäfti­gen und ich bin sel­ber ges­pan­nt, wohin mich dieses The­ma führen wird. Den Faden «Das Leben als Schule» lasse ich für den Moment los, und nehme ihn wieder auf, wenn er auf irgen­deinem Wege zu mir zurück­kommt.

Was genau ist denn bitte nun normal?

in Mystik/Quinten/Weisheit

Ich sitze in Quin­ten auf der Ter­rasse und beobachte die Natur um mich herum. Heute Nacht hat es endlich gereg­net und die Bäume und Sträuch­er nutzen dies, um in einen Wach­s­tumss­chub zu gehen. Die Feigen sind schon fast baum­nuss­gross und an den Reben spriessen bere­its die Blüten­stände. 

„Das ist doch nicht nor­mal!“ denke ich, „Das ist doch viel zu früh!“ und „Hof­fentlich kommt nicht noch Frost!“ sind die weit­eren Gedanken, die in mein Bewusst­sein treten.

Als näch­stes nimmt sich die Frage, die ich mir sel­ber und vie­len anderen ger­ade immer wieder stelle, laut und unüberse­hbar ihren Raum:

Was genau ist denn bitte nun nor­mal?


Wie im let­zten Blog­beitrag ver­sprochen, ver­webe ich die Fäden von Nichtwissen und Suf­fizienz in den kom­menden Wochen in meine Beiträge. Manch­mal wer­den diese dem Beitrag eine deut­liche Fär­bung geben, manch­mal wer­den sie als leise Musik im Hin­ter­grund einen Klangtep­pich leg­en.

Ich habe in der NZZ vom 19. April 2020 ein Inter­view mit der Virolo­gin Karin Mölling gele­sen. Die Über­schrift dieses Artikels lautet:

«Woher wis­sen denn allein Virolo­gen, was richtig ist? Wir wis­sen vieles nicht. Lei­der»

Es entspan­nt mich sehr, das Nichtwissen über­all um mich herum zu erleben. Dies scheint ein Wider­spruch in sich zu sein. Nichtwissen und Entspan­nung – ist dies über­haupt miteinan­der vere­in­bar?

Wollen wir nicht eigentlich alles wis­sen? Wollen wir nicht immer alles ver­ste­hen und anschliessend auch noch voll­ständig kon­trol­lieren? Wer denkt nicht sel­ber oft: „Ich muss dies oder jenes unbe­d­ingt ver­ste­hen, son­st bin ich nicht hand­lungs­fähig“. 

Die let­zten Wochen haben mich gelehrt, wie entspan­nend das Nichtwissen ist, wenn es benan­nt ist und wenn ich es als eine Art Naturge­setz für mein Leben akzep­tiere. Mir wird immer deut­lich­er, ich kann nur Wahrschein­lichkeit­en abschätzen und Hypothe­sen auf­stellen, für all das, was in meinem Leben und in der Welt in Zukun­ft passieren wird. Ein defin­i­tives Wis­sen habe ich nur über die Dinge, die in mein­er Ver­gan­gen­heit passiert sind. Aber auch hier gilt, dass wir unseren Erin­nerun­gen nicht immer glauben schenken kön­nen. 

Ein wichtiger Aspekt dessen, was von nun an für mich nor­mal sein wird, ist, dass ich in vie­len Bere­ichen meines Lebens den Fak­tor Nichtwissen mit­berück­sichti­gen muss, wenn ich die Zusam­men­hänge wirk­lich ver­ste­hen möchte.

Um beim Ein­gangs­beispiel des Feigen­baumes und des Weins zu bleiben, auch wenn es mir so vorkommt, in Wirk­lich­heit und Wahrheit habe ich keine Ahnung, ob sie nun zu früh in Blatt und Blüte ste­hen. Sie haben ein­fach auf das reagiert, was die äusseren Bedin­gun­gen ihnen anbi­eten. Im Herb­st wis­sen wir mehr.

Auch die Philoso­phie, welche hin­ter dem Begriff Suf­fizienz und hin­ter der Suf­fizien­zpoli­tik ste­ht, scheint mir sehr hil­fre­ich zu sein, um eine ganz eigene „neue Nor­mal­ität“ zu find­en und zu erforschen. Die Fra­gen „Was ist genug?“ und „Was sind meine Grundbedürfnisse?“ sind dazu zwei wun­der­bare Leit­planken.

Übri­gens, der im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte Satz auf den Anzeigen der SBB Tafeln hat inzwis­chen einen neuen Wort­laut. Neu lautet der Text nun: «Der Verkehr wurde auf ein Grun­dan­ge­bot reduziert“. Vorher lautete der Text: „Der Verkehr wird schrit­tweise auf ein Grun­dan­ge­bot reduziert “. In diesem Bere­ich kann jede und jed­er in der Schweiz ger­ade prüfen, wie gut er und sie mit dem, was die SBB als Grundbe­darf definiert hat, leben kann.

