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Transformation

Im Fluss der Worte und Gedanken

in Achtsamkeit/Mystik/Transformation/Weisheit

Beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. So wie ich mich im Gespräch mit Fre­un­den am Feuer oder beim Tee und auch beim gemein­samen Kochen regelmäs­sig in den unter­schiedlichen The­men­strän­gen und Sit­u­a­tio­nen ver­liere. Wir fol­gen gemein­sam in unseren Gesprächen diesem Gedanken, jen­em Impuls oder einem Gefühl und lan­den an ganz anderen Stellen, als wir zu Anfang erwartet haben.

Im Gespräch weben wir einen gemein­samen Tep­pich aus Gedanken und Gefühlen. Wir gehen miteinan­der in Beziehung. Wir zeigen uns. Wir tauschen uns aus. Wir ler­nen uns ken­nen. Wir ler­nen. voneinan­der und miteinan­der.

Schreiben ist für mich etwas, um die Zeit zwis­chen den Gesprächen und Begeg­nun­gen zu über­brück­en. Ich ver­suche meine Gedanken und Gefüh­le in einem Text zu erfassen, um jenen, mit denen ich gemein­sam auf dieser Reise des Ler­nens, des Lebens bin, mit Worten mitzuteilen, was mich bewegt. Das ist schwierig. Zum einen dro­ht beim Schreiben ständig die Gefahr, missver­standen zu wer­den. Zum anderen beste­ht Kom­mu­nika­tion nicht nur aus Worten. Es gehört so viel mehr dazu. 

In meinem Schreiben schwingt immer der Wun­sch mit, dass auch der Faden mein­er Worte, die Fäden der damit verknüpften Gedanken, an irgen­dein­er anderen Stelle weit­er­ver­woben wer­den. Ich muss gar nicht wis­sen, wie und wo. Was nützt es mir zu wis­sen, was da ger­ade an einem anderen Platz auf der Welt mit meinen Impulsen geschieht? Sie dür­fen sich weit­er­en­twick­eln, vielle­icht müssen sie dies sog­ar. Vielle­icht ist das Weit­er­en­twick­eln durch andere der eigentliche Sinn und Zweck davon, Gedanken in Worten festzuhal­ten. Denn ich habe ja mit meinen Gedanken, Gefühlen und Beobach­tun­gen nur ein ganz kleines Puz­zlestück der Wahrheit in mein­er Hand. Wer weiss schon, wo genau dieses Puz­zlestück hinge­hört, an welch­er Stelle es hil­ft, ein Bild entste­hen zu lassen, etwas sicht­bar wer­den zu lassen, miteinan­der in Beziehung zu gehen. 

Mit dem Schreiben gebe ich meine Wahrnehmung der Wahrheit in die Welt. Wenn wir alle unsere Sichtweisen, unsere indi­vidu­ellen Wahrheit­en miteinan­der verknüpfen, entste­ht Weisheit. So stelle ich mir das auf jeden Fall vor. Weisheit ist etwas, was nicht alleine entste­ht. Keine einzelne Per­son kann, ohne in Res­o­nanz mit anderen Men­schen und auch der Natur zu sein, Weisheit kreieren. Weisheit ist ein Pro­dukt zwis­chen­men­schlich­er Res­o­nanz. Sie entste­ht im Aus­tausch miteinan­der. Vielle­icht ist es sog­ar so, dass Weisheit etwas ist, dass wir nur in Beziehung mit anderen aushan­deln kön­nen. 

Wie gesagt, beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. Und doch ist es kein wirk­lich­es Ver­lieren. Ich biege ab, folge einem Nebenpfad. Ich erforsche einen neuen Weg, den ich noch nicht kenne und irgend­wann kehre ich wieder zurück auf den Hauptweg. Unter­wegs habe ich neue Sichtweisen, neuen Gedanken und neue Wel­ten ent­deckt.

So stelle ich mir gutes Ler­nen vor. So stelle ich mir das Entste­hen von Weisheit vor. Weisheit, welche in der aktuellen Zeit so wichtig ist, um die Welt acht­sam und ver­ant­wor­tungsvoll zu gestal­ten.

Ler­nen bedeutet für mich, immer wieder die Neben­wege, neue Wege zu erforschen, zu erfühlen, um dann doch immer wieder auf den Pfad zurück­zukom­men, welch­er zum Ziel führt, das ich mir irgend­wann ein­mal bewusst oder unbe­wusst für dieses Leben geset­zt habe. Ein Ziel, welch­es wir alle auf ganz unter­schiedliche Art und Weise anstreben: Ein gutes Leben zu führen. Nur was genau ist gutes Leben?

