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Geld

Die kleinen Zeichen am Wegesrand

in Achtsamkeit/Alternative/Geld/Lebenskunst/Lösungen/Suffizienz

Eigentlich sind es gar keine kleinen Zeichen, son­dern grosse Plakete gewe­sen, die heute mor­gen meine Aufmerk­samkeit geweckt haben.

In der Regel ärg­ere ich mich über die viele Wer­bung in der Stadt, weil ich sie für über­flüs­sig und manip­ulierend halte. Ich denke die Wer­bung hat einen sehr grossen Anteil daran, dass diese oft gedanken­lose Kon­sumpar­ty, die viele von uns feiern, immer noch funk­tion­iert. Wer­bung ver­führt, das ist nichts Neues.

Und doch…

…Wer­bung hat auch andere Seit­en. Sie informiert mich über den Puls der Zeit. Deshalb widme ich ihr heute meinen kurzen Blog­beitrag.

Auf dem Weg zur Tramhal­testelle gehe ich jew­eils an ein­er Hand­voll dieser über­grossen Wer­be­plakate vor­bei.

Das erste, welch­es ich heute mor­gen wahrgenom­men habe, zeigte Wer­bung für Solarstrom, also für erneuer­bare Energien, das zweite warb für eine Plat­tform für gebrauchte Kon­sumgüter, ein Aufruf zu mehr Suf­fizienz. Und das dritte zeigte Möglichkeit­en für Ferien in der Schweiz und gab so einen Impuls nach­haltiger zu reisen.

Diese drei Plakate, welche alle auf ihre Art und Weise Alter­na­tiv­en zu unseren aktuellen Hand­lungsweisen zeigen, standen dicht nebeneinan­der. 

Vielle­icht bin ich zu opti­mistisch, aber für mich ist dies ein kleines, aber feines Zeichen, dass sich etwas verän­dert. Wenn Fir­men begin­nen ihr Wer­be­bud­get für das Zeigen von echt­en Alter­na­tiv­en einzuset­zen, wenn Teile der Wirtschaft begin­nen, sel­ber neue, ver­ant­wor­tungsvollere Lösun­gen zu entwick­eln, dann macht mich das hoff­nungsvoll.

Und es war nicht nur ein Plakat. Es waren drei nebeneinan­der. Vielle­icht war es Zufall, aber ich sehe es als ein ganz kleines Sig­nal, dass doch viel mehr möglich ist, als wir alle denken.

Vor kurzem hat­te ich ein sehr inspiri­eren­des Gespräch mit dem Geschäfts­führer von Rotauf. Vor eini­gen Wochen habe ich ihr Crowd­fund­ing unter­stützt und ihn nun per­sön­lich ken­nen­gel­ernt. Lokal, nach­haltig und ver­ant­wor­tungsvoll zu pro­duzieren braucht viel Kreativ­ität, Geduld und Überzeu­gungskraft. Und es ist möglich. Diese Ini­tia­tive ist nur ein von den vie­len ver­ant­wor­tungsvollen Geschäft­sideen, die ger­ade in die Tat umge­set­zt wer­den.

Wichtig ist, dass wir sie wahrnehmen und wichtig ist auch, dass wir sie unter­stützen. Dies kön­nen wir alle tun, indem wir acht­samer kon­sum­ieren und uns die Zeit dafür nehmen, gute (Kauf-) Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. Gut für uns und gut für unsere Umwelt.

Was wäre, wenn es irgend­wann wieder ganz nor­mal ist, dass unsere Möbel zeit­los schön sind und uns unser Leben lang begleit­en. Was wäre, wenn es selb­stver­ständlich ist, dass unsere Klei­dung vor unser­er Haustür pro­duziert wird und wir mit dem Geld, welch­es wir für diese Dinge aus­geben, Arbeit­splätze in unser­er unmit­tel­baren Umge­bung finanzieren?

Utopie? Zu teuer? Zu kom­pliziert?

Nein, es ist nur noch nicht über­all angekom­men, dass es auch anders gehen kann.

Wer­bung in der Stadt finde ich weit­er­hin nicht so opti­mal. Ein paar schöne Kunst­werke, ein paar Bäume und Pflanzen, wäre mir per­sön­lich viel lieber als Plakate, die zu irgen­dein­er Form von Kon­sum auf­fordern. 

Doch heute mor­gen bin ich für ein­mal dankbar für die Plakate, denn son­st hätte ich vielle­icht ver­passt, dass sich Dinge ger­ade Schritt für Schritt zum Pos­i­tiv­en verän­dern.

Was haben Bäume mit Geldfasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Baum/Geld/Lösungen/Natur

Spon­tane Antwort: Je tiefer ich mich in die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten begab, desto weniger kon­nte ich den Wald vor lauter Bäu­men sehen. Sprich­wörtlich und wirk­lich. Ich gehe tiefer und tiefer in die einzel­nen The­men und der Gesamtüberblick scheint mir an manchen Stellen ver­loren zu gehen. Das The­ma Geld­fas­ten tritt in den Hin­ter­grund. Andere Fra­gen und The­men wie der Coro­n­avirus und die Weltwirtschaft nehmen sich fast unbe­merkt ihren Raum. Dies vielle­icht, weil ein­fach über­all Geld involviert ist. Hinzu kommt, dass durch all die Mass­nah­men rund um Coro­na nun plöt­zlich vieles ganz anders ist, als ich es noch vor ein paar Wochen dachte. Die Angst vor Krankheit und Tod scheint ganz plöt­zlich viel rel­e­van­ter, als der Erhalt unser­er Geld­flüsse und der Wirtschaft. 

Vieles, was ich längst geah­nt hat­te, wird immer mehr durch Selb­st­beobach­tung und Erken­nt­nisse bestätigt. Mein ganz per­sön­lich­es Ver­hält­nis zum Geld, mein Umgang mit Geld bes­timmt fast unmerk­lich mein gesamtes Leben und damit bee­in­flusse ich auch das Leben von anderen. Meine Geldentschei­dun­gen führen an anderen Stellen in der Welt zu ver­schmutzten Flüssen, zu Hunger und Leid.

Und was haben die Bäume damit zu tun?

Ich lese ger­ade das Buch «Die geheime Sprache der Bäume» von Erwin Thoma. Im Jan­u­ar 2020 hat­te ich das Glück, mit ihm ein paar Tage ver­brin­gen und seine Weisheit und sein Engage­ment für unsere Natur und die Bäume erleben zu dür­fen. Über den Nutzen von Bäu­men und den acht­samen Umgang mit ihnen möchte ich hier gar nicht schreiben. Hierzu kann sich jed­er bei Erwin ThomaErnst Zürcher aber auch der mit­tels des Films «Das Geheim­nis der Bäume» von Luc Jacquet und vie­len anderen Quellen sel­ber ein Bild machen.

Für mich ist ein Absatz aus dem Buch von Erwin Thoma beson­ders Augen öff­nend gewe­sen und hat bei mir sehr viel aus­gelöst:

Die Bäume ver­fü­gen über eine natür­liche Intel­li­genz, welche sie in jedem Moment anwen­den, um per­fekt auf die äusseren Bedin­gun­gen zu reagieren. Bei Sturm wer­den mehr starke Zellen und Struk­turen auf der Seite des Baumes erschaf­fen, wo der Druck am grössten ist. Bei Trock­en­heit wird mehr Wass­er gespe­ichert, die Ver­sorgung von nicht leben­snotwendi­gen Teilen des Baumes wird reduziert.

Ein Baum lebt in einem voll­ständi­gen Kreis­lauf – vom Erschaf­fen bis zum Verge­hen. Alles wird genutzt, sog­ar die Asche vom Holz, welche beim Feuern unser­er Öfen entste­ht, kann uns als hochw­er­tiger Dünger dienen.

Diesem Bild hat Erwin Thoma die Tätigkeit eines Sta­tik­ers gegenübergestellt, der ein Haus, eine Brücke oder etwas anderes Lan­glebiges bauen soll. Der Sta­tik­er, die Sta­tik­erin muss schon vorher alles berech­nen, für alle Even­tu­al­itäten Vor­bere­itun­gen tre­f­fen.

Der mögliche Sturm, das Wass­er und alle weit­eren Aussene­in­flüsse müssen berech­net sein.

Schnell wird mir klar, dass wir in vie­len Sit­u­a­tio­nen, in welchen es um unsere Sicher­heit geht, beson­ders im Umgang mit Geld, wie Sta­tik­erin­nen han­deln anstatt uns die intel­li­gen­ten und lern­fähi­gen Bäume als Beispiel zu nehmen.

Was wäre, wenn wir mit unseren Geldentschei­dun­gen ähn­lich sit­u­a­tiv umge­hen wür­den, wie die Bäume mit den Sit­u­a­tio­nen, die von aussen an sie herange­tra­gen wer­den? 

Geld ist ein Gut, welch­es auf­grund der Eigen­schaften wun­der­bar sit­u­a­tiv genutzt wer­den kön­nte. Wie die Säfte des Baumes, sollte es im steti­gen Fluss sein, um genau dort zu den Men­schen zu gelan­gen, wo es ger­ade benötigt wird. 