Für mich bedeutet diese aktuelle Anpas­sung auf meinen zwei wichtig­sten Streck­en ganz Unter­schiedlich­es. Auf der einen Strecke wird mir ein 30-minütiger Spazier­gang durch den Wald ermöglicht, denn die Hal­testelle, welche ich bish­er benutzt haben, gilt als touris­tis­che Erschlies­sung und wird derzeit nicht bedi­ent.

Für die zweite Strecke muss ich nun unter­wegs 30 Minuten Zwis­chenaufen­thalt einkalkulieren, da der bish­erige Anschlusszug nun sehr knapp, laut Fahrplan gar nicht erre­ich­bar ist.

Im Aus­tausch dafür kann ich in angenehm leeren Zügen reisen und habe über­raschen­der­weise wieder mehr Kon­takt und Gespräche mit Mitreisenden – natür­lich unter Wahrung des notwendi­gen Abstandes.

Und was ver­liere ich? Manch ein­er oder eine würde nun sagen, dass ich 30 Minuten ver­liere. 

Bei der ersten Strecke ist dies mit Sicher­heit nicht der Fall, denn der Weg nach Hause durch den Wald ist derzeit bei diesem Wet­ter und in dieser Jahreszeit ein Gewinn, ein Geschenk. Und wenn es dann irgend­wann wieder reg­net oder gar stürmt? Wer weiss, ob dann der Fahrplan immer noch der gle­iche ist. Die SBB schreibt auf ihrer Web­seite: „Nach der Ankündi­gung des Bun­desrates zur Lockerung der Coro­na-Mass­nah­men wird ab dem 27. April auch der Bahn­be­trieb schrit­tweise zurück zum reg­ulären Fahrplan geführt.“ Also geniesse ich es, solange es anders nicht möglich ist, um dann in fern­er Zukun­ft nur noch bei wirk­lich schlechtem Wet­ter oder Dunkel­heit bis zur woh­nungsna­hen Sta­tion weit­er zu fahren, denn wer hin­dert mich daran, die lieb gewonnene Ange­wohn­heit eines 30-minüti­gen Spazier­gangs auch nach Wiedere­in­führung des reg­ulären Fahrplans beizube­hal­ten? Das einzige, was mich stop­pen kön­nte, wäre meine ganz per­sön­liche Bequem­lichkeit oder dann meine Unacht­samkeit, wenn ich es ver­passe, eine Hal­testelle vor der End­sta­tion auszusteigen.

Zumin­d­est bei der zweit­en Strecke stimmt es auf den ersten Blick, dass ich Zeit ver­liere. Nun ja, ich brauche eine halbe Stunde länger, aber die Zeit ist ja nicht ver­loren.

Es ist ein offenes Geheim­nis: Zeit kön­nen wir gar nicht ver­lieren.  Wir haben an jedem Tag gle­ichviel Zeit: 24 Stun­den = 1‘440 Minuten = 86‘400 Sekun­den. Diese 86‘400 Sekun­den sind während unseres gesamten Lebens täglich aufs Neue da. Ein Ver­lieren ist nicht möglich. 

Das, was passieren kann und auch sehr regelmäs­sig passiert, ist, dass wir Zeit mit etwas ver­brin­gen, was wir in dem Moment gar nicht tun soll­ten oder woll­ten. Wir lassen uns ablenken, wir tun etwas, wozu wir eigentlich gar keine Lust haben. Dafür kön­nen wir nie­mand anderem die Schuld geben. Es ist unsere ure­igene Entschei­dung, was wir in jed­er einzel­nen Sekunde tun. Nie­mand zwingt uns zu irgend­was. Wir sel­ber entschei­den. Es gehören zu jedem Tag auch Dinge, die wir vielle­icht nicht so gerne tun. Diese Dinge ken­nt jed­er und jede von uns. Und doch entschei­den wir uns aus den unter­schiedlich­sten Grün­den sie zu tun.

Zum Beispiel entschei­den wir uns, die Zim­mer zu putzen oder den Müll hin­auszubrin­gen, weil wir gerne in ein­er sauberen Woh­nung wohnen. Wir gehen ins Büro, in die Werk­statt oder ins Ate­lier, weil wir uns dazu entsch­ieden haben, eine bes­timmte Tätigkeit zu ver­richt­en. In all diesen Fällen kön­nten wir uns auch anders entschei­den. Wir müssen ein­fach nur mit den Kon­se­quen­zen der Entschei­dun­gen leben, unseren Lebensstil anpassen oder unsere Leben­sträume hin­ter­fra­gen. Dies ist zugegeben­er­massen nicht immer ganz ein­fach, und doch ist es möglich und auch mach­bar.

