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Mystik

Im Fluss der Worte und Gedanken

in Achtsamkeit/Mystik/Transformation/Weisheit

Beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. So wie ich mich im Gespräch mit Fre­un­den am Feuer oder beim Tee und auch beim gemein­samen Kochen regelmäs­sig in den unter­schiedlichen The­men­strän­gen und Sit­u­a­tio­nen ver­liere. Wir fol­gen gemein­sam in unseren Gesprächen diesem Gedanken, jen­em Impuls oder einem Gefühl und lan­den an ganz anderen Stellen, als wir zu Anfang erwartet haben.

Im Gespräch weben wir einen gemein­samen Tep­pich aus Gedanken und Gefühlen. Wir gehen miteinan­der in Beziehung. Wir zeigen uns. Wir tauschen uns aus. Wir ler­nen uns ken­nen. Wir ler­nen. voneinan­der und miteinan­der.

Schreiben ist für mich etwas, um die Zeit zwis­chen den Gesprächen und Begeg­nun­gen zu über­brück­en. Ich ver­suche meine Gedanken und Gefüh­le in einem Text zu erfassen, um jenen, mit denen ich gemein­sam auf dieser Reise des Ler­nens, des Lebens bin, mit Worten mitzuteilen, was mich bewegt. Das ist schwierig. Zum einen dro­ht beim Schreiben ständig die Gefahr, missver­standen zu wer­den. Zum anderen beste­ht Kom­mu­nika­tion nicht nur aus Worten. Es gehört so viel mehr dazu. 

In meinem Schreiben schwingt immer der Wun­sch mit, dass auch der Faden mein­er Worte, die Fäden der damit verknüpften Gedanken, an irgen­dein­er anderen Stelle weit­er­ver­woben wer­den. Ich muss gar nicht wis­sen, wie und wo. Was nützt es mir zu wis­sen, was da ger­ade an einem anderen Platz auf der Welt mit meinen Impulsen geschieht? Sie dür­fen sich weit­er­en­twick­eln, vielle­icht müssen sie dies sog­ar. Vielle­icht ist das Weit­er­en­twick­eln durch andere der eigentliche Sinn und Zweck davon, Gedanken in Worten festzuhal­ten. Denn ich habe ja mit meinen Gedanken, Gefühlen und Beobach­tun­gen nur ein ganz kleines Puz­zlestück der Wahrheit in mein­er Hand. Wer weiss schon, wo genau dieses Puz­zlestück hinge­hört, an welch­er Stelle es hil­ft, ein Bild entste­hen zu lassen, etwas sicht­bar wer­den zu lassen, miteinan­der in Beziehung zu gehen. 

Mit dem Schreiben gebe ich meine Wahrnehmung der Wahrheit in die Welt. Wenn wir alle unsere Sichtweisen, unsere indi­vidu­ellen Wahrheit­en miteinan­der verknüpfen, entste­ht Weisheit. So stelle ich mir das auf jeden Fall vor. Weisheit ist etwas, was nicht alleine entste­ht. Keine einzelne Per­son kann, ohne in Res­o­nanz mit anderen Men­schen und auch der Natur zu sein, Weisheit kreieren. Weisheit ist ein Pro­dukt zwis­chen­men­schlich­er Res­o­nanz. Sie entste­ht im Aus­tausch miteinan­der. Vielle­icht ist es sog­ar so, dass Weisheit etwas ist, dass wir nur in Beziehung mit anderen aushan­deln kön­nen. 

Wie gesagt, beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. Und doch ist es kein wirk­lich­es Ver­lieren. Ich biege ab, folge einem Nebenpfad. Ich erforsche einen neuen Weg, den ich noch nicht kenne und irgend­wann kehre ich wieder zurück auf den Hauptweg. Unter­wegs habe ich neue Sichtweisen, neuen Gedanken und neue Wel­ten ent­deckt.

So stelle ich mir gutes Ler­nen vor. So stelle ich mir das Entste­hen von Weisheit vor. Weisheit, welche in der aktuellen Zeit so wichtig ist, um die Welt acht­sam und ver­ant­wor­tungsvoll zu gestal­ten.

Ler­nen bedeutet für mich, immer wieder die Neben­wege, neue Wege zu erforschen, zu erfühlen, um dann doch immer wieder auf den Pfad zurück­zukom­men, welch­er zum Ziel führt, das ich mir irgend­wann ein­mal bewusst oder unbe­wusst für dieses Leben geset­zt habe. Ein Ziel, welch­es wir alle auf ganz unter­schiedliche Art und Weise anstreben: Ein gutes Leben zu führen. Nur was genau ist gutes Leben?

Viele Erwach­sene haben das Gefühl, dass das Ler­nen been­det ist, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Viele begeben sich in einen Job und denken, nun sind sie fer­tig mit Ler­nen. Dabei sollte unser Ler­nen doch lebenslang andauern und nicht mit dem Ende irgen­dein­er Schule aufhören.

