Was haben Bäume mit Geldfasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Baum/Geld/Lösungen/Natur

Spon­tane Antwort: Je tiefer ich mich in die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten begab, desto weniger kon­nte ich den Wald vor lauter Bäu­men sehen. Sprich­wörtlich und wirk­lich. Ich gehe tiefer und tiefer in die einzel­nen The­men und der Gesamtüberblick scheint mir an manchen Stellen ver­loren zu gehen. Das The­ma Geld­fas­ten tritt in den Hin­ter­grund. Andere Fra­gen und The­men wie der Coro­n­avirus und die Weltwirtschaft nehmen sich fast unbe­merkt ihren Raum. Dies vielle­icht, weil ein­fach über­all Geld involviert ist. Hinzu kommt, dass durch all die Mass­nah­men rund um Coro­na nun plöt­zlich vieles ganz anders ist, als ich es noch vor ein paar Wochen dachte. Die Angst vor Krankheit und Tod scheint ganz plöt­zlich viel rel­e­van­ter, als der Erhalt unser­er Geld­flüsse und der Wirtschaft. 

Vieles, was ich längst geah­nt hat­te, wird immer mehr durch Selb­st­beobach­tung und Erken­nt­nisse bestätigt. Mein ganz per­sön­lich­es Ver­hält­nis zum Geld, mein Umgang mit Geld bes­timmt fast unmerk­lich mein gesamtes Leben und damit bee­in­flusse ich auch das Leben von anderen. Meine Geldentschei­dun­gen führen an anderen Stellen in der Welt zu ver­schmutzten Flüssen, zu Hunger und Leid.

Und was haben die Bäume damit zu tun?

Ich lese ger­ade das Buch «Die geheime Sprache der Bäume» von Erwin Thoma. Im Jan­u­ar 2020 hat­te ich das Glück, mit ihm ein paar Tage ver­brin­gen und seine Weisheit und sein Engage­ment für unsere Natur und die Bäume erleben zu dür­fen. Über den Nutzen von Bäu­men und den acht­samen Umgang mit ihnen möchte ich hier gar nicht schreiben. Hierzu kann sich jed­er bei Erwin ThomaErnst Zürcher aber auch der mit­tels des Films «Das Geheim­nis der Bäume» von Luc Jacquet und vie­len anderen Quellen sel­ber ein Bild machen.

Für mich ist ein Absatz aus dem Buch von Erwin Thoma beson­ders Augen öff­nend gewe­sen und hat bei mir sehr viel aus­gelöst:

Die Bäume ver­fü­gen über eine natür­liche Intel­li­genz, welche sie in jedem Moment anwen­den, um per­fekt auf die äusseren Bedin­gun­gen zu reagieren. Bei Sturm wer­den mehr starke Zellen und Struk­turen auf der Seite des Baumes erschaf­fen, wo der Druck am grössten ist. Bei Trock­en­heit wird mehr Wass­er gespe­ichert, die Ver­sorgung von nicht leben­snotwendi­gen Teilen des Baumes wird reduziert.

Ein Baum lebt in einem voll­ständi­gen Kreis­lauf – vom Erschaf­fen bis zum Verge­hen. Alles wird genutzt, sog­ar die Asche vom Holz, welche beim Feuern unser­er Öfen entste­ht, kann uns als hochw­er­tiger Dünger dienen.

Diesem Bild hat Erwin Thoma die Tätigkeit eines Sta­tik­ers gegenübergestellt, der ein Haus, eine Brücke oder etwas anderes Lan­glebiges bauen soll. Der Sta­tik­er, die Sta­tik­erin muss schon vorher alles berech­nen, für alle Even­tu­al­itäten Vor­bere­itun­gen tre­f­fen.

Der mögliche Sturm, das Wass­er und alle weit­eren Aussene­in­flüsse müssen berech­net sein.

Schnell wird mir klar, dass wir in vie­len Sit­u­a­tio­nen, in welchen es um unsere Sicher­heit geht, beson­ders im Umgang mit Geld, wie Sta­tik­erin­nen han­deln anstatt uns die intel­li­gen­ten und lern­fähi­gen Bäume als Beispiel zu nehmen.

Was wäre, wenn wir mit unseren Geldentschei­dun­gen ähn­lich sit­u­a­tiv umge­hen wür­den, wie die Bäume mit den Sit­u­a­tio­nen, die von aussen an sie herange­tra­gen wer­den? 

Geld ist ein Gut, welch­es auf­grund der Eigen­schaften wun­der­bar sit­u­a­tiv genutzt wer­den kön­nte. Wie die Säfte des Baumes, sollte es im steti­gen Fluss sein, um genau dort zu den Men­schen zu gelan­gen, wo es ger­ade benötigt wird. 