Viele Erwach­sene haben das Gefühl, dass das Ler­nen been­det ist, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Viele begeben sich in einen Job und denken, nun sind sie fer­tig mit Ler­nen. Dabei sollte unser Ler­nen doch lebenslang andauern und nicht mit dem Ende irgen­dein­er Schule aufhören.

Im Leben geht es ums Erfahren und ums Ler­nen. Ich sel­ber habe ver­schiedene Aus­bil­dun­gen absolviert und diverse Hochschu­la­b­schlüsse erwor­ben. Ich habe Jobs angenom­men und war der Mei­n­ung: Jet­zt kann und weiss ich alles. Ich dachte, ich bin auf dem richti­gen Weg, weiss ich aber, dass dies Neben­wege waren, die mir ermöglicht­en, Wis­sen und Erfahrung zu sam­meln. Der eigentliche Unter­richt geschieht im All­t­ag, das eigentliche Ler­nen ist niemals zu Ende.

In den sozialen Medi­en sind Memes, eine Kom­bi­na­tion von Bild und Text, sehr ver­bre­it­et. Manche ver­wen­den Sprüche, die ich schon früher in Aus­bil­dun­gen gel­ernt und vor langer Zeit in Büch­ern gele­sen habe. Auf einen dieser Sprüche bin ich ger­ade heute wieder gestossen. Woher er genau kommt und was die Quelle ist, weiss ich nicht. Mich berührt er, wann immer er mir über den Weg läuft. Dieser Spruch lautet so:

Bedeu­ten­des spir­ituelles Wach­s­tum find­et nicht statt, wenn du am Medi­tieren oder auf dein­er Yoga­mat­te bist. Es find­et statt, wenn du dich in der Mitte eines Kon­flik­tes wiederfind­est. Es find­et in dem Moment statt, wo du wütend, ängstlich, trau­rig oder frus­tri­ert bist, in deine alten Muster fällst und das tust, was du schon immer getan hat. 
In dem Moment, in dem du real­isierst, dass du nicht genau so han­deln musst, wie du immer gehan­delt hast, in dem Moment in dem dir auf­fällt, dass du auch anders han­deln kannst, als du es bis jet­zt getan hast, in dem Moment tritt das Wach­s­tum ein.

Manche nen­nen diese Momente Erleuch­tung. Ich beschreibe es für mich so, dass ich in diesem Moment ein­fach von einem Nebenpfad wieder zurück auf meinen Weg komme und durch mein Ler­nen, meine ver­meintlichen Umwege, nun zusät­zliche Hand­lungsweisen gel­ernt habe und anwen­den kann.

Das Umfeld, in welch­es wir hineinge­boren wur­den, bes­timmt die Vorstel­lung vom guten Leben. Für sehr viele, und dies vergessen wir immer wieder, ist das Ziel ein­fach nur etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, den Kindern eine Aus­bil­dung zu ermöglichen, sich­er zu sein. Andere treibt die Vorstel­lung vom Bewahren oder auch Erweit­ern des eige­nen Besitzes an. Und für manche ist es der Kampf für Kli­ma und Umwelt, für den es sich einzuset­zen lohnt. Jede und jed­er von uns hat ein kleines Puz­zlestück der grossen Wahrheit. Jede und jed­er von uns hat hierzu eine eigene Sichtweise.

Was wäre, wenn wir uns alle bewusst wären, dass nie­mand die Wahrheit alleine besitzt und wir uns auf die Suche und auf den Weg begeben müssen, um diese Wahrheit­en zu ein­er Weisheit zusam­men­zufü­gen?

Vielle­icht wür­den wir eine neue Form von Schule und Unter­richt erfind­en. Eine Form, in der wir unser täglich­es Leben als die Lek­tio­nen anse­hen kön­nen. Eine Form, in welch­er wir gle­ichzeit­ig Ler­nende und Lehrende sind.

Das ist zu kom­pliziert, das wird nicht funk­tion­ieren, sagen mir viele. Es ist vielle­icht kom­plex, aber nicht wirk­lich kom­pliziert. Die Her­aus­forderung liegt darin, dass wir bewusst unsere Zeit damit ver­brin­gen, das Leben zu erfahren und zu begreifen, das Leben zu erspüren und zu erfassen. Wir müssen uns dazu entschei­den, miteinan­der zu ler­nen und zu forschen.