Mein Verzicht auf Geld ist ein Gewinn für eine andere Per­son an ein­er anderen Stelle. Aber nur, wenn das Geld im Fluss ist. 

Wenn ich weniger für mich aus­gebe, kann jemand anderes den übri­gen Betrag nutzen. Wenn ich weniger arbeite, ist im Unternehmen Geld vorhan­den, um eine weit­ere Per­son einzustellen. Eine Bedin­gung dafür ist, dass das Geld stetig und bedarf­sori­en­tiert fliesst, wie das Wass­er und die Nährstoffe im Baum.

Jet­zt kön­nte natür­lich der Ein­wurf kom­men, dass die Men­schen, die das Geld bekom­men, damit etwas machen, was ich mir nicht wün­sche. Dann würde mein Fas­ten ein­fach nur dazu führen, dass jemand anderes die Bil­lig-Jeans, das Weg­w­erf­pro­dukt kauft oder eine andere Kon­sumentschei­dung trifft, die ich sel­ber nie tre­f­fen würde.

The­o­retisch kann das sein, aber hier ist die Selb­stver­ant­wor­tung gefragt. Wieder gibt es eine Par­al­lele zum Baum: Im Baum gibt es keine zen­trale Schalt­stelle, jede Zelle arbeit­et eigen­ver­ant­wortlich. Der Nutzen des Ganzen, liegt im ure­ige­nen Inter­esse aller Bestandteile des Baumes.

Ich entschei­de, wohin ich das Geld gebe, welch­es ich sel­ber nicht brauche. Ich habe per­sön­lich schon vie­len Men­schen mit ganz kleinen Beträ­gen unter­stützt, welche in ihrem Feld eine grosse Wirkung erzielt haben. Und ich durfte sog­ar grössere Beträge ver­wen­den, um Star­tups für einen guten Zweck zu unter­stützen. Die mod­erne Tech­nik unter­stützt uns hier, das zu fördern, was wir ganz per­sön­lich unter­stützen wollen (KIVAWemakeitGebana: Bauern suchen Kun­den und viele mehr).

Die Ausrede «Ich weiss nicht, wohin mein Geld geht» zählt nicht mehr. Um in meinem ganz eige­nen Feld zu bleiben: Die ver­ant­wor­tungsvollen Banken wie ABSFreie Gemein­schafts­bankGLS oder auch die Glob­al Alliance for Bank­ing on Val­ues und die FEBEA leis­ten hier einen wirkungsvollen Beitrag.

Geld­fas­ten kann aber auch heis­sen, weniger arbeit­en. Stimmt hier das Argu­ment, dass ich fremdbes­timmt bin und damit nicht sel­ber und sit­u­a­tiv über meine Geld­flüsse entschei­den kann? Nein, kein­er zwingt mich bei einem Arbeit­ge­ber zu arbeit­en, der zwar hohe Gehäl­ter bezahlt, aber dies auf Kosten der Umwelt und der Gesund­heit tut. Und auch im Job sel­ber habe ich Spiel­raum. Ich sel­ber arbeite derzeit im Job­shar­ing und hoffe, dass dieses auch anderen zur Inspi­ra­tion dient. Jed­er und jede von uns befind­et sich in ganz unter­schiedlichen Lebens- und Beruf­s­si­t­u­a­tio­nen und wie bei einem Baum sind auch die Aussenbe­din­gun­gen bei uns ganz indi­vidu­ell. Daraus fol­gt, dass es kein Paten­trezept gibt, welch­es bei allen Men­schen anwend­bar wäre. Das heisst aber auch, dass wir die Chance haben, ganz indi­vidu­ell und auf uns per­sön­lich zugeschnit­tene Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. 

Die Bäume lehren uns ein Reagieren auf Aussene­in­flüsse aus der Sit­u­a­tion her­aus und ähn­lich stelle ich mir ein gutes Ver­hält­nis zum Geld und den Ein­nah­men und Aus­gaben vor.

Das Geld ist unser ganz per­sön­lich­es Werkzeug, es den Bäu­men nachzu­machen.

Für das Entste­hen eines manch­mal bis zu 50 Meter hohen Baumes braucht es einen geschützten Platz, Son­nen­licht, Humus, Wass­er und einen nur Mil­lime­ter grossen Samen – mehr nicht.

Der Gedanke als Men­sch von den Bäu­men zu ler­nen, wäre es Wert, weit­er­ver­fol­gt zu wer­den. Doch führt dieser zu weit weg vom Geld­fas­ten, daher lasse ich ihn ziehen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Ich weiss, dass ich nicht weiss…

in Achtsamkeit/Fasten/Geld/Weisheit

… Dieses Zitat find­et sich bei Pla­ton und wird Sokrates zugeschrieben.

Ganz kurz und sub­jek­tiv zusam­menge­fasst geht es für mich in diesem Zitat darum, zu erken­nen, dass vieles von unserem ver­meintlichen Wis­sen Schein­wis­sen ist.

Wir glauben zu wis­sen und doch ken­nen wir häu­fig nur einen Teil der Fak­ten, ein Puz­zlestück, einen Auss­chnitt, her­aus­geris­sen aus dem Gesamtkon­text. Und daraus bildet sich dann unser Schein­wis­sen. Haben wir dieses für uns erkan­nt, ist der erste Schritt getan und wir kön­nen uns bewusst damit beschäfti­gen, dass wir nicht wis­sen. Dieses Beschäfti­gen mit dem Nichtwissen und vor allen Din­gen das Frieden schliessen mit dem Nichtwissen ist es, was uns erlaubt zur Ruhe zu kom­men. Dazu braucht es die Erken­nt­nis, dass Nichtwissen nicht mit Hand­lung­sun­fähigkeit gle­ichzuset­zen ist – im Gegen­teil. Das Nichtwissen befähigt uns aus mein­er Sicht erst dazu, weise zu han­deln. Im Nichtwissen geste­hen wir ein, dass wir die Lösung für ein Prob­lem nicht ken­nen und bauen auf unsere Erfahrun­gen und Fähigkeit­en, um eine neue Lösung zu entwick­eln, weil alle Ver­suche, ein­fach die alten Lösun­gen über das Prob­lem zu stülpen, gescheit­ert sind.

Damit bin ich wieder bei mein­er Haupt­ab­sicht, bei dem Haupt­grund, warum ich faste. Ich faste um meinen kör­per­lichen Funk­tio­nen, meinen Gedanken und Hand­lun­gen einen Neustart zu ermöglichen. Nach dem Fas­ten kann ich Gewohn­heit­en über­prüfen und ändern, die sich vorher unbe­wusst einge­spielt haben.

Eine Woche ist es bere­its her, seit­dem ich das Fas­ten gebrochen habe und wieder Nahrung zu mir nehme. Seit meinem Geburt­stag habe ich keinen Blog­beitrag mehr begonnen und das aus ganz unter­schiedlichen Grün­den. 

Zum einen haben mich ver­ständlich­er Weise die Mass­nah­men des Bun­desrates vom 20. März beru­flich sehr beschäftigt, zum anderen brauchte ich auch meine eigene Zeit, mich dieser neuen Sit­u­a­tion anzunäh­ern, meinen eige­nen Rhyth­mus und meinen eige­nen Platz in dieser Sit­u­a­tion zu find­en. Mein Ziel war und ist es, die guten Impulse des Fas­tens und all mein Ler­nen in dieser Zeit mitzunehmen und anzuwen­den — in dieser Zeit, die ger­ade neu begin­nt, weil die alte so plöt­zlich geen­det hat.

Zum drit­ten wer­den derzeit so viele Worte zur Coro­n­akrise gesagt und geschrieben, so viele Wahrheit­en und Fak­ten ver­bre­it­et, dass ich nicht das Bedürf­nis hat­te, auch noch dazu beizu­tra­gen.


Ich weiss, dass ich nicht weiss…

Ich habe keine Ahnung, ob die getrof­fe­nen Mass­nah­men die richti­gen sind, ob die Zahlen stim­men. Ich kann nicht beurteilen, welche medi­zinis­che Aus­sage zum Krisen­ver­lauf der Wahrheit am näch­sten kommt.

Ich weiss, wie es sich anfühlt, kranke Men­schen zu begleit­en, die mir und meinen Herzen sehr nahe sind. Ich weiss, was es heisst, sich von Men­schen zu ver­ab­schieden, die gefühlt viel zu früh ster­ben. Am let­zten Son­ntag ist jemand aus meinem Umfeld im Alter von 53 Jahren gestor­ben, nicht am Coro­n­avirus und auch nicht völ­lig uner­wartet, aber viel zu früh. Diese Per­son wird eine Lücke hin­ter­lassen. Diese Per­son wird vie­len Men­schen fehlen. 

Ich weiss also, welche Schmerzen für mich mit dem Tod von Men­schen, mit dem Akzep­tieren von Sit­u­a­tio­nen, die ich nicht ändern kann, ver­bun­den sind.

