Kann man Geld essen?

in Alternative/Fasten/Geld

Nein – natür­lich nicht. Geld sel­ber nährt uns nicht. Wir müssen es immer in etwas anderes, zum Beispiel in Lebens­mit­tel, umtauschen. Leben vom Geld kön­nen wir also nicht. 

«Was kön­nte die Wirkung von Geld­fas­ten sein?» Diese Frage habe ich zum Ende des zweit­en Blo­gein­trages gestellt. Bevor ich die Frage zu beant­worten ver­suche, möchte ich zunächst ein­mal für jene, die sich weniger oder anders mit Geld beschäfti­gen als ich, der Frage nachge­hen, was Geld ist.  

Es scheint, fast alle denken, dass sie Geld zum Leben brauchen. Das ist irgend­wie wahr – und dann doch wieder nicht. Denn, wie schon ein­gangs fest­gestellt: Geld kön­nen wir nicht essen! Aber in der Welt, in der wir leben, scheint Geld eines der wichtig­sten Ele­mente zu sein, denn für so gut wie alles scheinen wir Geld zu benöti­gen – so denken und leben wir zumin­d­est.

Mit meinen ersten Blog­beiträ­gen zum The­ma Geld­fas­ten habe ich mehr Fra­gen als Antworten in den Raum gestellt, mehr Unord­nung als Ord­nung in meine Gedanken gebracht, die um das The­ma der Wirkung des Verzichts auf Geld kreisen.

Auch beim Nahrungs­fas­ten ist es in den ersten Tagen immer wieder so, dass meine Gedanken in Aufruhr ger­at­en und mein Kör­p­er eine Alarm­stel­lung ein­nimmt. Der Verzicht auf feste Nahrung bedeutet auch, dass mein Stof­fwech­sel sich verän­dert und sich auf die neue Sit­u­a­tion ein­stellt. Seit­dem ich mich gedanklich mit dem Geld­fas­ten beschäftige, beobachte ich, wie sich sowohl meine Ein­stel­lung als auch meine Ansicht­en über das Geld und seine Wirkung auf mich verän­dern.

Die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten find­et bei mir vor­läu­fig nur in Gedanken und nicht in Tat­en statt. Das war wahrschein­lich auch so, als ich vor inzwis­chen mehr als 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben zu ein­er Woche Fas­ten und Wan­dern ins Bercht­es­gaden­er Land gefahren bin. Ich hat­te keine Ahnung, was mich erwarten wird, und war ziem­lich aufgeregt und neugierig. Damals kon­nte ich mir über­haupt nicht vorstellen, dass ich mehr als 24 Stun­den ohne Nahrung auskom­men werde.

Zurück zum Geld. 

Sieben Tage ohne Gel­daus­gaben hat auf mein per­sön­lich­es Leben keinen erkennbaren Ein­fluss. Aber das liegt vielle­icht auch daran, dass Geld und Zeit auf eine Weise miteinan­der ver­bun­den sind, in der eine Woche nicht wirk­lich eine Rolle spielt. Meine Ein­nah­men und Aus­gaben kann ich für eine gewisse Zeit auf­schieben. Natür­lich nicht für ewig und schon gar nicht lange über eine bes­timmte Fäl­ligkeit hin­aus, aber ein paar Tage oder Wochen kann ich die meis­ten Zahlun­gen hin­auszögern. 

Mein Ver­mi­eter erwartet von mir die monatliche Zahlung der vere­in­barten Miete. Wenn ich aus­nahm­sweise ein paar Tage später zahle, wird die Welt nicht unterge­hen. Wenn ich natür­lich regelmäs­sig ver­spätet bin oder sich die unbezahlten Mieten anhäufen, ist dies etwas anderes. Dann wird mein Ver­mi­eter die Geduld mit mir ver­lieren und den Mietver­trag kündi­gen.

Für die Annäherung an die Wirkun­gen des Geld­fas­tens ist es spätestens jet­zt notwendig, dass ich mir nochmals genau anschaue, wo Geld eigentlich seine Wirkung ver­bre­it­et.

Im Beispiel von meinem Ver­mi­eter und mir ist es eine Vere­in­barung, die er und ich getrof­fen haben, für die Nutzung von etwas, dass ihm gehört und welch­es er mir gegen Zahlung eines monatlichen Betrages zur Ver­fü­gung stellt. 

Ich glaube, wenn ich ihm erk­lären würde, auf­grund mein­er Idee, Geld­fas­ten länger­fristig zu erforschen, für die kom­menden Monate keine Miete mehr zu bezahlen, wäre er nicht ein­ver­standen. Ich würde damit ein­seit­ig eine Vere­in­barung, die wir getrof­fen haben, nicht ein­hal­ten. Sein Unmut darüber wäre mehr als ver­ständlich.

Also, zurück auf Feld 1, zurück zur Frage: «Was ist Geld?»