Wie ein­gangs gesagt, beim Schreiben ver­liere ich mich manch­mal. 

Heute habe ich mich in meinen Gedanken zu einem Leben als Schule ver­loren. In dieser Schule gibt es Raum für Kun­st und gemein­sames Musizieren, es gibt Fäch­er zur All­t­ags­gestal­tung und gesun­den Lebens­führung. Es gibt all das, was wir ger­ade brauchen, um das im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte «neue Nor­mal» zu gestal­ten und zu erfassen. Wie diese Fäch­er alle heis­sen? Keine Ahnung, denn ich kenne das neue Nor­mal noch nicht und weiss deshalb auch nicht, welche Fäch­er es wirk­lich dazu braucht. Jed­er und jede von uns kann ihr eigenes Wis­sen und die eige­nen Gedanken und Gefüh­le und auch sein Nichtwissen in diese Form des Ler­nens ein­brin­gen.

Im Fach «gesunde Wirtschaft» würde ich wohl mit den The­men­schw­er­punk­ten «Heil­same Beziehun­gen zum Geld» und «Suf­fizienz als Leben­skun­st» starten, ein­fach weil ich hier wahrschein­lich viel Wis­sen als Lehrerin ein­brin­gen kann, aber auch viel Nichtwissen als Schü­lerin habe. Eben­falls spielt mit, dass mich diese bei­den The­men ein­fach inter­essieren.

Mein Impuls ist, diesen doch etwas anderen Blog­post zu teilen und wer weiss, vielle­icht gibt es ja noch andere, die gemein­sam an dieser Schule, die Ele­mente der Begeg­nung, mit Ele­menten der virtuellen Unter­richtswelt verknüpfen soll, mitzuweben.

Im näch­sten Beitrag werde ich mich aus­führlich­er mit dem The­ma «Suf­fizienz als Leben­skun­st» beschäfti­gen und ich bin sel­ber ges­pan­nt, wohin mich dieses The­ma führen wird. Den Faden «Das Leben als Schule» lasse ich für den Moment los, und nehme ihn wieder auf, wenn er auf irgen­deinem Wege zu mir zurück­kommt.

Wie feiern wir in dieser Zeit das Wunder des Lebens und der Liebe?

in Achtsamkeit/Mystik/Natur/Transformation

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wird in vie­len Kul­turen das Wun­der des Lebens und der Liebe gefeiert. Beltane, der Som­mer­an­fang im irischen Kalen­der, Walpur­gis­nacht oder auch Tanz in den Mai, diese Nacht hat unter­schiedlich­ste Namen. Da sie in unser­er Region in einen arbeits­freien Tag, den 1. Mai, den Tag der Arbeit, überge­ht, find­en an vie­len Orten lange und aus­giebige Feste statt. 

Nicht in diesem Jahr. Da Ver­samm­lun­gen mit über fünf Per­so­n­en derzeit nicht erlaubt sind, brauchen wir eine andere Form, um die kom­mende Zeit zu begrüssen. Walpur­gis, die am 30. April in unter­schiedlichen Regio­nen geehrt wird, gilt übri­gens als Schutzheilige gegen Pest, Hus­ten und Toll­wut. 

Mit der let­zten Nacht im April begin­nt in der Land­wirtschaft die Zeit des Säens, des Wach­sens, die Zeit der Frucht­barkeit. Neben der Tra­di­tion des Feierns hat sich bis heute an vie­len Orten das Auf­stellen des Maibaums gehal­ten. 

Ob all die Geschicht­en um diese Rit­uale und Mythen wirk­lich wahr oder ob diese nur roman­tis­che Erfind­un­gen sind, ist wiederum eine Frage, bei der ich gerne zugebe, dass ich es nicht weiss und auch nicht wis­sen muss. Es sind schöne Geschicht­en und Rit­uale, die ich gerne als Impulse aufnehme. Sie bestäti­gen und unter­stre­ichen das, was wir in unseren Bre­it­en­graden in der Natur beobacht­en kön­nen. 

Hier am Walensee reg­net es seit zwei Tagen und den Pflanzen kann man beim Wach­sen zuse­hen. Die Bäume spriessen und das Leben begin­nt wieder. Das ist es wohl, worauf uns  die Bräuche und Rit­uale hin­weisen wollen, wenn wir vor lauter Geschäftigkeit vergessen, auf die Welt um uns herum zu acht­en. 