Im Leben geht es ums Erfahren und ums Ler­nen. Ich sel­ber habe ver­schiedene Aus­bil­dun­gen absolviert und diverse Hochschu­la­b­schlüsse erwor­ben. Ich habe Jobs angenom­men und war der Mei­n­ung: Jet­zt kann und weiss ich alles. Ich dachte, ich bin auf dem richti­gen Weg, weiss ich aber, dass dies Neben­wege waren, die mir ermöglicht­en, Wis­sen und Erfahrung zu sam­meln. Der eigentliche Unter­richt geschieht im All­t­ag, das eigentliche Ler­nen ist niemals zu Ende.

In den sozialen Medi­en sind Memes, eine Kom­bi­na­tion von Bild und Text, sehr ver­bre­it­et. Manche ver­wen­den Sprüche, die ich schon früher in Aus­bil­dun­gen gel­ernt und vor langer Zeit in Büch­ern gele­sen habe. Auf einen dieser Sprüche bin ich ger­ade heute wieder gestossen. Woher er genau kommt und was die Quelle ist, weiss ich nicht. Mich berührt er, wann immer er mir über den Weg läuft. Dieser Spruch lautet so:

Bedeu­ten­des spir­ituelles Wach­s­tum find­et nicht statt, wenn du am Medi­tieren oder auf dein­er Yoga­mat­te bist. Es find­et statt, wenn du dich in der Mitte eines Kon­flik­tes wiederfind­est. Es find­et in dem Moment statt, wo du wütend, ängstlich, trau­rig oder frus­tri­ert bist, in deine alten Muster fällst und das tust, was du schon immer getan hat. 
In dem Moment, in dem du real­isierst, dass du nicht genau so han­deln musst, wie du immer gehan­delt hast, in dem Moment in dem dir auf­fällt, dass du auch anders han­deln kannst, als du es bis jet­zt getan hast, in dem Moment tritt das Wach­s­tum ein.

Manche nen­nen diese Momente Erleuch­tung. Ich beschreibe es für mich so, dass ich in diesem Moment ein­fach von einem Nebenpfad wieder zurück auf meinen Weg komme und durch mein Ler­nen, meine ver­meintlichen Umwege, nun zusät­zliche Hand­lungsweisen gel­ernt habe und anwen­den kann.

Das Umfeld, in welch­es wir hineinge­boren wur­den, bes­timmt die Vorstel­lung vom guten Leben. Für sehr viele, und dies vergessen wir immer wieder, ist das Ziel ein­fach nur etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, den Kindern eine Aus­bil­dung zu ermöglichen, sich­er zu sein. Andere treibt die Vorstel­lung vom Bewahren oder auch Erweit­ern des eige­nen Besitzes an. Und für manche ist es der Kampf für Kli­ma und Umwelt, für den es sich einzuset­zen lohnt. Jede und jed­er von uns hat ein kleines Puz­zlestück der grossen Wahrheit. Jede und jed­er von uns hat hierzu eine eigene Sichtweise.

Was wäre, wenn wir uns alle bewusst wären, dass nie­mand die Wahrheit alleine besitzt und wir uns auf die Suche und auf den Weg begeben müssen, um diese Wahrheit­en zu ein­er Weisheit zusam­men­zufü­gen?

Vielle­icht wür­den wir eine neue Form von Schule und Unter­richt erfind­en. Eine Form, in der wir unser täglich­es Leben als die Lek­tio­nen anse­hen kön­nen. Eine Form, in welch­er wir gle­ichzeit­ig Ler­nende und Lehrende sind.

Das ist zu kom­pliziert, das wird nicht funk­tion­ieren, sagen mir viele. Es ist vielle­icht kom­plex, aber nicht wirk­lich kom­pliziert. Die Her­aus­forderung liegt darin, dass wir bewusst unsere Zeit damit ver­brin­gen, das Leben zu erfahren und zu begreifen, das Leben zu erspüren und zu erfassen. Wir müssen uns dazu entschei­den, miteinan­der zu ler­nen und zu forschen.

Wie ein­gangs gesagt, beim Schreiben ver­liere ich mich manch­mal. 

Heute habe ich mich in meinen Gedanken zu einem Leben als Schule ver­loren. In dieser Schule gibt es Raum für Kun­st und gemein­sames Musizieren, es gibt Fäch­er zur All­t­ags­gestal­tung und gesun­den Lebens­führung. Es gibt all das, was wir ger­ade brauchen, um das im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte «neue Nor­mal» zu gestal­ten und zu erfassen. Wie diese Fäch­er alle heis­sen? Keine Ahnung, denn ich kenne das neue Nor­mal noch nicht und weiss deshalb auch nicht, welche Fäch­er es wirk­lich dazu braucht. Jed­er und jede von uns kann ihr eigenes Wis­sen und die eige­nen Gedanken und Gefüh­le und auch sein Nichtwissen in diese Form des Ler­nens ein­brin­gen.