Mein Mit­ge­fühl ist mit all jenen Men­schen, die auf die unter­schiedlich­ste Weise von der Coro­n­akrise durch Krankheit, Tod, Job­ver­lust, Unsicher­heit oder anderen Äng­sten betrof­fen sind. Jed­er und jede von uns wird jet­zt auf ganz unter­schiedliche Weise mit den eige­nen Äng­sten und Sor­gen kon­fron­tiert.

Unbe­wusst ist uns allen bere­its jet­zt klar, ein Zurück zum Nor­malzu­s­tand wird es nicht geben. Denn der Nor­malzu­s­tand, war gar kein­er. 

Es war ein Autopi­lot, der uns erst hier­hin gebracht hat. Immer mehr Kon­sum, immer mehr Stress, mass­los­es Leben und Han­deln hat unseren All­t­ag bes­timmt. Wir nehmen chemisch bear­beit­ete und indus­triell ver­ar­beit­ete Nahrung zu uns, die nicht mehr nährt und erschaf­fen uns damit ein Immun­sys­tem, welch­es uns nicht mehr schützt und sich mit Anfäl­ligkeit­en für Krankheit­en oder auch durch Autoim­munkrankheit­en bemerk­bar macht. Es gibt wahrschein­lich nicht die eine Ursache für die Krise, in der wir vor der Coro­n­akrise bere­its gesteckt haben, es ist ein Cock­tail an Ursachen, welch­er dazu geführt hat.

Wir haben nun als Gesellschaft die grosse Chance, ein neues «Nor­mal» zu definieren, eines welch­es die Würde von Men­sch, Natur und Gesellschaft in den Mit­telpunkt stellt ( siehe meinen let­zten Beitrag «Was hat Würde mit Fas­ten zu tun» ).

Meine kom­menden Beiträge wer­den von diesen Chan­cen han­deln. Und vor allen Din­gen wer­den sie vom Nichtwissen han­deln und davon, dass das Nichtwissen uns zur notwendi­gen Weisheit führen wird, aus dieser Krise zu ler­nen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Was hat Würde mit Fasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Würde – schon wieder so ein altehrwürdi­ges Wort, welch­es es mir ange­tan hat. Würde ist der Wert, der einem Men­schen innewohnt, das Bewusst­sein des eige­nen Wertes (siehe Duden). Die Würde des Men­schen ist in diversen Grundge­set­zen ver­ankert und wie es heisst, unan­tast­bar.

Doch wie gehen wir sel­ber mit unser­er Würde um? Welchen Wert geben wir ihr? Welchen Wert geben wir ihr in Bezug auf Geld.

«Es gibt uns Men­schen eine neue Würde, wenn wir uns in unserem Kon­sum- und Rei­sev­er­hal­ten weit­er­en­twick­eln» schrieb Julia Medug­no am 15. März 2020 in ihrem Blog­beitrag zu dieser Fas­ten­woche, ein Satz der mich inspiri­ert hat, über die Würde und ihre Verbindung zum Fas­ten nachzu­denken.

Es gibt viele Hand­lun­gen, die wir als Men­schen noch immer regelmäs­sig durch­führen, wie das Shop­ping am Sam­stag, die Jagd nach den tech­nis­chen Neuheit­en und das Mit­ge­hen mit jedem Mod­e­trend, die aus mein­er Sicht nicht wirk­lich nährend sind. In Sachen Shop­ping muss ich gar kein Geld fas­ten, denn meine Geld­flüsse gehen nur in diese Rich­tung, wenn ich wirk­lich etwas benötige. Häu­fig denke ich darüber nach, ob ich das Klei­dungstück oder ein neues Smart­phone wirk­lich brauche. Und fast gle­ichzeit­ig denke ich dann auch noch darüber nach, wenn ich etwas erset­ze, was eigentlich noch funk­tions­fähig ist, wem ich das zu erset­zende Stück weit­ergeben kann. Ich habe schon auf Käufe verzichtet, weil mir nie­mand ein­fiel, dem ich das gebrauchte, das alte Stück weit­ergeben kon­nte.

Ein würde­volles Leben hat für mich sehr viel damit zu tun, dass meine Hand­lun­gen von anderen Men­schen und von mir sel­ber als angenehm, acht­sam und weise ange­se­hen wer­den. Dies gilt, weil mir das The­ma Geld so wichtig ist, beson­ders für meine Geldentschei­dun­gen.

Sich sel­ber durch den acht­samen Umgang mit Geld eine neue Würde zu geben ist eine schöne Vorstel­lung, ins­beson­dere, weil ja Würde so viel mit Wert zu tun hat. Ich kön­nte jet­zt damit begin­nen, jede Menge Geld­hand­lun­gen von ver­schieden­sten Unternehmen, Insti­tu­tio­nen oder einzel­nen Men­schen aufzuzählen, welche ich per­sön­lich als so gar nicht würde­voll oder wertvoll beze­ich­nen würde. Dies tue ich jedoch bewusst nicht. Viel schön­er, nähren­der und freud­voller finde ich es Ideen zu entwick­eln, die meinem Han­deln mehr Würde geben. Hier sind mein­er Phan­tasie keine Gren­zen geset­zt. Und ich merke ger­ade: Mein aktuelles Fas­ten muss ich ja auch nach dem Fas­ten­brechen am kom­menden Sam­stag nicht voll­ständig aufgegeben. Ich kann mir weit­er­hin Gutes tun, indem ich massvoll und ver­ant­wor­tungsvoll kon­sum­iere und teile und weit­ergebe, was ich nicht brauche.

Der Bun­desrat hat am Mon­tag 16. März erweit­erte Mass­nah­men für die Eindäm­mung der Coro­n­a­pan­demie beschlossen. Die Schlies­sung von Läden und Gast­stät­ten sowie das Ver­bot von Ver­anstal­tun­gen wird viele Selb­ständi­ge und kleine Unternehmen an den Rand ihrer Exis­tenz brin­gen. Sind wir bere­it, hier zu teilen? Vielle­icht mag es so weit gehen, dass wir, die wir noch regelmäs­sige und gute Gehäl­ter beziehen und Arbeit­ge­ber haben, die kulante Regelun­gen find­en, in den kom­menden Monat­en etwas abgeben müssen und uns in Genügsamkeit und Masshal­ten üben dür­fen, damit alle weit­er­hin gut leben kön­nen. Ich bin gerne bere­it, hier beizu­tra­gen. Für die Men­schen in der Schweiz: Es gibt bere­its eine Onlinep­e­ti­tion, die ihr unter­scheiben kön­nt, wenn ihr wollt. Hier der Link.

Die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen der Coro­n­akrise soll­ten mit dem Ende der vom Bun­desrat erlasse­nen Mass­nah­men nicht ein­fach in Vergessen­heit ger­at­en. Wahrschein­lich wieder­hole ich mich, aber es ist mir ein­fach wichtig. Diese Krise ist für uns alle eine Chance. Dur­chat­men, langsamer wer­den, sich wieder auf das Wesentliche besin­nen, mehr Zeit mit der Fam­i­lie, klares Wass­er in Venedig, Del­phine, die wieder zurück an die Strände kom­men, all dies sind jet­zt schon sicht­bare Wirkun­gen der weltweit­en Mass­nah­men.

Diese soll­ten es uns wert sein, darüber nachzu­denken, ob wir nicht auf Dauer unseren Kon­sum und den Leben­srhyth­mus dem­jeni­gen der Natur anpassen. Wir brauchen viel weniger als wir manch­mal denken, das Fas­ten beweist mir dies immer wieder.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Genügsamkeit

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Zu Beginn der Fas­ten­zeit ist mir das Wort Genügsamkeit in einem Artikel zum The­ma Geld aufge­fall­en. Das Wort und seine Bedeu­tung begleit­en mich seit­dem. Ich wollte schon länger darüber schreiben. Heute beginne ich damit.

Es ist schon selt­sam, wie sehr sich das The­ma «Geld und Fas­ten», welch­es ich mir für diese Fas­ten­woche aus­ge­sucht habe, in den aktuellen Ereignis­sen rund um den Globus wieder­spiegelt. Ich lese von Ham­sterkäufen, von Län­dern, die ihre Gren­zen schliessen, mit der Begrün­dung, dass Gren­zgänger nicht die Regale der Lebens­mit­telgeschäfte im Nach­bar­land leer kaufen.

Mit Genügsamkeit hat dies nur wenig zu tun. Syn­onyme zu Genügsamkeit sind zum Beispiel: Beschei­den­heit, Dankbarkeit, Ein­fach­heit, Enthalt­samkeit. Genügsam sein bedeutet: Mit wenig zufrieden zu sein, so sagt der Duden. Anson­sten finde ich bei der Suche im Netz nicht son­der­lich viel zur Genügsamkeit. Sie scheint ver­al­tet, nicht attrak­tiv. 

Beschei­den­heit ist nicht gefragt, unsere west­liche Kon­sumge­sellschaft spiegelt es uns wider,. Wir leeren die Regale, damit es uns auch weit­er gut­ge­ht. 

Die Fra­gen: «Was brauchen die anderen?», «Was nehme ich jeman­dem anders weg, wenn ich mehr kaufe, als ich brauche?» scheinen von jenen, die ihre Einkaufwä­gen mehr als voll laden, nicht gestellt zu wer­den.