Vielle­icht ist es ein Zufall, vielle­icht auch nicht, dass nun nach dem Lock­down genau in dieser Zeit die Lockerun­gen begin­nen, Wirtschaft­sleben und eine Vielzahl von 1:1 Begeg­nun­gen wer­den wieder möglich. Auch hier: Ich muss nicht wis­sen, ob es Zufall ist oder nicht. Für mich ist wichtig, dass ich es wahrnehme, bemerke, was es mit mir macht und daraus meine Hand­lun­gen ableite. 

Mich ganz per­sön­lich bestärkt es darin, mich auf die Aspek­te der let­zten Wochen zu fokussieren, die mir ein Ler­nen ermöglicht­en und die mir Hin­weise darauf gaben, was ver­ant­wor­tungsvolles Leben und Wirtschaften bedeutet, was nun an weisem Han­deln notwendig und was von mir erwartet wird.

Viele Unternehmen, die noch im Jan­u­ar sehr zuver­sichtlich auf dieses Jahr geschaut und im soge­nan­nten «busi­ness as usu­al» weit­eres Wach­s­tum geplant haben, wis­sen nun nicht, ob sie dieses Jahr finanziell über­leben wer­den. Viele Men­schen, die noch im Jan­u­ar dacht­en, sie hät­ten einen sicheren Job, sind nun mit Arbeit­slosigkeit kon­fron­tiert.

Hin­ter all diesen Schick­salen ste­hen Men­schen. Wenn ich mich in diese hinein­ver­set­ze, werde ich trau­rig, denn ich weiss, dass ihnen eine Zeit bevorste­ht, in der vieles nicht ein­fach sein wird. Äng­ste und Fra­gen wer­den aufkom­men, zum Teil ganz prak­tis­ch­er Natur, wie zum Beispiel die Frage danach, wie die Miete, das Essen und die Aus­bil­dung der Kinder weit­er sichergestellt wer­den kön­nen. Hier­für braucht es Lösun­gen und hier sind wir alle gefragt. Es geht nicht nur um die Kon­sumenten, die Arbeit­nehmenden, die Arbeit­geben­den, die Lehrper­so­n­en und Ler­nende, auch nicht um die Poli­tik­er, die wir gerne aufrufen, unsere Prob­leme zu lösen. Kein einzelnes dieser Seg­mente auch die Kli­maschützer und die Mul­ti­mil­lionäre nicht, auch keine der Grup­pen, die ich noch gar nicht genan­nt habe, keine ist alleine ver­ant­wortlich oder kann das Prob­lem alleine lösen.

Wir alle, jede und jed­er von uns, sind auf gewisse Weise Teil des Prob­lems und Teil der Lösung. Das Schick­sal der Restau­rantbe­sitzerin oder des Geschäftsin­hab­ers, die mit guter Absicht bis vor kurzem Dinge verkauften, die wir eigentlich nicht braucht­en und doch gerne besitzen woll­ten, geht uns alle etwas an. Auch für jene Men­schen, deren Job davon abhing, dass wir reisen, shop­pen und all die anderen Dinge tun, welche diese Wirtschaft am Laufen gehal­ten haben, tra­gen wir eine Mitver­ant­wor­tung.

Wir haben diese aktuelle Gesellschaft auf dem Funk­tion­ieren ein­er Wach­s­tums­maschiner­ie aufge­baut, die nur weit­er­laufen kann, wenn wir ständig mehr und mehr pro­duzieren und kon­sum­ieren.

Mit Beginn der Fas­ten­zeit Ende Feb­ru­ar wurde die Wach­s­tums­maschiner­ie gestoppt. Voll­ständig. Die schein­bar logis­che Kon­se­quenz wäre nun, dass wir nach der Aufhe­bung des Lock­downs wieder damit weit­er machen, worin wir im Feb­ru­ar unsan­ft unter­brochen wor­den sind. Doch dann wür­den wir all das, was nun sicht­bar gewor­den ist, ignori­eren. Wir wür­den auss­er Acht lassen, dass ein Leben mit weniger Kon­sum genau­so möglich ist und bei­seiteschieben, dass es völ­lig aus­re­ichend ist, wenn vom Flughafen Zürich nur 28 Flugzeuge in der Woche in die Luft steigen und unsere Umwelt belas­ten. Wir wür­den ignori­eren, dass wir im Home­of­fice viele Dinge genau­so gut erledi­gen kön­nen, wie in einem Büro und darüber hin­wegse­hen, dass 9 von 10 Meet­ings, die wir in unserem Büros abge­hal­ten haben, gar nicht stat­tfind­en müssten oder zumin­d­est in ein­er viel kürz­eren und damit effizien­teren Art und Weise durchge­führt wer­den kön­nten.