Im Fach «gesunde Wirtschaft» würde ich wohl mit den The­men­schw­er­punk­ten «Heil­same Beziehun­gen zum Geld» und «Suf­fizienz als Leben­skun­st» starten, ein­fach weil ich hier wahrschein­lich viel Wis­sen als Lehrerin ein­brin­gen kann, aber auch viel Nichtwissen als Schü­lerin habe. Eben­falls spielt mit, dass mich diese bei­den The­men ein­fach inter­essieren.

Mein Impuls ist, diesen doch etwas anderen Blog­post zu teilen und wer weiss, vielle­icht gibt es ja noch andere, die gemein­sam an dieser Schule, die Ele­mente der Begeg­nung, mit Ele­menten der virtuellen Unter­richtswelt verknüpfen soll, mitzuweben.

Im näch­sten Beitrag werde ich mich aus­führlich­er mit dem The­ma «Suf­fizienz als Leben­skun­st» beschäfti­gen und ich bin sel­ber ges­pan­nt, wohin mich dieses The­ma führen wird. Den Faden «Das Leben als Schule» lasse ich für den Moment los, und nehme ihn wieder auf, wenn er auf irgen­deinem Wege zu mir zurück­kommt.

Wie feiern wir in dieser Zeit das Wunder des Lebens und der Liebe?

in Achtsamkeit/Mystik/Natur/Transformation

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wird in vie­len Kul­turen das Wun­der des Lebens und der Liebe gefeiert. Beltane, der Som­mer­an­fang im irischen Kalen­der, Walpur­gis­nacht oder auch Tanz in den Mai, diese Nacht hat unter­schiedlich­ste Namen. Da sie in unser­er Region in einen arbeits­freien Tag, den 1. Mai, den Tag der Arbeit, überge­ht, find­en an vie­len Orten lange und aus­giebige Feste statt. 

Nicht in diesem Jahr. Da Ver­samm­lun­gen mit über fünf Per­so­n­en derzeit nicht erlaubt sind, brauchen wir eine andere Form, um die kom­mende Zeit zu begrüssen. Walpur­gis, die am 30. April in unter­schiedlichen Regio­nen geehrt wird, gilt übri­gens als Schutzheilige gegen Pest, Hus­ten und Toll­wut. 

Mit der let­zten Nacht im April begin­nt in der Land­wirtschaft die Zeit des Säens, des Wach­sens, die Zeit der Frucht­barkeit. Neben der Tra­di­tion des Feierns hat sich bis heute an vie­len Orten das Auf­stellen des Maibaums gehal­ten. 

Ob all die Geschicht­en um diese Rit­uale und Mythen wirk­lich wahr oder ob diese nur roman­tis­che Erfind­un­gen sind, ist wiederum eine Frage, bei der ich gerne zugebe, dass ich es nicht weiss und auch nicht wis­sen muss. Es sind schöne Geschicht­en und Rit­uale, die ich gerne als Impulse aufnehme. Sie bestäti­gen und unter­stre­ichen das, was wir in unseren Bre­it­en­graden in der Natur beobacht­en kön­nen. 

Hier am Walensee reg­net es seit zwei Tagen und den Pflanzen kann man beim Wach­sen zuse­hen. Die Bäume spriessen und das Leben begin­nt wieder. Das ist es wohl, worauf uns  die Bräuche und Rit­uale hin­weisen wollen, wenn wir vor lauter Geschäftigkeit vergessen, auf die Welt um uns herum zu acht­en. 

Vielle­icht ist es ein Zufall, vielle­icht auch nicht, dass nun nach dem Lock­down genau in dieser Zeit die Lockerun­gen begin­nen, Wirtschaft­sleben und eine Vielzahl von 1:1 Begeg­nun­gen wer­den wieder möglich. Auch hier: Ich muss nicht wis­sen, ob es Zufall ist oder nicht. Für mich ist wichtig, dass ich es wahrnehme, bemerke, was es mit mir macht und daraus meine Hand­lun­gen ableite. 

Mich ganz per­sön­lich bestärkt es darin, mich auf die Aspek­te der let­zten Wochen zu fokussieren, die mir ein Ler­nen ermöglicht­en und die mir Hin­weise darauf gaben, was ver­ant­wor­tungsvolles Leben und Wirtschaften bedeutet, was nun an weisem Han­deln notwendig und was von mir erwartet wird.

Viele Unternehmen, die noch im Jan­u­ar sehr zuver­sichtlich auf dieses Jahr geschaut und im soge­nan­nten «busi­ness as usu­al» weit­eres Wach­s­tum geplant haben, wis­sen nun nicht, ob sie dieses Jahr finanziell über­leben wer­den. Viele Men­schen, die noch im Jan­u­ar dacht­en, sie hät­ten einen sicheren Job, sind nun mit Arbeit­slosigkeit kon­fron­tiert.