Mar­tin Booms von der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kul­tur in Bonn fasst es in seinem Artikel «Coro­na und die Werte: Warum es um viel mehr geht als nur um eine gesund­heitliche Krise» aus mein­er Sicht wun­der­bar zusam­men: Es geht um ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis zwis­chen Gemein­wohl und Eigen­in­ter­esse. 

(…) Denn die Coro­na-Epi­demie trifft – ger­ade in den west­lich-lib­eralen Gesellschaften – auf einen moralisch und poli­tisch schw­er vor­erkrank­ten Patien­ten, der bere­its vorher an allen Symp­tomen litt, die die gegen­wär­tige Epi­demie nun expo­nen­tiell her­vortreibt: einem hohen Mass an Ori­en­tierungslosigkeit und Verun­sicherung, gepaart mit Ver­trauensver­lust gegenüber etablierten poli­tis­chen und wirtschaftlichen Struk­turen; einem durch­greifend­en Hang zur Dystopie, dem der Zukun­ft­shor­i­zont in immer düster­eren Far­ben erscheint und der den klas­sis­chen Fortschrittsop­ti­mis­mus des lib­eralen Weltver­ständ­niss­es frei­heits­bedrohlich in sein Gegen­teil verkehrt; ein­er Ero­sion des Konzepts objek­tiv­er Wahrheit, die noch den let­zten fes­ten Boden all­ge­mein anerkan­nter Tat­sachen ins Wanken gebracht hat. (…)

NZZ Online Mar­tin Booms 14.03.2020, 05.30 Uhr (Link)

Wir haben das Ver­trauen in uns, in die Gesellschaft, die Poli­tik, die Wirtschaft, ja so wie es scheint in alles ver­loren. Da ist es dann auch nicht ver­wun­der­lich, dass wir mit Tugen­den wie Genügsamkeit, Beschei­den­heit und Enthalt­samkeit so wenig anfan­gen kön­nen. 

Im Fas­ten erlebe ich immer wieder, wie wenig ich brauche. Und das, was ich nicht brauche, kön­nen ja andere benutzen. Ein Kreis­lauf, der mich mehr nährt, als das Wis­sen darum, dass ich mit meinen geham­sterten Vor­räten ein paar Wochen länger auskomme, als meine Nach­barn. Ich konzen­triere mich wieder auf das Wesentliche und merke, was ich alles nicht brauche. 

Für mich ist Genügsamkeit ein Luxus. Ich geniesse es sehr, wieder zu erken­nen, wie wenig für ein gutes Leben notwendig ist. Und auch zu erken­nen, dass es kein Lei­den, son­dern ein Gewinn ist, sich allem Über­flüs­si­gen ganz bewusst zu entledi­gen und dem Wesentlichen Zeit und Aufmerk­samkeit zu schenken.

Was mich beson­ders nährt in dieser Zeit ohne Nahrung ist, dass ich mir wieder bewusst mache, dass meine Genügsamkeit bei jemand anderem das Gefühl von Fülle aus­lösen kann. Das, was ich nicht nutze oder esse, kann jemand anderes gebrauchen. Wenn wir dies nicht nur in unserem direk­ten Umfeld prak­tizieren, son­dern uns bewusst machen, dass die Wirkung auf der glob­alen Ebene noch viel, viel gröss­er ist, fast unvorstell­bar, was kön­nen wir dann alles gemein­sam bewirken. Eine Welt ohne Hunger ist möglich – und das Umverteilen von Geld und anderen Ressourcen durch die eigene Genügsamkeit, nicht nur in Fas­ten oder Krisen­zeit­en, son­dern auch im ganz alltäglichen Leben, ist die eigentliche Fülle. 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Was ist mir meine Geldfreiheit und ein gutes Leben wert?

in Alternative/Geld/Lösungen

Mit dieser Frage habe ich am Sam­stag meinen Blo­gein­trag been­det. Und damit mache ich heute weit­er.

Wer mich ken­nt, weiss, dass Geld für mich etwas sehr Schönes ist, aber auch etwas, dass ich, obwohl ich mich täglich damit beschäftige, vielle­icht nie wirk­lich ver­ste­hen werde. 

Für diese Blo­grei­he in der Fas­ten­zeit habe ich einige mein­er alten Büch­er und Aufze­ich­nun­gen wieder her­vorge­holt und darin nach Antworten auf meine Fra­gen gesucht.

Heute Mor­gen ent­deck­te ich in einem Brand Eins Mag­a­zin aus dem Jahr 2018 den Artikel «Drei-Rubel-Rus­s­land» . Darin wird erzählt, welchen unter­schiedlich hohen Wert der gle­iche Rubel in Moskau und in einem Dorf irgend­wo in Rus­s­land hat. Und er erzählt davon, wie wenig es die Dorf­be­wohn­er tang­iert, ob es da draussen in der Welt Wirtschaft­skrisen oder Börsen­crashs gibt. Geld spielt bei Ihnen eine unter­ge­ord­nete Rolle, ihr Leben wird durch andere Dinge bes­timmt. Nach Moskau fahren sie nur gele­gentlich, um für einige Wochen zu arbeit­en, um die Mit­tel zu gener­ieren, die sie brauchen, um bes­timmte Sachen zu kaufen.

An vie­len Stellen im Mag­a­zin wird betont, dass Geld eine Glaubenssache, ein Ver­sprechen ist. Wir müssen daran glauben, dass uns die Beträge, welche unsere Kon­ten ausweisen oder auch das Geld, welch­es sich in unserem Porte­mon­naie befind­et, an ein­er anderen Stelle getauscht wer­den kann. 

Im Edi­to­r­i­al der Aus­gabe ist zu lesen:  «Was gibt es über Geld schon gross zu sagen? Die einen haben zu viel davon, die anderen zu wenig. Es kann Gutes und Schlecht­es bewirken, macht nicht glück­lich und steckt hin­ter den meis­ten Ver­brechen.»

Das stimmt irgend­wie, und doch ist schein­bar ja noch so viel mehr dahin­ter. Viele von uns lassen ihr Leben vom Geld bes­tim­men. «Ich muss Geld ver­di­enen, um gut zu leben», «Ich muss Geld ver­di­enen, um meine Hypothek abzubezahlen», «Ich muss Geld ver­di­enen, um meine Fam­i­lie zu ver­sor­gen», diese Sätze höre ich immer wieder in Gesprächen und in den meis­ten Fällen kommt direkt anschliessend die Aus­sage, dass ihr Job ihnen über­haupt nicht gefällt, dass sie mit ihren Kol­le­gen nicht klar kom­men und gar nicht sel­ten macht jemand die Aus­sage, dass der Job ihn oder sie krank macht.

Irgend­was läuft da falsch, denn viele leben ja gar nicht gut, trotz­dem sie gutes Geld ver­di­enen. Sie ver­di­enen zwar Geld, haben schöne Autos, schöne Häuser und all das, was ihnen son­st noch begehrenswert erscheint, aber sie ver­brin­gen den Grossteil des Tages mit Men­schen, mit denen sie nicht sein wollen und an Orten, die ihnen gar nicht gefall­en. Warum nehmen sich diese Men­schen nicht die Frei­heit, soviel zu arbeit­en, wie sie wollen und dies an einem Ort, der ihnen gut­tut? 

Ein wichtiger Grund ist bes­timmt, die Angst, dass sie ihre Exis­tenz, ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bil­dung und Gesund­heit nicht abdeck­en kön­nen, falls sie ein anderes Leben starten. Diese Angst mag zum Teil berechtigt sein und hier ist ein ganz klar­er Auf­trag an unsere Poli­tik­er, zeit­gemässe Lösun­gen zu find­en. Die Ein­führung eines bedin­gungslos­es Grun­deinkom­mens kön­nte ein hil­fre­ich­er Schritt sein, um der Geld­frei­heit näher zu kom­men.

Nochmals zur Klarstel­lung: Geld­frei­heit bedeutet für mich nicht, dass ich ohne Geld leben möchte und dass ich das Geld als Tauschmit­tel an sich in Frage stelle. Im Gegen­teil, Geld soll, kann, darf und muss vielle­icht sog­ar ein wichtiger Bestandteil unser­er Wirtschaft sein. Ich möchte ein­fach in Frei­heit entschei­den, was das Geld mit mir macht und was ich mit dem Geld mache.

Warum lassen wir das Geld bes­tim­men, wie unser Leben ver­läuft, indem wir Jobs annehmen, die uns schaden, die schädlich für die Umwelt sind, die schädlich sind für andere Men­schen?

Bei jed­er Per­son, die bish­er zu mir in die Beratung zum The­ma Geld kam, gab es Alter­na­tiv­en zum Sta­tus quo. Ich gebe zu, diese hat­ten in der Regel auch eine Ein­schränkung des Kon­sumver­hal­tens zur Folge, doch im Grunde haben die Verän­derun­gen immer den Weg zu einem lebenswert­eren und ver­ant­wor­tungsvolleren Leben aufgezeigt. 