Wer­den wir unberück­sichtigt lassen, dass wir ein Gesund­heitssys­tem aufge­baut haben, welch­es nicht in der Lage war, ohne diese mas­siv­en Ein­griffe in unser Leben, eine Not­fal­lver­sorgung von kranken Men­schen während ein­er Epi­demie aufrecht zu erhal­ten? Wer­den wir vergessen, dass es Fam­i­lien gibt, die ger­ade an den Rand ihrer Belast­barkeit kom­men dadurch, dass sie gle­ichzeit­ig Home­school­ing, ihren Job und auch noch die Paar­beziehung unter einen Hut bekom­men müssen, und dies an manchen Stellen auf sehr kleinem Raum? Wer­den wir uns am Ende des Lock­downs noch daran erin­nern, dass die Natur sich ger­ade schneller als erwartet erholt hat? Wir haben derzeit sauberere Flüsse und Meere, klarere Luft und weniger Lärm­beläs­ti­gung als son­st um diese Jahreszeit. 

Wer­den wir ignori­eren, dass wir unsere Eltern und Grossel­tern in den Pflege- und Alter­sheimen nicht mehr besuchen kon­nten und aus­blenden, wie sehr uns sel­ber die Umar­mungen, der Aus­tausch mit anderen Men­schen und das Leben ausser­halb unser­er eige­nen vier Wände gefehlt hat? Wer­den wir die Frei­heit, die wir zur Gestal­tung unser­er Zeit zurück­ge­won­nen haben, aufgeben und unseren Takt des Tages wieder durch die äusseren Zwänge bes­tim­men lassen?

Nun kön­nen wir das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben genau zu Beltane, zum Beginn der Som­merzeit, wieder langsam anlaufen lassen. Wir kön­nen das Leben, welch­es wir uns wün­schen, wieder begin­nen.

«You can nev­er unlearn», damit ist gemeint: «Was wir wis­sen, kön­nen wir nicht mehr ignori­eren». Dieser Spruch, der mich schon lange begleit­et, macht mir Hoff­nung, ruft mich dazu auf hinzuschauen und Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

In der Natur wird der Prozess des Wach­s­tums begleit­et vom ständi­gen Reg­ulieren und Anpassen an die vorhan­de­nen Ressourcen. Es müssen genü­gend Nährstoffe für alle Pflanzen und Tiere zur Ver­fü­gung ste­hen. Keine Art kann über die eige­nen Bedürfnisse hin­aus Ressourcen beanspruchen, son­st kommt es zu einem Ungle­ichgewicht.

Und was heisst das nun konkret für mich? Welche Schlüsse kann ich aus mein­er Analyse ziehen?

Zunächst ein­mal lerne ich wieder genauer hinzuschauen, Zeug­nis abzule­gen und die The­men zu benen­nen. Das Prob­lem zu erken­nen ist der Anfang jed­er Verän­derung.

Anschliessend gilt es, in kleinen Schrit­ten, wo immer es möglich ist, mit dem Han­deln zu begin­nen. Ich ganz per­sön­lich habe durch meine Aus­bil­dung, meine Erfahrung und meine Lei­den­schaft für ver­ant­wor­tungsvolle Geld­flüsse die Möglichkeit, das Finanzsys­tem mitzugestal­ten. Damit ist meine wichtig­ste Auf­gabe Geld­flüsse zu ermöglichen, die all unsere Erfahrun­gen in dieser Krise berück­sichti­gen. Es ist meine Auf­gabe mitzuwirken, dass eine Wirtschaft entste­ht, die uns alle befähigt, ein Leben in Ein­klang mit der Natur und den vorhan­de­nen Ressourcen zu führen. Ich habe noch keine Lösun­gen gefun­den, aber ich weiss, dass es meine Auf­gabe ist, an diesen Lösun­gen mitzuwirken,

Ganz konkret bedeutet dies für mich ver­ant­wor­tungsvoll einen Platz einzunehmen, an dem ich aktiv etwas zu ein­er Entwick­lung in diese Rich­tung beitra­gen kann.