Hin­ter all diesen Schick­salen ste­hen Men­schen. Wenn ich mich in diese hinein­ver­set­ze, werde ich trau­rig, denn ich weiss, dass ihnen eine Zeit bevorste­ht, in der vieles nicht ein­fach sein wird. Äng­ste und Fra­gen wer­den aufkom­men, zum Teil ganz prak­tis­ch­er Natur, wie zum Beispiel die Frage danach, wie die Miete, das Essen und die Aus­bil­dung der Kinder weit­er sichergestellt wer­den kön­nen. Hier­für braucht es Lösun­gen und hier sind wir alle gefragt. Es geht nicht nur um die Kon­sumenten, die Arbeit­nehmenden, die Arbeit­geben­den, die Lehrper­so­n­en und Ler­nende, auch nicht um die Poli­tik­er, die wir gerne aufrufen, unsere Prob­leme zu lösen. Kein einzelnes dieser Seg­mente auch die Kli­maschützer und die Mul­ti­mil­lionäre nicht, auch keine der Grup­pen, die ich noch gar nicht genan­nt habe, keine ist alleine ver­ant­wortlich oder kann das Prob­lem alleine lösen.

Wir alle, jede und jed­er von uns, sind auf gewisse Weise Teil des Prob­lems und Teil der Lösung. Das Schick­sal der Restau­rantbe­sitzerin oder des Geschäftsin­hab­ers, die mit guter Absicht bis vor kurzem Dinge verkauften, die wir eigentlich nicht braucht­en und doch gerne besitzen woll­ten, geht uns alle etwas an. Auch für jene Men­schen, deren Job davon abhing, dass wir reisen, shop­pen und all die anderen Dinge tun, welche diese Wirtschaft am Laufen gehal­ten haben, tra­gen wir eine Mitver­ant­wor­tung.

Wir haben diese aktuelle Gesellschaft auf dem Funk­tion­ieren ein­er Wach­s­tums­maschiner­ie aufge­baut, die nur weit­er­laufen kann, wenn wir ständig mehr und mehr pro­duzieren und kon­sum­ieren.

Mit Beginn der Fas­ten­zeit Ende Feb­ru­ar wurde die Wach­s­tums­maschiner­ie gestoppt. Voll­ständig. Die schein­bar logis­che Kon­se­quenz wäre nun, dass wir nach der Aufhe­bung des Lock­downs wieder damit weit­er machen, worin wir im Feb­ru­ar unsan­ft unter­brochen wor­den sind. Doch dann wür­den wir all das, was nun sicht­bar gewor­den ist, ignori­eren. Wir wür­den auss­er Acht lassen, dass ein Leben mit weniger Kon­sum genau­so möglich ist und bei­seiteschieben, dass es völ­lig aus­re­ichend ist, wenn vom Flughafen Zürich nur 28 Flugzeuge in der Woche in die Luft steigen und unsere Umwelt belas­ten. Wir wür­den ignori­eren, dass wir im Home­of­fice viele Dinge genau­so gut erledi­gen kön­nen, wie in einem Büro und darüber hin­wegse­hen, dass 9 von 10 Meet­ings, die wir in unserem Büros abge­hal­ten haben, gar nicht stat­tfind­en müssten oder zumin­d­est in ein­er viel kürz­eren und damit effizien­teren Art und Weise durchge­führt wer­den kön­nten.

Wer­den wir unberück­sichtigt lassen, dass wir ein Gesund­heitssys­tem aufge­baut haben, welch­es nicht in der Lage war, ohne diese mas­siv­en Ein­griffe in unser Leben, eine Not­fal­lver­sorgung von kranken Men­schen während ein­er Epi­demie aufrecht zu erhal­ten? Wer­den wir vergessen, dass es Fam­i­lien gibt, die ger­ade an den Rand ihrer Belast­barkeit kom­men dadurch, dass sie gle­ichzeit­ig Home­school­ing, ihren Job und auch noch die Paar­beziehung unter einen Hut bekom­men müssen, und dies an manchen Stellen auf sehr kleinem Raum? Wer­den wir uns am Ende des Lock­downs noch daran erin­nern, dass die Natur sich ger­ade schneller als erwartet erholt hat? Wir haben derzeit sauberere Flüsse und Meere, klarere Luft und weniger Lärm­beläs­ti­gung als son­st um diese Jahreszeit. 

Wer­den wir ignori­eren, dass wir unsere Eltern und Grossel­tern in den Pflege- und Alter­sheimen nicht mehr besuchen kon­nten und aus­blenden, wie sehr uns sel­ber die Umar­mungen, der Aus­tausch mit anderen Men­schen und das Leben ausser­halb unser­er eige­nen vier Wände gefehlt hat? Wer­den wir die Frei­heit, die wir zur Gestal­tung unser­er Zeit zurück­ge­won­nen haben, aufgeben und unseren Takt des Tages wieder durch die äusseren Zwänge bes­tim­men lassen?

Nun kön­nen wir das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben genau zu Beltane, zum Beginn der Som­merzeit, wieder langsam anlaufen lassen. Wir kön­nen das Leben, welch­es wir uns wün­schen, wieder begin­nen.

