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Melanie Gajowski

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Im Fluss der Worte und Gedanken

in Achtsamkeit/Mystik/Transformation/Weisheit

Beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. So wie ich mich im Gespräch mit Fre­un­den am Feuer oder beim Tee und auch beim gemein­samen Kochen regelmäs­sig in den unter­schiedlichen The­men­strän­gen und Sit­u­a­tio­nen ver­liere. Wir fol­gen gemein­sam in unseren Gesprächen diesem Gedanken, jen­em Impuls oder einem Gefühl und lan­den an ganz anderen Stellen, als wir zu Anfang erwartet haben.

Im Gespräch weben wir einen gemein­samen Tep­pich aus Gedanken und Gefühlen. Wir gehen miteinan­der in Beziehung. Wir zeigen uns. Wir tauschen uns aus. Wir ler­nen uns ken­nen. Wir ler­nen. voneinan­der und miteinan­der.

Schreiben ist für mich etwas, um die Zeit zwis­chen den Gesprächen und Begeg­nun­gen zu über­brück­en. Ich ver­suche meine Gedanken und Gefüh­le in einem Text zu erfassen, um jenen, mit denen ich gemein­sam auf dieser Reise des Ler­nens, des Lebens bin, mit Worten mitzuteilen, was mich bewegt. Das ist schwierig. Zum einen dro­ht beim Schreiben ständig die Gefahr, missver­standen zu wer­den. Zum anderen beste­ht Kom­mu­nika­tion nicht nur aus Worten. Es gehört so viel mehr dazu. 

In meinem Schreiben schwingt immer der Wun­sch mit, dass auch der Faden mein­er Worte, die Fäden der damit verknüpften Gedanken, an irgen­dein­er anderen Stelle weit­er­ver­woben wer­den. Ich muss gar nicht wis­sen, wie und wo. Was nützt es mir zu wis­sen, was da ger­ade an einem anderen Platz auf der Welt mit meinen Impulsen geschieht? Sie dür­fen sich weit­er­en­twick­eln, vielle­icht müssen sie dies sog­ar. Vielle­icht ist das Weit­er­en­twick­eln durch andere der eigentliche Sinn und Zweck davon, Gedanken in Worten festzuhal­ten. Denn ich habe ja mit meinen Gedanken, Gefühlen und Beobach­tun­gen nur ein ganz kleines Puz­zlestück der Wahrheit in mein­er Hand. Wer weiss schon, wo genau dieses Puz­zlestück hinge­hört, an welch­er Stelle es hil­ft, ein Bild entste­hen zu lassen, etwas sicht­bar wer­den zu lassen, miteinan­der in Beziehung zu gehen. 

Mit dem Schreiben gebe ich meine Wahrnehmung der Wahrheit in die Welt. Wenn wir alle unsere Sichtweisen, unsere indi­vidu­ellen Wahrheit­en miteinan­der verknüpfen, entste­ht Weisheit. So stelle ich mir das auf jeden Fall vor. Weisheit ist etwas, was nicht alleine entste­ht. Keine einzelne Per­son kann, ohne in Res­o­nanz mit anderen Men­schen und auch der Natur zu sein, Weisheit kreieren. Weisheit ist ein Pro­dukt zwis­chen­men­schlich­er Res­o­nanz. Sie entste­ht im Aus­tausch miteinan­der. Vielle­icht ist es sog­ar so, dass Weisheit etwas ist, dass wir nur in Beziehung mit anderen aushan­deln kön­nen. 

Wie gesagt, beim Schreiben kann ich mich ver­lieren. Und doch ist es kein wirk­lich­es Ver­lieren. Ich biege ab, folge einem Nebenpfad. Ich erforsche einen neuen Weg, den ich noch nicht kenne und irgend­wann kehre ich wieder zurück auf den Hauptweg. Unter­wegs habe ich neue Sichtweisen, neuen Gedanken und neue Wel­ten ent­deckt.

So stelle ich mir gutes Ler­nen vor. So stelle ich mir das Entste­hen von Weisheit vor. Weisheit, welche in der aktuellen Zeit so wichtig ist, um die Welt acht­sam und ver­ant­wor­tungsvoll zu gestal­ten.

Ler­nen bedeutet für mich, immer wieder die Neben­wege, neue Wege zu erforschen, zu erfühlen, um dann doch immer wieder auf den Pfad zurück­zukom­men, welch­er zum Ziel führt, das ich mir irgend­wann ein­mal bewusst oder unbe­wusst für dieses Leben geset­zt habe. Ein Ziel, welch­es wir alle auf ganz unter­schiedliche Art und Weise anstreben: Ein gutes Leben zu führen. Nur was genau ist gutes Leben?

Viele Erwach­sene haben das Gefühl, dass das Ler­nen been­det ist, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Viele begeben sich in einen Job und denken, nun sind sie fer­tig mit Ler­nen. Dabei sollte unser Ler­nen doch lebenslang andauern und nicht mit dem Ende irgen­dein­er Schule aufhören.

Im Leben geht es ums Erfahren und ums Ler­nen. Ich sel­ber habe ver­schiedene Aus­bil­dun­gen absolviert und diverse Hochschu­la­b­schlüsse erwor­ben. Ich habe Jobs angenom­men und war der Mei­n­ung: Jet­zt kann und weiss ich alles. Ich dachte, ich bin auf dem richti­gen Weg, weiss ich aber, dass dies Neben­wege waren, die mir ermöglicht­en, Wis­sen und Erfahrung zu sam­meln. Der eigentliche Unter­richt geschieht im All­t­ag, das eigentliche Ler­nen ist niemals zu Ende.

In den sozialen Medi­en sind Memes, eine Kom­bi­na­tion von Bild und Text, sehr ver­bre­it­et. Manche ver­wen­den Sprüche, die ich schon früher in Aus­bil­dun­gen gel­ernt und vor langer Zeit in Büch­ern gele­sen habe. Auf einen dieser Sprüche bin ich ger­ade heute wieder gestossen. Woher er genau kommt und was die Quelle ist, weiss ich nicht. Mich berührt er, wann immer er mir über den Weg läuft. Dieser Spruch lautet so:

Bedeu­ten­des spir­ituelles Wach­s­tum find­et nicht statt, wenn du am Medi­tieren oder auf dein­er Yoga­mat­te bist. Es find­et statt, wenn du dich in der Mitte eines Kon­flik­tes wiederfind­est. Es find­et in dem Moment statt, wo du wütend, ängstlich, trau­rig oder frus­tri­ert bist, in deine alten Muster fällst und das tust, was du schon immer getan hat. 
In dem Moment, in dem du real­isierst, dass du nicht genau so han­deln musst, wie du immer gehan­delt hast, in dem Moment in dem dir auf­fällt, dass du auch anders han­deln kannst, als du es bis jet­zt getan hast, in dem Moment tritt das Wach­s­tum ein.

Manche nen­nen diese Momente Erleuch­tung. Ich beschreibe es für mich so, dass ich in diesem Moment ein­fach von einem Nebenpfad wieder zurück auf meinen Weg komme und durch mein Ler­nen, meine ver­meintlichen Umwege, nun zusät­zliche Hand­lungsweisen gel­ernt habe und anwen­den kann.

Das Umfeld, in welch­es wir hineinge­boren wur­den, bes­timmt die Vorstel­lung vom guten Leben. Für sehr viele, und dies vergessen wir immer wieder, ist das Ziel ein­fach nur etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, den Kindern eine Aus­bil­dung zu ermöglichen, sich­er zu sein. Andere treibt die Vorstel­lung vom Bewahren oder auch Erweit­ern des eige­nen Besitzes an. Und für manche ist es der Kampf für Kli­ma und Umwelt, für den es sich einzuset­zen lohnt. Jede und jed­er von uns hat ein kleines Puz­zlestück der grossen Wahrheit. Jede und jed­er von uns hat hierzu eine eigene Sichtweise.

Was wäre, wenn wir uns alle bewusst wären, dass nie­mand die Wahrheit alleine besitzt und wir uns auf die Suche und auf den Weg begeben müssen, um diese Wahrheit­en zu ein­er Weisheit zusam­men­zufü­gen?

Vielle­icht wür­den wir eine neue Form von Schule und Unter­richt erfind­en. Eine Form, in der wir unser täglich­es Leben als die Lek­tio­nen anse­hen kön­nen. Eine Form, in welch­er wir gle­ichzeit­ig Ler­nende und Lehrende sind.

Das ist zu kom­pliziert, das wird nicht funk­tion­ieren, sagen mir viele. Es ist vielle­icht kom­plex, aber nicht wirk­lich kom­pliziert. Die Her­aus­forderung liegt darin, dass wir bewusst unsere Zeit damit ver­brin­gen, das Leben zu erfahren und zu begreifen, das Leben zu erspüren und zu erfassen. Wir müssen uns dazu entschei­den, miteinan­der zu ler­nen und zu forschen.

Wie ein­gangs gesagt, beim Schreiben ver­liere ich mich manch­mal. 

Heute habe ich mich in meinen Gedanken zu einem Leben als Schule ver­loren. In dieser Schule gibt es Raum für Kun­st und gemein­sames Musizieren, es gibt Fäch­er zur All­t­ags­gestal­tung und gesun­den Lebens­führung. Es gibt all das, was wir ger­ade brauchen, um das im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte «neue Nor­mal» zu gestal­ten und zu erfassen. Wie diese Fäch­er alle heis­sen? Keine Ahnung, denn ich kenne das neue Nor­mal noch nicht und weiss deshalb auch nicht, welche Fäch­er es wirk­lich dazu braucht. Jed­er und jede von uns kann ihr eigenes Wis­sen und die eige­nen Gedanken und Gefüh­le und auch sein Nichtwissen in diese Form des Ler­nens ein­brin­gen.

Im Fach «gesunde Wirtschaft» würde ich wohl mit den The­men­schw­er­punk­ten «Heil­same Beziehun­gen zum Geld» und «Suf­fizienz als Leben­skun­st» starten, ein­fach weil ich hier wahrschein­lich viel Wis­sen als Lehrerin ein­brin­gen kann, aber auch viel Nichtwissen als Schü­lerin habe. Eben­falls spielt mit, dass mich diese bei­den The­men ein­fach inter­essieren.

Mein Impuls ist, diesen doch etwas anderen Blog­post zu teilen und wer weiss, vielle­icht gibt es ja noch andere, die gemein­sam an dieser Schule, die Ele­mente der Begeg­nung, mit Ele­menten der virtuellen Unter­richtswelt verknüpfen soll, mitzuweben.

Im näch­sten Beitrag werde ich mich aus­führlich­er mit dem The­ma «Suf­fizienz als Leben­skun­st» beschäfti­gen und ich bin sel­ber ges­pan­nt, wohin mich dieses The­ma führen wird. Den Faden «Das Leben als Schule» lasse ich für den Moment los, und nehme ihn wieder auf, wenn er auf irgen­deinem Wege zu mir zurück­kommt.

Wie feiern wir in dieser Zeit das Wunder des Lebens und der Liebe?

in Achtsamkeit/Mystik/Natur/Transformation

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wird in vie­len Kul­turen das Wun­der des Lebens und der Liebe gefeiert. Beltane, der Som­mer­an­fang im irischen Kalen­der, Walpur­gis­nacht oder auch Tanz in den Mai, diese Nacht hat unter­schiedlich­ste Namen. Da sie in unser­er Region in einen arbeits­freien Tag, den 1. Mai, den Tag der Arbeit, überge­ht, find­en an vie­len Orten lange und aus­giebige Feste statt. 

Nicht in diesem Jahr. Da Ver­samm­lun­gen mit über fünf Per­so­n­en derzeit nicht erlaubt sind, brauchen wir eine andere Form, um die kom­mende Zeit zu begrüssen. Walpur­gis, die am 30. April in unter­schiedlichen Regio­nen geehrt wird, gilt übri­gens als Schutzheilige gegen Pest, Hus­ten und Toll­wut. 