Grund­vo­raus­set­zung zur Erlan­gung der Geld­frei­heit ist: Wir müssen unsere Bedürfnisse ken­nen­ler­nen.

Fas­ten in jed­er Form ist hil­fre­ich, uns daran zu erin­nern, was wir wirk­lich brauchen. Vielle­icht ist es ein Zufall oder auch nicht? Die Mass­nah­men in Verbindung mit dem Coro­n­avirus fall­en genau in die Fas­ten­zeit. Die Wirkung ist die gle­iche, wir fokussieren uns auf das, was uns wichtig ist. Ich habe von eini­gen Eltern gehört, die nun mit den Kindern den Garten bepflanzen, mit Blu­men und auch mit Gemüse und Erde auf den Balkon tra­gen für die Tomatenpflanzen. Wir wer­den wieder kreativ, wir sor­gen wieder für Nahrung, von der wir wis­sen, woher sie kommt. Damit näh­ern wir uns wieder unseren wirk­lichen Bedürfnis­sen. Im Fas­ten gibt es viel zusät­zliche Zeit für mich, denn ich muss nicht kochen, ich fahre nicht ins Büro. Diese Zeit nutze ich, zum Schreiben, Lesen und um mit Fre­un­den und in der Natur zu sein.

Das ist Frei­heit für mich. Das ist ein gutes Leben für mich. Und dieses ist mir sehr viel wert. Es gibt vieles, worauf ich auch ausser­halb der Fas­ten­zeit verzichte. Ich kon­sum­iere bewusst und wenig, aber dafür hochw­er­tig und gesund. Ich reise nur gele­gentlich, wir musizieren, statt in Konz­erte zu gehen. Aber ist das wirk­lich Verzicht? Für mich nicht, denn ich weiss, dass ich viele Dinge gar nicht brauche, also fehlen sie auch nicht. Und weil ich sie nicht brauche, muss ich auch kein Geld gener­ieren, um sie zu kaufen. Dies bedeutet, dass ich mir aus­suchen kann, wieviel und wo ich arbeit­en möchte. 

Warum tun dies nicht mehr Men­schen? Warum sehen so wenige, wie viel Macht wir dem Geld geben und wie wenig das nötig wäre?

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Wie gelingt es positive Veränderungen auch langfristig beizubehalten?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

Die Coro­n­akrise hat auch uns zu Verän­derun­gen im Ablauf der Fas­ten­woche ver­an­lasst. Wir haben entsch­ieden, uns nicht im öffentlichen Café «Jen­seits im Viadukt» zu tre­f­fen, son­dern nur in der Alt­stadt im Raum an der Trit­tli­gasse 16 Annex und dies an den entsprechen­den Tagen jew­eils um 16 Uhr, das näch­ste Mal also heute um 16 Uhr und dann am Dien­stag, 17. März 2020.

Am Sam­stag zu Fas­ten­be­ginn haben wir vor allen Din­gen über zwei The­men disku­tiert: Wie brin­gen wir die pos­i­tiv­en Entwick­lun­gen, welche die Coro­n­akrise für die Gesellschaft und auch für das Kli­ma bringt, weit­er in die Zukun­ft?  

Im Laufe der Diskus­sion kam dabei die Kirche ins Spiel. Brauchen wir über­haupt noch die Insti­tu­tion Kirche und wenn ja wozu? Da ich für diese Woche in meinen Blog­beiträ­gen aber beim Geld und beim Fas­ten bleiben möchte, fokussiere ich mich auf die erste Frage.

Ab mor­gen, Mon­tag, 16. März 2020 bleiben die Schulen zunächst ein­mal bis 4. April geschlossen. Für einige Schulen ist bere­its klar, dass es bis zum 30. April keinen Unter­richt geben wird. In Restau­rants dür­fen sich zeit­gle­ich nicht mehr als 50 Per­so­n­en in Räu­men aufhal­ten. Ver­anstal­tun­gen mit über 100 Per­so­n­en sind bis Ende April nicht mehr erlaubt.

Das Leben ver­langsamt sich – unge­plant, von aussen bes­timmt. Gle­ichzeit­ig ist dies ja auch genau das, was ich für mich mit der Fas­ten­woche bezwecke. Auch im Café Jen­seits, in welchem wir uns am Sam­stag für den Start getrof­fen hat­ten, blieben alle Plätze um uns herum leer. 

Gibt es dem Ver­häng­nis über­haupt etwas Pos­i­tives abzugewin­nen? Viele Hote­liers, Restau­rantbe­sitzer und ‑pächter, Eventver­anstal­ter und unzäh­lige andere Selb­ständi­ge wer­den diese Zeit noch lange in Erin­nerung behal­ten, und dies bes­timmt nicht pos­i­tiv. Ihre Exis­ten­zen hän­gen davon ab, dass jemand vor­beikommt und kon­sum­iert, Geld in den Fluss bringt.


Doch brauchen wir wirk­lich all diese Ver­anstal­tun­gen? Braucht es jede Woche Orte, an welchen sich über 1000 Men­schen zusam­men­find­en, um sich in eine andere Welt zu bea­men? Brauchen wir den alltäglichen, den son­ntäglichen Gang ins Restau­rant?

Genau das, was ich mir vom Fas­ten wün­sche, passiert ger­ade auf der Ebene des täglichen Lebens – viele Dinge, die uns lieb gewor­den sind, fall­en ganz plöt­zlich weg. Zugegeben, mein Fas­ten ist frei­willig und die Mass­nah­men zur Eindäm­mung der Coro­n­akrise wer­den uns vom Staat vorgeschrieben. Trotz­dem ist die Wirkung ähn­lich. Wir erken­nen, was uns wirk­lich wichtig ist. Fre­unde begin­nen acht­sam bei Tre­f­fen einan­der zu fra­gen, welche Form der Begrüs­sung sie sich wün­schen. Verabre­dun­gen wer­den so getrof­fen, dass die Sicher­heits­bedürfnisse der einzel­nen aber auch das Risiko der möglichen Gefährdung von anderen berück­sichtigt wer­den. Wir fra­gen einan­der wieder, was wir brauchen. Wir nehmen Rück­sicht auf die Bedürfnisse der anderen. Endlich wieder! 

Die Frage, die nun drin­gend wird, lautet: Wie kön­nen wir diese Acht­samkeit auch bewahren, wenn die Krankheitswelle wieder vor­bei ist? 

Das Bewahren gilt natür­lich auch für all die Entwick­lun­gen, die sich pos­i­tiv auf die Natur und unseren All­t­ag auswirken. Die reduziert arbei­t­en­den Fab­riken führen zu besser­er Luft, Flugzeuge bleiben am Boden und reduzieren damit den CO2-Ausstoss. Auch nicht zu unter­schätzen ist, dass sich die Pendler auf unter­schiedliche Züge verteilen und es somit wieder möglich ist, auch in Stosszeit­en einen Sitz­platz zu bekom­men. Wir fra­gen uns bewusst «Wie und wann wollen wir reisen?» und dies für den Beruf­sall­t­ag genau­so wie für den Ferien­aufen­thalt. Im Super­markt wer­den die Gren­zen des Kon­sums sicht­bar, denn es ist nicht mehr alles in den Regalen zu find­en und wir merken, dass wir auch gar nicht all das brauchen, was wir son­st in unsere Einkaufwa­gen pack­en.

Wir haben den Autopi­loten ver­lassen und tre­f­fen für einen Moment bewusste Entschei­dun­gen, und auf vie­len Ebe­nen schadet es uns nicht, im Gegen­teil.

Wie wird es gelin­gen, diese pos­i­tiv­en Aspek­te in nach­haltige Ver­hal­tensweisen umzuwan­deln und nicht wieder bei der ersten Gele­gen­heit zu begin­nen, mass­los und acht­los zu kon­sum­ieren und zu reisen?

Meine ehrliche Antwort: Ich weiss nicht, wie die Welt sich nach der Coro­n­akrise entwick­eln wird. Ich spreche ger­ade mit so vie­len Men­schen, die sich die gle­ichen Fra­gen wie ich stellen und sich auch wün­schen, dass wir uns ver­ant­wor­tungsvoll in dieser Welt bewe­gen. 

Das stimmt mich zuver­sichtlich. Und als einen ersten Schritt werde ich sel­ber für mich ganz per­sön­lich all die pos­i­tiv­en Aspek­te doku­men­tieren, damit ich mich auch, wenn wir längst wieder zur Nor­mal­ität überge­gan­gen sind, erin­nere, was mir wirk­lich gut­tut.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Samstag, 14. März 2020 – Meine Woche ohne Nahrung beginnt

in Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

In dieser Woche möchte ich täglich die Gedanken zum The­ma Geld und Fas­ten weit­er­en­twick­eln. Dabei freue mich sehr auf den Aus­tausch mit anderen Men­schen, denn Geld ist ja etwas ganz Per­sön­lich­es und gle­ichzeit­ig auch etwas, dass uns alle bet­rifft, denn wie bere­its im Blog «Kann man Geld essen?» erwäh­nt, ist Geld etwas, dass nur in ein­er Tauschbeziehung einen Nutzen erhält. Ich freue mich darauf, für die kom­menden sieben Tage an jedem einzel­nen Tag meine Gedanken über diesen Blog zu teilen.

