Samstag, 14. März 2020 – Meine Woche ohne Nahrung beginnt

in Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

In dieser Woche möchte ich täglich die Gedanken zum The­ma Geld und Fas­ten weit­er­en­twick­eln. Dabei freue mich sehr auf den Aus­tausch mit anderen Men­schen, denn Geld ist ja etwas ganz Per­sön­lich­es und gle­ichzeit­ig auch etwas, dass uns alle bet­rifft, denn wie bere­its im Blog «Kann man Geld essen?» erwäh­nt, ist Geld etwas, dass nur in ein­er Tauschbeziehung einen Nutzen erhält. Ich freue mich darauf, für die kom­menden sieben Tage an jedem einzel­nen Tag meine Gedanken über diesen Blog zu teilen.

Die unter­schiedlichen Aspek­te des Geld­fas­tens, welche ich in den vorheri­gen Beiträ­gen ange­sprochen habe, sind für mich alle auf ihre Weise span­nend. Für den Moment möchte ich die bei­den The­men Geld­frei­heit und Macht des Geldes betra­cht­en. Aber ich schaue nicht nur auf mich ganz per­sön­lich und meine Beziehung zum Geld, son­dern mache den Fäch­er auf und schaue, was ger­ade in der Welt geschieht, wo Geld­flüsse ver­siegen und Machtver­hält­nisse sich verän­dern.

Am Don­ner­stag, 12. März hat die USA einen 30-tägi­gen Ein­reises­topp gegenüber Europa aus­ge­sprochen. Anschliessend waren die Börsen auf Tal­fahrt. Ein kurz­er Artikel von SRF namens «Schwarz­er Fre­itag – Die Börsen im freien Fall wegen Coro­n­avirus» vom Mor­gen des Fre­itag, 13. März enthält einen Satz, der mich aufhorchen lässt. Dieser heisst «Doch die Anlegerin­nen und Anleger glauben offen­bar nicht daran, dass man eine Pan­demie mit Geld­poli­tik bekämpfen kann.».

Dass wir als Gesellschaft durch einen Virus namens COVID-19 so sehr in unser­er Art und Weise, wie wir unser Leben gestal­ten, in Frage gestellt wer­den, kon­nte sich noch vor ein paar Wochen nie­mand vorstellen. 

Als ich zu Beginn der Fas­ten­zeit in meinem Blog­beitrag mir sel­ber die Frage gestellt habe, was passieren kön­nte, wenn die wohlhabende Welt für eine Woche auf Ein­nah­men verzicht­en würde, habe ich nicht erwartet, dass ich so schnell eine reale, in unser­er Wirtschaftswelt ver­ankerte Antwort darauf bekom­men würde. Das was ger­ade in der Welt in Verbindung mit diesem Virus passiert, hat Auswirkun­gen, die weit über die Eindäm­mung ein­er Krankheit hin­aus gehen.

Fast jed­er Bere­ich unseres Lebens ist in irgen­dein­er Form betrof­fen. Da ich mich entsch­ieden habe, in dieser Zeit über Fas­ten und Geld zu schreiben, werde ich mich auch bis Ostern, dem Ende der offiziellen Fas­ten­zeit darauf fokussieren, dies jedoch nicht ohne ab und zu auf die Aktu­al­ität zurück­kom­men, denn ich denke, noch bess­er gesagt, ich wün­sche uns allen, dass wir aus dieser Krise auch Schlüsse ziehen und Antworten auf die Frage find­en wer­den, was an unser­er aktuellen Form, zu leben vielle­icht auf Dauer verän­dert wer­den kön­nte. Ich erin­nere ein­fach nochmals daran, wie gut einige der Mass­nah­men gegen den Virus für Kli­ma und Natur sind und auch ein massvolles, genügsames Kon­sumver­hal­ten unter­stützen.

Die aktuelle Entwick­lung in der Coro­na Krise macht deut­lich: Ein uner­wartetes Ereig­nis und unsere regelmäs­si­gen Geld­flüsse sind gefährdet und unsere so müh­sam aufge­baut­en Sicher­heit­spol­ster in Geldein­heit­en schmelzen an manchen Stellen bere­its bedrohlich zusam­men. 

Medi­en bericht­en von Umsatzein­bussen, Arbeit­nehmer wer­den in die Kurzarbeit geschickt, Restau­rants bleiben leer. Und nun wird es auch an den Börsen sicht­bar, zum Beispiel durch tiefrote Zahlen und Reko­rd­ver­luste am Don­ner­stag, 12. März 2020.