Nun, da ich weiss, dass ich eine halbe Stunde Zeit auf einem Bahn­hof mit­ten im Nir­gend­wo ein­pla­nen muss, darf ich mir die Frage stellen: „Wie möchte ich diese Zeit ver­brin­gen?“ Denn diese Zeit ist nicht ver­loren, son­dern sie möchte gestal­tet wer­den. Meine Kreativ­ität ist gefragt. Manch­mal nutzte ich diese gewonnene halbe Stunde zum Lesen, manch­mal nutze ich die Zeit, um Ideen für meinen Blog zu entwick­eln und manch­mal beobachte ich ein­fach, wie der Fluss fliesst.

In diesem Zusam­men­hang noch zwei Dinge:  Zum einen rechne ich sel­ber für mich nicht in Sekun­den und wenn ich meinen Tag frei gestal­ten kann, rechne ich noch nicht ein­mal in Stun­den. Ich folge dem Fluss der Dinge, die ich tun mag und die ger­ade zu tun sind. Und irgend­wie sind am Abend in der Regel all die wirk­lich wichti­gen Dinge erledigt. Da ger­ade im Aussen so viele Dinge weg­fall­en, mit welchen ich mich noch vor einiger Zeit beschäftigt habe, geschieht dies noch viel häu­figer als son­st. Dies ist ein weit­eres wun­der­bares Geschenk.

Und zum anderen, und auch hier ver­rate ich kein Geheim­nis: Zeit kön­nen wir nicht auf­s­paren. Alles, was auf meinem per­sön­lichen Zeitkon­to für heute zur Ver­fü­gung ste­ht, kann ich nur heute abbuchen.

Wenn ich mir etwas für unsere neue Nor­mal­ität wün­schen darf, ist es, dass wir uns des Geschenks der Zeit bewusst­wer­den, und uns deren Vergänglichkeit bewusst vor Augen führen.

Was wäre, wenn wir alle den Zeit­punkt unseres Todes ken­nen wür­den? Der bel­gis­che Film «Das brand­neue Tes­ta­ment» aus dem Jahr 2015 nimmt diese Idee auf. Vor ein paar Tagen habe ich ihn mal wieder angeschaut. Eine span­nen­des Gedanken­ex­per­i­ment, welch­es uns auf nach­den­klich-komis­che Weise mit unser­er Endlichkeit kon­fron­tiert. Welche der Dinge, die uns noch zu Beginn dieses Jahres als nor­mal erschienen, wür­den wir weit­er­ma­chen? Welche sofort been­den?

Die let­zten Wochen haben vie­len von uns deut­lich gemacht, dass ein entschle­u­nigter Lebensstil Raum zum Nach­denken lässt, darüber was wir wirk­lich brauchen und was der Natur und unser­er Umwelt gut­tut. 

Wir haben die Frei­heit, aus den ver­gan­genen Wochen zu ler­nen. Das Ler­nen wird für jede und jeden von uns ein unter­schiedlich­es sein. Und das ist auch wichtig und gut. Das einzige, was uns vom Ler­nen abhal­ten kann, sind wir sel­ber.

Damit bin ich nun wieder am Anfang des Blo­gein­trags angekom­men. Ich bin zurück zu der Frage: 

Was genau ist denn bitte nun nor­mal?


Nor­mal ist wohl jedes Mal etwas anderes. Es ist das, was am besten zur Sit­u­a­tion passt, in welch­er ich mich ger­ade befinde. Die Natur macht es vor. Die äusseren Umstände, ins­beson­dere die aktuelle Wärme lässt sie früher ins Wach­s­tum gehen, als ich es ver­mutet hätte. Ob dies richtig oder falsch war, wis­sen wir noch nicht. Erst wenn wir im Jahreskreis weit­er sind, wer­den wir wis­sen, ob es nochmals kalt gewor­den ist, ob die zarten Sprossen den Früh­ling, in dem wir uns jet­zt ger­ade befind­en, über­standen haben. 


«Erst wenn wir im Jahreskreis weit­er sind, wer­den wir wis­sen…», dieser Satz lässt sich auch auf die Verän­derun­gen durch die Coro­n­akrise anwen­den: Ob die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen auf Natur und Kli­ma und zum Teil auch auf unseren Lebensstil sich weit­er fes­ti­gen lassen, wer­den wir erst mit einem gewis­sen Abstand fest­stellen.

Im Gegen­satz zu den Abläufen in der Natur haben wir hier aber die Möglichkeit, den Lauf der Dinge zu bee­in­flussen und eine neue, lebenswerte und ver­ant­wor­tungsvolle Nor­mal­ität zu erschaf­fen.

Ich weiss, dass ich nicht weiss…

in Achtsamkeit/Fasten/Geld/Weisheit

… Dieses Zitat find­et sich bei Pla­ton und wird Sokrates zugeschrieben.

Ganz kurz und sub­jek­tiv zusam­menge­fasst geht es für mich in diesem Zitat darum, zu erken­nen, dass vieles von unserem ver­meintlichen Wis­sen Schein­wis­sen ist.