Mit der let­zten Nacht im April begin­nt in der Land­wirtschaft die Zeit des Säens, des Wach­sens, die Zeit der Frucht­barkeit. Neben der Tra­di­tion des Feierns hat sich bis heute an vie­len Orten das Auf­stellen des Maibaums gehal­ten. 

Ob all die Geschicht­en um diese Rit­uale und Mythen wirk­lich wahr oder ob diese nur roman­tis­che Erfind­un­gen sind, ist wiederum eine Frage, bei der ich gerne zugebe, dass ich es nicht weiss und auch nicht wis­sen muss. Es sind schöne Geschicht­en und Rit­uale, die ich gerne als Impulse aufnehme. Sie bestäti­gen und unter­stre­ichen das, was wir in unseren Bre­it­en­graden in der Natur beobacht­en kön­nen. 

Hier am Walensee reg­net es seit zwei Tagen und den Pflanzen kann man beim Wach­sen zuse­hen. Die Bäume spriessen und das Leben begin­nt wieder. Das ist es wohl, worauf uns  die Bräuche und Rit­uale hin­weisen wollen, wenn wir vor lauter Geschäftigkeit vergessen, auf die Welt um uns herum zu acht­en. 

Vielle­icht ist es ein Zufall, vielle­icht auch nicht, dass nun nach dem Lock­down genau in dieser Zeit die Lockerun­gen begin­nen, Wirtschaft­sleben und eine Vielzahl von 1:1 Begeg­nun­gen wer­den wieder möglich. Auch hier: Ich muss nicht wis­sen, ob es Zufall ist oder nicht. Für mich ist wichtig, dass ich es wahrnehme, bemerke, was es mit mir macht und daraus meine Hand­lun­gen ableite. 

Mich ganz per­sön­lich bestärkt es darin, mich auf die Aspek­te der let­zten Wochen zu fokussieren, die mir ein Ler­nen ermöglicht­en und die mir Hin­weise darauf gaben, was ver­ant­wor­tungsvolles Leben und Wirtschaften bedeutet, was nun an weisem Han­deln notwendig und was von mir erwartet wird.

Viele Unternehmen, die noch im Jan­u­ar sehr zuver­sichtlich auf dieses Jahr geschaut und im soge­nan­nten «busi­ness as usu­al» weit­eres Wach­s­tum geplant haben, wis­sen nun nicht, ob sie dieses Jahr finanziell über­leben wer­den. Viele Men­schen, die noch im Jan­u­ar dacht­en, sie hät­ten einen sicheren Job, sind nun mit Arbeit­slosigkeit kon­fron­tiert.

Hin­ter all diesen Schick­salen ste­hen Men­schen. Wenn ich mich in diese hinein­ver­set­ze, werde ich trau­rig, denn ich weiss, dass ihnen eine Zeit bevorste­ht, in der vieles nicht ein­fach sein wird. Äng­ste und Fra­gen wer­den aufkom­men, zum Teil ganz prak­tis­ch­er Natur, wie zum Beispiel die Frage danach, wie die Miete, das Essen und die Aus­bil­dung der Kinder weit­er sichergestellt wer­den kön­nen. Hier­für braucht es Lösun­gen und hier sind wir alle gefragt. Es geht nicht nur um die Kon­sumenten, die Arbeit­nehmenden, die Arbeit­geben­den, die Lehrper­so­n­en und Ler­nende, auch nicht um die Poli­tik­er, die wir gerne aufrufen, unsere Prob­leme zu lösen. Kein einzelnes dieser Seg­mente auch die Kli­maschützer und die Mul­ti­mil­lionäre nicht, auch keine der Grup­pen, die ich noch gar nicht genan­nt habe, keine ist alleine ver­ant­wortlich oder kann das Prob­lem alleine lösen.

Wir alle, jede und jed­er von uns, sind auf gewisse Weise Teil des Prob­lems und Teil der Lösung. Das Schick­sal der Restau­rantbe­sitzerin oder des Geschäftsin­hab­ers, die mit guter Absicht bis vor kurzem Dinge verkauften, die wir eigentlich nicht braucht­en und doch gerne besitzen woll­ten, geht uns alle etwas an. Auch für jene Men­schen, deren Job davon abhing, dass wir reisen, shop­pen und all die anderen Dinge tun, welche diese Wirtschaft am Laufen gehal­ten haben, tra­gen wir eine Mitver­ant­wor­tung.

Wir haben diese aktuelle Gesellschaft auf dem Funk­tion­ieren ein­er Wach­s­tums­maschiner­ie aufge­baut, die nur weit­er­laufen kann, wenn wir ständig mehr und mehr pro­duzieren und kon­sum­ieren.

Mit Beginn der Fas­ten­zeit Ende Feb­ru­ar wurde die Wach­s­tums­maschiner­ie gestoppt. Voll­ständig. Die schein­bar logis­che Kon­se­quenz wäre nun, dass wir nach der Aufhe­bung des Lock­downs wieder damit weit­er machen, worin wir im Feb­ru­ar unsan­ft unter­brochen wor­den sind. Doch dann wür­den wir all das, was nun sicht­bar gewor­den ist, ignori­eren. Wir wür­den auss­er Acht lassen, dass ein Leben mit weniger Kon­sum genau­so möglich ist und bei­seiteschieben, dass es völ­lig aus­re­ichend ist, wenn vom Flughafen Zürich nur 28 Flugzeuge in der Woche in die Luft steigen und unsere Umwelt belas­ten. Wir wür­den ignori­eren, dass wir im Home­of­fice viele Dinge genau­so gut erledi­gen kön­nen, wie in einem Büro und darüber hin­wegse­hen, dass 9 von 10 Meet­ings, die wir in unserem Büros abge­hal­ten haben, gar nicht stat­tfind­en müssten oder zumin­d­est in ein­er viel kürz­eren und damit effizien­teren Art und Weise durchge­führt wer­den kön­nten.

Wer­den wir unberück­sichtigt lassen, dass wir ein Gesund­heitssys­tem aufge­baut haben, welch­es nicht in der Lage war, ohne diese mas­siv­en Ein­griffe in unser Leben, eine Not­fal­lver­sorgung von kranken Men­schen während ein­er Epi­demie aufrecht zu erhal­ten? Wer­den wir vergessen, dass es Fam­i­lien gibt, die ger­ade an den Rand ihrer Belast­barkeit kom­men dadurch, dass sie gle­ichzeit­ig Home­school­ing, ihren Job und auch noch die Paar­beziehung unter einen Hut bekom­men müssen, und dies an manchen Stellen auf sehr kleinem Raum? Wer­den wir uns am Ende des Lock­downs noch daran erin­nern, dass die Natur sich ger­ade schneller als erwartet erholt hat? Wir haben derzeit sauberere Flüsse und Meere, klarere Luft und weniger Lärm­beläs­ti­gung als son­st um diese Jahreszeit. 

Wer­den wir ignori­eren, dass wir unsere Eltern und Grossel­tern in den Pflege- und Alter­sheimen nicht mehr besuchen kon­nten und aus­blenden, wie sehr uns sel­ber die Umar­mungen, der Aus­tausch mit anderen Men­schen und das Leben ausser­halb unser­er eige­nen vier Wände gefehlt hat? Wer­den wir die Frei­heit, die wir zur Gestal­tung unser­er Zeit zurück­ge­won­nen haben, aufgeben und unseren Takt des Tages wieder durch die äusseren Zwänge bes­tim­men lassen?

Nun kön­nen wir das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben genau zu Beltane, zum Beginn der Som­merzeit, wieder langsam anlaufen lassen. Wir kön­nen das Leben, welch­es wir uns wün­schen, wieder begin­nen.

«You can nev­er unlearn», damit ist gemeint: «Was wir wis­sen, kön­nen wir nicht mehr ignori­eren». Dieser Spruch, der mich schon lange begleit­et, macht mir Hoff­nung, ruft mich dazu auf hinzuschauen und Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

In der Natur wird der Prozess des Wach­s­tums begleit­et vom ständi­gen Reg­ulieren und Anpassen an die vorhan­de­nen Ressourcen. Es müssen genü­gend Nährstoffe für alle Pflanzen und Tiere zur Ver­fü­gung ste­hen. Keine Art kann über die eige­nen Bedürfnisse hin­aus Ressourcen beanspruchen, son­st kommt es zu einem Ungle­ichgewicht.

Und was heisst das nun konkret für mich? Welche Schlüsse kann ich aus mein­er Analyse ziehen?

Zunächst ein­mal lerne ich wieder genauer hinzuschauen, Zeug­nis abzule­gen und die The­men zu benen­nen. Das Prob­lem zu erken­nen ist der Anfang jed­er Verän­derung.

Anschliessend gilt es, in kleinen Schrit­ten, wo immer es möglich ist, mit dem Han­deln zu begin­nen. Ich ganz per­sön­lich habe durch meine Aus­bil­dung, meine Erfahrung und meine Lei­den­schaft für ver­ant­wor­tungsvolle Geld­flüsse die Möglichkeit, das Finanzsys­tem mitzugestal­ten. Damit ist meine wichtig­ste Auf­gabe Geld­flüsse zu ermöglichen, die all unsere Erfahrun­gen in dieser Krise berück­sichti­gen. Es ist meine Auf­gabe mitzuwirken, dass eine Wirtschaft entste­ht, die uns alle befähigt, ein Leben in Ein­klang mit der Natur und den vorhan­de­nen Ressourcen zu führen. Ich habe noch keine Lösun­gen gefun­den, aber ich weiss, dass es meine Auf­gabe ist, an diesen Lösun­gen mitzuwirken,

Ganz konkret bedeutet dies für mich ver­ant­wor­tungsvoll einen Platz einzunehmen, an dem ich aktiv etwas zu ein­er Entwick­lung in diese Rich­tung beitra­gen kann.

Ich denke, das ist ger­ade jet­zt die Haup­tauf­gabe für jeden von uns: Sicherzustellen, dass wir an der Stelle wirken, an der wir all unsere Erfahrun­gen ein­brin­gen kön­nen. Mit «Stelle» meine ich nicht nur diejenige in der Arbeitswelt. Ger­ade jet­zt in diesem Moment brauchen wir auch äusserst drin­gend ganz viel andere Dinge. Wir müssen die Gemein­schaft pfle­gen, men­schliche Nähe geben, zuhören und ein­fach nur da sein. Wir brauchen Kun­st, Musik und Schön­heit, die Freude am Leben brin­gen. Dies sind Dinge, welche wir im All­t­ag häu­fig vergessen. Aber sie sind umso wichtiger, vielle­icht noch wichtiger als die ver­ant­wor­tungsvollen Geld­flüsse, denn Geld kön­nen wir nicht essen. Es ist immer nur Mit­tel zum Zweck. 

Damit komme ich zu einem zweit­en Schritt, mit dem ich ganz per­sön­lich zu ein­er pos­i­tiv­en Entwick­lung beitra­gen kann. Ich glaube fest daran, dass in ein­er ver­ant­wor­tungsvollen Gesellschaft die Grundbedürfnisse von jed­er und jedem gedeckt sein müssen. Egal ob Kün­stler, Man­agerin, Lehrer, Ärztin oder Pfleger. Diese Basis für ein gutes Leben, die uns eine gewisse Frei­heit und Unab­hängigkeit ver­schafft, brauchen wir alle. Das bedin­gungslose Grun­deinkom­men ist noch nicht etabliert. Selb­stver­sor­gende Dör­fer und Städte gibt es noch immer sehr wenige. Daran müssen wir in den kom­menden Jahren arbeit­en. All jene, die im Moment mehr haben, als sie zum Leben brauchen kön­nen in ihrem direk­ten Umfeld per­sön­lich im Kleinen mit der Umset­zung starten und an Ini­tia­tiv­en wie «Togeth­er now» und «Mein Grun­deinkom­men» teil­nehmen. Wir kön­nen aber auch unser­er Coif­feuse, dem Yogalehrer oder auch anderen Dien­stleis­terin­nen und Dien­stleis­tern Gutscheine für zukün­ftige Leis­tun­gen abkaufen, oder noch bess­er, ihnen mehr bezahlen als son­st. Wir kön­nen ein Pro­jekt eines Musik­ers, eines Kün­stlers oder eines anderen Men­schen, eine Monatsmi­ete übernehmen oder ein Jahresabo für Bio­gemüse schenken. Mit dem Jahresabo tun wir übri­gens auch noch dem Bauern aus der Region etwas Gutes, der ja in den let­zten Wochen keine Möglichkeit­en hat­te, seine Waren auf dem Markt zu verkaufen. 