Der Geld­fluss stockt – unfrei­willig. Wie ich im Blog «Wenn Geld­flüsse unter­brochen wer­den: Führt der Coro­n­avirus zu unfrei­willigem Geld­fas­ten?» fest­gestellt habe, hat dies nichts mit Geld­fas­ten zu tun, da Fas­ten Frei­willigkeit bed­ingt. Bei der Suche nach der Antwort «Was ist die Wirkung des Geld­fas­tens?» ist eine Auseinan­der­set­zung mit den aktuellen Ereignis­sen hil­fre­ich, denn in bei­den Fällen fliesst das Geld nicht mehr so weit­er, wie bish­er.

So sehr ich mich in Men­schen und Insti­tu­tio­nen hinein­ver­set­zen kann, die in weni­gen Tagen zwis­chen 10 bis 25% oder auch noch mehr des Wertes ihres Ver­mö­gens an der Börse ver­loren haben, ich sehe es als ein weg­weisendes, fast pos­i­tives Zeichen, wenn wir erken­nen, dass Geld an sich nie die Lösung eines Prob­lems, ein­er Her­aus­forderung sein kann. Geld kann unter­stützen, aber Geld an und für sich ist nicht das, was wir wirk­lich brauchen.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um im Alter gut zu Leben» meinen wir eigentlich: Ich möchte auch im Alter eine schöne Woh­nung haben; ich möchte, wenn ich krank bin, eine gute Betreu­ung und Ver­sorgung haben; ich möchte auch im Alter gut und gesund leben.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um zum Frisör zu gehen» benöti­gen wir eigentlich einen Haarschnitt oder vielle­icht auch nur eine Kopf­mas­sage oder ein Gespräch mit einem Men­schen, der uns sym­pa­thisch ist.

Ich erzäh­le nichts wirk­lich Neues, wenn ich sage, dass all diese Bedürfnisse inzwis­chen auch ohne Geld erfüllt wer­den kön­nen.

Ein paar Beispiele aus meinem ganz per­sön­lichen Umfeld, im Wis­sen, dass es noch viele weit­ere gibt.

KISS — die vierte geld­freie Vor­sorgesäule

«Keep ishort and simple» baut Zeitkon­ten auf, die in ein­er späteren Phase im Leben wieder abgerufen wer­den kön­nen. KISS-Genossen­schaften bieten ihren frei­willig täti­gen Mit­gliedern viel­seit­ige Unter­stützung, indem sie Men­schen in allen Lebensla­gen und ‑altern begleit­en, mit alltäglichen Dien­stleis­tun­gen in Haus und Garten, Fahrten, mit Zuhören und Gesprächen, Spazieren, Bewe­gung usw. Die sich unter­stützen­den Men­schen («Tandems») wer­den durch Fach­per­so­n­en zusam­menge­führt und begleit­et.

Tauschen am Fluss

In dieser Tauschbörse wer­den die unter­schiedlich­sten Dien­stleis­tun­gen aus­ge­tauscht. Eine Über­sicht aller aktuellen Ange­bote find­et sich in der Mark­tzeitung.

Puraver­du­ra

Puraver­du­ra ist eine Genossen­schaft bei mir direkt um die Ecke, wo ich ab Som­mer dieses Jahres einen Teil mein­er Nahrung beziehen kann, da ich Genossen­schaft­lerin bin. Im Gegen­zug habe ich einen finanziellen Genossen­schafts­beitrag geleis­tet und werde zusät­zlich mit Arbeit­en wie Jäten, Ern­ten und ähn­lich­es meinen Anteil an der Ernte ver­di­enen. Dies ist für mich nicht voll­ständig geld­frei, da ich mich entsch­ieden habe, nur acht Arbeit­sein­sätze zu leis­ten. Mit mehr Arbeit­sein­sätzen kann man die Geldleis­tung bei ver­schiede­nen For­men der sol­i­darischen Land­wirtschaft wesentlich reduzieren. 

Genossen­schaften für sol­i­darische Land­wirtschaft find­en sich inzwis­chen über­all. Zu Beginn braucht es eine Anfangsin­vesti­tion und auch die Mitar­bei­t­en­den müssen in Geldein­heit­en bezahlt wer­den – denn wir leben nun mal auch noch im altherge­bracht­en Geld­wirtschaftssys­tem. Erst wenn voll­ständi­ge Tauschzirkel aufge­baut sind, wer­den diese Sys­teme immer robuster wer­den und weniger Geld muss fliessen.

Sieben Lin­den ist ein Dorf in Deutsch­land, welch­es als gesamte Sied­lung darauf aus­gerichtet ist, sich unab­hängig von glob­alen Geld­flüssen zu machen. Viele gute Ideen und Impulse sind hier zu find­en. 

Zusam­menge­fasst:

Es gibt also Wege, um in eine Geld­frei­heit zu kom­men und sich der Macht, welche das Geld über uns zu haben scheint, länger­fristig zu entledi­gen. Zugegeben, sie sind aufwendi­ger als manch­er Job. Hier darf sich jed­er und jede fra­gen: 

Was sind mir meine Geld­frei­heit und ein gutes Leben wert? 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

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