Die unter­schiedlichen Aspek­te des Geld­fas­tens, welche ich in den vorheri­gen Beiträ­gen ange­sprochen habe, sind für mich alle auf ihre Weise span­nend. Für den Moment möchte ich die bei­den The­men Geld­frei­heit und Macht des Geldes betra­cht­en. Aber ich schaue nicht nur auf mich ganz per­sön­lich und meine Beziehung zum Geld, son­dern mache den Fäch­er auf und schaue, was ger­ade in der Welt geschieht, wo Geld­flüsse ver­siegen und Machtver­hält­nisse sich verän­dern.

Am Don­ner­stag, 12. März hat die USA einen 30-tägi­gen Ein­reises­topp gegenüber Europa aus­ge­sprochen. Anschliessend waren die Börsen auf Tal­fahrt. Ein kurz­er Artikel von SRF namens «Schwarz­er Fre­itag – Die Börsen im freien Fall wegen Coro­n­avirus» vom Mor­gen des Fre­itag, 13. März enthält einen Satz, der mich aufhorchen lässt. Dieser heisst «Doch die Anlegerin­nen und Anleger glauben offen­bar nicht daran, dass man eine Pan­demie mit Geld­poli­tik bekämpfen kann.».

Dass wir als Gesellschaft durch einen Virus namens COVID-19 so sehr in unser­er Art und Weise, wie wir unser Leben gestal­ten, in Frage gestellt wer­den, kon­nte sich noch vor ein paar Wochen nie­mand vorstellen. 

Als ich zu Beginn der Fas­ten­zeit in meinem Blog­beitrag mir sel­ber die Frage gestellt habe, was passieren kön­nte, wenn die wohlhabende Welt für eine Woche auf Ein­nah­men verzicht­en würde, habe ich nicht erwartet, dass ich so schnell eine reale, in unser­er Wirtschaftswelt ver­ankerte Antwort darauf bekom­men würde. Das was ger­ade in der Welt in Verbindung mit diesem Virus passiert, hat Auswirkun­gen, die weit über die Eindäm­mung ein­er Krankheit hin­aus gehen.

Fast jed­er Bere­ich unseres Lebens ist in irgen­dein­er Form betrof­fen. Da ich mich entsch­ieden habe, in dieser Zeit über Fas­ten und Geld zu schreiben, werde ich mich auch bis Ostern, dem Ende der offiziellen Fas­ten­zeit darauf fokussieren, dies jedoch nicht ohne ab und zu auf die Aktu­al­ität zurück­kom­men, denn ich denke, noch bess­er gesagt, ich wün­sche uns allen, dass wir aus dieser Krise auch Schlüsse ziehen und Antworten auf die Frage find­en wer­den, was an unser­er aktuellen Form, zu leben vielle­icht auf Dauer verän­dert wer­den kön­nte. Ich erin­nere ein­fach nochmals daran, wie gut einige der Mass­nah­men gegen den Virus für Kli­ma und Natur sind und auch ein massvolles, genügsames Kon­sumver­hal­ten unter­stützen.

Die aktuelle Entwick­lung in der Coro­na Krise macht deut­lich: Ein uner­wartetes Ereig­nis und unsere regelmäs­si­gen Geld­flüsse sind gefährdet und unsere so müh­sam aufge­baut­en Sicher­heit­spol­ster in Geldein­heit­en schmelzen an manchen Stellen bere­its bedrohlich zusam­men. 

Medi­en bericht­en von Umsatzein­bussen, Arbeit­nehmer wer­den in die Kurzarbeit geschickt, Restau­rants bleiben leer. Und nun wird es auch an den Börsen sicht­bar, zum Beispiel durch tiefrote Zahlen und Reko­rd­ver­luste am Don­ner­stag, 12. März 2020.

Der Geld­fluss stockt – unfrei­willig. Wie ich im Blog «Wenn Geld­flüsse unter­brochen wer­den: Führt der Coro­n­avirus zu unfrei­willigem Geld­fas­ten?» fest­gestellt habe, hat dies nichts mit Geld­fas­ten zu tun, da Fas­ten Frei­willigkeit bed­ingt. Bei der Suche nach der Antwort «Was ist die Wirkung des Geld­fas­tens?» ist eine Auseinan­der­set­zung mit den aktuellen Ereignis­sen hil­fre­ich, denn in bei­den Fällen fliesst das Geld nicht mehr so weit­er, wie bish­er.

So sehr ich mich in Men­schen und Insti­tu­tio­nen hinein­ver­set­zen kann, die in weni­gen Tagen zwis­chen 10 bis 25% oder auch noch mehr des Wertes ihres Ver­mö­gens an der Börse ver­loren haben, ich sehe es als ein weg­weisendes, fast pos­i­tives Zeichen, wenn wir erken­nen, dass Geld an sich nie die Lösung eines Prob­lems, ein­er Her­aus­forderung sein kann. Geld kann unter­stützen, aber Geld an und für sich ist nicht das, was wir wirk­lich brauchen.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um im Alter gut zu Leben» meinen wir eigentlich: Ich möchte auch im Alter eine schöne Woh­nung haben; ich möchte, wenn ich krank bin, eine gute Betreu­ung und Ver­sorgung haben; ich möchte auch im Alter gut und gesund leben.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um zum Frisör zu gehen» benöti­gen wir eigentlich einen Haarschnitt oder vielle­icht auch nur eine Kopf­mas­sage oder ein Gespräch mit einem Men­schen, der uns sym­pa­thisch ist.

Ich erzäh­le nichts wirk­lich Neues, wenn ich sage, dass all diese Bedürfnisse inzwis­chen auch ohne Geld erfüllt wer­den kön­nen.

Ein paar Beispiele aus meinem ganz per­sön­lichen Umfeld, im Wis­sen, dass es noch viele weit­ere gibt.

KISS — die vierte geld­freie Vor­sorgesäule

«Keep ishort and simple» baut Zeitkon­ten auf, die in ein­er späteren Phase im Leben wieder abgerufen wer­den kön­nen. KISS-Genossen­schaften bieten ihren frei­willig täti­gen Mit­gliedern viel­seit­ige Unter­stützung, indem sie Men­schen in allen Lebensla­gen und ‑altern begleit­en, mit alltäglichen Dien­stleis­tun­gen in Haus und Garten, Fahrten, mit Zuhören und Gesprächen, Spazieren, Bewe­gung usw. Die sich unter­stützen­den Men­schen («Tandems») wer­den durch Fach­per­so­n­en zusam­menge­führt und begleit­et.

Tauschen am Fluss

In dieser Tauschbörse wer­den die unter­schiedlich­sten Dien­stleis­tun­gen aus­ge­tauscht. Eine Über­sicht aller aktuellen Ange­bote find­et sich in der Mark­tzeitung.

Puraver­du­ra

Puraver­du­ra ist eine Genossen­schaft bei mir direkt um die Ecke, wo ich ab Som­mer dieses Jahres einen Teil mein­er Nahrung beziehen kann, da ich Genossen­schaft­lerin bin. Im Gegen­zug habe ich einen finanziellen Genossen­schafts­beitrag geleis­tet und werde zusät­zlich mit Arbeit­en wie Jäten, Ern­ten und ähn­lich­es meinen Anteil an der Ernte ver­di­enen. Dies ist für mich nicht voll­ständig geld­frei, da ich mich entsch­ieden habe, nur acht Arbeit­sein­sätze zu leis­ten. Mit mehr Arbeit­sein­sätzen kann man die Geldleis­tung bei ver­schiede­nen For­men der sol­i­darischen Land­wirtschaft wesentlich reduzieren. 

Genossen­schaften für sol­i­darische Land­wirtschaft find­en sich inzwis­chen über­all. Zu Beginn braucht es eine Anfangsin­vesti­tion und auch die Mitar­bei­t­en­den müssen in Geldein­heit­en bezahlt wer­den – denn wir leben nun mal auch noch im altherge­bracht­en Geld­wirtschaftssys­tem. Erst wenn voll­ständi­ge Tauschzirkel aufge­baut sind, wer­den diese Sys­teme immer robuster wer­den und weniger Geld muss fliessen.

Sieben Lin­den ist ein Dorf in Deutsch­land, welch­es als gesamte Sied­lung darauf aus­gerichtet ist, sich unab­hängig von glob­alen Geld­flüssen zu machen. Viele gute Ideen und Impulse sind hier zu find­en. 

Zusam­menge­fasst:

Es gibt also Wege, um in eine Geld­frei­heit zu kom­men und sich der Macht, welche das Geld über uns zu haben scheint, länger­fristig zu entledi­gen. Zugegeben, sie sind aufwendi­ger als manch­er Job. Hier darf sich jed­er und jede fra­gen: 

Was sind mir meine Geld­frei­heit und ein gutes Leben wert? 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Ein Leben ohne Geld

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Für den Moment möchte ich noch ein wenig bei der Wirkung des Geld­fas­tens ver­weilen. Natür­lich bin in nicht die erste, die sich über den Verzicht von Geld Gedanken macht. Im Inter­net gibt es inzwis­chen unzäh­lige Artikel zum Leben ohne Geld. Es gibt auch einige Men­schen, die für mehrere Jahre voll­ständig ohne Geld gelebt haben und über ihre Erfahrun­gen berichtet haben.