Wir glauben zu wis­sen und doch ken­nen wir häu­fig nur einen Teil der Fak­ten, ein Puz­zlestück, einen Auss­chnitt, her­aus­geris­sen aus dem Gesamtkon­text. Und daraus bildet sich dann unser Schein­wis­sen. Haben wir dieses für uns erkan­nt, ist der erste Schritt getan und wir kön­nen uns bewusst damit beschäfti­gen, dass wir nicht wis­sen. Dieses Beschäfti­gen mit dem Nichtwissen und vor allen Din­gen das Frieden schliessen mit dem Nichtwissen ist es, was uns erlaubt zur Ruhe zu kom­men. Dazu braucht es die Erken­nt­nis, dass Nichtwissen nicht mit Hand­lung­sun­fähigkeit gle­ichzuset­zen ist – im Gegen­teil. Das Nichtwissen befähigt uns aus mein­er Sicht erst dazu, weise zu han­deln. Im Nichtwissen geste­hen wir ein, dass wir die Lösung für ein Prob­lem nicht ken­nen und bauen auf unsere Erfahrun­gen und Fähigkeit­en, um eine neue Lösung zu entwick­eln, weil alle Ver­suche, ein­fach die alten Lösun­gen über das Prob­lem zu stülpen, gescheit­ert sind.

Damit bin ich wieder bei mein­er Haupt­ab­sicht, bei dem Haupt­grund, warum ich faste. Ich faste um meinen kör­per­lichen Funk­tio­nen, meinen Gedanken und Hand­lun­gen einen Neustart zu ermöglichen. Nach dem Fas­ten kann ich Gewohn­heit­en über­prüfen und ändern, die sich vorher unbe­wusst einge­spielt haben.

Eine Woche ist es bere­its her, seit­dem ich das Fas­ten gebrochen habe und wieder Nahrung zu mir nehme. Seit meinem Geburt­stag habe ich keinen Blog­beitrag mehr begonnen und das aus ganz unter­schiedlichen Grün­den. 

Zum einen haben mich ver­ständlich­er Weise die Mass­nah­men des Bun­desrates vom 20. März beru­flich sehr beschäftigt, zum anderen brauchte ich auch meine eigene Zeit, mich dieser neuen Sit­u­a­tion anzunäh­ern, meinen eige­nen Rhyth­mus und meinen eige­nen Platz in dieser Sit­u­a­tion zu find­en. Mein Ziel war und ist es, die guten Impulse des Fas­tens und all mein Ler­nen in dieser Zeit mitzunehmen und anzuwen­den — in dieser Zeit, die ger­ade neu begin­nt, weil die alte so plöt­zlich geen­det hat.

Zum drit­ten wer­den derzeit so viele Worte zur Coro­n­akrise gesagt und geschrieben, so viele Wahrheit­en und Fak­ten ver­bre­it­et, dass ich nicht das Bedürf­nis hat­te, auch noch dazu beizu­tra­gen.


Ich weiss, dass ich nicht weiss…

Ich habe keine Ahnung, ob die getrof­fe­nen Mass­nah­men die richti­gen sind, ob die Zahlen stim­men. Ich kann nicht beurteilen, welche medi­zinis­che Aus­sage zum Krisen­ver­lauf der Wahrheit am näch­sten kommt.

Ich weiss, wie es sich anfühlt, kranke Men­schen zu begleit­en, die mir und meinen Herzen sehr nahe sind. Ich weiss, was es heisst, sich von Men­schen zu ver­ab­schieden, die gefühlt viel zu früh ster­ben. Am let­zten Son­ntag ist jemand aus meinem Umfeld im Alter von 53 Jahren gestor­ben, nicht am Coro­n­avirus und auch nicht völ­lig uner­wartet, aber viel zu früh. Diese Per­son wird eine Lücke hin­ter­lassen. Diese Per­son wird vie­len Men­schen fehlen. 

Ich weiss also, welche Schmerzen für mich mit dem Tod von Men­schen, mit dem Akzep­tieren von Sit­u­a­tio­nen, die ich nicht ändern kann, ver­bun­den sind.

Mein Mit­ge­fühl ist mit all jenen Men­schen, die auf die unter­schiedlich­ste Weise von der Coro­n­akrise durch Krankheit, Tod, Job­ver­lust, Unsicher­heit oder anderen Äng­sten betrof­fen sind. Jed­er und jede von uns wird jet­zt auf ganz unter­schiedliche Weise mit den eige­nen Äng­sten und Sor­gen kon­fron­tiert.

Unbe­wusst ist uns allen bere­its jet­zt klar, ein Zurück zum Nor­malzu­s­tand wird es nicht geben. Denn der Nor­malzu­s­tand, war gar kein­er. 