Ich denke, das ist ger­ade jet­zt die Haup­tauf­gabe für jeden von uns: Sicherzustellen, dass wir an der Stelle wirken, an der wir all unsere Erfahrun­gen ein­brin­gen kön­nen. Mit «Stelle» meine ich nicht nur diejenige in der Arbeitswelt. Ger­ade jet­zt in diesem Moment brauchen wir auch äusserst drin­gend ganz viel andere Dinge. Wir müssen die Gemein­schaft pfle­gen, men­schliche Nähe geben, zuhören und ein­fach nur da sein. Wir brauchen Kun­st, Musik und Schön­heit, die Freude am Leben brin­gen. Dies sind Dinge, welche wir im All­t­ag häu­fig vergessen. Aber sie sind umso wichtiger, vielle­icht noch wichtiger als die ver­ant­wor­tungsvollen Geld­flüsse, denn Geld kön­nen wir nicht essen. Es ist immer nur Mit­tel zum Zweck. 

Damit komme ich zu einem zweit­en Schritt, mit dem ich ganz per­sön­lich zu ein­er pos­i­tiv­en Entwick­lung beitra­gen kann. Ich glaube fest daran, dass in ein­er ver­ant­wor­tungsvollen Gesellschaft die Grundbedürfnisse von jed­er und jedem gedeckt sein müssen. Egal ob Kün­stler, Man­agerin, Lehrer, Ärztin oder Pfleger. Diese Basis für ein gutes Leben, die uns eine gewisse Frei­heit und Unab­hängigkeit ver­schafft, brauchen wir alle. Das bedin­gungslose Grun­deinkom­men ist noch nicht etabliert. Selb­stver­sor­gende Dör­fer und Städte gibt es noch immer sehr wenige. Daran müssen wir in den kom­menden Jahren arbeit­en. All jene, die im Moment mehr haben, als sie zum Leben brauchen kön­nen in ihrem direk­ten Umfeld per­sön­lich im Kleinen mit der Umset­zung starten und an Ini­tia­tiv­en wie «Togeth­er now» und «Mein Grun­deinkom­men» teil­nehmen. Wir kön­nen aber auch unser­er Coif­feuse, dem Yogalehrer oder auch anderen Dien­stleis­terin­nen und Dien­stleis­tern Gutscheine für zukün­ftige Leis­tun­gen abkaufen, oder noch bess­er, ihnen mehr bezahlen als son­st. Wir kön­nen ein Pro­jekt eines Musik­ers, eines Kün­stlers oder eines anderen Men­schen, eine Monatsmi­ete übernehmen oder ein Jahresabo für Bio­gemüse schenken. Mit dem Jahresabo tun wir übri­gens auch noch dem Bauern aus der Region etwas Gutes, der ja in den let­zten Wochen keine Möglichkeit­en hat­te, seine Waren auf dem Markt zu verkaufen. 

Die wichtig­ste Frage an mein Gegenüber ist derzeit bei jed­er Begeg­nung: «Was brauchst du?» Und das ist manch­mal etwas ganz anderes, als wir denken. Es ist wichtig, dass wir alle immer wieder diese Frage an die Men­schen, die unter dieser Krise noch mehr lei­den als wir, stellen.

Ich sel­ber unter­stütze mein direk­tes Umfeld, da ich das Gefühl habe, hier kann ich am meis­ten bewirken. Es gibt unendlich viele Gele­gen­heit­en etwas im Rah­men der eige­nen Möglichkeit­en zu bewe­gen.

Im Sinne des Buch­es von Rob Hobkins, dem Grün­der der Tran­si­tion Bewe­gung geht es darum jet­zt zu starten. Ein­fach. Jet­zt. Machen!

Wenn Geldflüsse unterbrochen werden: Führt der Coronavirus zu unfreiwilligem Geldfasten?

in Alternative/Fasten/Geld/Transformation/Weisheit

Natür­lich beschäftigt auch mich im Augen­blick der Coro­n­avirus. Span­nend, dass dies Ereig­nis zufäl­lig in diese Fas­ten­zeit fällt.

Die Mass­nah­men, mit welchen man die Entwick­lung in den Griff zu bekom­men ver­sucht, führen auf ganz unter­schiedliche Weise auch dazu, dass auf viele unter­schiedliche Dinge verzichtet wer­den muss. Frei­willig und unfrei­willig.