«You can nev­er unlearn», damit ist gemeint: «Was wir wis­sen, kön­nen wir nicht mehr ignori­eren». Dieser Spruch, der mich schon lange begleit­et, macht mir Hoff­nung, ruft mich dazu auf hinzuschauen und Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

In der Natur wird der Prozess des Wach­s­tums begleit­et vom ständi­gen Reg­ulieren und Anpassen an die vorhan­de­nen Ressourcen. Es müssen genü­gend Nährstoffe für alle Pflanzen und Tiere zur Ver­fü­gung ste­hen. Keine Art kann über die eige­nen Bedürfnisse hin­aus Ressourcen beanspruchen, son­st kommt es zu einem Ungle­ichgewicht.

Und was heisst das nun konkret für mich? Welche Schlüsse kann ich aus mein­er Analyse ziehen?

Zunächst ein­mal lerne ich wieder genauer hinzuschauen, Zeug­nis abzule­gen und die The­men zu benen­nen. Das Prob­lem zu erken­nen ist der Anfang jed­er Verän­derung.

Anschliessend gilt es, in kleinen Schrit­ten, wo immer es möglich ist, mit dem Han­deln zu begin­nen. Ich ganz per­sön­lich habe durch meine Aus­bil­dung, meine Erfahrung und meine Lei­den­schaft für ver­ant­wor­tungsvolle Geld­flüsse die Möglichkeit, das Finanzsys­tem mitzugestal­ten. Damit ist meine wichtig­ste Auf­gabe Geld­flüsse zu ermöglichen, die all unsere Erfahrun­gen in dieser Krise berück­sichti­gen. Es ist meine Auf­gabe mitzuwirken, dass eine Wirtschaft entste­ht, die uns alle befähigt, ein Leben in Ein­klang mit der Natur und den vorhan­de­nen Ressourcen zu führen. Ich habe noch keine Lösun­gen gefun­den, aber ich weiss, dass es meine Auf­gabe ist, an diesen Lösun­gen mitzuwirken,

Ganz konkret bedeutet dies für mich ver­ant­wor­tungsvoll einen Platz einzunehmen, an dem ich aktiv etwas zu ein­er Entwick­lung in diese Rich­tung beitra­gen kann.

Ich denke, das ist ger­ade jet­zt die Haup­tauf­gabe für jeden von uns: Sicherzustellen, dass wir an der Stelle wirken, an der wir all unsere Erfahrun­gen ein­brin­gen kön­nen. Mit «Stelle» meine ich nicht nur diejenige in der Arbeitswelt. Ger­ade jet­zt in diesem Moment brauchen wir auch äusserst drin­gend ganz viel andere Dinge. Wir müssen die Gemein­schaft pfle­gen, men­schliche Nähe geben, zuhören und ein­fach nur da sein. Wir brauchen Kun­st, Musik und Schön­heit, die Freude am Leben brin­gen. Dies sind Dinge, welche wir im All­t­ag häu­fig vergessen. Aber sie sind umso wichtiger, vielle­icht noch wichtiger als die ver­ant­wor­tungsvollen Geld­flüsse, denn Geld kön­nen wir nicht essen. Es ist immer nur Mit­tel zum Zweck. 

Damit komme ich zu einem zweit­en Schritt, mit dem ich ganz per­sön­lich zu ein­er pos­i­tiv­en Entwick­lung beitra­gen kann. Ich glaube fest daran, dass in ein­er ver­ant­wor­tungsvollen Gesellschaft die Grundbedürfnisse von jed­er und jedem gedeckt sein müssen. Egal ob Kün­stler, Man­agerin, Lehrer, Ärztin oder Pfleger. Diese Basis für ein gutes Leben, die uns eine gewisse Frei­heit und Unab­hängigkeit ver­schafft, brauchen wir alle. Das bedin­gungslose Grun­deinkom­men ist noch nicht etabliert. Selb­stver­sor­gende Dör­fer und Städte gibt es noch immer sehr wenige. Daran müssen wir in den kom­menden Jahren arbeit­en. All jene, die im Moment mehr haben, als sie zum Leben brauchen kön­nen in ihrem direk­ten Umfeld per­sön­lich im Kleinen mit der Umset­zung starten und an Ini­tia­tiv­en wie «Togeth­er now» und «Mein Grun­deinkom­men» teil­nehmen. Wir kön­nen aber auch unser­er Coif­feuse, dem Yogalehrer oder auch anderen Dien­stleis­terin­nen und Dien­stleis­tern Gutscheine für zukün­ftige Leis­tun­gen abkaufen, oder noch bess­er, ihnen mehr bezahlen als son­st. Wir kön­nen ein Pro­jekt eines Musik­ers, eines Kün­stlers oder eines anderen Men­schen, eine Monatsmi­ete übernehmen oder ein Jahresabo für Bio­gemüse schenken. Mit dem Jahresabo tun wir übri­gens auch noch dem Bauern aus der Region etwas Gutes, der ja in den let­zten Wochen keine Möglichkeit­en hat­te, seine Waren auf dem Markt zu verkaufen. 

