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Fasten

Jeder Abschluss ist gleichzeitig ein Beginn

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Quinten

Am Oster­son­ntag um 10 Uhr haben am Walensee in allen Dör­fern die Kirchen­glock­en geläutet. Die weni­gen Schiffe auf dem See standen über­wiegend still und schienen, genau wie ich, ein­fach für 15 Minuten innezuhal­ten und zu lauschen. Still­stand. 

Diese 15 Minuten hat­ten für mich etwas Heiliges. Ein gross­es Geschenk und irgend­wie habe ich das Gefühl gehabt, es fühlt sich an wie ein Ver­sprechen. Ein Ver­sprechen von mir an mich sel­ber. Und der Abschluss dieser Fas­ten­zeit.

Ostern hat in den unter­schiedlich­sten Kul­turen die unter­schiedlich­sten Bedeu­tun­gen. Die Essenz dieses Festes ist für mich das Wis­sen um den Neube­ginn. Ob nun aus der christlichen Tra­di­tion her­aus oder aus ein­er anderen betra­chtet, immer geht es um den Neube­ginn. Um die Möglichkeit nach ein­er Phase, die her­aus­fordernd war, zu wach­sen. In der christlichen Tra­di­tion feiern wir die Aufer­ste­hung. Im Jahreskreis ist es die Rück­kehr des Früh­lings, des Wach­s­tums, der zur Fülle führt.

Der Abschluss dieser Fas­ten­zeit 2020 ist für mich etwas beson­deres. Da sich im Leben jedes einzel­nen Men­schen, den ich kenne, in den let­zten 40 Tagen so viel verän­dert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass es für mich ein Zurück in die alten, nicht immer förder­lichen Ver­hal­tensweisen geben kann. Diese Fas­ten­zeit war so ein­drück­lich, auf so vie­len Ebe­nen ein­schnei­dend, da kann es für mich gar kein Zurück zum Nor­malzu­s­tand geben. Mal abge­se­hen davon, dass ich wed­er das Leben, welch­es wir als Gesellschaft in den let­zten Jahren geführt haben, für nor­mal halte noch, dass ich wirk­lich dor­thin zurück möchte. In meinem Umfeld höre ich keine Stim­men, die sagen: „Ich will dahin zurück, woher ich komme“. Vielmehr höre ich von den unter­schiedlich­sten Seit­en: „Nun habe ich wieder Zeit für die Dinge und Men­schen, die mir wirk­lich wichtig sind.“ Und viele bemerken auch, wie gut es tut, innezuhal­ten und sich auf das Wesentliche zu besin­nen. 

Viele sehen sich in ihrem pri­vat­en Umfeld mit grossen Her­aus­forderun­gen kon­fron­tiert, seien es kranke Fam­i­lien­ange­hörige oder Fre­unde, sei es die Ungewis­sheit, wie sich das Leben weit­er­en­twick­eln wird. Ich erlebe viel Unter­stützung und Kreativ­ität, erlebe, wie Men­schen wieder begin­nen einan­der zu fra­gen, was sie ger­ade brauchen. Ich beobachte, wie wir zurück­ge­wor­fen wer­den auf unsere unmit­tel­bare Gegen­wart, auf das, was direkt um uns herum geschieht. Viele kochen wieder mehr. Sie back­en ihr Brot wieder sel­ber. Statt zum Super­markt gehen sie zum Bio-Bauern. Sie denken und han­deln wieder lokal und region­al. Viele acht­en wieder mehr auf die Gesund­heit.

Mein­rad hat in der Kar­woche zu ver­schiede­nen The­men in seinen Beiträ­gen Stel­lung genom­men. Dies nehme ich zum Anlass diese The­men auch nochmals für mich zu reflek­tieren, um damit diese inten­sive, uner­wartet ver­laufende und doch auf so ganz ver­schiede­nen Ebe­nen nährende Fas­ten­zeit sowie mein Schreiben im Kon­text von „Fas­ten-Nach­haltig 2020“ abzuschliessen.

Wie schon gesagt, werde ich auf meinem Blog See­len­BilderGeschicht­en weit­er­schreiben, jedoch das The­ma Geld und Fas­ten als roten Faden fall­en lassen und mich mehr dem The­ma, des Nichtwissens, dass ich hier kurz behan­delt habe, wid­men. Wie kann die Chance zum Umdenken, für den Beginn ein­er neuen ver­ant­wor­tungsvollen Art zu leben, genützt wer­den? Was bringt die aktuelle Entwick­lung, was brin­gen die Mass­nah­men rund um Coro­na mit sich, diesen Fra­gen möchte ich in Zukun­ft ver­tieft nachge­hen. 

Auf den Anzeigetafeln der SBB war in den let­zten Tagen immer wieder zu lesen: „Wir passen unser Ange­bot der Grund­ver­sorgung an“. Jedes Mal, wenn ich diesen Satz sehe halte ich inne. Wie oft in den let­zten Jahren habe ich mir gewün­scht, dass die Suf­fizienz ihren angemesse­nen Ort in unserem Leben bekommt. Wir haben längst mehr als genug, um allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Nur lei­der ist all das, was es dazu braucht, an vie­len Stellen ungerecht verteilt. Ein paar wenige haben von allem viel zu viel, einige haben genug und viele, viele andere haben viel zu wenig. Eine Welt, in der für uns alle, wirk­lich alle, die Grund­ver­sorgung gesichert ist, das ist etwas, wofür ich schon seit Jahren wirke und webe. Dieses Ziel erscheint nun ganz plöt­zlich viel real­is­tis­ch­er und mach­bar­er als noch vor weni­gen Wochen.

Mit Beginn dieser Fas­ten­zeit, begann auch die Phase, in der die Mass­nah­men rund um Coro­na unser aller Leben bes­tim­men. Wir verzichteten auf vieles, was wir bish­er für selb­stver­ständlich gehal­ten haben. Viele Dinge in meinem Leben habe ich weit über meine Grundbedürfnisse hin­aus genutzt. Nur in der Fas­ten­zeit, wenn ich bewusst Verzicht übe, bemerke ich, dass ich mir von vielem unacht­sam mehr nehme, als ich wirk­lich brauche. Lei­der wird mir nur in dieser Phase des  Fas­tens richtig bewusst, wie sehr auch ich, die sich sel­ber für recht nach­haltig und ver­ant­wor­tungsvoll hält, über meine Ver­hält­nisse lebe, was zu Las­ten ander­er geht.

Indem ich nun die Brücke zu jenen Beiträ­gen, welche Mein­rad in dieser Woche ver­fasst hat, schlage, schliesse ich diese Fas­ten­zeit für mich ab.

Palm­son­ntag – das Leben ist hart

In seinem Beitrag „das Leben ist hart“ spricht Mein­rad davon, dass wir das Lei­den brauchen, um zu ler­nen. Die schwieri­gen Phasen im Leben sind jene, die uns wach­sen lassen. Am 5. April, dem Erstel­lungs­da­tums dieses Beitrags, begann die Kar­woche, welche in der christlichen Tra­di­tion dem Lei­densweg Christi gewid­met ist, eine Woche, die sich wie keine andere im Kirchen­jahr mit dem Lei­den beschäftigt. 

Schon mehrfach habe ich in Blog­beiträ­gen meine Vor­liebe für ver­meintlich alt­modis­che, zum Teil aus unserem täglichen Wortschatz ver­schwun­dene Begriffe gezeigt. Beim Lei­den fällt mir immer wieder das Wort Hingabe ein. Im Englis­chen gibt es den Begriff „Sur­ren­der“, der aus mein­er Sicht noch passender ist. Ich stelle mirin solchen Momenten vor, wie ich mich der Sit­u­a­tion hingebe statt zu lei­den, mit ihr fliesse, so wie das Wass­er im Bach sich seinen Weg sucht. Ich hadere nicht mit der Sit­u­a­tion, ich schaue, was sie mich lehren will. Für mich ist das Leben wed­er hart noch weich. Ich kann es mir schw­er oder ein­fach machen, durch die Art, in welch­er ich mit bes­timmten Sit­u­a­tio­nen umge­he. Manch­mal ist ein­fach­es Ler­nen ange­sagt, manch­mal braucht es die Her­aus­forderung. In diesem Sinne ist das Lei­den für mich eine wichtige Kom­po­nente mein­er Weit­er­en­twick­lung.

Ein­stieg in die Kar­woche — „Ich bin nicht so wichtig“

„Ich bin nicht so wichtig“ ist Mein­rads zweit­er Beitrag dieser Kar­woche. Schon bevor ich ihn lese, denke ich: welch weise Worte. Wichtig ist aus mein­er Sicht, zu wis­sen, wer ich bin, zu wis­sen, was meine Bedürfnisse sind. Und diese Bedürfnisse dür­fen wichtig genom­men wer­den. Vor allen Din­gen sollen wir sie aber in den Kon­text der Bedürfnisse aller anderen Wesen und der Natur set­zen. Wenn wir alle gle­ich wichtig sind, entste­ht Bal­ance, entste­ht die Magie des guten Lebens.

Grün­don­ner­stag – Mein Leben dreht sich nicht um mich

Wir, und damit auch unsere Blog­beiträge, näh­ern uns Ostern, dem Ende und dem Anfang. Ein leicht­es Bedauern schwingt mit in diesem Wis­sen, dass diese gemein­same Fas­ten­reise nun bald zu Ende ist. So wie Mein­rad die Erzäh­lung der Fuss­waschung bewegt, so hat sie auch mir immer wieder Impulse gegeben und mich an meinen Grun­dauf­trag im Leben, von und mit dem ganzen Herzen zu dienen, erin­nert. Mein­er Mei­n­ung nach dreht sich unser Leben ums Dienen. Wieder ein altertüm­lich­es Wort, eine alt­modis­che Tugend, ein alter Wert, aber noch immer vor allem eine wun­der­schöne Geste. Dem Leben zu dienen heisst zu wis­sen, dass alles miteinan­der ver­bun­den ist. Nie­mand von uns ist bess­er oder schlechter. Keine ist höher gestellt oder von niederem Rang. Wir sind alle gle­ich. Und drehen uns im besten Fall im Tanz namens Leben rhyth­misch miteinan­der und umeinan­der.

Kar­fre­itag – ich werde ster­ben

Vor der Aufer­ste­hung ste­ht natür­lich noch der Tod, das Ster­ben.

