Suffizienz und Lebenskunst

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Mit Beginn des Som­mers habe ich das Schreiben unter­brochen, und diesen Blog für einen kleinen Augen­blick ruhen lassen. Nun, nach den Som­mer­fe­rien, die ich im Jura, im Tessin und in den Bünd­ner Bergen ver­bracht habe, beginne ich wieder Freude daran zu bekom­men, Gedanken in Worte zu fassen. Somit beginne ich langsam wieder mit dem Schreiben und schaue, wohin es mich führt.

Obwohl ich in einem früheren Beitrag schon ein­mal das, was ich mit Suf­fizienz verbinde, erläutert habe, möchte ich an dieser Stelle nochmals beleucht­en, wieso für mich und mein Han­deln die Suche nach einem suf­fizien­ten Lebensstil so wichtig ist.

Eigentlich gibt es viel schönere Worte, um das, was ich mit dem Wort Suf­fizienz aus­drück­en möchte, zu beschreiben.

Genügsamkeit, das rechte Mass, Entschle­u­ni­gung, Demut sind einige dieser Worte. Ich benutze sie gerne, höre sie jedoch sel­ten. Dies liegt vielle­icht daran, dass sie für manche Men­schen einen noch schlechteren Ruf als Suf­fizienz haben. Ich werde in den näch­sten Sätzen ver­suchen zu erläutern, warum ich diese Worte und die damit ver­bun­de­nen Werte und Hand­lungsweisen so erstrebenswert finde.

Suf­fizienz ste­ht gemäss Wikipedia für ein Leben und Han­deln mit möglichst wenig Ressourcenver­brauch. „Suf­fi­cio“ hat im Lateinis­chen ver­schiedene Bedeu­tun­gen und wird häu­fig mit „genü­gend, aus­re­ichend“ über­set­zt. Eine weit­er Bedeu­tung ist jedoch auch: „jeman­den als Ersatz benen­nen, erset­zen“. 

Für mich sel­ber ist das Forschen nach einem Ersatz, und damit meine ich die Suche nach ein­er besseren, ver­ant­wor­tungsvolleren Weise des Han­delns oder des Kon­sum­ierens eine Art Leben­sauf­trag. Es ist ein­er der für mich wichti­gen Schlüs­sel für gutes Leben.

Ich ver­suche, mich bei den Din­gen, die ich tue, die ich kon­sum­iere, die ich sage, immer wieder zu fra­gen: 

Gibt es eine bessere Art für mein Han­deln?

Und mit bess­er meine ich etwas, das bess­er ist für mich und mein Wohlbefind­en und für alles, was von meinem Han­deln bee­in­flusst wird. Ich meine damit ein Han­deln, welch­es der Umwelt nicht schadet und keinem anderen Wesen Leid zufügt.

Weniger ist mehr – das ist das Losungswort zum Ein­tritt in die Welt der Suf­fizienz. Ich geniesse es mich auf das zu konzen­tri­eren, was ich wirk­lich brauche und benutze. Damit bin ich nicht alleine. Inzwis­chen scheint es über­all Rat­ge­ber, Büch­er und Online Foren zu geben, die sich mit dem Reduzieren und Vere­in­fachen des Lebens beschäfti­gen. Eine kurze Suche bei Ecosia ergibt Leses­toff für mehrere Tage und auch die Webeite Utopia ist mit ihren Artikeln immer wieder ein inspiri­eren­der Aus­gangspunkt für die Recherche im Netz.

In Bezug auf einen Aspekt des Lebens bedeutet Suf­fizienz für mich genau das Gegen­teil von „weniger ist mehr“ und hier begin­nt die Leben­skun­st, das gute Leben für mich. Je mehr ich reduziere, desto mehr Zeit habe ich. 

Zeit haben heisst frei entschei­den zu kön­nen, wofür ich meine Zeit nutze. Dies ist für mich unendlich wertvoll. 

Die Zeit für ein gutes Gespräch haben.

Zeit mit Men­schen ver­brin­gen, die mich inspiri­eren.

Sin­gen, Lachen, Tanzen…

Ein gutes Buch lesen.

Meine Gedanken in Worte fassen.

In der Natur sein.

Diese Dinge sind mir wichtig.

«Weniger ist mehr» bedeutet, dass ich an vie­len Stellen immer weniger Geld aus­gebe. Somit bin ich auch immer weniger abhängig davon, Geld ver­di­enen zu müssen. Natür­lich bin ich noch sehr weit davon ent­fer­nt, mein Geld so zu erwirtschaften, wie es Tim Fer­ris mal vor eini­gen Jahren in seinem Buch „Die 4 Stun­den Woche“ beschrieben hat. Seine Vorstel­lung vom guten Leben ist irgend­wie doch etwas anders als meine. Dazu arbeite ich wohl auch viel zu gerne und ich bin auch nicht sich­er, ob das Vorge­hen, so wie er es beschreibt für mich wirk­lich erstrebenswert ist. Und doch, ich habe das Buch gerne gele­sen, es hat mir damals wichtige Impulse für meinen eige­nen Weg gegeben. 

Ein Job, mit dem ich Wirkung erziele und meine Visio­nen vom ver­ant­wor­tungsvollen Leben mit­gestal­ten kann, ist mir wichtig. Auch dafür brauche ich Zeit. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und begonnen mein Leben so zu gestal­ten, wie es mir gut tut.

Dass dies dazu geführt, dass ich immer weniger brauche, ist in manchen Lebens­bere­ichen eher Zufall, das gebe ich zu. Vielle­icht ist es aber auch ein­fach eine wichtige Bedin­gung für ein gutes Leben: Immer nur das, was wir wirk­lich brauchen, für uns sel­ber zu beanspruchen und alles andere dort lassen, wo es ist, statt unser Leben damit zu über­füllen.

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