Die wichtig­ste Frage an mein Gegenüber ist derzeit bei jed­er Begeg­nung: «Was brauchst du?» Und das ist manch­mal etwas ganz anderes, als wir denken. Es ist wichtig, dass wir alle immer wieder diese Frage an die Men­schen, die unter dieser Krise noch mehr lei­den als wir, stellen.

Ich sel­ber unter­stütze mein direk­tes Umfeld, da ich das Gefühl habe, hier kann ich am meis­ten bewirken. Es gibt unendlich viele Gele­gen­heit­en etwas im Rah­men der eige­nen Möglichkeit­en zu bewe­gen.

Im Sinne des Buch­es von Rob Hobkins, dem Grün­der der Tran­si­tion Bewe­gung geht es darum jet­zt zu starten. Ein­fach. Jet­zt. Machen!

Was genau ist denn bitte nun normal?

in Mystik/Quinten/Weisheit

Ich sitze in Quin­ten auf der Ter­rasse und beobachte die Natur um mich herum. Heute Nacht hat es endlich gereg­net und die Bäume und Sträuch­er nutzen dies, um in einen Wach­s­tumss­chub zu gehen. Die Feigen sind schon fast baum­nuss­gross und an den Reben spriessen bere­its die Blüten­stände. 

„Das ist doch nicht nor­mal!“ denke ich, „Das ist doch viel zu früh!“ und „Hof­fentlich kommt nicht noch Frost!“ sind die weit­eren Gedanken, die in mein Bewusst­sein treten.

Als näch­stes nimmt sich die Frage, die ich mir sel­ber und vie­len anderen ger­ade immer wieder stelle, laut und unüberse­hbar ihren Raum:

Was genau ist denn bitte nun nor­mal?


Wie im let­zten Blog­beitrag ver­sprochen, ver­webe ich die Fäden von Nichtwissen und Suf­fizienz in den kom­menden Wochen in meine Beiträge. Manch­mal wer­den diese dem Beitrag eine deut­liche Fär­bung geben, manch­mal wer­den sie als leise Musik im Hin­ter­grund einen Klangtep­pich leg­en.

Ich habe in der NZZ vom 19. April 2020 ein Inter­view mit der Virolo­gin Karin Mölling gele­sen. Die Über­schrift dieses Artikels lautet:

«Woher wis­sen denn allein Virolo­gen, was richtig ist? Wir wis­sen vieles nicht. Lei­der»

Es entspan­nt mich sehr, das Nichtwissen über­all um mich herum zu erleben. Dies scheint ein Wider­spruch in sich zu sein. Nichtwissen und Entspan­nung – ist dies über­haupt miteinan­der vere­in­bar?

Wollen wir nicht eigentlich alles wis­sen? Wollen wir nicht immer alles ver­ste­hen und anschliessend auch noch voll­ständig kon­trol­lieren? Wer denkt nicht sel­ber oft: „Ich muss dies oder jenes unbe­d­ingt ver­ste­hen, son­st bin ich nicht hand­lungs­fähig“. 

Die let­zten Wochen haben mich gelehrt, wie entspan­nend das Nichtwissen ist, wenn es benan­nt ist und wenn ich es als eine Art Naturge­setz für mein Leben akzep­tiere. Mir wird immer deut­lich­er, ich kann nur Wahrschein­lichkeit­en abschätzen und Hypothe­sen auf­stellen, für all das, was in meinem Leben und in der Welt in Zukun­ft passieren wird. Ein defin­i­tives Wis­sen habe ich nur über die Dinge, die in mein­er Ver­gan­gen­heit passiert sind. Aber auch hier gilt, dass wir unseren Erin­nerun­gen nicht immer glauben schenken kön­nen. 

Ein wichtiger Aspekt dessen, was von nun an für mich nor­mal sein wird, ist, dass ich in vie­len Bere­ichen meines Lebens den Fak­tor Nichtwissen mit­berück­sichti­gen muss, wenn ich die Zusam­men­hänge wirk­lich ver­ste­hen möchte.

Um beim Ein­gangs­beispiel des Feigen­baumes und des Weins zu bleiben, auch wenn es mir so vorkommt, in Wirk­lich­heit und Wahrheit habe ich keine Ahnung, ob sie nun zu früh in Blatt und Blüte ste­hen. Sie haben ein­fach auf das reagiert, was die äusseren Bedin­gun­gen ihnen anbi­eten. Im Herb­st wis­sen wir mehr.

Auch die Philoso­phie, welche hin­ter dem Begriff Suf­fizienz und hin­ter der Suf­fizien­zpoli­tik ste­ht, scheint mir sehr hil­fre­ich zu sein, um eine ganz eigene „neue Nor­mal­ität“ zu find­en und zu erforschen. Die Fra­gen „Was ist genug?“ und „Was sind meine Grundbedürfnisse?“ sind dazu zwei wun­der­bare Leit­planken.

Übri­gens, der im let­zten Blog­beitrag erwäh­nte Satz auf den Anzeigen der SBB Tafeln hat inzwis­chen einen neuen Wort­laut. Neu lautet der Text nun: «Der Verkehr wurde auf ein Grun­dan­ge­bot reduziert“. Vorher lautete der Text: „Der Verkehr wird schrit­tweise auf ein Grun­dan­ge­bot reduziert “. In diesem Bere­ich kann jede und jed­er in der Schweiz ger­ade prüfen, wie gut er und sie mit dem, was die SBB als Grundbe­darf definiert hat, leben kann.

Für mich bedeutet diese aktuelle Anpas­sung auf meinen zwei wichtig­sten Streck­en ganz Unter­schiedlich­es. Auf der einen Strecke wird mir ein 30-minütiger Spazier­gang durch den Wald ermöglicht, denn die Hal­testelle, welche ich bish­er benutzt haben, gilt als touris­tis­che Erschlies­sung und wird derzeit nicht bedi­ent.

Für die zweite Strecke muss ich nun unter­wegs 30 Minuten Zwis­chenaufen­thalt einkalkulieren, da der bish­erige Anschlusszug nun sehr knapp, laut Fahrplan gar nicht erre­ich­bar ist.

Im Aus­tausch dafür kann ich in angenehm leeren Zügen reisen und habe über­raschen­der­weise wieder mehr Kon­takt und Gespräche mit Mitreisenden – natür­lich unter Wahrung des notwendi­gen Abstandes.

Und was ver­liere ich? Manch ein­er oder eine würde nun sagen, dass ich 30 Minuten ver­liere. 

Bei der ersten Strecke ist dies mit Sicher­heit nicht der Fall, denn der Weg nach Hause durch den Wald ist derzeit bei diesem Wet­ter und in dieser Jahreszeit ein Gewinn, ein Geschenk. Und wenn es dann irgend­wann wieder reg­net oder gar stürmt? Wer weiss, ob dann der Fahrplan immer noch der gle­iche ist. Die SBB schreibt auf ihrer Web­seite: „Nach der Ankündi­gung des Bun­desrates zur Lockerung der Coro­na-Mass­nah­men wird ab dem 27. April auch der Bahn­be­trieb schrit­tweise zurück zum reg­ulären Fahrplan geführt.“ Also geniesse ich es, solange es anders nicht möglich ist, um dann in fern­er Zukun­ft nur noch bei wirk­lich schlechtem Wet­ter oder Dunkel­heit bis zur woh­nungsna­hen Sta­tion weit­er zu fahren, denn wer hin­dert mich daran, die lieb gewonnene Ange­wohn­heit eines 30-minüti­gen Spazier­gangs auch nach Wiedere­in­führung des reg­ulären Fahrplans beizube­hal­ten? Das einzige, was mich stop­pen kön­nte, wäre meine ganz per­sön­liche Bequem­lichkeit oder dann meine Unacht­samkeit, wenn ich es ver­passe, eine Hal­testelle vor der End­sta­tion auszusteigen.

Zumin­d­est bei der zweit­en Strecke stimmt es auf den ersten Blick, dass ich Zeit ver­liere. Nun ja, ich brauche eine halbe Stunde länger, aber die Zeit ist ja nicht ver­loren.

Es ist ein offenes Geheim­nis: Zeit kön­nen wir gar nicht ver­lieren.  Wir haben an jedem Tag gle­ichviel Zeit: 24 Stun­den = 1‘440 Minuten = 86‘400 Sekun­den. Diese 86‘400 Sekun­den sind während unseres gesamten Lebens täglich aufs Neue da. Ein Ver­lieren ist nicht möglich. 

Das, was passieren kann und auch sehr regelmäs­sig passiert, ist, dass wir Zeit mit etwas ver­brin­gen, was wir in dem Moment gar nicht tun soll­ten oder woll­ten. Wir lassen uns ablenken, wir tun etwas, wozu wir eigentlich gar keine Lust haben. Dafür kön­nen wir nie­mand anderem die Schuld geben. Es ist unsere ure­igene Entschei­dung, was wir in jed­er einzel­nen Sekunde tun. Nie­mand zwingt uns zu irgend­was. Wir sel­ber entschei­den. Es gehören zu jedem Tag auch Dinge, die wir vielle­icht nicht so gerne tun. Diese Dinge ken­nt jed­er und jede von uns. Und doch entschei­den wir uns aus den unter­schiedlich­sten Grün­den sie zu tun.

Zum Beispiel entschei­den wir uns, die Zim­mer zu putzen oder den Müll hin­auszubrin­gen, weil wir gerne in ein­er sauberen Woh­nung wohnen. Wir gehen ins Büro, in die Werk­statt oder ins Ate­lier, weil wir uns dazu entsch­ieden haben, eine bes­timmte Tätigkeit zu ver­richt­en. In all diesen Fällen kön­nten wir uns auch anders entschei­den. Wir müssen ein­fach nur mit den Kon­se­quen­zen der Entschei­dun­gen leben, unseren Lebensstil anpassen oder unsere Leben­sträume hin­ter­fra­gen. Dies ist zugegeben­er­massen nicht immer ganz ein­fach, und doch ist es möglich und auch mach­bar.

Nun, da ich weiss, dass ich eine halbe Stunde Zeit auf einem Bahn­hof mit­ten im Nir­gend­wo ein­pla­nen muss, darf ich mir die Frage stellen: „Wie möchte ich diese Zeit ver­brin­gen?“ Denn diese Zeit ist nicht ver­loren, son­dern sie möchte gestal­tet wer­den. Meine Kreativ­ität ist gefragt. Manch­mal nutzte ich diese gewonnene halbe Stunde zum Lesen, manch­mal nutze ich die Zeit, um Ideen für meinen Blog zu entwick­eln und manch­mal beobachte ich ein­fach, wie der Fluss fliesst.

In diesem Zusam­men­hang noch zwei Dinge:  Zum einen rechne ich sel­ber für mich nicht in Sekun­den und wenn ich meinen Tag frei gestal­ten kann, rechne ich noch nicht ein­mal in Stun­den. Ich folge dem Fluss der Dinge, die ich tun mag und die ger­ade zu tun sind. Und irgend­wie sind am Abend in der Regel all die wirk­lich wichti­gen Dinge erledigt. Da ger­ade im Aussen so viele Dinge weg­fall­en, mit welchen ich mich noch vor einiger Zeit beschäftigt habe, geschieht dies noch viel häu­figer als son­st. Dies ist ein weit­eres wun­der­bares Geschenk.