Mir scheint, wir haben den Tod aus dem Leben ver­ban­nt. Im Jahr 2017 habe ich einen guten Fre­und, unge­fähr gle­ichalt wie ich, durch die Krankheit in den Tod begleit­en dür­fen. Es fühlt sich immer noch an, als wäre er viel zu früh gestor­ben. Es bleibt die Frage des «Warum er?» und «Warum jet­zt?». Gle­ichzeit­ig war es für uns alle, die wir an diesem Prozess Teil hat­ten, die Möglichkeit, den Tod und das Ster­ben zu the­ma­tisieren, zu benen­nen, die Möglichkeit, uns unsere eige­nen Äng­ste und unsere Beziehung zum Tod anzuschauen. Im Tod liegt auch Heilung. So war es zumin­d­est für mich. 

Mein­rad schreibt in diesem Beitrag über die Fol­gen, die unsere Todesvergessen­heit für die aktuelle Gesellschaft hat. Ich gehe sog­ar noch einen Schritt weit­er. Mein Gefühl ist, dass wir den Tod aus dem Leben ver­drän­gen woll­ten. Das geht nicht – er gehört zu uns! Und dies seit unser­er Geburt. 

Coro­na hat den Tod zurück ins Leben gebracht. In das der einzel­nen Men­schen, die direkt betrof­fen sind, schmerzhaft und lei­d­voll. Aber auch für jene, die keine per­sön­lichen Krankheits­fälle in ihrem Umfeld miter­leben müssen, ist der Tod wieder präsent. Wir erin­nern uns an unsere eigene Sterblichkeit und an die Ver­let­zlichkeit.

Wer ein wenig mehr Zeit mit dem Tod ver­brin­gen möchte, dem seien als Ein­stieg die «Fünf Phasen des Ster­bens» von Elis­a­beth Kübler-Ross ans Herz gelegt. Auch Ver­gle­iche mit der Coro­na-Krise sind in diesem Zusam­men­hang erlaubt.

Karsam­stag – ich habe nicht die Kon­trolle

Ja, ich glaube, eine der wichtig­sten Erken­nt­nisse im Leben ist genau dies: Wir müssen dem Leben ver­trauen, denn wir haben keine Kon­trolle. Dies wird uns in so vie­len Sit­u­a­tio­nen immer wieder aufgezeigt. «Und erstens kommt es anders und zweit­ens als man denkt» soll schon Wil­helm Busch gesagt haben. Was mir der Karsam­stag und diese gesamte Woche vor allen Din­gen zeigte, war, wie wichtig Ver­trauen in unserem Leben ist. Ver­trauen schenken, Ver­trauen geschenkt bekom­men, und natür­lich auch der acht­same Umgang mit diesem Geschenk. Kon­trolle aufgeben und Ver­trauen schenken scheinen mir zwei der Schlüs­selfähigkeit­en, die uns die Geschichte von Jesus und auch die Geschichte unseres eige­nen Lebens lehren.

Ostern – Leben ist mehr als Über­leben

Wir sind am Ende angekom­men, also wieder am Anfang. Wie ein­gangs gesagt, feiern wir mit Ostern das Wis­sen um den Neube­ginn. Der Kreis­lauf startet erneut. Es ist beruhi­gend zu wis­sen, dass wir immer wieder entschei­den kön­nen, neu zu begin­nen. Es ist beruhi­gend zu wis­sen, dass wir uns immer wieder für das Leben entschei­den kön­nen. 

Ostern 2020 mit all den uner­warteten Ein­schränkun­gen und Impulsen, unser Leben zu hin­ter­fra­gen, gibt uns die Möglichkeit darüber nachzu­denken, was Leben für uns bedeutet. Es gibt uns die Möglichkeit, darüber nachzu­denken, was für uns ganz per­sön­lich der Unter­schied zwis­chen Leben und Über­leben sein mag.

Ich wün­sche uns allen ein Leben in Verbindung mit allem und allen. Ein Leben in welchem wir die Bedürfnisse der Natur und ander­er Men­schen genau­so wichtig nehmen und respek­tieren, wie unsere eige­nen.

Ein Leben, das mehr ist als nur zu über­leben.

Diese Fas­ten­zeit, die ich hier­mit beende, hat mir uner­wartet viel geschenkt und mich durch eine viel inten­si­vere Zeit des Verzichts geschickt, als ich erwartet habe. 

Ich bin zurück auf meine Grundbedürfnisse gewor­fen und bemerke, wie gut es mir tut, all den Bal­last hin­ter mir zu lassen. Ich freue mich auf die Phase, die nun begin­nt, auch wenn ich jet­zt noch keine Ahnung habe, was da alles auf uns zukommt. 

Danke an alle, die mich durch diese Wochen begleit­et haben und im Voraus her­zlichen Dank an alle, die nun die Zukun­ft, welche uns erwartet, aus der Gegen­wart her­aus, acht­sam, respek­tvoll, liebevoll und freud­voll gestal­ten.

Dieser Artikel ist mein let­zter Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Ich weiss, dass ich nicht weiss…

in Achtsamkeit/Fasten/Geld/Weisheit

… Dieses Zitat find­et sich bei Pla­ton und wird Sokrates zugeschrieben.

Ganz kurz und sub­jek­tiv zusam­menge­fasst geht es für mich in diesem Zitat darum, zu erken­nen, dass vieles von unserem ver­meintlichen Wis­sen Schein­wis­sen ist.

Wir glauben zu wis­sen und doch ken­nen wir häu­fig nur einen Teil der Fak­ten, ein Puz­zlestück, einen Auss­chnitt, her­aus­geris­sen aus dem Gesamtkon­text. Und daraus bildet sich dann unser Schein­wis­sen. Haben wir dieses für uns erkan­nt, ist der erste Schritt getan und wir kön­nen uns bewusst damit beschäfti­gen, dass wir nicht wis­sen. Dieses Beschäfti­gen mit dem Nichtwissen und vor allen Din­gen das Frieden schliessen mit dem Nichtwissen ist es, was uns erlaubt zur Ruhe zu kom­men. Dazu braucht es die Erken­nt­nis, dass Nichtwissen nicht mit Hand­lung­sun­fähigkeit gle­ichzuset­zen ist – im Gegen­teil. Das Nichtwissen befähigt uns aus mein­er Sicht erst dazu, weise zu han­deln. Im Nichtwissen geste­hen wir ein, dass wir die Lösung für ein Prob­lem nicht ken­nen und bauen auf unsere Erfahrun­gen und Fähigkeit­en, um eine neue Lösung zu entwick­eln, weil alle Ver­suche, ein­fach die alten Lösun­gen über das Prob­lem zu stülpen, gescheit­ert sind.

Damit bin ich wieder bei mein­er Haupt­ab­sicht, bei dem Haupt­grund, warum ich faste. Ich faste um meinen kör­per­lichen Funk­tio­nen, meinen Gedanken und Hand­lun­gen einen Neustart zu ermöglichen. Nach dem Fas­ten kann ich Gewohn­heit­en über­prüfen und ändern, die sich vorher unbe­wusst einge­spielt haben.

Eine Woche ist es bere­its her, seit­dem ich das Fas­ten gebrochen habe und wieder Nahrung zu mir nehme. Seit meinem Geburt­stag habe ich keinen Blog­beitrag mehr begonnen und das aus ganz unter­schiedlichen Grün­den. 

Zum einen haben mich ver­ständlich­er Weise die Mass­nah­men des Bun­desrates vom 20. März beru­flich sehr beschäftigt, zum anderen brauchte ich auch meine eigene Zeit, mich dieser neuen Sit­u­a­tion anzunäh­ern, meinen eige­nen Rhyth­mus und meinen eige­nen Platz in dieser Sit­u­a­tion zu find­en. Mein Ziel war und ist es, die guten Impulse des Fas­tens und all mein Ler­nen in dieser Zeit mitzunehmen und anzuwen­den — in dieser Zeit, die ger­ade neu begin­nt, weil die alte so plöt­zlich geen­det hat.

Zum drit­ten wer­den derzeit so viele Worte zur Coro­n­akrise gesagt und geschrieben, so viele Wahrheit­en und Fak­ten ver­bre­it­et, dass ich nicht das Bedürf­nis hat­te, auch noch dazu beizu­tra­gen.


Ich weiss, dass ich nicht weiss…

Ich habe keine Ahnung, ob die getrof­fe­nen Mass­nah­men die richti­gen sind, ob die Zahlen stim­men. Ich kann nicht beurteilen, welche medi­zinis­che Aus­sage zum Krisen­ver­lauf der Wahrheit am näch­sten kommt.

Ich weiss, wie es sich anfühlt, kranke Men­schen zu begleit­en, die mir und meinen Herzen sehr nahe sind. Ich weiss, was es heisst, sich von Men­schen zu ver­ab­schieden, die gefühlt viel zu früh ster­ben. Am let­zten Son­ntag ist jemand aus meinem Umfeld im Alter von 53 Jahren gestor­ben, nicht am Coro­n­avirus und auch nicht völ­lig uner­wartet, aber viel zu früh. Diese Per­son wird eine Lücke hin­ter­lassen. Diese Per­son wird vie­len Men­schen fehlen. 

Ich weiss also, welche Schmerzen für mich mit dem Tod von Men­schen, mit dem Akzep­tieren von Sit­u­a­tio­nen, die ich nicht ändern kann, ver­bun­den sind.

Mein Mit­ge­fühl ist mit all jenen Men­schen, die auf die unter­schiedlich­ste Weise von der Coro­n­akrise durch Krankheit, Tod, Job­ver­lust, Unsicher­heit oder anderen Äng­sten betrof­fen sind. Jed­er und jede von uns wird jet­zt auf ganz unter­schiedliche Weise mit den eige­nen Äng­sten und Sor­gen kon­fron­tiert.

Unbe­wusst ist uns allen bere­its jet­zt klar, ein Zurück zum Nor­malzu­s­tand wird es nicht geben. Denn der Nor­malzu­s­tand, war gar kein­er. 

Es war ein Autopi­lot, der uns erst hier­hin gebracht hat. Immer mehr Kon­sum, immer mehr Stress, mass­los­es Leben und Han­deln hat unseren All­t­ag bes­timmt. Wir nehmen chemisch bear­beit­ete und indus­triell ver­ar­beit­ete Nahrung zu uns, die nicht mehr nährt und erschaf­fen uns damit ein Immun­sys­tem, welch­es uns nicht mehr schützt und sich mit Anfäl­ligkeit­en für Krankheit­en oder auch durch Autoim­munkrankheit­en bemerk­bar macht. Es gibt wahrschein­lich nicht die eine Ursache für die Krise, in der wir vor der Coro­n­akrise bere­its gesteckt haben, es ist ein Cock­tail an Ursachen, welch­er dazu geführt hat.

