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Oktober 2020

Erntezeit

in Achtsamkeit/Alternative/Geld/Lösungen/Suffizienz

Der Herb­st ist dieses Jahr für mich recht plöt­zlich gekom­men, nicht vom Datum im Kalen­der her, son­dern eher mit Blick auf die Natur. 

Ger­ade noch waren die Wein­trauben an den Reben und nun ist alles bere­its gele­sen. Die Blät­ter der Bäume sind bunt und zum Teil bere­its abge­fall­en und auf meinem regelmäs­si­gen Spazier­gang durch den Wald laufe ich über Wege, die mit Eicheln bedeckt sind. Diese Woche habe ich in Davos auf 2.000 Metern bere­its meine erste Wan­derung im Schnee gemacht.

Eine reiche Ernte scheint uns die Natur hier rund um mein Zuhause zu schenken. Die Apfel­bäume sind voller Früchte und auch son­st scheint es ein nähren­des Jahr voller Fülle zu sein. Zumin­d­est hier in meinem Umfeld ist das so.

Natür­lich ist es bei aller Schön­heit im Augen­blick für mich nicht möglich, diese Fülle ohne ein paar nach­den­kliche Worte zu geniessen. Wir haben Mitte Okto­ber und unser Bun­desrat hat über erneute Mass­nah­men berat­en und Men­sch und Wirtschaft wer­den sich darauf ein­stellen müssen, dass dieser Win­ter so ganz anders sein wird, als wie wir ihn ken­nen.

Unsere Bewe­gungs­frei­heit und damit die Möglichkeit einan­der zu begeg­nen ist eingeschränkt. Vie­len Unternehmen ste­ht eine Zeit bevor, in welchen sie noch nicht so genau wis­sen, ob sie genü­gend Ein­nah­men gener­ieren wer­den, um ihr Geschäft weit­er am Leben hal­ten zu kön­nen.

Mir scheint wir ern­ten auch hier ger­ade etwas, was wir über lange Zeit, bes­timmt über einige Jahre, vielle­icht aber auch über mehrere Jahrzehnte oder sog­ar Jahrhun­derte gesät haben. Der Lebensstil, den wir auf Kosten ander­er Men­schen und der Natur gelebt haben, kommt an seine Gren­zen. 

Was genau die Ursache dieses Virus ist und was die beste Behand­lungs­form ist, ich weiss es nicht. Aber eines habe ich als Schü­lerin der Naturheilkunde gel­ernt: Ein gesun­des Immun­sys­tem ist nicht in gle­ich­er Form anfäl­lig für Krankheit­en, wie ein angeschla­genes. Ein gesun­des Immun­sys­tem ist in der Lage mit den unter­schiedlichen Impulsen von aussen umzuge­hen und wieder ein gesun­des Gle­ichgewicht herzustellen. Dies gilt aus mein­er Sicht auch für das Immun­sys­tem der Wirtschaft.

Erst wenn das Immun­sys­tem soweit angeschla­gen ist, dass es die Selb­s­theilungskräfte nicht mehr alleine aktivieren kann, dann braucht es Hil­fe von aussen. Ohne diese Hil­fe von aussen würde das Sys­tem irgend­wann zusam­men­brechen. Aber irgend­wann bricht jedes Sys­tem. So wie im Herb­st die Blät­ter von den Bäu­men fall­en, hat auch alles andere seine eigene Zeit, seinen eige­nen Leben­szyk­lus. 

Wir ver­suchen ja auch nicht, die abge­fal­l­enen Blät­ter wieder an den Baum zu kleben, in der Hoff­nung, dass sie wieder grün wer­den. Wir wis­sen, dass der Baum diese Phase des Ster­bens und des Loslassens braucht.

Auch wenn diese Sätze Vergänglichkeit und Zusam­men­bruch in den Vorder­grund stellen, so ist dieses Sich-Zurückbesin­nen auf das Wesentliche, das Herun­ter­fahren unser­er kon­sumges­teuerten Wirtschaft auch eine Chance. Wir haben die Chance uns zu fra­gen, was wirk­lich wichtig ist. Genau jet­zt bietet sich uns die Chance eine neue Form der Wirtschaft zu gestal­ten.

Diskus­sio­nen über einen Lebensstil, der die eigene Gesund­heit fördert und gle­ichzeit­ig wed­er der Umwelt noch anderen Men­schen schadet, wer­den in meinem Umfeld immer häu­figer und auch konkreter.

Jedes einzelne men­schliche Schick­sal ist bedeu­tend. Manchen Men­schen geht es ger­ade gar nicht gut und es ist wichtig, dass wir alle acht­sam mit diesen Men­schen und respek­tvoll mit ihren Schick­salen umge­hen. 