Und zum anderen, und auch hier ver­rate ich kein Geheim­nis: Zeit kön­nen wir nicht auf­s­paren. Alles, was auf meinem per­sön­lichen Zeitkon­to für heute zur Ver­fü­gung ste­ht, kann ich nur heute abbuchen.

Wenn ich mir etwas für unsere neue Nor­mal­ität wün­schen darf, ist es, dass wir uns des Geschenks der Zeit bewusst­wer­den, und uns deren Vergänglichkeit bewusst vor Augen führen.

Was wäre, wenn wir alle den Zeit­punkt unseres Todes ken­nen wür­den? Der bel­gis­che Film «Das brand­neue Tes­ta­ment» aus dem Jahr 2015 nimmt diese Idee auf. Vor ein paar Tagen habe ich ihn mal wieder angeschaut. Eine span­nen­des Gedanken­ex­per­i­ment, welch­es uns auf nach­den­klich-komis­che Weise mit unser­er Endlichkeit kon­fron­tiert. Welche der Dinge, die uns noch zu Beginn dieses Jahres als nor­mal erschienen, wür­den wir weit­er­ma­chen? Welche sofort been­den?

Die let­zten Wochen haben vie­len von uns deut­lich gemacht, dass ein entschle­u­nigter Lebensstil Raum zum Nach­denken lässt, darüber was wir wirk­lich brauchen und was der Natur und unser­er Umwelt gut­tut. 

Wir haben die Frei­heit, aus den ver­gan­genen Wochen zu ler­nen. Das Ler­nen wird für jede und jeden von uns ein unter­schiedlich­es sein. Und das ist auch wichtig und gut. Das einzige, was uns vom Ler­nen abhal­ten kann, sind wir sel­ber.

Damit bin ich nun wieder am Anfang des Blo­gein­trags angekom­men. Ich bin zurück zu der Frage: 

Was genau ist denn bitte nun nor­mal?


Nor­mal ist wohl jedes Mal etwas anderes. Es ist das, was am besten zur Sit­u­a­tion passt, in welch­er ich mich ger­ade befinde. Die Natur macht es vor. Die äusseren Umstände, ins­beson­dere die aktuelle Wärme lässt sie früher ins Wach­s­tum gehen, als ich es ver­mutet hätte. Ob dies richtig oder falsch war, wis­sen wir noch nicht. Erst wenn wir im Jahreskreis weit­er sind, wer­den wir wis­sen, ob es nochmals kalt gewor­den ist, ob die zarten Sprossen den Früh­ling, in dem wir uns jet­zt ger­ade befind­en, über­standen haben. 


«Erst wenn wir im Jahreskreis weit­er sind, wer­den wir wis­sen…», dieser Satz lässt sich auch auf die Verän­derun­gen durch die Coro­n­akrise anwen­den: Ob die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen auf Natur und Kli­ma und zum Teil auch auf unseren Lebensstil sich weit­er fes­ti­gen lassen, wer­den wir erst mit einem gewis­sen Abstand fest­stellen.

Im Gegen­satz zu den Abläufen in der Natur haben wir hier aber die Möglichkeit, den Lauf der Dinge zu bee­in­flussen und eine neue, lebenswerte und ver­ant­wor­tungsvolle Nor­mal­ität zu erschaf­fen.

Jeder Abschluss ist gleichzeitig ein Beginn

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Quinten

Am Oster­son­ntag um 10 Uhr haben am Walensee in allen Dör­fern die Kirchen­glock­en geläutet. Die weni­gen Schiffe auf dem See standen über­wiegend still und schienen, genau wie ich, ein­fach für 15 Minuten innezuhal­ten und zu lauschen. Still­stand. 

Diese 15 Minuten hat­ten für mich etwas Heiliges. Ein gross­es Geschenk und irgend­wie habe ich das Gefühl gehabt, es fühlt sich an wie ein Ver­sprechen. Ein Ver­sprechen von mir an mich sel­ber. Und der Abschluss dieser Fas­ten­zeit.

Ostern hat in den unter­schiedlich­sten Kul­turen die unter­schiedlich­sten Bedeu­tun­gen. Die Essenz dieses Festes ist für mich das Wis­sen um den Neube­ginn. Ob nun aus der christlichen Tra­di­tion her­aus oder aus ein­er anderen betra­chtet, immer geht es um den Neube­ginn. Um die Möglichkeit nach ein­er Phase, die her­aus­fordernd war, zu wach­sen. In der christlichen Tra­di­tion feiern wir die Aufer­ste­hung. Im Jahreskreis ist es die Rück­kehr des Früh­lings, des Wach­s­tums, der zur Fülle führt.

Der Abschluss dieser Fas­ten­zeit 2020 ist für mich etwas beson­deres. Da sich im Leben jedes einzel­nen Men­schen, den ich kenne, in den let­zten 40 Tagen so viel verän­dert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass es für mich ein Zurück in die alten, nicht immer förder­lichen Ver­hal­tensweisen geben kann. Diese Fas­ten­zeit war so ein­drück­lich, auf so vie­len Ebe­nen ein­schnei­dend, da kann es für mich gar kein Zurück zum Nor­malzu­s­tand geben. Mal abge­se­hen davon, dass ich wed­er das Leben, welch­es wir als Gesellschaft in den let­zten Jahren geführt haben, für nor­mal halte noch, dass ich wirk­lich dor­thin zurück möchte. In meinem Umfeld höre ich keine Stim­men, die sagen: „Ich will dahin zurück, woher ich komme“. Vielmehr höre ich von den unter­schiedlich­sten Seit­en: „Nun habe ich wieder Zeit für die Dinge und Men­schen, die mir wirk­lich wichtig sind.“ Und viele bemerken auch, wie gut es tut, innezuhal­ten und sich auf das Wesentliche zu besin­nen. 

Viele sehen sich in ihrem pri­vat­en Umfeld mit grossen Her­aus­forderun­gen kon­fron­tiert, seien es kranke Fam­i­lien­ange­hörige oder Fre­unde, sei es die Ungewis­sheit, wie sich das Leben weit­er­en­twick­eln wird. Ich erlebe viel Unter­stützung und Kreativ­ität, erlebe, wie Men­schen wieder begin­nen einan­der zu fra­gen, was sie ger­ade brauchen. Ich beobachte, wie wir zurück­ge­wor­fen wer­den auf unsere unmit­tel­bare Gegen­wart, auf das, was direkt um uns herum geschieht. Viele kochen wieder mehr. Sie back­en ihr Brot wieder sel­ber. Statt zum Super­markt gehen sie zum Bio-Bauern. Sie denken und han­deln wieder lokal und region­al. Viele acht­en wieder mehr auf die Gesund­heit.

Mein­rad hat in der Kar­woche zu ver­schiede­nen The­men in seinen Beiträ­gen Stel­lung genom­men. Dies nehme ich zum Anlass diese The­men auch nochmals für mich zu reflek­tieren, um damit diese inten­sive, uner­wartet ver­laufende und doch auf so ganz ver­schiede­nen Ebe­nen nährende Fas­ten­zeit sowie mein Schreiben im Kon­text von „Fas­ten-Nach­haltig 2020“ abzuschliessen.

Wie schon gesagt, werde ich auf meinem Blog See­len­BilderGeschicht­en weit­er­schreiben, jedoch das The­ma Geld und Fas­ten als roten Faden fall­en lassen und mich mehr dem The­ma, des Nichtwissens, dass ich hier kurz behan­delt habe, wid­men. Wie kann die Chance zum Umdenken, für den Beginn ein­er neuen ver­ant­wor­tungsvollen Art zu leben, genützt wer­den? Was bringt die aktuelle Entwick­lung, was brin­gen die Mass­nah­men rund um Coro­na mit sich, diesen Fra­gen möchte ich in Zukun­ft ver­tieft nachge­hen. 

Auf den Anzeigetafeln der SBB war in den let­zten Tagen immer wieder zu lesen: „Wir passen unser Ange­bot der Grund­ver­sorgung an“. Jedes Mal, wenn ich diesen Satz sehe halte ich inne. Wie oft in den let­zten Jahren habe ich mir gewün­scht, dass die Suf­fizienz ihren angemesse­nen Ort in unserem Leben bekommt. Wir haben längst mehr als genug, um allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Nur lei­der ist all das, was es dazu braucht, an vie­len Stellen ungerecht verteilt. Ein paar wenige haben von allem viel zu viel, einige haben genug und viele, viele andere haben viel zu wenig. Eine Welt, in der für uns alle, wirk­lich alle, die Grund­ver­sorgung gesichert ist, das ist etwas, wofür ich schon seit Jahren wirke und webe. Dieses Ziel erscheint nun ganz plöt­zlich viel real­is­tis­ch­er und mach­bar­er als noch vor weni­gen Wochen.

Mit Beginn dieser Fas­ten­zeit, begann auch die Phase, in der die Mass­nah­men rund um Coro­na unser aller Leben bes­tim­men. Wir verzichteten auf vieles, was wir bish­er für selb­stver­ständlich gehal­ten haben. Viele Dinge in meinem Leben habe ich weit über meine Grundbedürfnisse hin­aus genutzt. Nur in der Fas­ten­zeit, wenn ich bewusst Verzicht übe, bemerke ich, dass ich mir von vielem unacht­sam mehr nehme, als ich wirk­lich brauche. Lei­der wird mir nur in dieser Phase des  Fas­tens richtig bewusst, wie sehr auch ich, die sich sel­ber für recht nach­haltig und ver­ant­wor­tungsvoll hält, über meine Ver­hält­nisse lebe, was zu Las­ten ander­er geht.

Indem ich nun die Brücke zu jenen Beiträ­gen, welche Mein­rad in dieser Woche ver­fasst hat, schlage, schliesse ich diese Fas­ten­zeit für mich ab.

Palm­son­ntag – das Leben ist hart

In seinem Beitrag „das Leben ist hart“ spricht Mein­rad davon, dass wir das Lei­den brauchen, um zu ler­nen. Die schwieri­gen Phasen im Leben sind jene, die uns wach­sen lassen. Am 5. April, dem Erstel­lungs­da­tums dieses Beitrags, begann die Kar­woche, welche in der christlichen Tra­di­tion dem Lei­densweg Christi gewid­met ist, eine Woche, die sich wie keine andere im Kirchen­jahr mit dem Lei­den beschäftigt. 

Schon mehrfach habe ich in Blog­beiträ­gen meine Vor­liebe für ver­meintlich alt­modis­che, zum Teil aus unserem täglichen Wortschatz ver­schwun­dene Begriffe gezeigt. Beim Lei­den fällt mir immer wieder das Wort Hingabe ein. Im Englis­chen gibt es den Begriff „Sur­ren­der“, der aus mein­er Sicht noch passender ist. Ich stelle mirin solchen Momenten vor, wie ich mich der Sit­u­a­tion hingebe statt zu lei­den, mit ihr fliesse, so wie das Wass­er im Bach sich seinen Weg sucht. Ich hadere nicht mit der Sit­u­a­tion, ich schaue, was sie mich lehren will. Für mich ist das Leben wed­er hart noch weich. Ich kann es mir schw­er oder ein­fach machen, durch die Art, in welch­er ich mit bes­timmten Sit­u­a­tio­nen umge­he. Manch­mal ist ein­fach­es Ler­nen ange­sagt, manch­mal braucht es die Her­aus­forderung. In diesem Sinne ist das Lei­den für mich eine wichtige Kom­po­nente mein­er Weit­er­en­twick­lung.