Die wichtig­ste Frage an mein Gegenüber ist derzeit bei jed­er Begeg­nung: «Was brauchst du?» Und das ist manch­mal etwas ganz anderes, als wir denken. Es ist wichtig, dass wir alle immer wieder diese Frage an die Men­schen, die unter dieser Krise noch mehr lei­den als wir, stellen.

Ich sel­ber unter­stütze mein direk­tes Umfeld, da ich das Gefühl habe, hier kann ich am meis­ten bewirken. Es gibt unendlich viele Gele­gen­heit­en etwas im Rah­men der eige­nen Möglichkeit­en zu bewe­gen.

Im Sinne des Buch­es von Rob Hobkins, dem Grün­der der Tran­si­tion Bewe­gung geht es darum jet­zt zu starten. Ein­fach. Jet­zt. Machen!

Was genau ist denn bitte nun normal?

in Mystik/Quinten/Weisheit

Ich sitze in Quin­ten auf der Ter­rasse und beobachte die Natur um mich herum. Heute Nacht hat es endlich gereg­net und die Bäume und Sträuch­er nutzen dies, um in einen Wach­s­tumss­chub zu gehen. Die Feigen sind schon fast baum­nuss­gross und an den Reben spriessen bere­its die Blüten­stände. 

„Das ist doch nicht nor­mal!“ denke ich, „Das ist doch viel zu früh!“ und „Hof­fentlich kommt nicht noch Frost!“ sind die weit­eren Gedanken, die in mein Bewusst­sein treten.

Als näch­stes nimmt sich die Frage, die ich mir sel­ber und vie­len anderen ger­ade immer wieder stelle, laut und unüberse­hbar ihren Raum:

Was genau ist denn bitte nun nor­mal?


Wie im let­zten Blog­beitrag ver­sprochen, ver­webe ich die Fäden von Nichtwissen und Suf­fizienz in den kom­menden Wochen in meine Beiträge. Manch­mal wer­den diese dem Beitrag eine deut­liche Fär­bung geben, manch­mal wer­den sie als leise Musik im Hin­ter­grund einen Klangtep­pich leg­en.

Ich habe in der NZZ vom 19. April 2020 ein Inter­view mit der Virolo­gin Karin Mölling gele­sen. Die Über­schrift dieses Artikels lautet:

«Woher wis­sen denn allein Virolo­gen, was richtig ist? Wir wis­sen vieles nicht. Lei­der»

Es entspan­nt mich sehr, das Nichtwissen über­all um mich herum zu erleben. Dies scheint ein Wider­spruch in sich zu sein. Nichtwissen und Entspan­nung – ist dies über­haupt miteinan­der vere­in­bar?

Wollen wir nicht eigentlich alles wis­sen? Wollen wir nicht immer alles ver­ste­hen und anschliessend auch noch voll­ständig kon­trol­lieren? Wer denkt nicht sel­ber oft: „Ich muss dies oder jenes unbe­d­ingt ver­ste­hen, son­st bin ich nicht hand­lungs­fähig“. 

Die let­zten Wochen haben mich gelehrt, wie entspan­nend das Nichtwissen ist, wenn es benan­nt ist und wenn ich es als eine Art Naturge­setz für mein Leben akzep­tiere. Mir wird immer deut­lich­er, ich kann nur Wahrschein­lichkeit­en abschätzen und Hypothe­sen auf­stellen, für all das, was in meinem Leben und in der Welt in Zukun­ft passieren wird. Ein defin­i­tives Wis­sen habe ich nur über die Dinge, die in mein­er Ver­gan­gen­heit passiert sind. Aber auch hier gilt, dass wir unseren Erin­nerun­gen nicht immer glauben schenken kön­nen. 

Ein wichtiger Aspekt dessen, was von nun an für mich nor­mal sein wird, ist, dass ich in vie­len Bere­ichen meines Lebens den Fak­tor Nichtwissen mit­berück­sichti­gen muss, wenn ich die Zusam­men­hänge wirk­lich ver­ste­hen möchte.

Um beim Ein­gangs­beispiel des Feigen­baumes und des Weins zu bleiben, auch wenn es mir so vorkommt, in Wirk­lich­heit und Wahrheit habe ich keine Ahnung, ob sie nun zu früh in Blatt und Blüte ste­hen. Sie haben ein­fach auf das reagiert, was die äusseren Bedin­gun­gen ihnen anbi­eten. Im Herb­st wis­sen wir mehr.

Auch die Philoso­phie, welche hin­ter dem Begriff Suf­fizienz und hin­ter der Suf­fizien­zpoli­tik ste­ht, scheint mir sehr hil­fre­ich zu sein, um eine ganz eigene „neue Nor­mal­ität“ zu find­en und zu erforschen. Die Fra­gen „Was ist genug?“ und „Was sind meine Grundbedürfnisse?“ sind dazu zwei wun­der­bare Leit­planken.