Die kom­menden Wochen wer­den uns her­aus­fordern neu zu denken. Sie wer­den uns her­aus­fordern, neben unser­er eige­nen Gesund­heit auch das Wohl ander­er mit im Blick zu haben. Wirtschaft und Gesellschaft funk­tion­ieren nur, wenn wir alle gemein­sam als Sol­i­darge­mein­schaft dazu beitra­gen. Jede und jed­er in der Form wie er und sie kann.

Wir ken­nen die Zukun­ft nicht und wir haben auch nur wenig Kon­trolle darüber, welche Entschei­dun­gen im Aussen getrof­fen wer­den. Wir haben jedoch volle Kon­trolle darüber, was diese Entschei­dun­gen mit uns machen. Wir kön­nen uns als Opfer sehen. Das ist eine Möglichkeit. Wir kön­nen jedoch auch anders reagieren und uns bewusst wer­den, dass wir Teil der Lösung sind. 

Egal was ich ganz per­sön­lich von den Mass­nah­men halte, welche Poli­tik­er tre­f­fen. Deren Auswirkun­gen wer­den mich per­sön­lich und andere um mich herum in unserem Leben bee­in­flussen, ob wir es wollen oder nicht. 

Vielle­icht wer­den mich manche für eine Ide­al­istin oder vielle­icht sog­ar für eine Träumerin hal­ten, wenn ich in dieser Sit­u­a­tion auch das Pos­i­tive sehe und vor allen Din­gen auf die Chan­cen fokussiere. Wobei, wer mich ken­nt weiss, für wie wichtig ich Träume halte. Sie enthal­ten das Poten­tial, mit dem wir unsere Zukun­ft gestal­ten kön­nen.

Ger­ade in diesem Jahr ist die Ernte in der Natur hier um mich herum sehr reich­haltig. Ein Zeichen dafür, dass es in diesem Win­ter nicht an gesun­den Lebens­mit­teln man­geln wird und auch noch genug da sein wird für jene, die eine weniger gute Ernte hat­ten. Übri­gens, die UN hat vor eini­gen Jahren in ein­er Studie bewiesen: Es ist genug Nahrung für die gesamte Welt vorhan­den, wenn wir sie richtig verteilen.

Ich füge noch eine weit­ere, häu­fig zitierte Aus­sage hinzu. Diese lautet: „Es ist genug zu Essen für alle da, jedoch nicht genug für all unsere Gier.“ Dies ist etwas, worüber wir regelmäs­sig nach­denken soll­ten: Wann haben wir genug und wann ist es an der Zeit, dass, was wir mehr als genug haben weit­erzugeben oder zumin­d­est zu teilen?

Die kom­menden Monate sind eine grosse Chance Neues zu gestal­ten. Nicht nur die gesun­den Lebens­mit­tel sind jet­zt ger­ade reich­lich vorhan­den. Um mich herum spriessen auch die kreativ­en und guten Ideen rund um einen ver­ant­wor­tungsvollen Lebensstil. Vie­len lokal und region­al ori­en­tierten Unternehmen und Bauern geht es in diesem Jahr bess­er als in anderen Jahren. Immer mehr Men­schen ver­net­zen sich und begin­nen gemein­sam die Welt zu gestal­ten und zu for­men, in der wir leben wollen und welche auch für die kom­menden Gen­er­a­tio­nen lebenswert ist.

Nach dem Herb­st gehen wir mit Samhain (1. Novem­ber, Aller­heili­gen, Hal­loween) in die Zeit des Rück­zugs und der Besin­nung. In diesem Jahr wird dies für mich eine ganz beson­dere Zeit sein. 

Ich werde Rückschau hal­ten auf das, was ich in den fast 50 Jahren meines Lebens geern­tet habe und ich werde mir anschauen, mit welchen Vor­räten ich in die Zukun­ft gehen möchte. 

Mein Leben und Wirken wird weit­er­hin die ver­ant­wor­tungsvollen Geld­flüsse und den respek­tvollen Umgang mit Men­sch und Natur in den Mit­telpunkt stellen. Doch wegen all dem, was ger­ade um mich herum passiert, werde ich noch kon­se­quenter und fokussiert­er an dem arbeit­en, was mir wichtig ist. 

Es ist eine Zeit der Verän­derung und jede Verän­derung ist gle­ichzeit­ig ein Loslassen und eine Chance. In mein­er Leben­szeit war die Chance noch nie gröss­er, die Vor­raus­set­zun­gen noch nie bess­er, um dazu beizu­tra­gen, diesen an Kon­sum und Wach­s­tum ori­en­tierte Gesellschaft in eine ver­ant­wor­tungsvollere Rich­tung zu entwick­eln.

Ich habe grossen Respekt vor dem, was kommt und gle­ichzeit­ig freue mich mich darauf, an dieser Verän­derung mitwirken zu dür­fen.

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