Es war ein Autopi­lot, der uns erst hier­hin gebracht hat. Immer mehr Kon­sum, immer mehr Stress, mass­los­es Leben und Han­deln hat unseren All­t­ag bes­timmt. Wir nehmen chemisch bear­beit­ete und indus­triell ver­ar­beit­ete Nahrung zu uns, die nicht mehr nährt und erschaf­fen uns damit ein Immun­sys­tem, welch­es uns nicht mehr schützt und sich mit Anfäl­ligkeit­en für Krankheit­en oder auch durch Autoim­munkrankheit­en bemerk­bar macht. Es gibt wahrschein­lich nicht die eine Ursache für die Krise, in der wir vor der Coro­n­akrise bere­its gesteckt haben, es ist ein Cock­tail an Ursachen, welch­er dazu geführt hat.

Wir haben nun als Gesellschaft die grosse Chance, ein neues «Nor­mal» zu definieren, eines welch­es die Würde von Men­sch, Natur und Gesellschaft in den Mit­telpunkt stellt ( siehe meinen let­zten Beitrag «Was hat Würde mit Fas­ten zu tun» ).

Meine kom­menden Beiträge wer­den von diesen Chan­cen han­deln. Und vor allen Din­gen wer­den sie vom Nichtwissen han­deln und davon, dass das Nichtwissen uns zur notwendi­gen Weisheit führen wird, aus dieser Krise zu ler­nen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Wenn Geldflüsse unterbrochen werden: Führt der Coronavirus zu unfreiwilligem Geldfasten?

in Alternative/Fasten/Geld/Transformation/Weisheit

Natür­lich beschäftigt auch mich im Augen­blick der Coro­n­avirus. Span­nend, dass dies Ereig­nis zufäl­lig in diese Fas­ten­zeit fällt.

Die Mass­nah­men, mit welchen man die Entwick­lung in den Griff zu bekom­men ver­sucht, führen auf ganz unter­schiedliche Weise auch dazu, dass auf viele unter­schiedliche Dinge verzichtet wer­den muss. Frei­willig und unfrei­willig.

In der Schweiz wur­den so unter­schiedliche Dinge wie die Basler Fas­nacht und der Gen­fer Autos­a­lon sowie alle weit­eren Grossver­anstal­tun­gen mit über 1000 Teil­nehmenden bis min­destens 15. März ver- boten. 

Die NZZ sprach Ende Feb­ru­ar in dem Artikel «Coro­n­avirus weltweit, die neusten Entwick­lun­gen» von 2900 Todes­opfern weltweit, Ten­denz steigend. Ins­ge­samt sind mehr als 80.000 Per­so­n­en, verteilt auf mehr als 50 Län­der, erkrankt. Europa verze­ich­net bish­er 36 Tote (Stand 2. März 2020), davon 34 in Ital­ien, 2 in Frankre­ich. Die weit­ere Entwick­lung kön­nen wir täglich über die Medi­en unser­er Wahl ver­fol­gen.

Die Liefer­ket­ten in der Tech­nolo­gie- und Tex­til­branche, unsere geliebten Smart­phones und die neuesten Mod­ekollek­tio­nen, sind in Gefahr, so heisst es. Der Pro­duk­tion­sstopp in Chi­na in den let­zten Wochen bee­in­flusst unseren Kon­sum. Lange kön­nen die Maschi­nen nicht mehr still­ste­hen. Der Ein­fluss auf unsere Wirtschaft- und unser Geldsys­tem wird immer gröss­er und sicht­bar­er.

Ich bin keine pro­fes­sionelle Researcherin und mir ist auch bewusst, dass wir im Zeital­ter der Fake News leben, aber je mehr ich in das The­ma ein­tauche, desto präsen­ter wird die Frage, ob in dieser aktuellen Krise die Wirkung von Geld­flüssen (durch deren Aus­bleiben) ger­ade sicht­bar­er wird als son­st. Noch vor einem Moment war der Geld­fluss rel­a­tiv sta­bil. Nun ver­siegt er an ver­schiede­nen Orten gle­ichzeit­ig bei ganz unter­schiedlichen Per­so­n­en auf unter­schiedliche Weise.

Zur Erin­nerung:

Die Anzahl der weltweit hungern­den Men­schen beträgt 822 Mil­lio­nen Men­schen, dies sind 11% der Welt­bevölkerung. Diese Zahlen stam­men von der Web­seite der Welthunger­hil­fe. Die UNHCR spricht im Som­mer 2019 davon, dass zum ersten Mal mehr als 70 Mil­lio­nen Men­schen auf der Flucht sind. Sta­tis­tiken und Zahlen find­en sich zum Beispiel hier

Auch zu Krieg und Hunger kön­nten wir tage­sak­tuell alle Fak­ten über die unter­schiedlich­sten Quellen zusam­men­tra­gen. Wir tun es nicht, vielle­icht weil es uns nicht per­sön­lich bet­rifft.