Wir haben nun als Gesellschaft die grosse Chance, ein neues «Nor­mal» zu definieren, eines welch­es die Würde von Men­sch, Natur und Gesellschaft in den Mit­telpunkt stellt ( siehe meinen let­zten Beitrag «Was hat Würde mit Fas­ten zu tun» ).

Meine kom­menden Beiträge wer­den von diesen Chan­cen han­deln. Und vor allen Din­gen wer­den sie vom Nichtwissen han­deln und davon, dass das Nichtwissen uns zur notwendi­gen Weisheit führen wird, aus dieser Krise zu ler­nen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Was hat Würde mit Fasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Würde – schon wieder so ein altehrwürdi­ges Wort, welch­es es mir ange­tan hat. Würde ist der Wert, der einem Men­schen innewohnt, das Bewusst­sein des eige­nen Wertes (siehe Duden). Die Würde des Men­schen ist in diversen Grundge­set­zen ver­ankert und wie es heisst, unan­tast­bar.

Doch wie gehen wir sel­ber mit unser­er Würde um? Welchen Wert geben wir ihr? Welchen Wert geben wir ihr in Bezug auf Geld.

«Es gibt uns Men­schen eine neue Würde, wenn wir uns in unserem Kon­sum- und Rei­sev­er­hal­ten weit­er­en­twick­eln» schrieb Julia Medug­no am 15. März 2020 in ihrem Blog­beitrag zu dieser Fas­ten­woche, ein Satz der mich inspiri­ert hat, über die Würde und ihre Verbindung zum Fas­ten nachzu­denken.

Es gibt viele Hand­lun­gen, die wir als Men­schen noch immer regelmäs­sig durch­führen, wie das Shop­ping am Sam­stag, die Jagd nach den tech­nis­chen Neuheit­en und das Mit­ge­hen mit jedem Mod­e­trend, die aus mein­er Sicht nicht wirk­lich nährend sind. In Sachen Shop­ping muss ich gar kein Geld fas­ten, denn meine Geld­flüsse gehen nur in diese Rich­tung, wenn ich wirk­lich etwas benötige. Häu­fig denke ich darüber nach, ob ich das Klei­dungstück oder ein neues Smart­phone wirk­lich brauche. Und fast gle­ichzeit­ig denke ich dann auch noch darüber nach, wenn ich etwas erset­ze, was eigentlich noch funk­tions­fähig ist, wem ich das zu erset­zende Stück weit­ergeben kann. Ich habe schon auf Käufe verzichtet, weil mir nie­mand ein­fiel, dem ich das gebrauchte, das alte Stück weit­ergeben kon­nte.

Ein würde­volles Leben hat für mich sehr viel damit zu tun, dass meine Hand­lun­gen von anderen Men­schen und von mir sel­ber als angenehm, acht­sam und weise ange­se­hen wer­den. Dies gilt, weil mir das The­ma Geld so wichtig ist, beson­ders für meine Geldentschei­dun­gen.

Sich sel­ber durch den acht­samen Umgang mit Geld eine neue Würde zu geben ist eine schöne Vorstel­lung, ins­beson­dere, weil ja Würde so viel mit Wert zu tun hat. Ich kön­nte jet­zt damit begin­nen, jede Menge Geld­hand­lun­gen von ver­schieden­sten Unternehmen, Insti­tu­tio­nen oder einzel­nen Men­schen aufzuzählen, welche ich per­sön­lich als so gar nicht würde­voll oder wertvoll beze­ich­nen würde. Dies tue ich jedoch bewusst nicht. Viel schön­er, nähren­der und freud­voller finde ich es Ideen zu entwick­eln, die meinem Han­deln mehr Würde geben. Hier sind mein­er Phan­tasie keine Gren­zen geset­zt. Und ich merke ger­ade: Mein aktuelles Fas­ten muss ich ja auch nach dem Fas­ten­brechen am kom­menden Sam­stag nicht voll­ständig aufgegeben. Ich kann mir weit­er­hin Gutes tun, indem ich massvoll und ver­ant­wor­tungsvoll kon­sum­iere und teile und weit­ergebe, was ich nicht brauche.

Der Bun­desrat hat am Mon­tag 16. März erweit­erte Mass­nah­men für die Eindäm­mung der Coro­n­a­pan­demie beschlossen. Die Schlies­sung von Läden und Gast­stät­ten sowie das Ver­bot von Ver­anstal­tun­gen wird viele Selb­ständi­ge und kleine Unternehmen an den Rand ihrer Exis­tenz brin­gen. Sind wir bere­it, hier zu teilen? Vielle­icht mag es so weit gehen, dass wir, die wir noch regelmäs­sige und gute Gehäl­ter beziehen und Arbeit­ge­ber haben, die kulante Regelun­gen find­en, in den kom­menden Monat­en etwas abgeben müssen und uns in Genügsamkeit und Masshal­ten üben dür­fen, damit alle weit­er­hin gut leben kön­nen. Ich bin gerne bere­it, hier beizu­tra­gen. Für die Men­schen in der Schweiz: Es gibt bere­its eine Onlinep­e­ti­tion, die ihr unter­scheiben kön­nt, wenn ihr wollt. Hier der Link.

Die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen der Coro­n­akrise soll­ten mit dem Ende der vom Bun­desrat erlasse­nen Mass­nah­men nicht ein­fach in Vergessen­heit ger­at­en. Wahrschein­lich wieder­hole ich mich, aber es ist mir ein­fach wichtig. Diese Krise ist für uns alle eine Chance. Dur­chat­men, langsamer wer­den, sich wieder auf das Wesentliche besin­nen, mehr Zeit mit der Fam­i­lie, klares Wass­er in Venedig, Del­phine, die wieder zurück an die Strände kom­men, all dies sind jet­zt schon sicht­bare Wirkun­gen der weltweit­en Mass­nah­men.

Diese soll­ten es uns wert sein, darüber nachzu­denken, ob wir nicht auf Dauer unseren Kon­sum und den Leben­srhyth­mus dem­jeni­gen der Natur anpassen. Wir brauchen viel weniger als wir manch­mal denken, das Fas­ten beweist mir dies immer wieder.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Genügsamkeit

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Zu Beginn der Fas­ten­zeit ist mir das Wort Genügsamkeit in einem Artikel zum The­ma Geld aufge­fall­en. Das Wort und seine Bedeu­tung begleit­en mich seit­dem. Ich wollte schon länger darüber schreiben. Heute beginne ich damit.

Es ist schon selt­sam, wie sehr sich das The­ma «Geld und Fas­ten», welch­es ich mir für diese Fas­ten­woche aus­ge­sucht habe, in den aktuellen Ereignis­sen rund um den Globus wieder­spiegelt. Ich lese von Ham­sterkäufen, von Län­dern, die ihre Gren­zen schliessen, mit der Begrün­dung, dass Gren­zgänger nicht die Regale der Lebens­mit­telgeschäfte im Nach­bar­land leer kaufen.

Mit Genügsamkeit hat dies nur wenig zu tun. Syn­onyme zu Genügsamkeit sind zum Beispiel: Beschei­den­heit, Dankbarkeit, Ein­fach­heit, Enthalt­samkeit. Genügsam sein bedeutet: Mit wenig zufrieden zu sein, so sagt der Duden. Anson­sten finde ich bei der Suche im Netz nicht son­der­lich viel zur Genügsamkeit. Sie scheint ver­al­tet, nicht attrak­tiv. 

Beschei­den­heit ist nicht gefragt, unsere west­liche Kon­sumge­sellschaft spiegelt es uns wider,. Wir leeren die Regale, damit es uns auch weit­er gut­ge­ht. 

Die Fra­gen: «Was brauchen die anderen?», «Was nehme ich jeman­dem anders weg, wenn ich mehr kaufe, als ich brauche?» scheinen von jenen, die ihre Einkaufwä­gen mehr als voll laden, nicht gestellt zu wer­den.

Mar­tin Booms von der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kul­tur in Bonn fasst es in seinem Artikel «Coro­na und die Werte: Warum es um viel mehr geht als nur um eine gesund­heitliche Krise» aus mein­er Sicht wun­der­bar zusam­men: Es geht um ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis zwis­chen Gemein­wohl und Eigen­in­ter­esse. 

(…) Denn die Coro­na-Epi­demie trifft – ger­ade in den west­lich-lib­eralen Gesellschaften – auf einen moralisch und poli­tisch schw­er vor­erkrank­ten Patien­ten, der bere­its vorher an allen Symp­tomen litt, die die gegen­wär­tige Epi­demie nun expo­nen­tiell her­vortreibt: einem hohen Mass an Ori­en­tierungslosigkeit und Verun­sicherung, gepaart mit Ver­trauensver­lust gegenüber etablierten poli­tis­chen und wirtschaftlichen Struk­turen; einem durch­greifend­en Hang zur Dystopie, dem der Zukun­ft­shor­i­zont in immer düster­eren Far­ben erscheint und der den klas­sis­chen Fortschrittsop­ti­mis­mus des lib­eralen Weltver­ständ­niss­es frei­heits­bedrohlich in sein Gegen­teil verkehrt; ein­er Ero­sion des Konzepts objek­tiv­er Wahrheit, die noch den let­zten fes­ten Boden all­ge­mein anerkan­nter Tat­sachen ins Wanken gebracht hat. (…)

NZZ Online Mar­tin Booms 14.03.2020, 05.30 Uhr (Link)

Wir haben das Ver­trauen in uns, in die Gesellschaft, die Poli­tik, die Wirtschaft, ja so wie es scheint in alles ver­loren. Da ist es dann auch nicht ver­wun­der­lich, dass wir mit Tugen­den wie Genügsamkeit, Beschei­den­heit und Enthalt­samkeit so wenig anfan­gen kön­nen. 

Im Fas­ten erlebe ich immer wieder, wie wenig ich brauche. Und das, was ich nicht brauche, kön­nen ja andere benutzen. Ein Kreis­lauf, der mich mehr nährt, als das Wis­sen darum, dass ich mit meinen geham­sterten Vor­räten ein paar Wochen länger auskomme, als meine Nach­barn. Ich konzen­triere mich wieder auf das Wesentliche und merke, was ich alles nicht brauche. 

Für mich ist Genügsamkeit ein Luxus. Ich geniesse es sehr, wieder zu erken­nen, wie wenig für ein gutes Leben notwendig ist. Und auch zu erken­nen, dass es kein Lei­den, son­dern ein Gewinn ist, sich allem Über­flüs­si­gen ganz bewusst zu entledi­gen und dem Wesentlichen Zeit und Aufmerk­samkeit zu schenken.