Mein Verzicht auf Geld ist ein Gewinn für eine andere Per­son an ein­er anderen Stelle. Aber nur, wenn das Geld im Fluss ist. 

Wenn ich weniger für mich aus­gebe, kann jemand anderes den übri­gen Betrag nutzen. Wenn ich weniger arbeite, ist im Unternehmen Geld vorhan­den, um eine weit­ere Per­son einzustellen. Eine Bedin­gung dafür ist, dass das Geld stetig und bedarf­sori­en­tiert fliesst, wie das Wass­er und die Nährstoffe im Baum.

Jet­zt kön­nte natür­lich der Ein­wurf kom­men, dass die Men­schen, die das Geld bekom­men, damit etwas machen, was ich mir nicht wün­sche. Dann würde mein Fas­ten ein­fach nur dazu führen, dass jemand anderes die Bil­lig-Jeans, das Weg­w­erf­pro­dukt kauft oder eine andere Kon­sumentschei­dung trifft, die ich sel­ber nie tre­f­fen würde.

The­o­retisch kann das sein, aber hier ist die Selb­stver­ant­wor­tung gefragt. Wieder gibt es eine Par­al­lele zum Baum: Im Baum gibt es keine zen­trale Schalt­stelle, jede Zelle arbeit­et eigen­ver­ant­wortlich. Der Nutzen des Ganzen, liegt im ure­ige­nen Inter­esse aller Bestandteile des Baumes.

Ich entschei­de, wohin ich das Geld gebe, welch­es ich sel­ber nicht brauche. Ich habe per­sön­lich schon vie­len Men­schen mit ganz kleinen Beträ­gen unter­stützt, welche in ihrem Feld eine grosse Wirkung erzielt haben. Und ich durfte sog­ar grössere Beträge ver­wen­den, um Star­tups für einen guten Zweck zu unter­stützen. Die mod­erne Tech­nik unter­stützt uns hier, das zu fördern, was wir ganz per­sön­lich unter­stützen wollen (KIVAWemakeitGebana: Bauern suchen Kun­den und viele mehr).

Die Ausrede «Ich weiss nicht, wohin mein Geld geht» zählt nicht mehr. Um in meinem ganz eige­nen Feld zu bleiben: Die ver­ant­wor­tungsvollen Banken wie ABSFreie Gemein­schafts­bankGLS oder auch die Glob­al Alliance for Bank­ing on Val­ues und die FEBEA leis­ten hier einen wirkungsvollen Beitrag.

Geld­fas­ten kann aber auch heis­sen, weniger arbeit­en. Stimmt hier das Argu­ment, dass ich fremdbes­timmt bin und damit nicht sel­ber und sit­u­a­tiv über meine Geld­flüsse entschei­den kann? Nein, kein­er zwingt mich bei einem Arbeit­ge­ber zu arbeit­en, der zwar hohe Gehäl­ter bezahlt, aber dies auf Kosten der Umwelt und der Gesund­heit tut. Und auch im Job sel­ber habe ich Spiel­raum. Ich sel­ber arbeite derzeit im Job­shar­ing und hoffe, dass dieses auch anderen zur Inspi­ra­tion dient. Jed­er und jede von uns befind­et sich in ganz unter­schiedlichen Lebens- und Beruf­s­si­t­u­a­tio­nen und wie bei einem Baum sind auch die Aussenbe­din­gun­gen bei uns ganz indi­vidu­ell. Daraus fol­gt, dass es kein Paten­trezept gibt, welch­es bei allen Men­schen anwend­bar wäre. Das heisst aber auch, dass wir die Chance haben, ganz indi­vidu­ell und auf uns per­sön­lich zugeschnit­tene Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. 

Die Bäume lehren uns ein Reagieren auf Aussene­in­flüsse aus der Sit­u­a­tion her­aus und ähn­lich stelle ich mir ein gutes Ver­hält­nis zum Geld und den Ein­nah­men und Aus­gaben vor.

Das Geld ist unser ganz per­sön­lich­es Werkzeug, es den Bäu­men nachzu­machen.

Für das Entste­hen eines manch­mal bis zu 50 Meter hohen Baumes braucht es einen geschützten Platz, Son­nen­licht, Humus, Wass­er und einen nur Mil­lime­ter grossen Samen – mehr nicht.

Der Gedanke als Men­sch von den Bäu­men zu ler­nen, wäre es Wert, weit­er­ver­fol­gt zu wer­den. Doch führt dieser zu weit weg vom Geld­fas­ten, daher lasse ich ihn ziehen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

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