Jed­er Men­sch ist wertvoll, jede der drei hier beschriebe­nen Sit­u­a­tio­nen, Krankheit, Hunger, Flucht, erfordert Mit­ge­fühl, Respekt, Acht­samkeit aber auch unser aktives Hin­schauen und angemessenes, zeit­na­h­es Han­deln.

Doch warum führt die Furcht vor ein­er Coro­na-Epi­demie, ähn­lich wie die SARS-Pan­demie 2002/2003 zu ein­er Änderung des Kaufver­hal­tens?

Men­schen deck­en sich mit Schutz­masken und lange halt­baren Lebens­mit­teln ein, ver­mei­den Reisen und ver­bi­eten Ver­anstal­tun­gen mit über 1000 Teil­nehmenden.  Über die Auswirkun­gen auf das Kaufver­hal­ten der Schweiz­er berichtet zum Beispiel die NZZ am 29.02.2020 in einem Artikel.

Wäre es hier angemessen von ein­er Art Geld­fas­ten zu sprechen, welche von aussen erzwun­gen wurde? Aber nein, Fas­ten ist etwas Frei­williges, also muss Geld­fas­ten auch auf frei­williger Basis geschehen.

Die Coro­na-Krise führt zu uner­warteten Umsatzsteigerun­gen in der Phar­main­dus­trie. Gesichts­masken sind ausverkauft, bei den Schmerzmit­teln wer­den die Vor­räte knapp. Es wird von Ham­sterkäufen berichtet, die durch aus­führliche Medi­en­berichter­stat­tung noch weit­er gefördert wird. Manche sprechen von bewusster Steuerung der Panik und des Kaufver­hal­tens. Soweit möchte ich nicht gehen. An dieser Stelle wird defin­i­tiv nicht gefastet. Das Kon­troll- und Schutzbedürf­nis des einzel­nen Men­schen schlägt durch. 

Die Frage bleibt jedoch: Warum han­deln wir als Gesellschaft, Behörde, Unternehmen oder auch einzelne Per­son ger­ade jet­zt so schnell und hof­fentlich auch wirkungsvoll, wenn wir Grossver­anstal­tun­gen und Reisetätigkeit­en über­denken. Warum tun wir genau dies in anderen Fällen nicht?

Hat es damit zu tun, dass wir für eine Eindäm­mung des Hungers auf der Welt und für die Lösung der Her­aus­forderun­gen, welche die Flüchtlingsströme uns aufzeigen unser eigenes Kon­sum- und Geld­ver­hal­ten zugun­sten ander­er ändern müssen, unser per­sön­lich­es Ver­hal­ten über­denken müssen, auf Geld verzicht­en müssen? Kann es sein, dass wir unser zum Teil hart erar­beit­etes Geld nur für uns und unser Wohl nutzen wollen und ein­fach nicht mehr teilen kön­nen?

Es gibt auch Beispiele, die genau das Gegen­teil zeigen. The Giv­ing Pledge machen es vor. Sie verpflicht­en sich, einen Teil ihres Ver­mö­gens zurück in den Fluss zu brin­gen. Es bleibt anzumerken, dass anschliessend weit­er­hin eine vielle­icht unvorstell­bar grosse Summe Geld im Besitz dieser Spender verbleibt. Aber zugegeben, sie brechen das Muster des ständi­gen Geld­sam­meln und Geld­hort­ens und ver­suchen ihr Geld sin­nvoll zurück in den Kreis­lauf zu brin­gen. Geld­fas­ten, im Sinne eines Verzichts Geld für sich sel­ber auszugeben, kann zu Geld­fülle an ander­er Stelle führen, wenn weise Geldentschei­dun­gen getrof­fen wer­den.

Auch bei dieser Art Entschei­dung ist es nicht immer leicht, das Richtige zu tun, denn es gibt kein entwed­er oder kein schwarz oder weiss.

Sit­u­a­tio­nen wie der Coro­n­avirus fordern uns auf, zu ler­nen und uns vor allen Din­gen uns mit unseren eige­nen Bedürfnis­sen und Äng­sten zu beschäfti­gen. Diese Sit­u­a­tio­nen fordern uns auf uns sel­ber zu schützen, ohne die anderen zu vergessen.

Im let­zten Blog habe ich mir die Frage gestellt, was ich mit dem Geld­be­trag mache, der beim Fas­ten entste­ht, da ich, wie bere­its im Blog erwäh­nt, in dieser Zeit so gut wie nichts aus­gebe.

Mir per­sön­lich – und dies ist mein ganz eigen­er Weg – zeigt die Auseinan­der­set­zung mit dem Coro­n­avirus, dass ich wieder mehr auf die in Vergessen­heit ger­ate­nen The­men schauen muss, darüber nach­denken muss, wie ich zu weniger Hunger, weniger Flüchtlingsströ­men in der Welt beitra­gen kann.