Was mich beson­ders nährt in dieser Zeit ohne Nahrung ist, dass ich mir wieder bewusst mache, dass meine Genügsamkeit bei jemand anderem das Gefühl von Fülle aus­lösen kann. Das, was ich nicht nutze oder esse, kann jemand anderes gebrauchen. Wenn wir dies nicht nur in unserem direk­ten Umfeld prak­tizieren, son­dern uns bewusst machen, dass die Wirkung auf der glob­alen Ebene noch viel, viel gröss­er ist, fast unvorstell­bar, was kön­nen wir dann alles gemein­sam bewirken. Eine Welt ohne Hunger ist möglich – und das Umverteilen von Geld und anderen Ressourcen durch die eigene Genügsamkeit, nicht nur in Fas­ten oder Krisen­zeit­en, son­dern auch im ganz alltäglichen Leben, ist die eigentliche Fülle. 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Wie gelingt es positive Veränderungen auch langfristig beizubehalten?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

Die Coro­n­akrise hat auch uns zu Verän­derun­gen im Ablauf der Fas­ten­woche ver­an­lasst. Wir haben entsch­ieden, uns nicht im öffentlichen Café «Jen­seits im Viadukt» zu tre­f­fen, son­dern nur in der Alt­stadt im Raum an der Trit­tli­gasse 16 Annex und dies an den entsprechen­den Tagen jew­eils um 16 Uhr, das näch­ste Mal also heute um 16 Uhr und dann am Dien­stag, 17. März 2020.

Am Sam­stag zu Fas­ten­be­ginn haben wir vor allen Din­gen über zwei The­men disku­tiert: Wie brin­gen wir die pos­i­tiv­en Entwick­lun­gen, welche die Coro­n­akrise für die Gesellschaft und auch für das Kli­ma bringt, weit­er in die Zukun­ft?  

Im Laufe der Diskus­sion kam dabei die Kirche ins Spiel. Brauchen wir über­haupt noch die Insti­tu­tion Kirche und wenn ja wozu? Da ich für diese Woche in meinen Blog­beiträ­gen aber beim Geld und beim Fas­ten bleiben möchte, fokussiere ich mich auf die erste Frage.

Ab mor­gen, Mon­tag, 16. März 2020 bleiben die Schulen zunächst ein­mal bis 4. April geschlossen. Für einige Schulen ist bere­its klar, dass es bis zum 30. April keinen Unter­richt geben wird. In Restau­rants dür­fen sich zeit­gle­ich nicht mehr als 50 Per­so­n­en in Räu­men aufhal­ten. Ver­anstal­tun­gen mit über 100 Per­so­n­en sind bis Ende April nicht mehr erlaubt.

Das Leben ver­langsamt sich – unge­plant, von aussen bes­timmt. Gle­ichzeit­ig ist dies ja auch genau das, was ich für mich mit der Fas­ten­woche bezwecke. Auch im Café Jen­seits, in welchem wir uns am Sam­stag für den Start getrof­fen hat­ten, blieben alle Plätze um uns herum leer. 

Gibt es dem Ver­häng­nis über­haupt etwas Pos­i­tives abzugewin­nen? Viele Hote­liers, Restau­rantbe­sitzer und ‑pächter, Eventver­anstal­ter und unzäh­lige andere Selb­ständi­ge wer­den diese Zeit noch lange in Erin­nerung behal­ten, und dies bes­timmt nicht pos­i­tiv. Ihre Exis­ten­zen hän­gen davon ab, dass jemand vor­beikommt und kon­sum­iert, Geld in den Fluss bringt.


Doch brauchen wir wirk­lich all diese Ver­anstal­tun­gen? Braucht es jede Woche Orte, an welchen sich über 1000 Men­schen zusam­men­find­en, um sich in eine andere Welt zu bea­men? Brauchen wir den alltäglichen, den son­ntäglichen Gang ins Restau­rant?

Genau das, was ich mir vom Fas­ten wün­sche, passiert ger­ade auf der Ebene des täglichen Lebens – viele Dinge, die uns lieb gewor­den sind, fall­en ganz plöt­zlich weg. Zugegeben, mein Fas­ten ist frei­willig und die Mass­nah­men zur Eindäm­mung der Coro­n­akrise wer­den uns vom Staat vorgeschrieben. Trotz­dem ist die Wirkung ähn­lich. Wir erken­nen, was uns wirk­lich wichtig ist. Fre­unde begin­nen acht­sam bei Tre­f­fen einan­der zu fra­gen, welche Form der Begrüs­sung sie sich wün­schen. Verabre­dun­gen wer­den so getrof­fen, dass die Sicher­heits­bedürfnisse der einzel­nen aber auch das Risiko der möglichen Gefährdung von anderen berück­sichtigt wer­den. Wir fra­gen einan­der wieder, was wir brauchen. Wir nehmen Rück­sicht auf die Bedürfnisse der anderen. Endlich wieder! 

Die Frage, die nun drin­gend wird, lautet: Wie kön­nen wir diese Acht­samkeit auch bewahren, wenn die Krankheitswelle wieder vor­bei ist? 

Das Bewahren gilt natür­lich auch für all die Entwick­lun­gen, die sich pos­i­tiv auf die Natur und unseren All­t­ag auswirken. Die reduziert arbei­t­en­den Fab­riken führen zu besser­er Luft, Flugzeuge bleiben am Boden und reduzieren damit den CO2-Ausstoss. Auch nicht zu unter­schätzen ist, dass sich die Pendler auf unter­schiedliche Züge verteilen und es somit wieder möglich ist, auch in Stosszeit­en einen Sitz­platz zu bekom­men. Wir fra­gen uns bewusst «Wie und wann wollen wir reisen?» und dies für den Beruf­sall­t­ag genau­so wie für den Ferien­aufen­thalt. Im Super­markt wer­den die Gren­zen des Kon­sums sicht­bar, denn es ist nicht mehr alles in den Regalen zu find­en und wir merken, dass wir auch gar nicht all das brauchen, was wir son­st in unsere Einkaufwa­gen pack­en.

Wir haben den Autopi­loten ver­lassen und tre­f­fen für einen Moment bewusste Entschei­dun­gen, und auf vie­len Ebe­nen schadet es uns nicht, im Gegen­teil.

Wie wird es gelin­gen, diese pos­i­tiv­en Aspek­te in nach­haltige Ver­hal­tensweisen umzuwan­deln und nicht wieder bei der ersten Gele­gen­heit zu begin­nen, mass­los und acht­los zu kon­sum­ieren und zu reisen?

Meine ehrliche Antwort: Ich weiss nicht, wie die Welt sich nach der Coro­n­akrise entwick­eln wird. Ich spreche ger­ade mit so vie­len Men­schen, die sich die gle­ichen Fra­gen wie ich stellen und sich auch wün­schen, dass wir uns ver­ant­wor­tungsvoll in dieser Welt bewe­gen. 

Das stimmt mich zuver­sichtlich. Und als einen ersten Schritt werde ich sel­ber für mich ganz per­sön­lich all die pos­i­tiv­en Aspek­te doku­men­tieren, damit ich mich auch, wenn wir längst wieder zur Nor­mal­ität überge­gan­gen sind, erin­nere, was mir wirk­lich gut­tut.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Samstag, 14. März 2020 – Meine Woche ohne Nahrung beginnt

in Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

In dieser Woche möchte ich täglich die Gedanken zum The­ma Geld und Fas­ten weit­er­en­twick­eln. Dabei freue mich sehr auf den Aus­tausch mit anderen Men­schen, denn Geld ist ja etwas ganz Per­sön­lich­es und gle­ichzeit­ig auch etwas, dass uns alle bet­rifft, denn wie bere­its im Blog «Kann man Geld essen?» erwäh­nt, ist Geld etwas, dass nur in ein­er Tauschbeziehung einen Nutzen erhält. Ich freue mich darauf, für die kom­menden sieben Tage an jedem einzel­nen Tag meine Gedanken über diesen Blog zu teilen.

Die unter­schiedlichen Aspek­te des Geld­fas­tens, welche ich in den vorheri­gen Beiträ­gen ange­sprochen habe, sind für mich alle auf ihre Weise span­nend. Für den Moment möchte ich die bei­den The­men Geld­frei­heit und Macht des Geldes betra­cht­en. Aber ich schaue nicht nur auf mich ganz per­sön­lich und meine Beziehung zum Geld, son­dern mache den Fäch­er auf und schaue, was ger­ade in der Welt geschieht, wo Geld­flüsse ver­siegen und Machtver­hält­nisse sich verän­dern.

Am Don­ner­stag, 12. März hat die USA einen 30-tägi­gen Ein­reises­topp gegenüber Europa aus­ge­sprochen. Anschliessend waren die Börsen auf Tal­fahrt. Ein kurz­er Artikel von SRF namens «Schwarz­er Fre­itag – Die Börsen im freien Fall wegen Coro­n­avirus» vom Mor­gen des Fre­itag, 13. März enthält einen Satz, der mich aufhorchen lässt. Dieser heisst «Doch die Anlegerin­nen und Anleger glauben offen­bar nicht daran, dass man eine Pan­demie mit Geld­poli­tik bekämpfen kann.».

Dass wir als Gesellschaft durch einen Virus namens COVID-19 so sehr in unser­er Art und Weise, wie wir unser Leben gestal­ten, in Frage gestellt wer­den, kon­nte sich noch vor ein paar Wochen nie­mand vorstellen. 

Als ich zu Beginn der Fas­ten­zeit in meinem Blog­beitrag mir sel­ber die Frage gestellt habe, was passieren kön­nte, wenn die wohlhabende Welt für eine Woche auf Ein­nah­men verzicht­en würde, habe ich nicht erwartet, dass ich so schnell eine reale, in unser­er Wirtschaftswelt ver­ankerte Antwort darauf bekom­men würde. Das was ger­ade in der Welt in Verbindung mit diesem Virus passiert, hat Auswirkun­gen, die weit über die Eindäm­mung ein­er Krankheit hin­aus gehen.

Fast jed­er Bere­ich unseres Lebens ist in irgen­dein­er Form betrof­fen. Da ich mich entsch­ieden habe, in dieser Zeit über Fas­ten und Geld zu schreiben, werde ich mich auch bis Ostern, dem Ende der offiziellen Fas­ten­zeit darauf fokussieren, dies jedoch nicht ohne ab und zu auf die Aktu­al­ität zurück­kom­men, denn ich denke, noch bess­er gesagt, ich wün­sche uns allen, dass wir aus dieser Krise auch Schlüsse ziehen und Antworten auf die Frage find­en wer­den, was an unser­er aktuellen Form, zu leben vielle­icht auf Dauer verän­dert wer­den kön­nte. Ich erin­nere ein­fach nochmals daran, wie gut einige der Mass­nah­men gegen den Virus für Kli­ma und Natur sind und auch ein massvolles, genügsames Kon­sumver­hal­ten unter­stützen.