Heute möchte ich Men­schen erwäh­nen, die mich auf meinem Weg inspiri­ert haben und von denen ich auf die unter­schiedlich­ste Art und Weise ler­nen kon­nte. Die kom­menden Absätze sind bewusst mit ver­schiede­nen Links verse­hen, damit jene, die sich auf eige­nen Wegen dem The­ma näh­ern wollen, weit­er­lesen und weit­er­forschen kön­nen. 

Raphael Fellmer zum Beispiel hat von 2010 bis 2015 in einem voll­ständi­gen Geld­streik gelebt. Daraus resul­tierte unter anderem die Grün­dung von Food­shar­ing Deutsch­land, ein­er Bewe­gung, aus welch­er her­aus Tausende Men­schen einen neuen Umgang mit Lebens­mit­telver­schwen­dung entwick­elt haben. Auch in der Schweiz ist Food­shar­ing nun schon seit Jahren etabliert und erfol­gre­ich. Raphael Fellmers aktuelles Pro­jekt ist sir­plus, ein Onli­ne­su­per­markt geschaf­fen zur Ret­tung von Lebens­mit­teln. Raphael war es wichtig, auf die Art wie wir häu­fig gedanken­los kon­sum­ieren, aufmerk­sam zu machen. Vor der Wirkung, die seine Ini­tia­tive erzeugt hat, ver­beuge ich mich. Wobei er war natür­lich nicht alleine unter­wegs. Der Auf­bau von Food­shar­ing hat viele Hände, Köpfe und Herzen gebraucht. Sein Impuls war jedoch äusserst wirkungsvoll. Eine nach­haltige Wirkung des voll­ständi­gen Verzichts auf Ein­nah­men und Aus­gaben ein­er Per­son ist in diesem Fall zu ein­er Bewe­gung gewor­den: dem Food­shar­ing.

Meine erste Begeg­nung mit dem The­ma Geld­verzicht liegt nun schon viele Jahre zurück. Im Jahr 2001 habe ich von Hei­de­marie Schw­er­mer gehört bzw. im Fernse­hen eine Reportage über sie gese­hen. In diesem Jahr brachte Sie ihr Buch «Das Stern­talerex­per­i­ment: mein Leben ohne Geld» her­aus. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2016 hat sie 20 Jahre fast voll­ständig ohne Geld gelebt. Mich hat das beein­druckt, doch irgend­wie war mir klar: Dies ist nicht mein Weg. Auch bei ihr waren Kom­pro­misse notwendig und häu­fig bekam sie den Vor­wurf zu hören, dass sie zwar nicht vom eige­nen Geld lebt, jedoch vom Geld der anderen. Für mich kann der voll­ständi­ge Geld­verzicht in unser­er durch das Geld bes­timmten Gesellschaft auch nicht die Lösung sein. Und trotz­dem, was Hei­de­marie Schw­er­mer mir gezeigt hat ist, dass es für eine einzelne Per­son möglich ist, so gut wie ohne Geld zu leben. Auch dies ist eine wichtige Wirkung.

Beim Vor­bere­it­en der Links für diesen Blo­gein­trag bin ich auf den Artikel «Leben ohne Geld- geht das?» gestossen. Dabei ist mir noch deut­lich­er als bish­er klar gewor­den, wie gross die gedankliche Auseinan­der­set­zung mit dem Verzicht auf Geld schon heute in einem Teil der Gesellschaft ver­ankert ist. Ini­tia­tiv­en wie Couch­surf­ing, Klei­der­tausch, car­shar­ing oder book cross­ing  sind in vie­len Kreisen etabliert und auch eine Art auf die Ver­wen­dung von Geld zu verzicht­en.

Auch wenn ich sel­ber die Entschei­dung getrof­fen habe, für den jet­zi­gen Augen­blick weit­er­hin ein aktiv­er Teil des aktuellen Wirtschafts- und Geldsys­tems zu bleiben, so habe ich für mich und mein Leben über die let­zten Jahre eine grosse Geld­frei­heit erschaf­fen, ein Begriff, den ich mir von Tobi Ross­wog aus­geliehen habe. Auch er ist ein sehr inspiri­eren­der Geist. In sein­er Auseinan­der­set­zung mit dem The­ma Geld begrün­den die unter­schiedlich­sten Ini­tia­tiv­en, die unsere Welt ein klein wenig ver­ant­wor­tungsvoller machen wollen. Ihm geht es, wie auch mir, nicht darum, voll­ständig ohne Geld zu leben, son­dern sich von der Macht des Geldes zu befreien. Der Macht des Geldes werde ich noch einen Abschnitt in einem sep­a­rat­en Blog­beitrag wid­men, denn ich denke dahin­ter liegt der Schlüs­sel zu ein­er sehr wichti­gen Wirkung des Geld­fas­tens ver­bor­gen.

Unter Geld­frei­heit ver­ste­he ich einen Zus­tand, in dem ich das Geld als eine liebevolle und hil­fre­iche Unter­stützung in der Erfül­lung mein­er Bedürfnisse und Wün­sche sehen kann.  Geld als ermöglichende Ressource, im Wis­sen, dass auch ohne die Abhängigkeit von Geld ein lebenswertes Leben möglich ist. 

Geld­frei­heit im Sinne von das Geld als eine liebevolle und hil­fre­iche Unter­stützung, aber nicht als abso­lut notwendig zu sehen ist für mich im Moment das wichtig­ste und wirkungsvoll­ste Ergeb­nis von mein­er Auseinan­der­set­zung mit Geld­fas­ten. Unab­hängig vom Geld zu sein erlaubt uns, wieder Lebensentschei­dun­gen zu tre­f­fen, die unseren ganz per­sön­lichen Bedürfnis­sen und Lebensen­twür­fen entsprechen. Es muss nicht unbe­d­ingt ein Leben aus dem Abfall­con­tain­er sein, aber wenn jede von uns begin­nt acht­same Geldentschei­dun­gen zu tre­f­fen, wer­den wir bemerken, wieviel weniger Geld bei wieviel mehr Lebens­freude möglich sein kann. Ich selb­st bin übri­gens über Umwege eben­falls zum Con­tain­ern gekom­men. Damals als Lau­ren Wild­bolz im Rah­men ihrer Stu­di­en­ar­beit zum Kochen mit Abfällen ein­lud, habe ich mich aus Neugi­er angemeldet. Wie so häu­fig, hat­te ich «das Kleinge­druck­te“ nicht gele­sen und mich ein­fach zum Ort begeben, der als Tre­ff­punkt angegeben war. Was ich nicht wusste, war, dass wir die Zutat­en für unser Aben­dessen noch sel­ber aus den Con­tain­ern eines nahegele­ge­nen Super­mark­tes in Zürich Alt­stet­ten holen mussten. Ich erin­nere mich noch ziem­lich genau, wie entset­zt ich war, als ich all die Lebens­mit­tel im Müll ent­deck­te. Zum Teil orig­i­nalver­packt und so gut wie alles noch frisch und unbeschädigt. 

Geld­fas­ten und bewusste, ver­ant­wor­tungsvolle Kon­sumentschei­dun­gen gehören mein­er Ansicht nach eng zusam­men. In den heuti­gen Blog ging es um Kon­sum Verzicht, im näch­sten Beitrag werde ich wieder fokussiert­er der Spur des Geldes fol­gen. Und natür­lich braucht es auch noch eine Auseinan­der­set­zung, was nun mit all dem nicht aus­gegebe­nen Geld geschehen soll. In den Blog­beiträ­gen während der Woche, in der ich faste und damit auch Geld faste, möchte ich über die Wirkung des Verzichts auf meine ganz per­sön­lichen Lebens­be­din­gun­gen nach­denken. Aber vergessen wir nicht, es gibt andere Men­schen, die den Luxus, sich über Geld­verzicht Gedanken zu machen, gar nicht haben. Weil sie von allem zu wenig besitzen: Nahrungsmit­tel, Bil­dung, Unterkun­ft. Hier ist ein Geld­fas­ten bes­timmt nicht die erste Pri­or­ität. Aber vielle­icht schaffe ich es ja, dass mein Weniger an einem anderen Ort zu einem Mehr wird? Noch eine Spur, die ich weit­er ver­fol­gen möchte.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Kann man Geld essen?

in Alternative/Fasten/Geld

Nein – natür­lich nicht. Geld sel­ber nährt uns nicht. Wir müssen es immer in etwas anderes, zum Beispiel in Lebens­mit­tel, umtauschen. Leben vom Geld kön­nen wir also nicht. 

«Was kön­nte die Wirkung von Geld­fas­ten sein?» Diese Frage habe ich zum Ende des zweit­en Blo­gein­trages gestellt. Bevor ich die Frage zu beant­worten ver­suche, möchte ich zunächst ein­mal für jene, die sich weniger oder anders mit Geld beschäfti­gen als ich, der Frage nachge­hen, was Geld ist.  