Ein­stieg in die Kar­woche — „Ich bin nicht so wichtig“

„Ich bin nicht so wichtig“ ist Mein­rads zweit­er Beitrag dieser Kar­woche. Schon bevor ich ihn lese, denke ich: welch weise Worte. Wichtig ist aus mein­er Sicht, zu wis­sen, wer ich bin, zu wis­sen, was meine Bedürfnisse sind. Und diese Bedürfnisse dür­fen wichtig genom­men wer­den. Vor allen Din­gen sollen wir sie aber in den Kon­text der Bedürfnisse aller anderen Wesen und der Natur set­zen. Wenn wir alle gle­ich wichtig sind, entste­ht Bal­ance, entste­ht die Magie des guten Lebens.

Grün­don­ner­stag – Mein Leben dreht sich nicht um mich

Wir, und damit auch unsere Blog­beiträge, näh­ern uns Ostern, dem Ende und dem Anfang. Ein leicht­es Bedauern schwingt mit in diesem Wis­sen, dass diese gemein­same Fas­ten­reise nun bald zu Ende ist. So wie Mein­rad die Erzäh­lung der Fuss­waschung bewegt, so hat sie auch mir immer wieder Impulse gegeben und mich an meinen Grun­dauf­trag im Leben, von und mit dem ganzen Herzen zu dienen, erin­nert. Mein­er Mei­n­ung nach dreht sich unser Leben ums Dienen. Wieder ein altertüm­lich­es Wort, eine alt­modis­che Tugend, ein alter Wert, aber noch immer vor allem eine wun­der­schöne Geste. Dem Leben zu dienen heisst zu wis­sen, dass alles miteinan­der ver­bun­den ist. Nie­mand von uns ist bess­er oder schlechter. Keine ist höher gestellt oder von niederem Rang. Wir sind alle gle­ich. Und drehen uns im besten Fall im Tanz namens Leben rhyth­misch miteinan­der und umeinan­der.

Kar­fre­itag – ich werde ster­ben

Vor der Aufer­ste­hung ste­ht natür­lich noch der Tod, das Ster­ben.

Mir scheint, wir haben den Tod aus dem Leben ver­ban­nt. Im Jahr 2017 habe ich einen guten Fre­und, unge­fähr gle­ichalt wie ich, durch die Krankheit in den Tod begleit­en dür­fen. Es fühlt sich immer noch an, als wäre er viel zu früh gestor­ben. Es bleibt die Frage des «Warum er?» und «Warum jet­zt?». Gle­ichzeit­ig war es für uns alle, die wir an diesem Prozess Teil hat­ten, die Möglichkeit, den Tod und das Ster­ben zu the­ma­tisieren, zu benen­nen, die Möglichkeit, uns unsere eige­nen Äng­ste und unsere Beziehung zum Tod anzuschauen. Im Tod liegt auch Heilung. So war es zumin­d­est für mich. 

Mein­rad schreibt in diesem Beitrag über die Fol­gen, die unsere Todesvergessen­heit für die aktuelle Gesellschaft hat. Ich gehe sog­ar noch einen Schritt weit­er. Mein Gefühl ist, dass wir den Tod aus dem Leben ver­drän­gen woll­ten. Das geht nicht – er gehört zu uns! Und dies seit unser­er Geburt. 

Coro­na hat den Tod zurück ins Leben gebracht. In das der einzel­nen Men­schen, die direkt betrof­fen sind, schmerzhaft und lei­d­voll. Aber auch für jene, die keine per­sön­lichen Krankheits­fälle in ihrem Umfeld miter­leben müssen, ist der Tod wieder präsent. Wir erin­nern uns an unsere eigene Sterblichkeit und an die Ver­let­zlichkeit.

Wer ein wenig mehr Zeit mit dem Tod ver­brin­gen möchte, dem seien als Ein­stieg die «Fünf Phasen des Ster­bens» von Elis­a­beth Kübler-Ross ans Herz gelegt. Auch Ver­gle­iche mit der Coro­na-Krise sind in diesem Zusam­men­hang erlaubt.

Karsam­stag – ich habe nicht die Kon­trolle

Ja, ich glaube, eine der wichtig­sten Erken­nt­nisse im Leben ist genau dies: Wir müssen dem Leben ver­trauen, denn wir haben keine Kon­trolle. Dies wird uns in so vie­len Sit­u­a­tio­nen immer wieder aufgezeigt. «Und erstens kommt es anders und zweit­ens als man denkt» soll schon Wil­helm Busch gesagt haben. Was mir der Karsam­stag und diese gesamte Woche vor allen Din­gen zeigte, war, wie wichtig Ver­trauen in unserem Leben ist. Ver­trauen schenken, Ver­trauen geschenkt bekom­men, und natür­lich auch der acht­same Umgang mit diesem Geschenk. Kon­trolle aufgeben und Ver­trauen schenken scheinen mir zwei der Schlüs­selfähigkeit­en, die uns die Geschichte von Jesus und auch die Geschichte unseres eige­nen Lebens lehren.

Ostern – Leben ist mehr als Über­leben

Wir sind am Ende angekom­men, also wieder am Anfang. Wie ein­gangs gesagt, feiern wir mit Ostern das Wis­sen um den Neube­ginn. Der Kreis­lauf startet erneut. Es ist beruhi­gend zu wis­sen, dass wir immer wieder entschei­den kön­nen, neu zu begin­nen. Es ist beruhi­gend zu wis­sen, dass wir uns immer wieder für das Leben entschei­den kön­nen. 

Ostern 2020 mit all den uner­warteten Ein­schränkun­gen und Impulsen, unser Leben zu hin­ter­fra­gen, gibt uns die Möglichkeit darüber nachzu­denken, was Leben für uns bedeutet. Es gibt uns die Möglichkeit, darüber nachzu­denken, was für uns ganz per­sön­lich der Unter­schied zwis­chen Leben und Über­leben sein mag.

Ich wün­sche uns allen ein Leben in Verbindung mit allem und allen. Ein Leben in welchem wir die Bedürfnisse der Natur und ander­er Men­schen genau­so wichtig nehmen und respek­tieren, wie unsere eige­nen.

Ein Leben, das mehr ist als nur zu über­leben.

Diese Fas­ten­zeit, die ich hier­mit beende, hat mir uner­wartet viel geschenkt und mich durch eine viel inten­si­vere Zeit des Verzichts geschickt, als ich erwartet habe. 

Ich bin zurück auf meine Grundbedürfnisse gewor­fen und bemerke, wie gut es mir tut, all den Bal­last hin­ter mir zu lassen. Ich freue mich auf die Phase, die nun begin­nt, auch wenn ich jet­zt noch keine Ahnung habe, was da alles auf uns zukommt. 

Danke an alle, die mich durch diese Wochen begleit­et haben und im Voraus her­zlichen Dank an alle, die nun die Zukun­ft, welche uns erwartet, aus der Gegen­wart her­aus, acht­sam, respek­tvoll, liebevoll und freud­voll gestal­ten.

Dieser Artikel ist mein let­zter Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Was haben Bäume mit Geldfasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Baum/Geld/Lösungen/Natur

Spon­tane Antwort: Je tiefer ich mich in die Auseinan­der­set­zung mit dem Geld­fas­ten begab, desto weniger kon­nte ich den Wald vor lauter Bäu­men sehen. Sprich­wörtlich und wirk­lich. Ich gehe tiefer und tiefer in die einzel­nen The­men und der Gesamtüberblick scheint mir an manchen Stellen ver­loren zu gehen. Das The­ma Geld­fas­ten tritt in den Hin­ter­grund. Andere Fra­gen und The­men wie der Coro­n­avirus und die Weltwirtschaft nehmen sich fast unbe­merkt ihren Raum. Dies vielle­icht, weil ein­fach über­all Geld involviert ist. Hinzu kommt, dass durch all die Mass­nah­men rund um Coro­na nun plöt­zlich vieles ganz anders ist, als ich es noch vor ein paar Wochen dachte. Die Angst vor Krankheit und Tod scheint ganz plöt­zlich viel rel­e­van­ter, als der Erhalt unser­er Geld­flüsse und der Wirtschaft. 

Vieles, was ich längst geah­nt hat­te, wird immer mehr durch Selb­st­beobach­tung und Erken­nt­nisse bestätigt. Mein ganz per­sön­lich­es Ver­hält­nis zum Geld, mein Umgang mit Geld bes­timmt fast unmerk­lich mein gesamtes Leben und damit bee­in­flusse ich auch das Leben von anderen. Meine Geldentschei­dun­gen führen an anderen Stellen in der Welt zu ver­schmutzten Flüssen, zu Hunger und Leid.

Und was haben die Bäume damit zu tun?

Ich lese ger­ade das Buch «Die geheime Sprache der Bäume» von Erwin Thoma. Im Jan­u­ar 2020 hat­te ich das Glück, mit ihm ein paar Tage ver­brin­gen und seine Weisheit und sein Engage­ment für unsere Natur und die Bäume erleben zu dür­fen. Über den Nutzen von Bäu­men und den acht­samen Umgang mit ihnen möchte ich hier gar nicht schreiben. Hierzu kann sich jed­er bei Erwin ThomaErnst Zürcher aber auch der mit­tels des Films «Das Geheim­nis der Bäume» von Luc Jacquet und vie­len anderen Quellen sel­ber ein Bild machen.

Für mich ist ein Absatz aus dem Buch von Erwin Thoma beson­ders Augen öff­nend gewe­sen und hat bei mir sehr viel aus­gelöst:

Die Bäume ver­fü­gen über eine natür­liche Intel­li­genz, welche sie in jedem Moment anwen­den, um per­fekt auf die äusseren Bedin­gun­gen zu reagieren. Bei Sturm wer­den mehr starke Zellen und Struk­turen auf der Seite des Baumes erschaf­fen, wo der Druck am grössten ist. Bei Trock­en­heit wird mehr Wass­er gespe­ichert, die Ver­sorgung von nicht leben­snotwendi­gen Teilen des Baumes wird reduziert.

Ein Baum lebt in einem voll­ständi­gen Kreis­lauf – vom Erschaf­fen bis zum Verge­hen. Alles wird genutzt, sog­ar die Asche vom Holz, welche beim Feuern unser­er Öfen entste­ht, kann uns als hochw­er­tiger Dünger dienen.

Diesem Bild hat Erwin Thoma die Tätigkeit eines Sta­tik­ers gegenübergestellt, der ein Haus, eine Brücke oder etwas anderes Lan­glebiges bauen soll. Der Sta­tik­er, die Sta­tik­erin muss schon vorher alles berech­nen, für alle Even­tu­al­itäten Vor­bere­itun­gen tre­f­fen.

Der mögliche Sturm, das Wass­er und alle weit­eren Aussene­in­flüsse müssen berech­net sein.

Schnell wird mir klar, dass wir in vie­len Sit­u­a­tio­nen, in welchen es um unsere Sicher­heit geht, beson­ders im Umgang mit Geld, wie Sta­tik­erin­nen han­deln anstatt uns die intel­li­gen­ten und lern­fähi­gen Bäume als Beispiel zu nehmen.

Was wäre, wenn wir mit unseren Geldentschei­dun­gen ähn­lich sit­u­a­tiv umge­hen wür­den, wie die Bäume mit den Sit­u­a­tio­nen, die von aussen an sie herange­tra­gen wer­den? 

Geld ist ein Gut, welch­es auf­grund der Eigen­schaften wun­der­bar sit­u­a­tiv genutzt wer­den kön­nte. Wie die Säfte des Baumes, sollte es im steti­gen Fluss sein, um genau dort zu den Men­schen zu gelan­gen, wo es ger­ade benötigt wird. 

Mein Verzicht auf Geld ist ein Gewinn für eine andere Per­son an ein­er anderen Stelle. Aber nur, wenn das Geld im Fluss ist. 