Die aktuelle Entwick­lung in der Coro­na Krise macht deut­lich: Ein uner­wartetes Ereig­nis und unsere regelmäs­si­gen Geld­flüsse sind gefährdet und unsere so müh­sam aufge­baut­en Sicher­heit­spol­ster in Geldein­heit­en schmelzen an manchen Stellen bere­its bedrohlich zusam­men. 

Medi­en bericht­en von Umsatzein­bussen, Arbeit­nehmer wer­den in die Kurzarbeit geschickt, Restau­rants bleiben leer. Und nun wird es auch an den Börsen sicht­bar, zum Beispiel durch tiefrote Zahlen und Reko­rd­ver­luste am Don­ner­stag, 12. März 2020.

Der Geld­fluss stockt – unfrei­willig. Wie ich im Blog «Wenn Geld­flüsse unter­brochen wer­den: Führt der Coro­n­avirus zu unfrei­willigem Geld­fas­ten?» fest­gestellt habe, hat dies nichts mit Geld­fas­ten zu tun, da Fas­ten Frei­willigkeit bed­ingt. Bei der Suche nach der Antwort «Was ist die Wirkung des Geld­fas­tens?» ist eine Auseinan­der­set­zung mit den aktuellen Ereignis­sen hil­fre­ich, denn in bei­den Fällen fliesst das Geld nicht mehr so weit­er, wie bish­er.

So sehr ich mich in Men­schen und Insti­tu­tio­nen hinein­ver­set­zen kann, die in weni­gen Tagen zwis­chen 10 bis 25% oder auch noch mehr des Wertes ihres Ver­mö­gens an der Börse ver­loren haben, ich sehe es als ein weg­weisendes, fast pos­i­tives Zeichen, wenn wir erken­nen, dass Geld an sich nie die Lösung eines Prob­lems, ein­er Her­aus­forderung sein kann. Geld kann unter­stützen, aber Geld an und für sich ist nicht das, was wir wirk­lich brauchen.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um im Alter gut zu Leben» meinen wir eigentlich: Ich möchte auch im Alter eine schöne Woh­nung haben; ich möchte, wenn ich krank bin, eine gute Betreu­ung und Ver­sorgung haben; ich möchte auch im Alter gut und gesund leben.

Wenn wir sagen «Ich benötige Geld, um zum Frisör zu gehen» benöti­gen wir eigentlich einen Haarschnitt oder vielle­icht auch nur eine Kopf­mas­sage oder ein Gespräch mit einem Men­schen, der uns sym­pa­thisch ist.

Ich erzäh­le nichts wirk­lich Neues, wenn ich sage, dass all diese Bedürfnisse inzwis­chen auch ohne Geld erfüllt wer­den kön­nen.

Ein paar Beispiele aus meinem ganz per­sön­lichen Umfeld, im Wis­sen, dass es noch viele weit­ere gibt.

KISS — die vierte geld­freie Vor­sorgesäule

«Keep ishort and simple» baut Zeitkon­ten auf, die in ein­er späteren Phase im Leben wieder abgerufen wer­den kön­nen. KISS-Genossen­schaften bieten ihren frei­willig täti­gen Mit­gliedern viel­seit­ige Unter­stützung, indem sie Men­schen in allen Lebensla­gen und ‑altern begleit­en, mit alltäglichen Dien­stleis­tun­gen in Haus und Garten, Fahrten, mit Zuhören und Gesprächen, Spazieren, Bewe­gung usw. Die sich unter­stützen­den Men­schen («Tandems») wer­den durch Fach­per­so­n­en zusam­menge­führt und begleit­et.

Tauschen am Fluss

In dieser Tauschbörse wer­den die unter­schiedlich­sten Dien­stleis­tun­gen aus­ge­tauscht. Eine Über­sicht aller aktuellen Ange­bote find­et sich in der Mark­tzeitung.

Puraver­du­ra

Puraver­du­ra ist eine Genossen­schaft bei mir direkt um die Ecke, wo ich ab Som­mer dieses Jahres einen Teil mein­er Nahrung beziehen kann, da ich Genossen­schaft­lerin bin. Im Gegen­zug habe ich einen finanziellen Genossen­schafts­beitrag geleis­tet und werde zusät­zlich mit Arbeit­en wie Jäten, Ern­ten und ähn­lich­es meinen Anteil an der Ernte ver­di­enen. Dies ist für mich nicht voll­ständig geld­frei, da ich mich entsch­ieden habe, nur acht Arbeit­sein­sätze zu leis­ten. Mit mehr Arbeit­sein­sätzen kann man die Geldleis­tung bei ver­schiede­nen For­men der sol­i­darischen Land­wirtschaft wesentlich reduzieren. 

Genossen­schaften für sol­i­darische Land­wirtschaft find­en sich inzwis­chen über­all. Zu Beginn braucht es eine Anfangsin­vesti­tion und auch die Mitar­bei­t­en­den müssen in Geldein­heit­en bezahlt wer­den – denn wir leben nun mal auch noch im altherge­bracht­en Geld­wirtschaftssys­tem. Erst wenn voll­ständi­ge Tauschzirkel aufge­baut sind, wer­den diese Sys­teme immer robuster wer­den und weniger Geld muss fliessen.

Sieben Lin­den ist ein Dorf in Deutsch­land, welch­es als gesamte Sied­lung darauf aus­gerichtet ist, sich unab­hängig von glob­alen Geld­flüssen zu machen. Viele gute Ideen und Impulse sind hier zu find­en. 

Zusam­menge­fasst:

Es gibt also Wege, um in eine Geld­frei­heit zu kom­men und sich der Macht, welche das Geld über uns zu haben scheint, länger­fristig zu entledi­gen. Zugegeben, sie sind aufwendi­ger als manch­er Job. Hier darf sich jed­er und jede fra­gen: 

Was sind mir meine Geld­frei­heit und ein gutes Leben wert? 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Ein Leben ohne Geld

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Für den Moment möchte ich noch ein wenig bei der Wirkung des Geld­fas­tens ver­weilen. Natür­lich bin in nicht die erste, die sich über den Verzicht von Geld Gedanken macht. Im Inter­net gibt es inzwis­chen unzäh­lige Artikel zum Leben ohne Geld. Es gibt auch einige Men­schen, die für mehrere Jahre voll­ständig ohne Geld gelebt haben und über ihre Erfahrun­gen berichtet haben.

Heute möchte ich Men­schen erwäh­nen, die mich auf meinem Weg inspiri­ert haben und von denen ich auf die unter­schiedlich­ste Art und Weise ler­nen kon­nte. Die kom­menden Absätze sind bewusst mit ver­schiede­nen Links verse­hen, damit jene, die sich auf eige­nen Wegen dem The­ma näh­ern wollen, weit­er­lesen und weit­er­forschen kön­nen. 

Raphael Fellmer zum Beispiel hat von 2010 bis 2015 in einem voll­ständi­gen Geld­streik gelebt. Daraus resul­tierte unter anderem die Grün­dung von Food­shar­ing Deutsch­land, ein­er Bewe­gung, aus welch­er her­aus Tausende Men­schen einen neuen Umgang mit Lebens­mit­telver­schwen­dung entwick­elt haben. Auch in der Schweiz ist Food­shar­ing nun schon seit Jahren etabliert und erfol­gre­ich. Raphael Fellmers aktuelles Pro­jekt ist sir­plus, ein Onli­ne­su­per­markt geschaf­fen zur Ret­tung von Lebens­mit­teln. Raphael war es wichtig, auf die Art wie wir häu­fig gedanken­los kon­sum­ieren, aufmerk­sam zu machen. Vor der Wirkung, die seine Ini­tia­tive erzeugt hat, ver­beuge ich mich. Wobei er war natür­lich nicht alleine unter­wegs. Der Auf­bau von Food­shar­ing hat viele Hände, Köpfe und Herzen gebraucht. Sein Impuls war jedoch äusserst wirkungsvoll. Eine nach­haltige Wirkung des voll­ständi­gen Verzichts auf Ein­nah­men und Aus­gaben ein­er Per­son ist in diesem Fall zu ein­er Bewe­gung gewor­den: dem Food­shar­ing.

Meine erste Begeg­nung mit dem The­ma Geld­verzicht liegt nun schon viele Jahre zurück. Im Jahr 2001 habe ich von Hei­de­marie Schw­er­mer gehört bzw. im Fernse­hen eine Reportage über sie gese­hen. In diesem Jahr brachte Sie ihr Buch «Das Stern­talerex­per­i­ment: mein Leben ohne Geld» her­aus. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2016 hat sie 20 Jahre fast voll­ständig ohne Geld gelebt. Mich hat das beein­druckt, doch irgend­wie war mir klar: Dies ist nicht mein Weg. Auch bei ihr waren Kom­pro­misse notwendig und häu­fig bekam sie den Vor­wurf zu hören, dass sie zwar nicht vom eige­nen Geld lebt, jedoch vom Geld der anderen. Für mich kann der voll­ständi­ge Geld­verzicht in unser­er durch das Geld bes­timmten Gesellschaft auch nicht die Lösung sein. Und trotz­dem, was Hei­de­marie Schw­er­mer mir gezeigt hat ist, dass es für eine einzelne Per­son möglich ist, so gut wie ohne Geld zu leben. Auch dies ist eine wichtige Wirkung.

Beim Vor­bere­it­en der Links für diesen Blo­gein­trag bin ich auf den Artikel «Leben ohne Geld- geht das?» gestossen. Dabei ist mir noch deut­lich­er als bish­er klar gewor­den, wie gross die gedankliche Auseinan­der­set­zung mit dem Verzicht auf Geld schon heute in einem Teil der Gesellschaft ver­ankert ist. Ini­tia­tiv­en wie Couch­surf­ing, Klei­der­tausch, car­shar­ing oder book cross­ing  sind in vie­len Kreisen etabliert und auch eine Art auf die Ver­wen­dung von Geld zu verzicht­en.