Auf den Coro­n­avirus bin ich durch mein Alter, meine priv­i­legierte Lebensweise, meinen gesun­den Kör­p­er und mein bewusstes Rei­sev­er­hal­ten gut vor­bere­it­et – hier gibt es derzeit für mich nichts zu tun, auss­er Mit­ge­fühl mit den einzel­nen Schick­salen zu zeigen und auch den pos­i­tiv­en Seit­en Beach­tung zu schenken. Denn diese gibt es tat­säch­lich auch.

Ein Artikel im Spiegel vom 1.März trägt den Titel «Coro­n­avirus führt in Chi­na zu Rück­gang der Luftver­schmutzung». Wenn die Verbesserung der Luft in den betrof­fe­nen Städten weit­er anhält, ist dies eine wirk­same Mass­nahme für das Kli­ma, ein Zeichen, was hof­fentlich von den Ver­ant­wortlichen weise inter­pretiert wird und vielle­icht dazu führen kön­nte, dass wir erken­nen, dass weniger Pro­duk­tion und Kon­sum mehr Leben­squal­ität bedeutet.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Fasten 2020 — Eine Forschungsreise zu den Selbstheilungskräften des Geldes

in Alternative/Fasten/Geld/Weisheit

Was hat Fas­ten mit Geld zu tun?

Unsere Fas­ten­woche nimmt For­men an. Vom 14. – 21. März 2020 wer­den wir wieder zum gemein­samen, nach­halti­gen Fas­ten im All­t­ag ein­laden. Dieses Jahr verbinden wir damit zwei Orte im Kreis 5 und Kreis 1. Tre­ff­punk­te wer­den die Trit­tli­gasse 16 in der Zürcher Alt­stadt und neu zusät­zlich am Mit­tag das Jen­seits, ein Café und Begeg­nung­sort in den Viaduk­t­bö­gen an der Josef­swiese sein. 

 

Am 26. Feb­ru­ar, dem Ascher­mittwoch, begin­nt die vierzigtägige Fas­ten­zeit. Wir wer­den inner­halb dieser Zeit für eine Woche voll­ständig auf feste Nahrung verzicht­en.  Unsere Gedanken zum nach­halti­gen Fas­ten veröf­fentlichen wir in diesem Blog. In den kom­menden Wochen informieren wir in sep­a­rat­en Blog­beiträ­gen über Details bezüglich Fas­ten im All­t­ag und den Ver­lauf unser­er Fas­ten­woche.

 

Im Gegen­satz zum let­zten Jahr wer­den wir über die gesamten 40 Tage der Fas­ten­zeit, also ab Ascher­mittwoch und nicht nur in unser­er Fas­ten­woche, unsere Blog­beiträge ver­fassen. Wie auch im let­zten Jahr wer­den wir diejeni­gen, welche mit uns fas­ten und auch jene, die uns virtuell begleit­en, bit­ten, durch Kom­mentare oder eigene Beiträge den Blog zu bere­ich­ern.

 

Was hat Fas­ten mit Geld zu tun? 

Das The­ma welch­es ich mir für den Start aus­ge­sucht habe, ist die Verbindung zwis­chen Fas­ten und Geld. Fas­ten ist für mich der bewusste Verzicht auf Nahrung für eine bes­timmte Zeit und die beson­dere Hin­wen­dung zu den Bedürfnis­sen meines Kör­pers und meines Herzens. 

Geld hat viel mit Über­fluss und Man­gel zu tun — vielle­icht ist Geld sog­ar ein­er der Gründe für das Ungle­ichgewicht von Über­fluss und Man­gel in dieser Welt.

 

Gibt es über­haupt so etwas wie ein Fas­ten im Geldsys­tem, und wenn ja, wie kön­nte das ausse­hen?

Diesen und anderen Fra­gen werde ich in den kom­menden Wochen weit­er nachge­hen. Vieles ist bere­its gesagt und geschrieben — vom guten Geld, vom schlecht­en Geld, über die Wirtschaft, die uns die Zukun­ft nimmt, aber auch über Unternehmen, die uns eine lebenswerte Zukun­ft ermöglichen wollen.

 

Kann ich dazu noch etwas Zusät­zlich­es beitra­gen? 

Mein Gefühl ist «Ja», denn son­st würde ich diese Zeilen nicht schreiben. Jedoch weiss ich nicht genau, wohin mich die Suche nach dem Fas­ten in der Welt des Geldes führen wird. Und den­noch werde ich es ver­suchen, so wie jede und jed­er in dieser her­aus­fordern­den Zeit ver­sucht, einen Beitrag zu ein­er lebenswerten, ver­ant­wor­tungsvollen Zukun­ft zu leis­ten. 

Manche Beiträge von Men­schen und Unternehmen halte ich per­sön­lich allerd­ings für frag­würdig, ins­beson­dere wenn sie unnöti­gen Kon­sum fördern oder die Natur und damit unsere Lebens­grund­lage zer­stören. Auch diese Abgründe möchte ich in den kom­menden Wochen mit Worten und Gedanken ein wenig ausleucht­en, der Hypothese ent­lang, dass ganz per­sön­liche Geldentschei­dun­gen zu ein­er Vielzahl von Men­sch und Natur schädi­gen­den Aktiv­itäten beitra­gen.