Wenn ich weniger für mich aus­gebe, kann jemand anderes den übri­gen Betrag nutzen. Wenn ich weniger arbeite, ist im Unternehmen Geld vorhan­den, um eine weit­ere Per­son einzustellen. Eine Bedin­gung dafür ist, dass das Geld stetig und bedarf­sori­en­tiert fliesst, wie das Wass­er und die Nährstoffe im Baum.

Jet­zt kön­nte natür­lich der Ein­wurf kom­men, dass die Men­schen, die das Geld bekom­men, damit etwas machen, was ich mir nicht wün­sche. Dann würde mein Fas­ten ein­fach nur dazu führen, dass jemand anderes die Bil­lig-Jeans, das Weg­w­erf­pro­dukt kauft oder eine andere Kon­sumentschei­dung trifft, die ich sel­ber nie tre­f­fen würde.

The­o­retisch kann das sein, aber hier ist die Selb­stver­ant­wor­tung gefragt. Wieder gibt es eine Par­al­lele zum Baum: Im Baum gibt es keine zen­trale Schalt­stelle, jede Zelle arbeit­et eigen­ver­ant­wortlich. Der Nutzen des Ganzen, liegt im ure­ige­nen Inter­esse aller Bestandteile des Baumes.

Ich entschei­de, wohin ich das Geld gebe, welch­es ich sel­ber nicht brauche. Ich habe per­sön­lich schon vie­len Men­schen mit ganz kleinen Beträ­gen unter­stützt, welche in ihrem Feld eine grosse Wirkung erzielt haben. Und ich durfte sog­ar grössere Beträge ver­wen­den, um Star­tups für einen guten Zweck zu unter­stützen. Die mod­erne Tech­nik unter­stützt uns hier, das zu fördern, was wir ganz per­sön­lich unter­stützen wollen (KIVAWemakeitGebana: Bauern suchen Kun­den und viele mehr).

Die Ausrede «Ich weiss nicht, wohin mein Geld geht» zählt nicht mehr. Um in meinem ganz eige­nen Feld zu bleiben: Die ver­ant­wor­tungsvollen Banken wie ABSFreie Gemein­schafts­bankGLS oder auch die Glob­al Alliance for Bank­ing on Val­ues und die FEBEA leis­ten hier einen wirkungsvollen Beitrag.

Geld­fas­ten kann aber auch heis­sen, weniger arbeit­en. Stimmt hier das Argu­ment, dass ich fremdbes­timmt bin und damit nicht sel­ber und sit­u­a­tiv über meine Geld­flüsse entschei­den kann? Nein, kein­er zwingt mich bei einem Arbeit­ge­ber zu arbeit­en, der zwar hohe Gehäl­ter bezahlt, aber dies auf Kosten der Umwelt und der Gesund­heit tut. Und auch im Job sel­ber habe ich Spiel­raum. Ich sel­ber arbeite derzeit im Job­shar­ing und hoffe, dass dieses auch anderen zur Inspi­ra­tion dient. Jed­er und jede von uns befind­et sich in ganz unter­schiedlichen Lebens- und Beruf­s­si­t­u­a­tio­nen und wie bei einem Baum sind auch die Aussenbe­din­gun­gen bei uns ganz indi­vidu­ell. Daraus fol­gt, dass es kein Paten­trezept gibt, welch­es bei allen Men­schen anwend­bar wäre. Das heisst aber auch, dass wir die Chance haben, ganz indi­vidu­ell und auf uns per­sön­lich zugeschnit­tene Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. 

Die Bäume lehren uns ein Reagieren auf Aussene­in­flüsse aus der Sit­u­a­tion her­aus und ähn­lich stelle ich mir ein gutes Ver­hält­nis zum Geld und den Ein­nah­men und Aus­gaben vor.

Das Geld ist unser ganz per­sön­lich­es Werkzeug, es den Bäu­men nachzu­machen.

Für das Entste­hen eines manch­mal bis zu 50 Meter hohen Baumes braucht es einen geschützten Platz, Son­nen­licht, Humus, Wass­er und einen nur Mil­lime­ter grossen Samen – mehr nicht.

Der Gedanke als Men­sch von den Bäu­men zu ler­nen, wäre es Wert, weit­er­ver­fol­gt zu wer­den. Doch führt dieser zu weit weg vom Geld­fas­ten, daher lasse ich ihn ziehen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Ich weiss, dass ich nicht weiss…

in Achtsamkeit/Fasten/Geld/Weisheit

… Dieses Zitat find­et sich bei Pla­ton und wird Sokrates zugeschrieben.

Ganz kurz und sub­jek­tiv zusam­menge­fasst geht es für mich in diesem Zitat darum, zu erken­nen, dass vieles von unserem ver­meintlichen Wis­sen Schein­wis­sen ist.

Wir glauben zu wis­sen und doch ken­nen wir häu­fig nur einen Teil der Fak­ten, ein Puz­zlestück, einen Auss­chnitt, her­aus­geris­sen aus dem Gesamtkon­text. Und daraus bildet sich dann unser Schein­wis­sen. Haben wir dieses für uns erkan­nt, ist der erste Schritt getan und wir kön­nen uns bewusst damit beschäfti­gen, dass wir nicht wis­sen. Dieses Beschäfti­gen mit dem Nichtwissen und vor allen Din­gen das Frieden schliessen mit dem Nichtwissen ist es, was uns erlaubt zur Ruhe zu kom­men. Dazu braucht es die Erken­nt­nis, dass Nichtwissen nicht mit Hand­lung­sun­fähigkeit gle­ichzuset­zen ist – im Gegen­teil. Das Nichtwissen befähigt uns aus mein­er Sicht erst dazu, weise zu han­deln. Im Nichtwissen geste­hen wir ein, dass wir die Lösung für ein Prob­lem nicht ken­nen und bauen auf unsere Erfahrun­gen und Fähigkeit­en, um eine neue Lösung zu entwick­eln, weil alle Ver­suche, ein­fach die alten Lösun­gen über das Prob­lem zu stülpen, gescheit­ert sind.

Damit bin ich wieder bei mein­er Haupt­ab­sicht, bei dem Haupt­grund, warum ich faste. Ich faste um meinen kör­per­lichen Funk­tio­nen, meinen Gedanken und Hand­lun­gen einen Neustart zu ermöglichen. Nach dem Fas­ten kann ich Gewohn­heit­en über­prüfen und ändern, die sich vorher unbe­wusst einge­spielt haben.

Eine Woche ist es bere­its her, seit­dem ich das Fas­ten gebrochen habe und wieder Nahrung zu mir nehme. Seit meinem Geburt­stag habe ich keinen Blog­beitrag mehr begonnen und das aus ganz unter­schiedlichen Grün­den. 

Zum einen haben mich ver­ständlich­er Weise die Mass­nah­men des Bun­desrates vom 20. März beru­flich sehr beschäftigt, zum anderen brauchte ich auch meine eigene Zeit, mich dieser neuen Sit­u­a­tion anzunäh­ern, meinen eige­nen Rhyth­mus und meinen eige­nen Platz in dieser Sit­u­a­tion zu find­en. Mein Ziel war und ist es, die guten Impulse des Fas­tens und all mein Ler­nen in dieser Zeit mitzunehmen und anzuwen­den — in dieser Zeit, die ger­ade neu begin­nt, weil die alte so plöt­zlich geen­det hat.

Zum drit­ten wer­den derzeit so viele Worte zur Coro­n­akrise gesagt und geschrieben, so viele Wahrheit­en und Fak­ten ver­bre­it­et, dass ich nicht das Bedürf­nis hat­te, auch noch dazu beizu­tra­gen.


Ich weiss, dass ich nicht weiss…

Ich habe keine Ahnung, ob die getrof­fe­nen Mass­nah­men die richti­gen sind, ob die Zahlen stim­men. Ich kann nicht beurteilen, welche medi­zinis­che Aus­sage zum Krisen­ver­lauf der Wahrheit am näch­sten kommt.

Ich weiss, wie es sich anfühlt, kranke Men­schen zu begleit­en, die mir und meinen Herzen sehr nahe sind. Ich weiss, was es heisst, sich von Men­schen zu ver­ab­schieden, die gefühlt viel zu früh ster­ben. Am let­zten Son­ntag ist jemand aus meinem Umfeld im Alter von 53 Jahren gestor­ben, nicht am Coro­n­avirus und auch nicht völ­lig uner­wartet, aber viel zu früh. Diese Per­son wird eine Lücke hin­ter­lassen. Diese Per­son wird vie­len Men­schen fehlen. 

Ich weiss also, welche Schmerzen für mich mit dem Tod von Men­schen, mit dem Akzep­tieren von Sit­u­a­tio­nen, die ich nicht ändern kann, ver­bun­den sind.

Mein Mit­ge­fühl ist mit all jenen Men­schen, die auf die unter­schiedlich­ste Weise von der Coro­n­akrise durch Krankheit, Tod, Job­ver­lust, Unsicher­heit oder anderen Äng­sten betrof­fen sind. Jed­er und jede von uns wird jet­zt auf ganz unter­schiedliche Weise mit den eige­nen Äng­sten und Sor­gen kon­fron­tiert.

Unbe­wusst ist uns allen bere­its jet­zt klar, ein Zurück zum Nor­malzu­s­tand wird es nicht geben. Denn der Nor­malzu­s­tand, war gar kein­er. 

Es war ein Autopi­lot, der uns erst hier­hin gebracht hat. Immer mehr Kon­sum, immer mehr Stress, mass­los­es Leben und Han­deln hat unseren All­t­ag bes­timmt. Wir nehmen chemisch bear­beit­ete und indus­triell ver­ar­beit­ete Nahrung zu uns, die nicht mehr nährt und erschaf­fen uns damit ein Immun­sys­tem, welch­es uns nicht mehr schützt und sich mit Anfäl­ligkeit­en für Krankheit­en oder auch durch Autoim­munkrankheit­en bemerk­bar macht. Es gibt wahrschein­lich nicht die eine Ursache für die Krise, in der wir vor der Coro­n­akrise bere­its gesteckt haben, es ist ein Cock­tail an Ursachen, welch­er dazu geführt hat.

Wir haben nun als Gesellschaft die grosse Chance, ein neues «Nor­mal» zu definieren, eines welch­es die Würde von Men­sch, Natur und Gesellschaft in den Mit­telpunkt stellt ( siehe meinen let­zten Beitrag «Was hat Würde mit Fas­ten zu tun» ).

Meine kom­menden Beiträge wer­den von diesen Chan­cen han­deln. Und vor allen Din­gen wer­den sie vom Nichtwissen han­deln und davon, dass das Nichtwissen uns zur notwendi­gen Weisheit führen wird, aus dieser Krise zu ler­nen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Was hat Würde mit Fasten zu tun?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Würde – schon wieder so ein altehrwürdi­ges Wort, welch­es es mir ange­tan hat. Würde ist der Wert, der einem Men­schen innewohnt, das Bewusst­sein des eige­nen Wertes (siehe Duden). Die Würde des Men­schen ist in diversen Grundge­set­zen ver­ankert und wie es heisst, unan­tast­bar.

Doch wie gehen wir sel­ber mit unser­er Würde um? Welchen Wert geben wir ihr? Welchen Wert geben wir ihr in Bezug auf Geld.

«Es gibt uns Men­schen eine neue Würde, wenn wir uns in unserem Kon­sum- und Rei­sev­er­hal­ten weit­er­en­twick­eln» schrieb Julia Medug­no am 15. März 2020 in ihrem Blog­beitrag zu dieser Fas­ten­woche, ein Satz der mich inspiri­ert hat, über die Würde und ihre Verbindung zum Fas­ten nachzu­denken.