Auch wenn ich sel­ber die Entschei­dung getrof­fen habe, für den jet­zi­gen Augen­blick weit­er­hin ein aktiv­er Teil des aktuellen Wirtschafts- und Geldsys­tems zu bleiben, so habe ich für mich und mein Leben über die let­zten Jahre eine grosse Geld­frei­heit erschaf­fen, ein Begriff, den ich mir von Tobi Ross­wog aus­geliehen habe. Auch er ist ein sehr inspiri­eren­der Geist. In sein­er Auseinan­der­set­zung mit dem The­ma Geld begrün­den die unter­schiedlich­sten Ini­tia­tiv­en, die unsere Welt ein klein wenig ver­ant­wor­tungsvoller machen wollen. Ihm geht es, wie auch mir, nicht darum, voll­ständig ohne Geld zu leben, son­dern sich von der Macht des Geldes zu befreien. Der Macht des Geldes werde ich noch einen Abschnitt in einem sep­a­rat­en Blog­beitrag wid­men, denn ich denke dahin­ter liegt der Schlüs­sel zu ein­er sehr wichti­gen Wirkung des Geld­fas­tens ver­bor­gen.

Unter Geld­frei­heit ver­ste­he ich einen Zus­tand, in dem ich das Geld als eine liebevolle und hil­fre­iche Unter­stützung in der Erfül­lung mein­er Bedürfnisse und Wün­sche sehen kann.  Geld als ermöglichende Ressource, im Wis­sen, dass auch ohne die Abhängigkeit von Geld ein lebenswertes Leben möglich ist. 

Geld­frei­heit im Sinne von das Geld als eine liebevolle und hil­fre­iche Unter­stützung, aber nicht als abso­lut notwendig zu sehen ist für mich im Moment das wichtig­ste und wirkungsvoll­ste Ergeb­nis von mein­er Auseinan­der­set­zung mit Geld­fas­ten. Unab­hängig vom Geld zu sein erlaubt uns, wieder Lebensentschei­dun­gen zu tre­f­fen, die unseren ganz per­sön­lichen Bedürfnis­sen und Lebensen­twür­fen entsprechen. Es muss nicht unbe­d­ingt ein Leben aus dem Abfall­con­tain­er sein, aber wenn jede von uns begin­nt acht­same Geldentschei­dun­gen zu tre­f­fen, wer­den wir bemerken, wieviel weniger Geld bei wieviel mehr Lebens­freude möglich sein kann. Ich selb­st bin übri­gens über Umwege eben­falls zum Con­tain­ern gekom­men. Damals als Lau­ren Wild­bolz im Rah­men ihrer Stu­di­en­ar­beit zum Kochen mit Abfällen ein­lud, habe ich mich aus Neugi­er angemeldet. Wie so häu­fig, hat­te ich «das Kleinge­druck­te“ nicht gele­sen und mich ein­fach zum Ort begeben, der als Tre­ff­punkt angegeben war. Was ich nicht wusste, war, dass wir die Zutat­en für unser Aben­dessen noch sel­ber aus den Con­tain­ern eines nahegele­ge­nen Super­mark­tes in Zürich Alt­stet­ten holen mussten. Ich erin­nere mich noch ziem­lich genau, wie entset­zt ich war, als ich all die Lebens­mit­tel im Müll ent­deck­te. Zum Teil orig­i­nalver­packt und so gut wie alles noch frisch und unbeschädigt. 

Geld­fas­ten und bewusste, ver­ant­wor­tungsvolle Kon­sumentschei­dun­gen gehören mein­er Ansicht nach eng zusam­men. In den heuti­gen Blog ging es um Kon­sum Verzicht, im näch­sten Beitrag werde ich wieder fokussiert­er der Spur des Geldes fol­gen. Und natür­lich braucht es auch noch eine Auseinan­der­set­zung, was nun mit all dem nicht aus­gegebe­nen Geld geschehen soll. In den Blog­beiträ­gen während der Woche, in der ich faste und damit auch Geld faste, möchte ich über die Wirkung des Verzichts auf meine ganz per­sön­lichen Lebens­be­din­gun­gen nach­denken. Aber vergessen wir nicht, es gibt andere Men­schen, die den Luxus, sich über Geld­verzicht Gedanken zu machen, gar nicht haben. Weil sie von allem zu wenig besitzen: Nahrungsmit­tel, Bil­dung, Unterkun­ft. Hier ist ein Geld­fas­ten bes­timmt nicht die erste Pri­or­ität. Aber vielle­icht schaffe ich es ja, dass mein Weniger an einem anderen Ort zu einem Mehr wird? Noch eine Spur, die ich weit­er ver­fol­gen möchte.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Kann man Geld essen?

in Alternative/Fasten/Geld

Nein – natür­lich nicht. Geld sel­ber nährt uns nicht. Wir müssen es immer in etwas anderes, zum Beispiel in Lebens­mit­tel, umtauschen. Leben vom Geld kön­nen wir also nicht. 

«Was kön­nte die Wirkung von Geld­fas­ten sein?» Diese Frage habe ich zum Ende des zweit­en Blo­gein­trages gestellt. Bevor ich die Frage zu beant­worten ver­suche, möchte ich zunächst ein­mal für jene, die sich weniger oder anders mit Geld beschäfti­gen als ich, der Frage nachge­hen, was Geld ist.  

Es scheint, fast alle denken, dass sie Geld zum Leben brauchen. Das ist irgend­wie wahr – und dann doch wieder nicht. Denn, wie schon ein­gangs fest­gestellt: Geld kön­nen wir nicht essen! Aber in der Welt, in der wir leben, scheint Geld eines der wichtig­sten Ele­mente zu sein, denn für so gut wie alles scheinen wir Geld zu benöti­gen – so denken und leben wir zumin­d­est.

Mit meinen ersten Blog­beiträ­gen zum The­ma Geld­fas­ten habe ich mehr Fra­gen als Antworten in den Raum gestellt, mehr Unord­nung als Ord­nung in meine Gedanken gebracht, die um das The­ma der Wirkung des Verzichts auf Geld kreisen.

Auch beim Nahrungs­fas­ten ist es in den ersten Tagen immer wieder so, dass meine Gedanken in Aufruhr ger­at­en und mein Kör­p­er eine Alarm­stel­lung ein­nimmt. Der Verzicht auf feste Nahrung bedeutet auch, dass mein Stof­fwech­sel sich verän­dert und sich auf die neue Sit­u­a­tion ein­stellt. Seit­dem ich mich gedanklich mit dem Geld­fas­ten beschäftige, beobachte ich, wie sich sowohl meine Ein­stel­lung als auch meine Ansicht­en über das Geld und seine Wirkung auf mich verän­dern.

Die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten find­et bei mir vor­läu­fig nur in Gedanken und nicht in Tat­en statt. Das war wahrschein­lich auch so, als ich vor inzwis­chen mehr als 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben zu ein­er Woche Fas­ten und Wan­dern ins Bercht­es­gaden­er Land gefahren bin. Ich hat­te keine Ahnung, was mich erwarten wird, und war ziem­lich aufgeregt und neugierig. Damals kon­nte ich mir über­haupt nicht vorstellen, dass ich mehr als 24 Stun­den ohne Nahrung auskom­men werde.

Zurück zum Geld. 

Sieben Tage ohne Gel­daus­gaben hat auf mein per­sön­lich­es Leben keinen erkennbaren Ein­fluss. Aber das liegt vielle­icht auch daran, dass Geld und Zeit auf eine Weise miteinan­der ver­bun­den sind, in der eine Woche nicht wirk­lich eine Rolle spielt. Meine Ein­nah­men und Aus­gaben kann ich für eine gewisse Zeit auf­schieben. Natür­lich nicht für ewig und schon gar nicht lange über eine bes­timmte Fäl­ligkeit hin­aus, aber ein paar Tage oder Wochen kann ich die meis­ten Zahlun­gen hin­auszögern. 

Mein Ver­mi­eter erwartet von mir die monatliche Zahlung der vere­in­barten Miete. Wenn ich aus­nahm­sweise ein paar Tage später zahle, wird die Welt nicht unterge­hen. Wenn ich natür­lich regelmäs­sig ver­spätet bin oder sich die unbezahlten Mieten anhäufen, ist dies etwas anderes. Dann wird mein Ver­mi­eter die Geduld mit mir ver­lieren und den Mietver­trag kündi­gen.

Für die Annäherung an die Wirkun­gen des Geld­fas­tens ist es spätestens jet­zt notwendig, dass ich mir nochmals genau anschaue, wo Geld eigentlich seine Wirkung ver­bre­it­et.

Im Beispiel von meinem Ver­mi­eter und mir ist es eine Vere­in­barung, die er und ich getrof­fen haben, für die Nutzung von etwas, dass ihm gehört und welch­es er mir gegen Zahlung eines monatlichen Betrages zur Ver­fü­gung stellt. 

Ich glaube, wenn ich ihm erk­lären würde, auf­grund mein­er Idee, Geld­fas­ten länger­fristig zu erforschen, für die kom­menden Monate keine Miete mehr zu bezahlen, wäre er nicht ein­ver­standen. Ich würde damit ein­seit­ig eine Vere­in­barung, die wir getrof­fen haben, nicht ein­hal­ten. Sein Unmut darüber wäre mehr als ver­ständlich.

Also, zurück auf Feld 1, zurück zur Frage: «Was ist Geld?»




Der Duden definiert Geld wie fol­gt:

  1. in staatlichem Auf­trag aus Met­all geprägtes oder auf Papi­er gedruck­tes Zahlungsmit­tel
  2. größere [von ein­er bes­timmten Stelle stam­mende, für einen bes­timmten Zweck vorge­se­hene] Summe
  3. Kurz­form für Geld­kurs (Beispiel US-Dol­lar = Euro 0,82 Geld)

Und zur Herkun­ft des Wortes «Geld» sagt der Duden:

mit­tel­hochdeutsch gelt = Zahlung, Vergü­tung, Einkom­men, Wert; dann: geprägtes Zahlungsmit­tel, althochdeutsch gelt = Zahlung; Lohn; Vergel­tung, zu gel­ten

Für ein einiger­massen voll­ständi­ges Bild muss ich zunächst auch noch die Frage «Was ist die Funk­tion von Geld in der Wirtschaft?» beant­worten, denn Geld und Wirtschaft sind ja bekan­ntlich eng miteinan­der ver­bun­den.

Geld erfüllt in unser­er Wirtschaft vier Funk­tio­nen:

  1. all­ge­meines Tausch- und Zahlungsmit­tel
  2. Wertmess­er und Rech­enein­heit
  3. Wer­tauf­be­wahrungsmit­tel
  4. Wertüber­tra­gungsmit­tel

1.  und 2. sind für die meis­ten wahrschein­lich noch logisch und präsent. Daher erläutere ich sie hier nicht weit­er.