Der Duden definiert Geld wie fol­gt:

  1. in staatlichem Auf­trag aus Met­all geprägtes oder auf Papi­er gedruck­tes Zahlungsmit­tel
  2. größere [von ein­er bes­timmten Stelle stam­mende, für einen bes­timmten Zweck vorge­se­hene] Summe
  3. Kurz­form für Geld­kurs (Beispiel US-Dol­lar = Euro 0,82 Geld)

Und zur Herkun­ft des Wortes «Geld» sagt der Duden:

mit­tel­hochdeutsch gelt = Zahlung, Vergü­tung, Einkom­men, Wert; dann: geprägtes Zahlungsmit­tel, althochdeutsch gelt = Zahlung; Lohn; Vergel­tung, zu gel­ten

Für ein einiger­massen voll­ständi­ges Bild muss ich zunächst auch noch die Frage «Was ist die Funk­tion von Geld in der Wirtschaft?» beant­worten, denn Geld und Wirtschaft sind ja bekan­ntlich eng miteinan­der ver­bun­den.

Geld erfüllt in unser­er Wirtschaft vier Funk­tio­nen:

  1. all­ge­meines Tausch- und Zahlungsmit­tel
  2. Wertmess­er und Rech­enein­heit
  3. Wer­tauf­be­wahrungsmit­tel
  4. Wertüber­tra­gungsmit­tel

1.  und 2. sind für die meis­ten wahrschein­lich noch logisch und präsent. Daher erläutere ich sie hier nicht weit­er.

Zu 3.: Wer­tauf­be­wahrung bedeutet vere­in­facht, dass Geld den Wert ein­er erbracht­en Leis­tung spe­ichert. Ein Beispiel: Ich arbeite einen Monat und am Ende des Monats erhalte ich dafür einen bes­timmten Betrag. Einen Teil davon ver­wahre ich für die kom­menden Monate auf meinem Kon­to und nutze ihn anschliessend, um mir ein Sofa für meine Woh­nung zu kaufen. Der Ter­min, zu dem ich das Geld bekom­men habe und meine Leis­tung erbracht habe, und der Ter­min, zu dem ich das Geld wieder aus­gebe, liegen zeitlich auseinan­der. Geld ermöglicht mir, sel­ber zu bes­tim­men, wann ich die gebrachte Leis­tung in etwas anderes umwan­dle. Diese Spe­icher­funk­tion ist der Grund dafür, dass es so gut wie keine Auswirkung auf mich hat, wenn ich eine Woche Geld­faste. Mit Wertüber­tra­gung, der vierten genan­nten Funk­tion, ist gemeint, dass etwas durch das Geld einem bes­tim mten Wert zuge­ord­net wird. Zum Beispiel der oben erwäh­nte Lohn entspricht dem Wert, den meine Arbeit­ge­berin mein­er Arbeit beimisst. Der Betrag, den mein Ver­tragspart­ner im Kon­text mein­er Selb­st­ständigkeit für meine Dien­stleis­tung bezahlt, entspricht dem Wert mein­er Leis­tung in Geldein­heit­en. Diesen Wert kann ich in Form von Lebens­mit­teln, einem Sofa oder irgen­det­was anderes, was ich kaufen kann, trans­formieren.

Soviel zur Def­i­n­i­tion von Geld. 

Wie wirkt also Geld­fas­ten? 

Zunächst ein­mal ist in dieser Vor­bere­itungszeit die Hauptwirkung auf mich, dass ich mich wirk­lich, inten­siv und ehrlich mit meinem Ver­hält­nis zum Geld beschäftige. Dies ist etwas, was nor­maler­weise im All­t­ag unterge­ht. 

In meinem All­t­ag ist meist genug Geld da, für das, was ich mir leis­ten möchte, manch­mal zugegeben­er­massen zu wenig für alles und dann muss ich mich fra­gen, ob ich das, was ich ger­ade kaufen möchte, wirk­lich brauche und wenn ja, wie ich die notwendi­gen Mit­tel erschaffe: Durch zusät­zlich­es Arbeit­en, durch Sparen, dadurch, dass ich mir das Geld lei­he oder mit Glück auch dadurch, dass mir jemand, etwas von sich aus schenkt.

 «Brauche ich das schöne Sofa wirk­lich, und wenn ja, muss ich es mit Geld kaufen?» ist eine weit­ere Frage, die durch meine Beschäf­ti­gung mit dem Geld­fas­ten sicht­bar und rel­e­vant wird. So wie ich mich nach dem Abschluss ein­er Fas­ten­woche jedes Mal beim Verzehr von Nahrungsmit­teln frage, ob mir das, was ich ger­ade zu mir nehme, wirk­lich gut tut.

Es wird span­nend wer­den, weit­ere Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Geld und Fas­ten im Ver­lauf der Fas­ten­zeit näher anzuschauen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*