Es gibt viele Hand­lun­gen, die wir als Men­schen noch immer regelmäs­sig durch­führen, wie das Shop­ping am Sam­stag, die Jagd nach den tech­nis­chen Neuheit­en und das Mit­ge­hen mit jedem Mod­e­trend, die aus mein­er Sicht nicht wirk­lich nährend sind. In Sachen Shop­ping muss ich gar kein Geld fas­ten, denn meine Geld­flüsse gehen nur in diese Rich­tung, wenn ich wirk­lich etwas benötige. Häu­fig denke ich darüber nach, ob ich das Klei­dungstück oder ein neues Smart­phone wirk­lich brauche. Und fast gle­ichzeit­ig denke ich dann auch noch darüber nach, wenn ich etwas erset­ze, was eigentlich noch funk­tions­fähig ist, wem ich das zu erset­zende Stück weit­ergeben kann. Ich habe schon auf Käufe verzichtet, weil mir nie­mand ein­fiel, dem ich das gebrauchte, das alte Stück weit­ergeben kon­nte.

Ein würde­volles Leben hat für mich sehr viel damit zu tun, dass meine Hand­lun­gen von anderen Men­schen und von mir sel­ber als angenehm, acht­sam und weise ange­se­hen wer­den. Dies gilt, weil mir das The­ma Geld so wichtig ist, beson­ders für meine Geldentschei­dun­gen.

Sich sel­ber durch den acht­samen Umgang mit Geld eine neue Würde zu geben ist eine schöne Vorstel­lung, ins­beson­dere, weil ja Würde so viel mit Wert zu tun hat. Ich kön­nte jet­zt damit begin­nen, jede Menge Geld­hand­lun­gen von ver­schieden­sten Unternehmen, Insti­tu­tio­nen oder einzel­nen Men­schen aufzuzählen, welche ich per­sön­lich als so gar nicht würde­voll oder wertvoll beze­ich­nen würde. Dies tue ich jedoch bewusst nicht. Viel schön­er, nähren­der und freud­voller finde ich es Ideen zu entwick­eln, die meinem Han­deln mehr Würde geben. Hier sind mein­er Phan­tasie keine Gren­zen geset­zt. Und ich merke ger­ade: Mein aktuelles Fas­ten muss ich ja auch nach dem Fas­ten­brechen am kom­menden Sam­stag nicht voll­ständig aufgegeben. Ich kann mir weit­er­hin Gutes tun, indem ich massvoll und ver­ant­wor­tungsvoll kon­sum­iere und teile und weit­ergebe, was ich nicht brauche.

Der Bun­desrat hat am Mon­tag 16. März erweit­erte Mass­nah­men für die Eindäm­mung der Coro­n­a­pan­demie beschlossen. Die Schlies­sung von Läden und Gast­stät­ten sowie das Ver­bot von Ver­anstal­tun­gen wird viele Selb­ständi­ge und kleine Unternehmen an den Rand ihrer Exis­tenz brin­gen. Sind wir bere­it, hier zu teilen? Vielle­icht mag es so weit gehen, dass wir, die wir noch regelmäs­sige und gute Gehäl­ter beziehen und Arbeit­ge­ber haben, die kulante Regelun­gen find­en, in den kom­menden Monat­en etwas abgeben müssen und uns in Genügsamkeit und Masshal­ten üben dür­fen, damit alle weit­er­hin gut leben kön­nen. Ich bin gerne bere­it, hier beizu­tra­gen. Für die Men­schen in der Schweiz: Es gibt bere­its eine Onlinep­e­ti­tion, die ihr unter­scheiben kön­nt, wenn ihr wollt. Hier der Link.

Die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen der Coro­n­akrise soll­ten mit dem Ende der vom Bun­desrat erlasse­nen Mass­nah­men nicht ein­fach in Vergessen­heit ger­at­en. Wahrschein­lich wieder­hole ich mich, aber es ist mir ein­fach wichtig. Diese Krise ist für uns alle eine Chance. Dur­chat­men, langsamer wer­den, sich wieder auf das Wesentliche besin­nen, mehr Zeit mit der Fam­i­lie, klares Wass­er in Venedig, Del­phine, die wieder zurück an die Strände kom­men, all dies sind jet­zt schon sicht­bare Wirkun­gen der weltweit­en Mass­nah­men.

Diese soll­ten es uns wert sein, darüber nachzu­denken, ob wir nicht auf Dauer unseren Kon­sum und den Leben­srhyth­mus dem­jeni­gen der Natur anpassen. Wir brauchen viel weniger als wir manch­mal denken, das Fas­ten beweist mir dies immer wieder.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020

Genügsamkeit

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld

Zu Beginn der Fas­ten­zeit ist mir das Wort Genügsamkeit in einem Artikel zum The­ma Geld aufge­fall­en. Das Wort und seine Bedeu­tung begleit­en mich seit­dem. Ich wollte schon länger darüber schreiben. Heute beginne ich damit.

Es ist schon selt­sam, wie sehr sich das The­ma «Geld und Fas­ten», welch­es ich mir für diese Fas­ten­woche aus­ge­sucht habe, in den aktuellen Ereignis­sen rund um den Globus wieder­spiegelt. Ich lese von Ham­sterkäufen, von Län­dern, die ihre Gren­zen schliessen, mit der Begrün­dung, dass Gren­zgänger nicht die Regale der Lebens­mit­telgeschäfte im Nach­bar­land leer kaufen.

Mit Genügsamkeit hat dies nur wenig zu tun. Syn­onyme zu Genügsamkeit sind zum Beispiel: Beschei­den­heit, Dankbarkeit, Ein­fach­heit, Enthalt­samkeit. Genügsam sein bedeutet: Mit wenig zufrieden zu sein, so sagt der Duden. Anson­sten finde ich bei der Suche im Netz nicht son­der­lich viel zur Genügsamkeit. Sie scheint ver­al­tet, nicht attrak­tiv. 

Beschei­den­heit ist nicht gefragt, unsere west­liche Kon­sumge­sellschaft spiegelt es uns wider,. Wir leeren die Regale, damit es uns auch weit­er gut­ge­ht. 

Die Fra­gen: «Was brauchen die anderen?», «Was nehme ich jeman­dem anders weg, wenn ich mehr kaufe, als ich brauche?» scheinen von jenen, die ihre Einkaufwä­gen mehr als voll laden, nicht gestellt zu wer­den.

Mar­tin Booms von der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kul­tur in Bonn fasst es in seinem Artikel «Coro­na und die Werte: Warum es um viel mehr geht als nur um eine gesund­heitliche Krise» aus mein­er Sicht wun­der­bar zusam­men: Es geht um ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis zwis­chen Gemein­wohl und Eigen­in­ter­esse. 

(…) Denn die Coro­na-Epi­demie trifft – ger­ade in den west­lich-lib­eralen Gesellschaften – auf einen moralisch und poli­tisch schw­er vor­erkrank­ten Patien­ten, der bere­its vorher an allen Symp­tomen litt, die die gegen­wär­tige Epi­demie nun expo­nen­tiell her­vortreibt: einem hohen Mass an Ori­en­tierungslosigkeit und Verun­sicherung, gepaart mit Ver­trauensver­lust gegenüber etablierten poli­tis­chen und wirtschaftlichen Struk­turen; einem durch­greifend­en Hang zur Dystopie, dem der Zukun­ft­shor­i­zont in immer düster­eren Far­ben erscheint und der den klas­sis­chen Fortschrittsop­ti­mis­mus des lib­eralen Weltver­ständ­niss­es frei­heits­bedrohlich in sein Gegen­teil verkehrt; ein­er Ero­sion des Konzepts objek­tiv­er Wahrheit, die noch den let­zten fes­ten Boden all­ge­mein anerkan­nter Tat­sachen ins Wanken gebracht hat. (…)

NZZ Online Mar­tin Booms 14.03.2020, 05.30 Uhr (Link)

Wir haben das Ver­trauen in uns, in die Gesellschaft, die Poli­tik, die Wirtschaft, ja so wie es scheint in alles ver­loren. Da ist es dann auch nicht ver­wun­der­lich, dass wir mit Tugen­den wie Genügsamkeit, Beschei­den­heit und Enthalt­samkeit so wenig anfan­gen kön­nen. 

Im Fas­ten erlebe ich immer wieder, wie wenig ich brauche. Und das, was ich nicht brauche, kön­nen ja andere benutzen. Ein Kreis­lauf, der mich mehr nährt, als das Wis­sen darum, dass ich mit meinen geham­sterten Vor­räten ein paar Wochen länger auskomme, als meine Nach­barn. Ich konzen­triere mich wieder auf das Wesentliche und merke, was ich alles nicht brauche. 

Für mich ist Genügsamkeit ein Luxus. Ich geniesse es sehr, wieder zu erken­nen, wie wenig für ein gutes Leben notwendig ist. Und auch zu erken­nen, dass es kein Lei­den, son­dern ein Gewinn ist, sich allem Über­flüs­si­gen ganz bewusst zu entledi­gen und dem Wesentlichen Zeit und Aufmerk­samkeit zu schenken.

Was mich beson­ders nährt in dieser Zeit ohne Nahrung ist, dass ich mir wieder bewusst mache, dass meine Genügsamkeit bei jemand anderem das Gefühl von Fülle aus­lösen kann. Das, was ich nicht nutze oder esse, kann jemand anderes gebrauchen. Wenn wir dies nicht nur in unserem direk­ten Umfeld prak­tizieren, son­dern uns bewusst machen, dass die Wirkung auf der glob­alen Ebene noch viel, viel gröss­er ist, fast unvorstell­bar, was kön­nen wir dann alles gemein­sam bewirken. Eine Welt ohne Hunger ist möglich – und das Umverteilen von Geld und anderen Ressourcen durch die eigene Genügsamkeit, nicht nur in Fas­ten oder Krisen­zeit­en, son­dern auch im ganz alltäglichen Leben, ist die eigentliche Fülle. 

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Was ist mir meine Geldfreiheit und ein gutes Leben wert?

in Alternative/Geld/Lösungen

Mit dieser Frage habe ich am Sam­stag meinen Blo­gein­trag been­det. Und damit mache ich heute weit­er.

Wer mich ken­nt, weiss, dass Geld für mich etwas sehr Schönes ist, aber auch etwas, dass ich, obwohl ich mich täglich damit beschäftige, vielle­icht nie wirk­lich ver­ste­hen werde. 

Für diese Blo­grei­he in der Fas­ten­zeit habe ich einige mein­er alten Büch­er und Aufze­ich­nun­gen wieder her­vorge­holt und darin nach Antworten auf meine Fra­gen gesucht.

Heute Mor­gen ent­deck­te ich in einem Brand Eins Mag­a­zin aus dem Jahr 2018 den Artikel «Drei-Rubel-Rus­s­land» . Darin wird erzählt, welchen unter­schiedlich hohen Wert der gle­iche Rubel in Moskau und in einem Dorf irgend­wo in Rus­s­land hat. Und er erzählt davon, wie wenig es die Dorf­be­wohn­er tang­iert, ob es da draussen in der Welt Wirtschaft­skrisen oder Börsen­crashs gibt. Geld spielt bei Ihnen eine unter­ge­ord­nete Rolle, ihr Leben wird durch andere Dinge bes­timmt. Nach Moskau fahren sie nur gele­gentlich, um für einige Wochen zu arbeit­en, um die Mit­tel zu gener­ieren, die sie brauchen, um bes­timmte Sachen zu kaufen.

An vie­len Stellen im Mag­a­zin wird betont, dass Geld eine Glaubenssache, ein Ver­sprechen ist. Wir müssen daran glauben, dass uns die Beträge, welche unsere Kon­ten ausweisen oder auch das Geld, welch­es sich in unserem Porte­mon­naie befind­et, an ein­er anderen Stelle getauscht wer­den kann. 

Im Edi­to­r­i­al der Aus­gabe ist zu lesen:  «Was gibt es über Geld schon gross zu sagen? Die einen haben zu viel davon, die anderen zu wenig. Es kann Gutes und Schlecht­es bewirken, macht nicht glück­lich und steckt hin­ter den meis­ten Ver­brechen.»