Es scheint, fast alle denken, dass sie Geld zum Leben brauchen. Das ist irgend­wie wahr – und dann doch wieder nicht. Denn, wie schon ein­gangs fest­gestellt: Geld kön­nen wir nicht essen! Aber in der Welt, in der wir leben, scheint Geld eines der wichtig­sten Ele­mente zu sein, denn für so gut wie alles scheinen wir Geld zu benöti­gen – so denken und leben wir zumin­d­est.

Mit meinen ersten Blog­beiträ­gen zum The­ma Geld­fas­ten habe ich mehr Fra­gen als Antworten in den Raum gestellt, mehr Unord­nung als Ord­nung in meine Gedanken gebracht, die um das The­ma der Wirkung des Verzichts auf Geld kreisen.

Auch beim Nahrungs­fas­ten ist es in den ersten Tagen immer wieder so, dass meine Gedanken in Aufruhr ger­at­en und mein Kör­p­er eine Alarm­stel­lung ein­nimmt. Der Verzicht auf feste Nahrung bedeutet auch, dass mein Stof­fwech­sel sich verän­dert und sich auf die neue Sit­u­a­tion ein­stellt. Seit­dem ich mich gedanklich mit dem Geld­fas­ten beschäftige, beobachte ich, wie sich sowohl meine Ein­stel­lung als auch meine Ansicht­en über das Geld und seine Wirkung auf mich verän­dern.

Die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten find­et bei mir vor­läu­fig nur in Gedanken und nicht in Tat­en statt. Das war wahrschein­lich auch so, als ich vor inzwis­chen mehr als 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben zu ein­er Woche Fas­ten und Wan­dern ins Bercht­es­gaden­er Land gefahren bin. Ich hat­te keine Ahnung, was mich erwarten wird, und war ziem­lich aufgeregt und neugierig. Damals kon­nte ich mir über­haupt nicht vorstellen, dass ich mehr als 24 Stun­den ohne Nahrung auskom­men werde.

Zurück zum Geld. 

Sieben Tage ohne Gel­daus­gaben hat auf mein per­sön­lich­es Leben keinen erkennbaren Ein­fluss. Aber das liegt vielle­icht auch daran, dass Geld und Zeit auf eine Weise miteinan­der ver­bun­den sind, in der eine Woche nicht wirk­lich eine Rolle spielt. Meine Ein­nah­men und Aus­gaben kann ich für eine gewisse Zeit auf­schieben. Natür­lich nicht für ewig und schon gar nicht lange über eine bes­timmte Fäl­ligkeit hin­aus, aber ein paar Tage oder Wochen kann ich die meis­ten Zahlun­gen hin­auszögern. 

Mein Ver­mi­eter erwartet von mir die monatliche Zahlung der vere­in­barten Miete. Wenn ich aus­nahm­sweise ein paar Tage später zahle, wird die Welt nicht unterge­hen. Wenn ich natür­lich regelmäs­sig ver­spätet bin oder sich die unbezahlten Mieten anhäufen, ist dies etwas anderes. Dann wird mein Ver­mi­eter die Geduld mit mir ver­lieren und den Mietver­trag kündi­gen.

Für die Annäherung an die Wirkun­gen des Geld­fas­tens ist es spätestens jet­zt notwendig, dass ich mir nochmals genau anschaue, wo Geld eigentlich seine Wirkung ver­bre­it­et.

Im Beispiel von meinem Ver­mi­eter und mir ist es eine Vere­in­barung, die er und ich getrof­fen haben, für die Nutzung von etwas, dass ihm gehört und welch­es er mir gegen Zahlung eines monatlichen Betrages zur Ver­fü­gung stellt. 

Ich glaube, wenn ich ihm erk­lären würde, auf­grund mein­er Idee, Geld­fas­ten länger­fristig zu erforschen, für die kom­menden Monate keine Miete mehr zu bezahlen, wäre er nicht ein­ver­standen. Ich würde damit ein­seit­ig eine Vere­in­barung, die wir getrof­fen haben, nicht ein­hal­ten. Sein Unmut darüber wäre mehr als ver­ständlich.

Also, zurück auf Feld 1, zurück zur Frage: «Was ist Geld?»




Der Duden definiert Geld wie fol­gt:

  1. in staatlichem Auf­trag aus Met­all geprägtes oder auf Papi­er gedruck­tes Zahlungsmit­tel
  2. größere [von ein­er bes­timmten Stelle stam­mende, für einen bes­timmten Zweck vorge­se­hene] Summe
  3. Kurz­form für Geld­kurs (Beispiel US-Dol­lar = Euro 0,82 Geld)

Und zur Herkun­ft des Wortes «Geld» sagt der Duden:

mit­tel­hochdeutsch gelt = Zahlung, Vergü­tung, Einkom­men, Wert; dann: geprägtes Zahlungsmit­tel, althochdeutsch gelt = Zahlung; Lohn; Vergel­tung, zu gel­ten

Für ein einiger­massen voll­ständi­ges Bild muss ich zunächst auch noch die Frage «Was ist die Funk­tion von Geld in der Wirtschaft?» beant­worten, denn Geld und Wirtschaft sind ja bekan­ntlich eng miteinan­der ver­bun­den.

Geld erfüllt in unser­er Wirtschaft vier Funk­tio­nen:

  1. all­ge­meines Tausch- und Zahlungsmit­tel
  2. Wertmess­er und Rech­enein­heit
  3. Wer­tauf­be­wahrungsmit­tel
  4. Wertüber­tra­gungsmit­tel

1.  und 2. sind für die meis­ten wahrschein­lich noch logisch und präsent. Daher erläutere ich sie hier nicht weit­er.

Zu 3.: Wer­tauf­be­wahrung bedeutet vere­in­facht, dass Geld den Wert ein­er erbracht­en Leis­tung spe­ichert. Ein Beispiel: Ich arbeite einen Monat und am Ende des Monats erhalte ich dafür einen bes­timmten Betrag. Einen Teil davon ver­wahre ich für die kom­menden Monate auf meinem Kon­to und nutze ihn anschliessend, um mir ein Sofa für meine Woh­nung zu kaufen. Der Ter­min, zu dem ich das Geld bekom­men habe und meine Leis­tung erbracht habe, und der Ter­min, zu dem ich das Geld wieder aus­gebe, liegen zeitlich auseinan­der. Geld ermöglicht mir, sel­ber zu bes­tim­men, wann ich die gebrachte Leis­tung in etwas anderes umwan­dle. Diese Spe­icher­funk­tion ist der Grund dafür, dass es so gut wie keine Auswirkung auf mich hat, wenn ich eine Woche Geld­faste. Mit Wertüber­tra­gung, der vierten genan­nten Funk­tion, ist gemeint, dass etwas durch das Geld einem bes­tim mten Wert zuge­ord­net wird. Zum Beispiel der oben erwäh­nte Lohn entspricht dem Wert, den meine Arbeit­ge­berin mein­er Arbeit beimisst. Der Betrag, den mein Ver­tragspart­ner im Kon­text mein­er Selb­st­ständigkeit für meine Dien­stleis­tung bezahlt, entspricht dem Wert mein­er Leis­tung in Geldein­heit­en. Diesen Wert kann ich in Form von Lebens­mit­teln, einem Sofa oder irgen­det­was anderes, was ich kaufen kann, trans­formieren.

Soviel zur Def­i­n­i­tion von Geld. 

Wie wirkt also Geld­fas­ten? 

Zunächst ein­mal ist in dieser Vor­bere­itungszeit die Hauptwirkung auf mich, dass ich mich wirk­lich, inten­siv und ehrlich mit meinem Ver­hält­nis zum Geld beschäftige. Dies ist etwas, was nor­maler­weise im All­t­ag unterge­ht. 

In meinem All­t­ag ist meist genug Geld da, für das, was ich mir leis­ten möchte, manch­mal zugegeben­er­massen zu wenig für alles und dann muss ich mich fra­gen, ob ich das, was ich ger­ade kaufen möchte, wirk­lich brauche und wenn ja, wie ich die notwendi­gen Mit­tel erschaffe: Durch zusät­zlich­es Arbeit­en, durch Sparen, dadurch, dass ich mir das Geld lei­he oder mit Glück auch dadurch, dass mir jemand, etwas von sich aus schenkt.

 «Brauche ich das schöne Sofa wirk­lich, und wenn ja, muss ich es mit Geld kaufen?» ist eine weit­ere Frage, die durch meine Beschäf­ti­gung mit dem Geld­fas­ten sicht­bar und rel­e­vant wird. So wie ich mich nach dem Abschluss ein­er Fas­ten­woche jedes Mal beim Verzehr von Nahrungsmit­teln frage, ob mir das, was ich ger­ade zu mir nehme, wirk­lich gut tut.

Es wird span­nend wer­den, weit­ere Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Geld und Fas­ten im Ver­lauf der Fas­ten­zeit näher anzuschauen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

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