Übri­gens, der im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte Satz auf den Anzeigen der SBB Tafeln hat inzwis­chen einen neuen Wort­laut. Neu lautet der Text nun: «Der Verkehr wurde auf ein Grun­dan­ge­bot reduziert“. Vorher lautete der Text: „Der Verkehr wird schrit­tweise auf ein Grun­dan­ge­bot reduziert “. In diesem Bere­ich kann jede und jed­er in der Schweiz ger­ade prüfen, wie gut er und sie mit dem, was die SBB als Grundbe­darf definiert hat, leben kann.

Für mich bedeutet diese aktuelle Anpas­sung auf meinen zwei wichtig­sten Streck­en ganz Unter­schiedlich­es. Auf der einen Strecke wird mir ein 30-minütiger Spazier­gang durch den Wald ermöglicht, denn die Hal­testelle, welche ich bish­er benutzt haben, gilt als touris­tis­che Erschlies­sung und wird derzeit nicht bedi­ent.

Für die zweite Strecke muss ich nun unter­wegs 30 Minuten Zwis­chenaufen­thalt einkalkulieren, da der bish­erige Anschlusszug nun sehr knapp, laut Fahrplan gar nicht erre­ich­bar ist.

Im Aus­tausch dafür kann ich in angenehm leeren Zügen reisen und habe über­raschen­der­weise wieder mehr Kon­takt und Gespräche mit Mitreisenden – natür­lich unter Wahrung des notwendi­gen Abstandes.

Und was ver­liere ich? Manch ein­er oder eine würde nun sagen, dass ich 30 Minuten ver­liere. 

Bei der ersten Strecke ist dies mit Sicher­heit nicht der Fall, denn der Weg nach Hause durch den Wald ist derzeit bei diesem Wet­ter und in dieser Jahreszeit ein Gewinn, ein Geschenk. Und wenn es dann irgend­wann wieder reg­net oder gar stürmt? Wer weiss, ob dann der Fahrplan immer noch der gle­iche ist. Die SBB schreibt auf ihrer Web­seite: „Nach der Ankündi­gung des Bun­desrates zur Lockerung der Coro­na-Mass­nah­men wird ab dem 27. April auch der Bahn­be­trieb schrit­tweise zurück zum reg­ulären Fahrplan geführt.“ Also geniesse ich es, solange es anders nicht möglich ist, um dann in fern­er Zukun­ft nur noch bei wirk­lich schlechtem Wet­ter oder Dunkel­heit bis zur woh­nungsna­hen Sta­tion weit­er zu fahren, denn wer hin­dert mich daran, die lieb gewonnene Ange­wohn­heit eines 30-minüti­gen Spazier­gangs auch nach Wiedere­in­führung des reg­ulären Fahrplans beizube­hal­ten? Das einzige, was mich stop­pen kön­nte, wäre meine ganz per­sön­liche Bequem­lichkeit oder dann meine Unacht­samkeit, wenn ich es ver­passe, eine Hal­testelle vor der End­sta­tion auszusteigen.

Zumin­d­est bei der zweit­en Strecke stimmt es auf den ersten Blick, dass ich Zeit ver­liere. Nun ja, ich brauche eine halbe Stunde länger, aber die Zeit ist ja nicht ver­loren.

Es ist ein offenes Geheim­nis: Zeit kön­nen wir gar nicht ver­lieren.  Wir haben an jedem Tag gle­ichviel Zeit: 24 Stun­den = 1‘440 Minuten = 86‘400 Sekun­den. Diese 86‘400 Sekun­den sind während unseres gesamten Lebens täglich aufs Neue da. Ein Ver­lieren ist nicht möglich. 

Das, was passieren kann und auch sehr regelmäs­sig passiert, ist, dass wir Zeit mit etwas ver­brin­gen, was wir in dem Moment gar nicht tun soll­ten oder woll­ten. Wir lassen uns ablenken, wir tun etwas, wozu wir eigentlich gar keine Lust haben. Dafür kön­nen wir nie­mand anderem die Schuld geben. Es ist unsere ure­igene Entschei­dung, was wir in jed­er einzel­nen Sekunde tun. Nie­mand zwingt uns zu irgend­was. Wir sel­ber entschei­den. Es gehören zu jedem Tag auch Dinge, die wir vielle­icht nicht so gerne tun. Diese Dinge ken­nt jed­er und jede von uns. Und doch entschei­den wir uns aus den unter­schiedlich­sten Grün­den sie zu tun.

Zum Beispiel entschei­den wir uns, die Zim­mer zu putzen oder den Müll hin­auszubrin­gen, weil wir gerne in ein­er sauberen Woh­nung wohnen. Wir gehen ins Büro, in die Werk­statt oder ins Ate­lier, weil wir uns dazu entsch­ieden haben, eine bes­timmte Tätigkeit zu ver­richt­en. In all diesen Fällen kön­nten wir uns auch anders entschei­den. Wir müssen ein­fach nur mit den Kon­se­quen­zen der Entschei­dun­gen leben, unseren Lebensstil anpassen oder unsere Leben­sträume hin­ter­fra­gen. Dies ist zugegeben­er­massen nicht immer ganz ein­fach, und doch ist es möglich und auch mach­bar.