Zu 3.: Wer­tauf­be­wahrung bedeutet vere­in­facht, dass Geld den Wert ein­er erbracht­en Leis­tung spe­ichert. Ein Beispiel: Ich arbeite einen Monat und am Ende des Monats erhalte ich dafür einen bes­timmten Betrag. Einen Teil davon ver­wahre ich für die kom­menden Monate auf meinem Kon­to und nutze ihn anschliessend, um mir ein Sofa für meine Woh­nung zu kaufen. Der Ter­min, zu dem ich das Geld bekom­men habe und meine Leis­tung erbracht habe, und der Ter­min, zu dem ich das Geld wieder aus­gebe, liegen zeitlich auseinan­der. Geld ermöglicht mir, sel­ber zu bes­tim­men, wann ich die gebrachte Leis­tung in etwas anderes umwan­dle. Diese Spe­icher­funk­tion ist der Grund dafür, dass es so gut wie keine Auswirkung auf mich hat, wenn ich eine Woche Geld­faste. Mit Wertüber­tra­gung, der vierten genan­nten Funk­tion, ist gemeint, dass etwas durch das Geld einem bes­tim mten Wert zuge­ord­net wird. Zum Beispiel der oben erwäh­nte Lohn entspricht dem Wert, den meine Arbeit­ge­berin mein­er Arbeit beimisst. Der Betrag, den mein Ver­tragspart­ner im Kon­text mein­er Selb­st­ständigkeit für meine Dien­stleis­tung bezahlt, entspricht dem Wert mein­er Leis­tung in Geldein­heit­en. Diesen Wert kann ich in Form von Lebens­mit­teln, einem Sofa oder irgen­det­was anderes, was ich kaufen kann, trans­formieren.

Soviel zur Def­i­n­i­tion von Geld. 

Wie wirkt also Geld­fas­ten? 

Zunächst ein­mal ist in dieser Vor­bere­itungszeit die Hauptwirkung auf mich, dass ich mich wirk­lich, inten­siv und ehrlich mit meinem Ver­hält­nis zum Geld beschäftige. Dies ist etwas, was nor­maler­weise im All­t­ag unterge­ht. 

In meinem All­t­ag ist meist genug Geld da, für das, was ich mir leis­ten möchte, manch­mal zugegeben­er­massen zu wenig für alles und dann muss ich mich fra­gen, ob ich das, was ich ger­ade kaufen möchte, wirk­lich brauche und wenn ja, wie ich die notwendi­gen Mit­tel erschaffe: Durch zusät­zlich­es Arbeit­en, durch Sparen, dadurch, dass ich mir das Geld lei­he oder mit Glück auch dadurch, dass mir jemand, etwas von sich aus schenkt.

 «Brauche ich das schöne Sofa wirk­lich, und wenn ja, muss ich es mit Geld kaufen?» ist eine weit­ere Frage, die durch meine Beschäf­ti­gung mit dem Geld­fas­ten sicht­bar und rel­e­vant wird. So wie ich mich nach dem Abschluss ein­er Fas­ten­woche jedes Mal beim Verzehr von Nahrungsmit­teln frage, ob mir das, was ich ger­ade zu mir nehme, wirk­lich gut tut.

Es wird span­nend wer­den, weit­ere Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Geld und Fas­ten im Ver­lauf der Fas­ten­zeit näher anzuschauen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Wenn Geldflüsse unterbrochen werden: Führt der Coronavirus zu unfreiwilligem Geldfasten?

in Alternative/Fasten/Geld/Transformation/Weisheit

Natür­lich beschäftigt auch mich im Augen­blick der Coro­n­avirus. Span­nend, dass dies Ereig­nis zufäl­lig in diese Fas­ten­zeit fällt.

Die Mass­nah­men, mit welchen man die Entwick­lung in den Griff zu bekom­men ver­sucht, führen auf ganz unter­schiedliche Weise auch dazu, dass auf viele unter­schiedliche Dinge verzichtet wer­den muss. Frei­willig und unfrei­willig.

In der Schweiz wur­den so unter­schiedliche Dinge wie die Basler Fas­nacht und der Gen­fer Autos­a­lon sowie alle weit­eren Grossver­anstal­tun­gen mit über 1000 Teil­nehmenden bis min­destens 15. März ver- boten. 

Die NZZ sprach Ende Feb­ru­ar in dem Artikel «Coro­n­avirus weltweit, die neusten Entwick­lun­gen» von 2900 Todes­opfern weltweit, Ten­denz steigend. Ins­ge­samt sind mehr als 80.000 Per­so­n­en, verteilt auf mehr als 50 Län­der, erkrankt. Europa verze­ich­net bish­er 36 Tote (Stand 2. März 2020), davon 34 in Ital­ien, 2 in Frankre­ich. Die weit­ere Entwick­lung kön­nen wir täglich über die Medi­en unser­er Wahl ver­fol­gen.

Die Liefer­ket­ten in der Tech­nolo­gie- und Tex­til­branche, unsere geliebten Smart­phones und die neuesten Mod­ekollek­tio­nen, sind in Gefahr, so heisst es. Der Pro­duk­tion­sstopp in Chi­na in den let­zten Wochen bee­in­flusst unseren Kon­sum. Lange kön­nen die Maschi­nen nicht mehr still­ste­hen. Der Ein­fluss auf unsere Wirtschaft- und unser Geldsys­tem wird immer gröss­er und sicht­bar­er.

Ich bin keine pro­fes­sionelle Researcherin und mir ist auch bewusst, dass wir im Zeital­ter der Fake News leben, aber je mehr ich in das The­ma ein­tauche, desto präsen­ter wird die Frage, ob in dieser aktuellen Krise die Wirkung von Geld­flüssen (durch deren Aus­bleiben) ger­ade sicht­bar­er wird als son­st. Noch vor einem Moment war der Geld­fluss rel­a­tiv sta­bil. Nun ver­siegt er an ver­schiede­nen Orten gle­ichzeit­ig bei ganz unter­schiedlichen Per­so­n­en auf unter­schiedliche Weise.

Zur Erin­nerung:

Die Anzahl der weltweit hungern­den Men­schen beträgt 822 Mil­lio­nen Men­schen, dies sind 11% der Welt­bevölkerung. Diese Zahlen stam­men von der Web­seite der Welthunger­hil­fe. Die UNHCR spricht im Som­mer 2019 davon, dass zum ersten Mal mehr als 70 Mil­lio­nen Men­schen auf der Flucht sind. Sta­tis­tiken und Zahlen find­en sich zum Beispiel hier

Auch zu Krieg und Hunger kön­nten wir tage­sak­tuell alle Fak­ten über die unter­schiedlich­sten Quellen zusam­men­tra­gen. Wir tun es nicht, vielle­icht weil es uns nicht per­sön­lich bet­rifft.

Jed­er Men­sch ist wertvoll, jede der drei hier beschriebe­nen Sit­u­a­tio­nen, Krankheit, Hunger, Flucht, erfordert Mit­ge­fühl, Respekt, Acht­samkeit aber auch unser aktives Hin­schauen und angemessenes, zeit­na­h­es Han­deln.

Doch warum führt die Furcht vor ein­er Coro­na-Epi­demie, ähn­lich wie die SARS-Pan­demie 2002/2003 zu ein­er Änderung des Kaufver­hal­tens?

Men­schen deck­en sich mit Schutz­masken und lange halt­baren Lebens­mit­teln ein, ver­mei­den Reisen und ver­bi­eten Ver­anstal­tun­gen mit über 1000 Teil­nehmenden.  Über die Auswirkun­gen auf das Kaufver­hal­ten der Schweiz­er berichtet zum Beispiel die NZZ am 29.02.2020 in einem Artikel.

Wäre es hier angemessen von ein­er Art Geld­fas­ten zu sprechen, welche von aussen erzwun­gen wurde? Aber nein, Fas­ten ist etwas Frei­williges, also muss Geld­fas­ten auch auf frei­williger Basis geschehen.

Die Coro­na-Krise führt zu uner­warteten Umsatzsteigerun­gen in der Phar­main­dus­trie. Gesichts­masken sind ausverkauft, bei den Schmerzmit­teln wer­den die Vor­räte knapp. Es wird von Ham­sterkäufen berichtet, die durch aus­führliche Medi­en­berichter­stat­tung noch weit­er gefördert wird. Manche sprechen von bewusster Steuerung der Panik und des Kaufver­hal­tens. Soweit möchte ich nicht gehen. An dieser Stelle wird defin­i­tiv nicht gefastet. Das Kon­troll- und Schutzbedürf­nis des einzel­nen Men­schen schlägt durch. 

Die Frage bleibt jedoch: Warum han­deln wir als Gesellschaft, Behörde, Unternehmen oder auch einzelne Per­son ger­ade jet­zt so schnell und hof­fentlich auch wirkungsvoll, wenn wir Grossver­anstal­tun­gen und Reisetätigkeit­en über­denken. Warum tun wir genau dies in anderen Fällen nicht?

Hat es damit zu tun, dass wir für eine Eindäm­mung des Hungers auf der Welt und für die Lösung der Her­aus­forderun­gen, welche die Flüchtlingsströme uns aufzeigen unser eigenes Kon­sum- und Geld­ver­hal­ten zugun­sten ander­er ändern müssen, unser per­sön­lich­es Ver­hal­ten über­denken müssen, auf Geld verzicht­en müssen? Kann es sein, dass wir unser zum Teil hart erar­beit­etes Geld nur für uns und unser Wohl nutzen wollen und ein­fach nicht mehr teilen kön­nen?

Es gibt auch Beispiele, die genau das Gegen­teil zeigen. The Giv­ing Pledge machen es vor. Sie verpflicht­en sich, einen Teil ihres Ver­mö­gens zurück in den Fluss zu brin­gen. Es bleibt anzumerken, dass anschliessend weit­er­hin eine vielle­icht unvorstell­bar grosse Summe Geld im Besitz dieser Spender verbleibt. Aber zugegeben, sie brechen das Muster des ständi­gen Geld­sam­meln und Geld­hort­ens und ver­suchen ihr Geld sin­nvoll zurück in den Kreis­lauf zu brin­gen. Geld­fas­ten, im Sinne eines Verzichts Geld für sich sel­ber auszugeben, kann zu Geld­fülle an ander­er Stelle führen, wenn weise Geldentschei­dun­gen getrof­fen wer­den.