In der Schweiz wur­den so unter­schiedliche Dinge wie die Basler Fas­nacht und der Gen­fer Autos­a­lon sowie alle weit­eren Grossver­anstal­tun­gen mit über 1000 Teil­nehmenden bis min­destens 15. März ver- boten. 

Die NZZ sprach Ende Feb­ru­ar in dem Artikel «Coro­n­avirus weltweit, die neusten Entwick­lun­gen» von 2900 Todes­opfern weltweit, Ten­denz steigend. Ins­ge­samt sind mehr als 80.000 Per­so­n­en, verteilt auf mehr als 50 Län­der, erkrankt. Europa verze­ich­net bish­er 36 Tote (Stand 2. März 2020), davon 34 in Ital­ien, 2 in Frankre­ich. Die weit­ere Entwick­lung kön­nen wir täglich über die Medi­en unser­er Wahl ver­fol­gen.

Die Liefer­ket­ten in der Tech­nolo­gie- und Tex­til­branche, unsere geliebten Smart­phones und die neuesten Mod­ekollek­tio­nen, sind in Gefahr, so heisst es. Der Pro­duk­tion­sstopp in Chi­na in den let­zten Wochen bee­in­flusst unseren Kon­sum. Lange kön­nen die Maschi­nen nicht mehr still­ste­hen. Der Ein­fluss auf unsere Wirtschaft- und unser Geldsys­tem wird immer gröss­er und sicht­bar­er.

Ich bin keine pro­fes­sionelle Researcherin und mir ist auch bewusst, dass wir im Zeital­ter der Fake News leben, aber je mehr ich in das The­ma ein­tauche, desto präsen­ter wird die Frage, ob in dieser aktuellen Krise die Wirkung von Geld­flüssen (durch deren Aus­bleiben) ger­ade sicht­bar­er wird als son­st. Noch vor einem Moment war der Geld­fluss rel­a­tiv sta­bil. Nun ver­siegt er an ver­schiede­nen Orten gle­ichzeit­ig bei ganz unter­schiedlichen Per­so­n­en auf unter­schiedliche Weise.

Zur Erin­nerung:

Die Anzahl der weltweit hungern­den Men­schen beträgt 822 Mil­lio­nen Men­schen, dies sind 11% der Welt­bevölkerung. Diese Zahlen stam­men von der Web­seite der Welthunger­hil­fe. Die UNHCR spricht im Som­mer 2019 davon, dass zum ersten Mal mehr als 70 Mil­lio­nen Men­schen auf der Flucht sind. Sta­tis­tiken und Zahlen find­en sich zum Beispiel hier

Auch zu Krieg und Hunger kön­nten wir tage­sak­tuell alle Fak­ten über die unter­schiedlich­sten Quellen zusam­men­tra­gen. Wir tun es nicht, vielle­icht weil es uns nicht per­sön­lich bet­rifft.

Jed­er Men­sch ist wertvoll, jede der drei hier beschriebe­nen Sit­u­a­tio­nen, Krankheit, Hunger, Flucht, erfordert Mit­ge­fühl, Respekt, Acht­samkeit aber auch unser aktives Hin­schauen und angemessenes, zeit­na­h­es Han­deln.

Doch warum führt die Furcht vor ein­er Coro­na-Epi­demie, ähn­lich wie die SARS-Pan­demie 2002/2003 zu ein­er Änderung des Kaufver­hal­tens?

Men­schen deck­en sich mit Schutz­masken und lange halt­baren Lebens­mit­teln ein, ver­mei­den Reisen und ver­bi­eten Ver­anstal­tun­gen mit über 1000 Teil­nehmenden.  Über die Auswirkun­gen auf das Kaufver­hal­ten der Schweiz­er berichtet zum Beispiel die NZZ am 29.02.2020 in einem Artikel.

Wäre es hier angemessen von ein­er Art Geld­fas­ten zu sprechen, welche von aussen erzwun­gen wurde? Aber nein, Fas­ten ist etwas Frei­williges, also muss Geld­fas­ten auch auf frei­williger Basis geschehen.

Die Coro­na-Krise führt zu uner­warteten Umsatzsteigerun­gen in der Phar­main­dus­trie. Gesichts­masken sind ausverkauft, bei den Schmerzmit­teln wer­den die Vor­räte knapp. Es wird von Ham­sterkäufen berichtet, die durch aus­führliche Medi­en­berichter­stat­tung noch weit­er gefördert wird. Manche sprechen von bewusster Steuerung der Panik und des Kaufver­hal­tens. Soweit möchte ich nicht gehen. An dieser Stelle wird defin­i­tiv nicht gefastet. Das Kon­troll- und Schutzbedürf­nis des einzel­nen Men­schen schlägt durch. 