Nun, da ich weiss, dass ich eine halbe Stunde Zeit auf einem Bahn­hof mit­ten im Nir­gend­wo ein­pla­nen muss, darf ich mir die Frage stellen: „Wie möchte ich diese Zeit ver­brin­gen?“ Denn diese Zeit ist nicht ver­loren, son­dern sie möchte gestal­tet wer­den. Meine Kreativ­ität ist gefragt. Manch­mal nutzte ich diese gewonnene halbe Stunde zum Lesen, manch­mal nutze ich die Zeit, um Ideen für meinen Blog zu entwick­eln und manch­mal beobachte ich ein­fach, wie der Fluss fliesst.

In diesem Zusam­men­hang noch zwei Dinge:  Zum einen rechne ich sel­ber für mich nicht in Sekun­den und wenn ich meinen Tag frei gestal­ten kann, rechne ich noch nicht ein­mal in Stun­den. Ich folge dem Fluss der Dinge, die ich tun mag und die ger­ade zu tun sind. Und irgend­wie sind am Abend in der Regel all die wirk­lich wichti­gen Dinge erledigt. Da ger­ade im Aussen so viele Dinge weg­fall­en, mit welchen ich mich noch vor einiger Zeit beschäftigt habe, geschieht dies noch viel häu­figer als son­st. Dies ist ein weit­eres wun­der­bares Geschenk.

Und zum anderen, und auch hier ver­rate ich kein Geheim­nis: Zeit kön­nen wir nicht auf­s­paren. Alles, was auf meinem per­sön­lichen Zeitkon­to für heute zur Ver­fü­gung ste­ht, kann ich nur heute abbuchen.

Wenn ich mir etwas für unsere neue Nor­mal­ität wün­schen darf, ist es, dass wir uns des Geschenks der Zeit bewusst­wer­den, und uns deren Vergänglichkeit bewusst vor Augen führen.

Was wäre, wenn wir alle den Zeit­punkt unseres Todes ken­nen wür­den? Der bel­gis­che Film «Das brand­neue Tes­ta­ment» aus dem Jahr 2015 nimmt diese Idee auf. Vor ein paar Tagen habe ich ihn mal wieder angeschaut. Eine span­nen­des Gedanken­ex­per­i­ment, welch­es uns auf nach­den­klich-komis­che Weise mit unser­er Endlichkeit kon­fron­tiert. Welche der Dinge, die uns noch zu Beginn dieses Jahres als nor­mal erschienen, wür­den wir weit­er­ma­chen? Welche sofort been­den?

Die let­zten Wochen haben vie­len von uns deut­lich gemacht, dass ein entschle­u­nigter Lebensstil Raum zum Nach­denken lässt, darüber was wir wirk­lich brauchen und was der Natur und unser­er Umwelt gut­tut. 

Wir haben die Frei­heit, aus den ver­gan­genen Wochen zu ler­nen. Das Ler­nen wird für jede und jeden von uns ein unter­schiedlich­es sein. Und das ist auch wichtig und gut. Das einzige, was uns vom Ler­nen abhal­ten kann, sind wir sel­ber.

Damit bin ich nun wieder am Anfang des Blo­gein­trags angekom­men. Ich bin zurück zu der Frage: 

Was genau ist denn bitte nun nor­mal?


Nor­mal ist wohl jedes Mal etwas anderes. Es ist das, was am besten zur Sit­u­a­tion passt, in welch­er ich mich ger­ade befinde. Die Natur macht es vor. Die äusseren Umstände, ins­beson­dere die aktuelle Wärme lässt sie früher ins Wach­s­tum gehen, als ich es ver­mutet hätte. Ob dies richtig oder falsch war, wis­sen wir noch nicht. Erst wenn wir im Jahreskreis weit­er sind, wer­den wir wis­sen, ob es nochmals kalt gewor­den ist, ob die zarten Sprossen den Früh­ling, in dem wir uns jet­zt ger­ade befind­en, über­standen haben. 


«Erst wenn wir im Jahreskreis weit­er sind, wer­den wir wis­sen…», dieser Satz lässt sich auch auf die Verän­derun­gen durch die Coro­n­akrise anwen­den: Ob die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen auf Natur und Kli­ma und zum Teil auch auf unseren Lebensstil sich weit­er fes­ti­gen lassen, wer­den wir erst mit einem gewis­sen Abstand fest­stellen.

Im Gegen­satz zu den Abläufen in der Natur haben wir hier aber die Möglichkeit, den Lauf der Dinge zu bee­in­flussen und eine neue, lebenswerte und ver­ant­wor­tungsvolle Nor­mal­ität zu erschaf­fen.

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