Auch bei dieser Art Entschei­dung ist es nicht immer leicht, das Richtige zu tun, denn es gibt kein entwed­er oder kein schwarz oder weiss.

Sit­u­a­tio­nen wie der Coro­n­avirus fordern uns auf, zu ler­nen und uns vor allen Din­gen uns mit unseren eige­nen Bedürfnis­sen und Äng­sten zu beschäfti­gen. Diese Sit­u­a­tio­nen fordern uns auf uns sel­ber zu schützen, ohne die anderen zu vergessen.

Im let­zten Blog habe ich mir die Frage gestellt, was ich mit dem Geld­be­trag mache, der beim Fas­ten entste­ht, da ich, wie bere­its im Blog erwäh­nt, in dieser Zeit so gut wie nichts aus­gebe.

Mir per­sön­lich – und dies ist mein ganz eigen­er Weg – zeigt die Auseinan­der­set­zung mit dem Coro­n­avirus, dass ich wieder mehr auf die in Vergessen­heit ger­ate­nen The­men schauen muss, darüber nach­denken muss, wie ich zu weniger Hunger, weniger Flüchtlingsströ­men in der Welt beitra­gen kann.

Auf den Coro­n­avirus bin ich durch mein Alter, meine priv­i­legierte Lebensweise, meinen gesun­den Kör­p­er und mein bewusstes Rei­sev­er­hal­ten gut vor­bere­it­et – hier gibt es derzeit für mich nichts zu tun, auss­er Mit­ge­fühl mit den einzel­nen Schick­salen zu zeigen und auch den pos­i­tiv­en Seit­en Beach­tung zu schenken. Denn diese gibt es tat­säch­lich auch.

Ein Artikel im Spiegel vom 1.März trägt den Titel «Coro­n­avirus führt in Chi­na zu Rück­gang der Luftver­schmutzung». Wenn die Verbesserung der Luft in den betrof­fe­nen Städten weit­er anhält, ist dies eine wirk­same Mass­nahme für das Kli­ma, ein Zeichen, was hof­fentlich von den Ver­ant­wortlichen weise inter­pretiert wird und vielle­icht dazu führen kön­nte, dass wir erken­nen, dass weniger Pro­duk­tion und Kon­sum mehr Leben­squal­ität bedeutet.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Geldfasten, was genau könnte das sein?

in Alternative/Fasten/Geld

Die Def­i­n­i­tion für Fas­ten lautet im Duden: „Sich für eine bes­timmte Zeit ganz oder teil­weise der Nahrung enthal­ten oder auf den Genuss bes­timmter Speisen verzicht­en“.

Für mich ist das Fas­ten eine sehr bewusste Entschei­dung. Viele sehen den Verzicht auf Nahrung als ein Lei­den und somit eine Art Selb­stkasteiung. So geht es mir nicht. Die Entschei­dung für eine gewisse Zeit keine feste Nahrung zu mir zu nehmen, erfüllt mich ein biss­chen mit Vor­freude. Span­nen­der­weise ist auch in der Def­i­n­i­tion des Dudens nichts von Lei­den enthal­ten. Der Frage, warum Fas­ten schein­bar automa­tisch mit Lei­den ver­bun­den wird, werde ich bes­timmt in einem späteren Blog­beitrag weit­er nachge­hen.

Heute möchte ich mich mit möglichen Def­i­n­i­tio­nen von Geld­fas­ten beschäfti­gen. 

Da ich seit rund 30 Jahren immer wieder Fas­ten­zeit­en ein­lege, weiss ich, dass mir der Ein­stieg ins Fas­ten manch­mal schw­er­fällt, und zwis­chen­drin Phasen auftreten kön­nen, in denen es für mich kör­per­lich her­aus­fordernd wird. Aber ich bin mir bere­its jet­zt sich­er, dass es mir zum Schluss der Fas­ten­zeit sehr gut gehen wird. Manch­mal geht es mir sog­ar so gut, dass ich die Zeit ohne Nahrung noch um einige Tage ver­län­gere, ein­fach um dieses Gefühl noch ein weit­er geniessen zu kön­nen.

Ähn­lich stelle ich mir vor, wirkt Geld­fas­ten. Auf der einen Seite werde ich bewusst auf meinen täglichen Umgang mit dem Geld acht­en. Auf der anderen Seite werde ich mich gedanklich mit der Wirkung von meinen Geldentschei­dun­gen auf mein Leben und mein Wohlbefind­en auseinan­der­set­zen. Diese gedankliche Auseinan­der­set­zung soll mir Rückschlüsse auf den Ein­fluss, den Geld auf mich hat, erlauben. Geld­fas­ten ist dementsprechend für mich zunächst ein­mal der Verzicht auf Ein­nah­men und Aus­gaben. 

Schon jet­zt merke ich, dass eine Woche Geld­fas­ten zu kurz greifen wird, wenn ich es auf den Verzicht auf Geldein­nah­men reduziere. Als Angestellte nehme ich eine Woche Ferien und als Selb­ständi­ge verzichte ich in dieser Woche auf Ein­nah­men. Also: Ziel erfüllt? Sofort kommt der Gedanke, dass im Kon­text mein­er Selb­ständigkeit dann ja jede Form von Ferien auch eine Geld­fas­ten­zeit sein müsste.

So ein­fach kann es dann doch nicht sein. In den Ferien reise ich gele­gentlich an andere Orte oder tue mir son­st etwas Gutes, wie zum Beispiel einen Tag in einem Ther­mal­bad. In den Ferien gebe ich gewöhn­lich sog­ar mehr Geld aus als im All­t­ag.

Mir scheint, die Idee des Geld­fas­tens muss wohl kom­plex­er sein, als die Aus­sage: «Ich verzichte auf Ein­nah­men!»

Schauen wir uns also die Aus­gaben-Seite des Geld­fas­tens an:

Wie bere­its in den ver­schiede­nen Blo­gein­trä­gen des let­zten Jahres aus­ge­führt, ist Kon­sumverzicht für mich ein wichtiger Teil des nach­halti­gen Fas­tens.

Auch der Verzicht auf Aus­gaben ist also in mein­er Fas­ten­woche bere­its gut ver­ankert, denn ich muss ja für eine Woche keine Nahrung einkaufen und auch ander­er Kon­sum wird nur in ganz geringem Masse notwendig sein, die Tasse Tee am Mit­tag im Jen­seits im Viadukt wird wohl das einzige sein, wozu ich Geld brauchen werde. Bezüglich des Kon­sums kann ich trotz­dem, wenn ich es genau nehme, nur von einem Teil­fas­ten sprechen. Denn ich nutze weit­er­hin Dinge wie Wass­er, Strom und Inter­net.

Beim Schreiben dieser Zeilen kommt leichte Panik in mir auf. Nun habe ich mich doch verpflichtet, während der Zeit zwis­chen Ascher­mittwoch und Ostern regelmäs­sig und während der Fas­ten­woche vom 14. bis 21. März täglich, meine Gedanken zum The­ma Geld und Fas­ten zu veröf­fentlichen. Werde ich das schaf­fen? Und wenn ja, wie?

Blo­gein­träge mit Aus­sagen wie „Heute habe ich nichts ein­genom­men!“ oder „Heute habe ich erfol­gre­ich auf Gel­daus­gaben verzichtet!“ sind wohl nichts, was für mich sel­ber und auch jene, die mit uns Fas­ten bzw. unseren Blog lesen, von so grossem Inter­esse ist,  dass sie meinen schriftlichen Gedanken weit­er­hin fol­gen wer­den.

Neben den Zweifeln an der inhaltlichen Attrak­tiv­ität mein­er Blog­beiträge, frage ich mich auch, wie ser­iös es ist, zu behaupten, dass ich „Geld faste“, wenn ich für eine einzige Woche, soweit es denn möglich ist, auf Ein­nah­men und Aus­gaben verzichte. Sieben Tage ohne Geld scheint mir über­haupt kein Prob­lem, dass schafft wahrschein­lich jed­er und jede. Aus­gaben und Ein­nah­men für eine Woche hin­auszuzögern ist bes­timmt bei den meis­ten gut möglich. 

Geld­fas­ten braucht Zeit, um Wirkung zu erzie­len. Wobei, wenn ich weit­er über­lege, ist beim Geld­fas­ten wahrschein­lich auch die Masse rel­e­vant. Und hier nicht nur die Grösse des Betrages, son­dern auch die Anzahl an Men­schen, die gemein­sam mit ihrer ganz per­sön­lichen Form des Geld­fas­tens begin­nen. Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn alle Men­schen, die zu dem, was wir „die wohlhabende“ Welt nen­nen, gehören, für eine Woche gemein­sam auf Ein­nah­men und Aus­gaben verzicht­en. Dann würde die Wirkung auf unsere Wirtschaft spür­bar und wäre in unserem Leben­sall­t­ag sicht­bar.

Die Beschäf­ti­gung mit meinen eige­nen Geldein­nah­men und Gel­daus­gaben scheint mir irgend­wie noch nicht die stim­mige Fährte zu sein, um zu ein­er Def­i­n­i­tion des Geld­fas­tens zu find­en.

Warum entschei­de ich mich bewusst für Nahrungs­fas­ten?

Weil ich die Wirkung auf Kör­p­er, Geist und Seele kenne. Weil ich dieses Gefühl, im buch­stäblichen Sinne leichter durchs Leben zu gehen, geniesse. Weil ich weiss, dass es in meinem Fall der per­sön­lichen Gesund­heit förder­lich ist.

Über die Wirkung von einem bewussten Geld­fas­ten auf mein Leben habe ich mir bish­er wenig Gedanken gemacht. Auf­grund der Art, wie ich lebe, gibt es immer wieder Zeit­en, in welchen ich wenig Geld ein­nehme und auch dementsprechend wenig Geld aus­geben kann. Wobei ich dies nicht wirk­lich als bewusstes Geld­fas­ten beze­ich­nen würde.

Also, vielle­icht muss ich zum The­ma Geld­fas­ten einen Fokus ein­nehmen, der über mich sel­ber hin­aus geht. Um sich dem Geld­fas­ten zu näh­ern, wird es wohl notwendig sein, mich tiefer mit dessen Wirkun­gen zu beschäfti­gen und mich nochmals wirk­lich zu fra­gen, was ich mit dem Geld­fas­ten bewirken kann. Dieser Frage werde ich in den näch­sten bei­den Blog­beiträ­gen nachge­hen. Für den Moment habe ich für mich sel­ber ver­standen, dass für eine Woche auf das Ein­nehmen und Aus­geben von Geld zu verzicht­en, sich noch nicht wirk­lich stim­mig anfühlt. 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

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