 

Was ist Geld­fas­ten für mich?

Mein Leben und Wirken geschieht an der Schnittstelle von Men­sch, Natur und Wirtschaft. Ich beschäftige mich auf ein­er ganz prag­ma­tis­chen Basis mit dem, was Geld mit uns, mit mir macht. Als Bankerin von ganzem Herzen mag es vielle­icht etwas selt­sam klin­gen, dass ich zum Geld­fas­ten aufrufe, denn die Banken scheinen nur davon zu leben, dass Geld im Über­fluss vorhan­den ist und sich auch noch ver­mehrt. Ganz so ein­fach, ist es nicht, ein Grund, diesem Wider­spruch in einem späteren Beitrag Raum zu geben.

 

Die Suche nach dem Geld­fas­ten bietet eine Fülle von möglichen Wegen. Heisst Geld­fas­ten nun auf Ein­nah­men zu verzicht­en oder Aus­gaben zu ver­mei­den? Braucht es bei­des? Kön­nte Geld­fas­ten bedeuten auf Zin­sen zu verzicht­en? Wäre dies ein sin­nvoller Anfang?

 

Ich werde die 40 Fas­tent­age nutzen, um eine Bestand­sauf­nahme mein­er Geld­flüsse zu täti­gen und mich zu fra­gen, was mich nährt, was ein­fach nur aus Gewohn­heit geschieht und was bloss eine Ersatzhand­lung für etwas ist, dass ich mir nicht kaufen kann. Ich werde schauen, wo ich durch meinen Verzicht an ein­er anderen Stelle Gutes bewe­gen kann. So wie der Verzicht auf Nahrung für eine beschränk­te Zeit meinem Kör­p­er, Geist und mein­er Seele die Möglichkeit gibt, die natür­lichen Selb­s­theilungsmöglichkeit­en wieder herzustellen, so stelle ich mir vor, dass auch das Net­zw­erk, in dem das Geld zirkuliert, die Möglichkeit zur Selb­s­theilung besitzt. Aber wo liegt der Nutzen im Verzicht, im acht­samen Umgang mit Geld? Auch darüber möchte ich später in diesem Blog bericht­en.

 

Was wird das Ergeb­nis mein­er Suche nach den 40 Tagen sein?

Dass ich mehr Geld aus­gebe als vorher, aber für andere, nährende Dinge? 

Dass ich nach den 40 Tagen beschliesse weniger Geld einzunehmen, weil ich erkenne, mehr Leben­squal­ität Zeit haben und nicht Geld ver­di­enen bedeutet?

Werde ich für manche Dinge kein Geld mehr aus­geben, so wie ich nach dem Fas­ten immer noch monate­lang auf über­mäs­si­gen Zuck­erkon­sum verzichte?

Ich weiss nicht genau, wohin mich meine Suche führen wird.

 

Das Schöne für mich an der jährlichen Fas­ten­woche:

Sie ist jedes Mal eine neue Forschungsreise. Im Vor­feld habe ich keine Ahnung, wie mein Kör­p­er und mein Gemüt darauf reagieren, wenn ich bewusst auf Nahrung verzichte und mich tief in die Kon­tem­pla­tion über ein Leben­s­the­ma begebe.

 

Und eben­so habe ich auch keine Ahnung, was es mit mir macht, dieses Geldthe­ma so inten­siv mit in diese 40 Tage zu nehmen. Und darüber hin­aus, wie es ist, über die gesamte Zeit regelmäs­sig einen Blog­text zu ver­fassen.

 

Ich freue mich sehr darauf, her­auszufind­en, ob und was für Antworten ich auf all diese Fra­gen find­en werde.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Meine Wünsche für die Schweiz

in Achtsamkeit/Alternative/Geld/Weisheit

Ende des let­zten Jahres habe ich von der Redak­torin der Zeitschrift Dop­pelpunkt die unten ste­hende Anfrage bekom­men. Daraufhin habe ich mich an den Com­put­er geset­zt und hier ist das Ergeb­nis:

Link zum Artikel

Auf der Suche nach span­nen­den Men­schen, die ich für eine kurze Kolumne anfra­gen kön­nte, bin ich auf Sie gestossen. Eine Mys­tik­erin, die sich auch mit Wirtschaft, Poli­tik, Strate­gien und Führung ausken­nt, trifft man sel­ten. Gerne frage ich Sie deshalb an, ob Sie für unser erstes Heft des Jahres 2020 eine kurze, per­sön­liche Zukun­ftsvi­sion schreiben mögen: Wenn Sie für den Fortbe­stand der Schweiz eine Strate­gie entwick­eln müssten, wie sähe die aus?

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