Das stimmt irgend­wie, und doch ist schein­bar ja noch so viel mehr dahin­ter. Viele von uns lassen ihr Leben vom Geld bes­tim­men. «Ich muss Geld ver­di­enen, um gut zu leben», «Ich muss Geld ver­di­enen, um meine Hypothek abzubezahlen», «Ich muss Geld ver­di­enen, um meine Fam­i­lie zu ver­sor­gen», diese Sätze höre ich immer wieder in Gesprächen und in den meis­ten Fällen kommt direkt anschliessend die Aus­sage, dass ihr Job ihnen über­haupt nicht gefällt, dass sie mit ihren Kol­le­gen nicht klar kom­men und gar nicht sel­ten macht jemand die Aus­sage, dass der Job ihn oder sie krank macht.

Irgend­was läuft da falsch, denn viele leben ja gar nicht gut, trotz­dem sie gutes Geld ver­di­enen. Sie ver­di­enen zwar Geld, haben schöne Autos, schöne Häuser und all das, was ihnen son­st noch begehrenswert erscheint, aber sie ver­brin­gen den Grossteil des Tages mit Men­schen, mit denen sie nicht sein wollen und an Orten, die ihnen gar nicht gefall­en. Warum nehmen sich diese Men­schen nicht die Frei­heit, soviel zu arbeit­en, wie sie wollen und dies an einem Ort, der ihnen gut­tut? 

Ein wichtiger Grund ist bes­timmt, die Angst, dass sie ihre Exis­tenz, ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Bil­dung und Gesund­heit nicht abdeck­en kön­nen, falls sie ein anderes Leben starten. Diese Angst mag zum Teil berechtigt sein und hier ist ein ganz klar­er Auf­trag an unsere Poli­tik­er, zeit­gemässe Lösun­gen zu find­en. Die Ein­führung eines bedin­gungslos­es Grun­deinkom­mens kön­nte ein hil­fre­ich­er Schritt sein, um der Geld­frei­heit näher zu kom­men.

Nochmals zur Klarstel­lung: Geld­frei­heit bedeutet für mich nicht, dass ich ohne Geld leben möchte und dass ich das Geld als Tauschmit­tel an sich in Frage stelle. Im Gegen­teil, Geld soll, kann, darf und muss vielle­icht sog­ar ein wichtiger Bestandteil unser­er Wirtschaft sein. Ich möchte ein­fach in Frei­heit entschei­den, was das Geld mit mir macht und was ich mit dem Geld mache.

Warum lassen wir das Geld bes­tim­men, wie unser Leben ver­läuft, indem wir Jobs annehmen, die uns schaden, die schädlich für die Umwelt sind, die schädlich sind für andere Men­schen?

Bei jed­er Per­son, die bish­er zu mir in die Beratung zum The­ma Geld kam, gab es Alter­na­tiv­en zum Sta­tus quo. Ich gebe zu, diese hat­ten in der Regel auch eine Ein­schränkung des Kon­sumver­hal­tens zur Folge, doch im Grunde haben die Verän­derun­gen immer den Weg zu einem lebenswert­eren und ver­ant­wor­tungsvolleren Leben aufgezeigt. 

Grund­vo­raus­set­zung zur Erlan­gung der Geld­frei­heit ist: Wir müssen unsere Bedürfnisse ken­nen­ler­nen.

Fas­ten in jed­er Form ist hil­fre­ich, uns daran zu erin­nern, was wir wirk­lich brauchen. Vielle­icht ist es ein Zufall oder auch nicht? Die Mass­nah­men in Verbindung mit dem Coro­n­avirus fall­en genau in die Fas­ten­zeit. Die Wirkung ist die gle­iche, wir fokussieren uns auf das, was uns wichtig ist. Ich habe von eini­gen Eltern gehört, die nun mit den Kindern den Garten bepflanzen, mit Blu­men und auch mit Gemüse und Erde auf den Balkon tra­gen für die Tomatenpflanzen. Wir wer­den wieder kreativ, wir sor­gen wieder für Nahrung, von der wir wis­sen, woher sie kommt. Damit näh­ern wir uns wieder unseren wirk­lichen Bedürfnis­sen. Im Fas­ten gibt es viel zusät­zliche Zeit für mich, denn ich muss nicht kochen, ich fahre nicht ins Büro. Diese Zeit nutze ich, zum Schreiben, Lesen und um mit Fre­un­den und in der Natur zu sein.

Das ist Frei­heit für mich. Das ist ein gutes Leben für mich. Und dieses ist mir sehr viel wert. Es gibt vieles, worauf ich auch ausser­halb der Fas­ten­zeit verzichte. Ich kon­sum­iere bewusst und wenig, aber dafür hochw­er­tig und gesund. Ich reise nur gele­gentlich, wir musizieren, statt in Konz­erte zu gehen. Aber ist das wirk­lich Verzicht? Für mich nicht, denn ich weiss, dass ich viele Dinge gar nicht brauche, also fehlen sie auch nicht. Und weil ich sie nicht brauche, muss ich auch kein Geld gener­ieren, um sie zu kaufen. Dies bedeutet, dass ich mir aus­suchen kann, wieviel und wo ich arbeit­en möchte. 

Warum tun dies nicht mehr Men­schen? Warum sehen so wenige, wie viel Macht wir dem Geld geben und wie wenig das nötig wäre?

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

Wie gelingt es positive Veränderungen auch langfristig beizubehalten?

in Achtsamkeit/Alternative/Fasten/Geld/Lösungen

Die Coro­n­akrise hat auch uns zu Verän­derun­gen im Ablauf der Fas­ten­woche ver­an­lasst. Wir haben entsch­ieden, uns nicht im öffentlichen Café «Jen­seits im Viadukt» zu tre­f­fen, son­dern nur in der Alt­stadt im Raum an der Trit­tli­gasse 16 Annex und dies an den entsprechen­den Tagen jew­eils um 16 Uhr, das näch­ste Mal also heute um 16 Uhr und dann am Dien­stag, 17. März 2020.

Am Sam­stag zu Fas­ten­be­ginn haben wir vor allen Din­gen über zwei The­men disku­tiert: Wie brin­gen wir die pos­i­tiv­en Entwick­lun­gen, welche die Coro­n­akrise für die Gesellschaft und auch für das Kli­ma bringt, weit­er in die Zukun­ft?  

Im Laufe der Diskus­sion kam dabei die Kirche ins Spiel. Brauchen wir über­haupt noch die Insti­tu­tion Kirche und wenn ja wozu? Da ich für diese Woche in meinen Blog­beiträ­gen aber beim Geld und beim Fas­ten bleiben möchte, fokussiere ich mich auf die erste Frage.

Ab mor­gen, Mon­tag, 16. März 2020 bleiben die Schulen zunächst ein­mal bis 4. April geschlossen. Für einige Schulen ist bere­its klar, dass es bis zum 30. April keinen Unter­richt geben wird. In Restau­rants dür­fen sich zeit­gle­ich nicht mehr als 50 Per­so­n­en in Räu­men aufhal­ten. Ver­anstal­tun­gen mit über 100 Per­so­n­en sind bis Ende April nicht mehr erlaubt.

Das Leben ver­langsamt sich – unge­plant, von aussen bes­timmt. Gle­ichzeit­ig ist dies ja auch genau das, was ich für mich mit der Fas­ten­woche bezwecke. Auch im Café Jen­seits, in welchem wir uns am Sam­stag für den Start getrof­fen hat­ten, blieben alle Plätze um uns herum leer. 

Gibt es dem Ver­häng­nis über­haupt etwas Pos­i­tives abzugewin­nen? Viele Hote­liers, Restau­rantbe­sitzer und ‑pächter, Eventver­anstal­ter und unzäh­lige andere Selb­ständi­ge wer­den diese Zeit noch lange in Erin­nerung behal­ten, und dies bes­timmt nicht pos­i­tiv. Ihre Exis­ten­zen hän­gen davon ab, dass jemand vor­beikommt und kon­sum­iert, Geld in den Fluss bringt.


Doch brauchen wir wirk­lich all diese Ver­anstal­tun­gen? Braucht es jede Woche Orte, an welchen sich über 1000 Men­schen zusam­men­find­en, um sich in eine andere Welt zu bea­men? Brauchen wir den alltäglichen, den son­ntäglichen Gang ins Restau­rant?

Genau das, was ich mir vom Fas­ten wün­sche, passiert ger­ade auf der Ebene des täglichen Lebens – viele Dinge, die uns lieb gewor­den sind, fall­en ganz plöt­zlich weg. Zugegeben, mein Fas­ten ist frei­willig und die Mass­nah­men zur Eindäm­mung der Coro­n­akrise wer­den uns vom Staat vorgeschrieben. Trotz­dem ist die Wirkung ähn­lich. Wir erken­nen, was uns wirk­lich wichtig ist. Fre­unde begin­nen acht­sam bei Tre­f­fen einan­der zu fra­gen, welche Form der Begrüs­sung sie sich wün­schen. Verabre­dun­gen wer­den so getrof­fen, dass die Sicher­heits­bedürfnisse der einzel­nen aber auch das Risiko der möglichen Gefährdung von anderen berück­sichtigt wer­den. Wir fra­gen einan­der wieder, was wir brauchen. Wir nehmen Rück­sicht auf die Bedürfnisse der anderen. Endlich wieder! 

Die Frage, die nun drin­gend wird, lautet: Wie kön­nen wir diese Acht­samkeit auch bewahren, wenn die Krankheitswelle wieder vor­bei ist? 

Das Bewahren gilt natür­lich auch für all die Entwick­lun­gen, die sich pos­i­tiv auf die Natur und unseren All­t­ag auswirken. Die reduziert arbei­t­en­den Fab­riken führen zu besser­er Luft, Flugzeuge bleiben am Boden und reduzieren damit den CO2-Ausstoss. Auch nicht zu unter­schätzen ist, dass sich die Pendler auf unter­schiedliche Züge verteilen und es somit wieder möglich ist, auch in Stosszeit­en einen Sitz­platz zu bekom­men. Wir fra­gen uns bewusst «Wie und wann wollen wir reisen?» und dies für den Beruf­sall­t­ag genau­so wie für den Ferien­aufen­thalt. Im Super­markt wer­den die Gren­zen des Kon­sums sicht­bar, denn es ist nicht mehr alles in den Regalen zu find­en und wir merken, dass wir auch gar nicht all das brauchen, was wir son­st in unsere Einkaufwa­gen pack­en.

Wir haben den Autopi­loten ver­lassen und tre­f­fen für einen Moment bewusste Entschei­dun­gen, und auf vie­len Ebe­nen schadet es uns nicht, im Gegen­teil.

Wie wird es gelin­gen, diese pos­i­tiv­en Aspek­te in nach­haltige Ver­hal­tensweisen umzuwan­deln und nicht wieder bei der ersten Gele­gen­heit zu begin­nen, mass­los und acht­los zu kon­sum­ieren und zu reisen?

Meine ehrliche Antwort: Ich weiss nicht, wie die Welt sich nach der Coro­n­akrise entwick­eln wird. Ich spreche ger­ade mit so vie­len Men­schen, die sich die gle­ichen Fra­gen wie ich stellen und sich auch wün­schen, dass wir uns ver­ant­wor­tungsvoll in dieser Welt bewe­gen. 

Das stimmt mich zuver­sichtlich. Und als einen ersten Schritt werde ich sel­ber für mich ganz per­sön­lich all die pos­i­tiv­en Aspek­te doku­men­tieren, damit ich mich auch, wenn wir längst wieder zur Nor­mal­ität überge­gan­gen sind, erin­nere, was mir wirk­lich gut­tut.

Dieser Artikel ist ein Beitrag im Kon­text unser­er Fas­ten­woche 2020 

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