Die Frage bleibt jedoch: Warum han­deln wir als Gesellschaft, Behörde, Unternehmen oder auch einzelne Per­son ger­ade jet­zt so schnell und hof­fentlich auch wirkungsvoll, wenn wir Grossver­anstal­tun­gen und Reisetätigkeit­en über­denken. Warum tun wir genau dies in anderen Fällen nicht?

Hat es damit zu tun, dass wir für eine Eindäm­mung des Hungers auf der Welt und für die Lösung der Her­aus­forderun­gen, welche die Flüchtlingsströme uns aufzeigen unser eigenes Kon­sum- und Geld­ver­hal­ten zugun­sten ander­er ändern müssen, unser per­sön­lich­es Ver­hal­ten über­denken müssen, auf Geld verzicht­en müssen? Kann es sein, dass wir unser zum Teil hart erar­beit­etes Geld nur für uns und unser Wohl nutzen wollen und ein­fach nicht mehr teilen kön­nen?

Es gibt auch Beispiele, die genau das Gegen­teil zeigen. The Giv­ing Pledge machen es vor. Sie verpflicht­en sich, einen Teil ihres Ver­mö­gens zurück in den Fluss zu brin­gen. Es bleibt anzumerken, dass anschliessend weit­er­hin eine vielle­icht unvorstell­bar grosse Summe Geld im Besitz dieser Spender verbleibt. Aber zugegeben, sie brechen das Muster des ständi­gen Geld­sam­meln und Geld­hort­ens und ver­suchen ihr Geld sin­nvoll zurück in den Kreis­lauf zu brin­gen. Geld­fas­ten, im Sinne eines Verzichts Geld für sich sel­ber auszugeben, kann zu Geld­fülle an ander­er Stelle führen, wenn weise Geldentschei­dun­gen getrof­fen wer­den.

Auch bei dieser Art Entschei­dung ist es nicht immer leicht, das Richtige zu tun, denn es gibt kein entwed­er oder kein schwarz oder weiss.

Sit­u­a­tio­nen wie der Coro­n­avirus fordern uns auf, zu ler­nen und uns vor allen Din­gen uns mit unseren eige­nen Bedürfnis­sen und Äng­sten zu beschäfti­gen. Diese Sit­u­a­tio­nen fordern uns auf uns sel­ber zu schützen, ohne die anderen zu vergessen.

Im let­zten Blog habe ich mir die Frage gestellt, was ich mit dem Geld­be­trag mache, der beim Fas­ten entste­ht, da ich, wie bere­its im Blog erwäh­nt, in dieser Zeit so gut wie nichts aus­gebe.

Mir per­sön­lich – und dies ist mein ganz eigen­er Weg – zeigt die Auseinan­der­set­zung mit dem Coro­n­avirus, dass ich wieder mehr auf die in Vergessen­heit ger­ate­nen The­men schauen muss, darüber nach­denken muss, wie ich zu weniger Hunger, weniger Flüchtlingsströ­men in der Welt beitra­gen kann.

Auf den Coro­n­avirus bin ich durch mein Alter, meine priv­i­legierte Lebensweise, meinen gesun­den Kör­p­er und mein bewusstes Rei­sev­er­hal­ten gut vor­bere­it­et – hier gibt es derzeit für mich nichts zu tun, auss­er Mit­ge­fühl mit den einzel­nen Schick­salen zu zeigen und auch den pos­i­tiv­en Seit­en Beach­tung zu schenken. Denn diese gibt es tat­säch­lich auch.

Ein Artikel im Spiegel vom 1.März trägt den Titel «Coro­n­avirus führt in Chi­na zu Rück­gang der Luftver­schmutzung». Wenn die Verbesserung der Luft in den betrof­fe­nen Städten weit­er anhält, ist dies eine wirk­same Mass­nahme für das Kli­ma, ein Zeichen, was hof­fentlich von den Ver­ant­wortlichen weise inter­pretiert wird und vielle­icht dazu führen kön­nte, dass wir erken­nen, dass weniger Pro­duk­tion und Kon­sum mehr Leben­squal­ität bedeutet.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

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